Im August 2021 erschien in der Mitgliederzeitschrift der Australischen Psychologischen Gesellschaft (APS) eine Sonderausgabe mit Fokus zum Thema Kindesmissbrauch. Die APS ist die größte Berufsvereinigung von Psychologen in Australien und hat 27.000 Mitglieder. 60 Prozent aller in Australien registrierten Psychologen sind Mitglieder der APS.
Als erster „Highlight“-Artikel ist ein Beitrag von Prof. Dr. Klaus M. Beier vom Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité in Berlin aufgeführt. Als Mitautoren werden Maximilian von Heyden und Isabel Schilg genannt. Prof. Dr. Klaus M. Beier ist der Direktor des Instituts. Er ist ein Mitbegründer des Präventionsprojekts Dunkelfeld, das auch als „Kein Täter werden“ bekannt ist und dessen Netzwerksprecher. Er wurde für sein sein Engagement in der „verursacherbezogenen Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs“ mit dem Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
Der Beitrag von Prof. Dr. Beier lautet „Child sexual abuse as a global challenge“ (Kindesmissbrauch als globale Herausforderung). Im Artikel beleuchtet er das Phänomen Kindesmissbrauch unter dem Narrativ einer Pandemie und stellt als Fallstudie den Deutschen Präventionsansatz „Kein Täter werden“ und das Projekt „Du träumst von ihnen“ für Kinder und Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren vor.
Der Inhalt des Artikels war für mich ziemlich schockierend.
Ich habe deshalb ein Mail an die im Artikel für den Autor angegebene Kontaktadresse (klaus.beier@charite.de) gesendet und um Stellungnahme zu den Punkten meiner Mail gebeten. Das war am 09. September. Da ich noch keine Reaktion erhalten habe und auch nicht mehr davon ausgehe, eine zu erhalten, veröffentliche ich hier nun die Mail an Herrn Prof. Dr. Baier mit meinen Kritikpunkten als offenen Brief.
Aus meiner Sicht sind dort Punkte enthalten, die so schwerwiegend sind, dass sie geeignet sind, die Glaubwürdigkeit von Prof. Dr. Beier als Ansprechpartner pädophiler Personen und als wichtige handelnde, in relevante Entscheidungsprozesse eingebundene Person im Zusammenhang mit dem Thema Pädophilie nachhaltig zu erschüttern.
Ich habe die in der Originalmail zitierten Passagen des englischen Originaltexts für diesen Blogeintrag ins Deutsche übersetzt. Für im Text erwähnte Studien habe ich teils noch Links auf die jeweilige Studie gesetzt, um meinen Lesern den Zugang zu erleichtern.
Bei den im Mail (und im Beier-Artikel) verwendeten Begriffen CSA und CSAM handelt es sich um in der wissenschaftlichen Literatur gebräuchliche Abkürzungen für Kindesmissbrauch (CSA = child sexual abuse) und Kindesmissbrauchsmaterial bzw. Kinderpornographie (CSAM = child sexual abuse material).
Hier nun die Mail.
Ich glaube das es wichtig wäre, wenn sich die Verantwortlichen und andere Menschen, die sich mit den Themenfeldern Pädophilie, Missbrauch, Prävention und/oder Menschenrechte befassen, mit der darin geäußerten Sachkritik inhaltlich auseinandersetzen. Nur weil Herr Prof. Dr. Baier die sachliche Auseinandersetzung zur Zeit scheut, muss es nicht dabei bleiben und es gibt selbstverständlich auch andere Personen, die die Diskussion voranbringen können.
Sehr geehrter Hr. Prof. Dr. Beier,
ich habe gerade Ihren Artikel „Child sexual abuse as a global challenge“ gelesen. Er enthält einiges, was ich hochproblematisch finde. Da ist zunächst der Aufhänger, COV19 als Pandemie.
Sie begründen Ihren Vergleich in der Einleitung wie folgt:
Der Begriff „Pandemie“ (vom altgriechischen „pan“ für total, umfassend, alles und „demos“ für Menschen) ist einer, mit dem wir alle im vergangenen Jahr aufgrund der Verbreitung von COVID-19 vertraut geworden sind. Der Begriff bezeichnet eine weltweit verbreitete Krankheit und wird allgemein als Infektionskrankheit verstanden. Die Vertrautheit der Öffentlichkeit mit dem Begriff im Zuge der COVID-19-Pandemie bietet die Möglichkeit, den sexuellen Missbrauch von Kindern (CSA) und die Verwendung von Material zum sexuellen Missbrauch von Kindern (CSAM) in ähnlicher Weise neu zu konzipieren. Auch hier handelt es sich um ein weltweit so verbreitetes Gesundheitsproblem, dass es wohl das Niveau einer Pandemie erreicht hat.
Schaut man in die Wikipedia-Definition zu Pandemie, dann steht dort:
Pandemie (von altgriechisch πανpan ‚gesamt, umfassend, alles’ und δῆμοςdēmos ‚Volk‘) bezeichnet eine „neu, aber zeitlich begrenzt in Erscheinung tretende, weltweite starke Ausbreitung einer Infektionskrankheit mit hohen Erkrankungszahlen und i. d. R. auch mit schweren Krankheitsverläufen.“
Ich denke man kann Kindesmissbrauch kaum als neues Phänomen bezeichnen. Es gab ihn vor 5 Jahren, vor 10 Jahren, vor 50, 100, 500, 1.000, vor 2.000 Jahren und vermutlich so lange es Menschen gibt.
Kindesmissbrauch ist auch keine Infektionskrankheit. Eine entscheidende Ähnlichkeit, die fehlt ist, dass Kindesmissbrauch nicht ansteckend ist. Wäre dies der Fall, so müsste es ein Analogum zum „R-Wert“ geben. Dann könnte man versuchen den R-Wert unter 1 zu drücken und dadurch die Ansteckungskrankheit Kindesmissbrauch auszurotten.
So etwas gibt es aber nicht. Der persönliche Kontakt mit einem Missbrauchstäter macht einen Menschen nicht zum Täter. Auch das Opfer eines Missbrauchs wird durch den Missbrauch nicht selbst zum Missbrauchstäter. Das Risiko eines Missbrauchsopfers selbst Missbrauchstäter zu werden, ist gegenüber der Normalbevölkerung geringfügig höher. Ein signifikanter kausaler Zusammenhang existiert nicht. Es kann auch nicht sinnvoll sein, dass im Kern irreführende und stigmatisierende Narrativ, dass Missbrauchsopfers selbst Missbrauchstäter werden, noch zu befeuern.
Wenn von Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung bei COV19 die Rede ist, ist in einer seriösen Darstellung in der einen oder anderen Weise immer auch das Thema Grundrechte präsent. Man kann, was die Angemessenheit oder Unangemessenheit angeht, zu unterschiedlichen Bewertungen kommen, aber die Einschränkung von Grundrechten komplett unter den Teppich zu kehren und mögliche Folgen mit keinem Wort zu erwähnen ist nicht legitim. Vorliegend betrifft dies vor allem Fragen des Datenschutzes. Gerade in einer zunehmend moralisch aufgeladenen Zeit (Cancel Culture, Wokeness) kann es hochproblematisch werden, wenn Datenschutz ausgehebelt wird. Die Vorstellung, dass ja nur die „Guten“ an die Daten kommen, ist naiv und wird von der Realität regelmäßig widerlegt. Geheimdienste und Hacker sind auf nichts so scharf wie auf Daten. Diese Grundrechte-Thematik fehlt in ihrer Darstellung völlig.
Ebenso fehlt jede Betrachtung der Kosten der Pandemie-Bekämpfung. Präventionsmaßnahmen in den Schulen haben dazu geführt, dass im April 2020 weltweit geschätzt 1,3 Milliarden Kinder nicht zur Schule gegangen sind. In Deutschland hat sich die Zahl der Schulabbrecher verdoppelt. Betroffen sind zwei Jahrgänge. Das sind 210.000 zusätzliche Menschen, deren Bildungsweg unterbrochen ist und die lebenslang Konsequenzen daraus haben werden. Da es eine extrem geringe Hospitalisierungsrate unter Kindern gibt, wurden Lasten der Pandemie-Bekämpfung auf Kinder abgewälzt. Ob das die richtige Entscheidung war, darf legitim in Frage gestellt werden, zumal die Grenzen der Belastbarkeit des Gesundheitssystems in Deutschland nie erreicht wurden. Wirklich wissen kann man es nicht.
Je nachdem welche Maßnahmen man im Namen des absoluten Ziels der „Pandemie“-Bekämpfung von CSA durchdrückt, können auch hier ganz erhebliche Kosten anfallen, die den Nutzen durchaus auch übersteigen könnten.
Aus meiner Sicht besonders problematisch an ihrem Bild der Pandemiebekämpfung ist ihre Gleichsetzung von Pädophilen mit Krankheitserregern.
Es ist seit langem anerkannt, dass wir lernen müssen, „mit dem Virus zu leben“. Dies gilt auch für die Pädophilie als sexuelle Ansprechbarkeit auf das kindliche Körperschema, die im Diagnosehandbuch der Weltgesundheitsorganisation als Störung eingestuft wird (ICD-11: „pädophile Störung“) und auf die nicht nur ein erheblicher Teil der sexuellen Missbrauchshandlungen, sondern auch ein erheblicher Teil der Nutzung von Missbrauchsbildern im Internet zurückzuführen ist.
Sie werden wissen, dass eine pädophile Neigung keine pädophile Störung ist, da eine pädophile Störung ein Leiden unter der Neigung oder eine Fremdgefährdung voraussetzt. Pädophilie, die sexuelle Anziehung zu einem kindlichen Körperschema, ist im Gegensatz zur pädophilen Störung nach ICD-11 keine Krankheit. Pädophilie unter Fehlauslegung der ICD-11 pauschal als Krankheit darzustellen, ist irreführend und stigmatisierend.
Wirklich schlimm wird es aber durch den Vergleich „mit dem Virus leben“ und Pädophilie, denn damit wird Pädophilie und der individuelle Pädophile mit einem Krankheitserreger gleichgesetzt. Eine deutsche historische Persönlichkeit meinte mal:
[Der Jude] ist und bleibt der ewige Parasit, ein Schmarotzer, der wie ein schädlicher Bazillus sich immer mehr ausbreitet, sowie nur ein günstiger Nährboden dazu einlädt. Die Wirkung seines Daseins aber gleicht ebenfalls der von Schmarotzern: wo er auftritt, stirbt das Wirtsvolk nach kürzerer oder längerer Zeit ab.
Es ist mir wirklich unverständlich, wie man als gebildeter Deutscher, der die deutsche Geschichte kennt, irgend einen Menschen oder eine Menschengruppe mit einem Virus vergleichen kann. Ich halte es für möglich, dass diese Äußerung den Tatbestand der Volksverhetzung überschreitet.
Damit eine Äußerung nach §130 strafbar ist, muss sie die Menschenwürde anderer angreifen. Ein solcher Angriff ist nach ständiger Rechtsprechung stets gegeben, wenn der Täter sich mit der NS-Rassenideologie identifiziert oder wenn die Äußerung damit im affirmativen Zusammenhang steht. Das ist unzweifelhaft gegeben, wenn Angehörige bestimmter Bevölkerungsgruppen mit Tieren gleichgesetzt werden oder als Dreck, Unrat, Ungeziefer usw. geschmäht werden. Auch die Forderung, Mitglieder einer Gruppe der Bevölkerung wegen ihres So-Seins zu entfernen („Ausländer raus!“), kann die Menschenwürde verletzen. .
Fischer, Kommentar zum Strafgesetzbuch, S. 1010, Randnummer 12/12a
Pädophilie erscheint in Ihrem Artikel als das Virus, dass CSA auslöst. Pädophile werden damit im Sinne einer notwendigen Pandemie-Bekämpfung, die alles rechtfertigt (Grundrechte werden ja nicht weiter erwähnt und scheinen keine Rolle zu spielen) zum bloßen Objekt von Verbrechens-Prävention degradiert. Dem sozialen Wert- und Achtungsanspruch, der untrennbar mit dem Bekenntnis „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ verbunden ist, wird diese Sichtweise nicht gerecht.
In Ihrem Artikel gehen Sie auch von falschen Voraussetzungen aus. Sie schreiben:
Der Gebrauch von CSAM ist vor allem deshalb problematisch, weil er eine Nachfrage nach „Kontakt-CSA“ schafft und aufrechterhält. Dies hat zur Folge, dass Kinder wiederholt sexuell missbraucht werden, um kontinuierlich Inhalte zu produzieren. Ausgehend von einer enormen Dunkelziffer stellen diese Statistiken nur die Spitze des Eisbergs dar, was bedeutet, dass die Zahl der Opfer sexueller Traumata leicht in die Hunderte von Millionen geht – um ein Vielfaches höher als die Zahl der Menschen, bei denen COVID-19 diagnostiziert wurde
und
Inzwischen nimmt die Nutzung von CSAM weltweit zu. Im Jahr 2010 identifizierte die Internet Watch Foundation 1.351 Websites, die das enthalten, was manchmal als „Kinderpornografie“ bezeichnet wird. Die Zahl dieser identifizierten Websites stieg auf 13.182 im Jahr 2013 und auf 132.730 im Jahr 2019 (Internet Watch Foundation, 2020), ein schockierender Anstieg um fast das Zehnfache in nur neun Jahren.
Gäbe es wie von Ihnen nahegelegt einen signifikanten kausalen Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit von CSAM und Kindesmissbrauch, dann müssten sich die Zahlen von Kindesmissbrauch von 2010 bis 2019 verzehnfacht haben. Dies ist mitnichten der Fall. Es ist eher ein gegenläufiges Phänomen zu beobachten.
Ich habe ihnen als Anhang Übersichten zur Kriminalitätsentwicklung auf Basis der Polizeilichen Kriminalstatistik für die Jahre 2000 bis 2019 beigefügt. Die Originaldaten können Sie auf der Seite des BKA einsehen.
Textlich lassen sich nur weniger Datenpunkte prägnant darstellen.
Die Fallzahlen des Hellfeldes für den sexuellen Missbrauch von Kindern:
- 1995: 16.013
- 2000: 15.581
- 2005: 13.962
- 2010: 11.867
- 2015: 11.808
- 2019: 13.670
Die Fallzahlen des Hellfeldes für Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung von Kinderpornographie:
- 1995: 414
- 2000: 1.596
- 2005: 4.403
- 2010: 3.160
- 2015: 3.753
- 2019: 12.262
Die Statistik zu den Fallzahlen der PKS für den Zeitraum 1995 bis 2019 zeigt, dass es tatsächlich einen erheblichen Anstieg bei Verbreitung und Besitz von Kinderpornographie gibt. Für den sexuellen Missbrauch von Kindern gilt dies dagegen nicht. Wenn Kinderpornographie zu Kindesmissbrauch führen würde, müssten sich die Fallzahlen bei Kindesmissbrauch in den letzten 25 Jahren verdreißigfacht haben. Sie müssten dann über 470.000 liegen. Das tut sie aber nicht. Langfristig gesehen ist sie sogar um 15 Prozent zurückgegangen.
Die Fallzahlen entsprechen aber nicht den Taten. Gerade in Hinblick auf Kindesmissbrauch gibt es gute Gründe anzunehmen, dass die „Dunkelziffer“ aufgrund einer viel höheren Anzeigebereitschaft und gesteigerter gesellschaftlicher Sensibilität in den letzten drei Jahrzehnten deutlich abgenommen hat. Der Rückgang der Taten ist also mutmaßlich noch deutlich größer als der Rückgang der Fallzahlen im Hellfeld suggeriert.
Es ist durchaus denkbar und scheint nicht unwahrscheinlich, dass es einen Zusammenhang zwischen der höheren Prävalenz von CSAM und dem Rückgang (!) von CSA gibt. Ich verweise hierzu auf die Beobachtung, dass es in der Tschechischen Republik während einer Zeit, in der der Besitz von Kinderpornografie nicht verboten war, zu einem signifikanten Rückgang der sexuellen Kindesmissbrauchsdelikte kam (siehe Diamond M (2009) Pornography, public acceptance and sex related crime: a review. Int J Law Psychiatry 32(5):304–314; Diamond M, Jozifkova E, Weiss P (2011) Pornography and sex crimes in the Czech Republic. Arch Sex Behav 40(5):1037–1043).
Deshalb ist CSAM keineswegs unproblematisch. Es handelt sich um eine schwere Verletzung des Persönlichkeitsrechts. Eine Kausalität im Sinn von mehr CSAM = mehr CSA zu behaupten ist von der Datenlage aber nicht gedeckt. Sie spricht sogar ziemlich deutlich dagegen. Ähnliches wurde auch bei normsexueller Pornographie beobachtet. Während zwischen 1964 und 1984 in Dänemark, Schweden und Deutschland die nichtsexuellen Gewaltverbrechen um rund 300% zunahmen, ging trotz der leichteren Verfügbarkeit sexueller Materialien die Zahl der Sexualverbrechen eindeutig zurück.
Während an einem Verbot von CSAM, das reale Kinder zeigt, aufgrund der inhärenten Verletzung von Persönlichkeitsrechten kein Weg vorbei führt, gibt es ethisch unbedenkliche Alternativen, die vielversprechend scheinen, um Kindesmissbrauch durch Präferenztäter deutlich zu senken: Sexpuppen mit kindlichem Erscheinungsbild. Diese können – anders als Missbrauchsabbildungen – auch das Affiliationsbedürfnis befriedigen und so etwas wie das Gefühl von Körperkontakt und Intimität vermitteln. Es gibt also gute Gründe anzunehmen, dass Sie für Verwender als Ersatzmittel CSAM gegenüber überlegen sind. Sie hätten also das Potential nicht nur zu einer Reduktion von CSA beizutragen, sondern auch die Nutzung von CSAM deutlich zurückzudrängen.
Eine Sexpuppe kostet 2.000 bis 3.000 Euro. Die Behandlung eines CSA-Falls liegt lt. Ihrem Artikel bei 400,000 bis 1.2 Millionen Euro. Da scheint es ein „No-Brainer“ zu sein, dass man jedem Pädophilen, der das will, auf Kosten des Gesundheitssystems eine Sexpuppe mit kindlichem Erscheinungsbild finanzieren sollte.
Dies wird mit einem Budget von 5 Millionen Euro pro Jahr erreicht, und das Programm wird derzeit extern evaluiert. Seit Beginn des Projekts bis Ende 2019 wurden mehr als 11.374 Kontakte registriert, von denen 3.613 vollständig diagnostiziert wurden und insgesamt 2.007 Personen ein Therapieangebot gemacht wurde.
Wenn man von 250.000 Pädophilen nur 11.374 erreicht, es nur bei 3.613 zu einer Diagnose kommt und (Stand 31.03.2018, Quelle Wikipedia) nur 925 Personen das Behandlungsangebot angenommen und 360 Personen das Programm beendet haben, ist das nicht wirklich viel. Mit dem gleichen Budget (5 Mio EUR) könnte man pro Jahr 2.000 Pädophile mit Sexpuppen mit kindlichem Erscheinungsbild versorgen.
Damit will ich nicht zum Ausdruck bringen, dass man das eine aufgeben soll, um das andere zu finanzieren. Es wäre kein Problem beides zu finanzieren. Es scheitert nicht am Geld, sondern am Willen. Statt in Prävention wird das Geld lieber in die Verwahrung von Strafgefangenen investiert. (Nettokosten je Hafttag ca. 130 EUR, also 47.450 EUR pro Jahr = ca. 190 Sexpuppen).
Durch Akzeptanz und legale Alternativen könnte man auch die Krankheitsfolgen bei Pädophiler deutlich senken.
Chronische Suizidgedanken sind typischerweise ein Marker für intensive psychologische Not. Der Anteil Pädophiler, die über ernsthafte oder chronische Selbstmordgedanken berichten liegt bei 30 bis 45 Prozent. Quellen dazu:
- 30% Prävalenz bei Levenson, J. S., & Grady, M. D. (2018). Preventing sexual abuse: Perspectives of minor-attracted persons about seeking help. Sexual Abuse. Advance online publication. doi:10.1177/1079063218797713
- 38,1% Prävalenz bei Correlates of Chronic Suicidal Ideation Among Community-Based Minor-Attracted Persons: Sexual Abuse A Journal of Research and Treatment 32(6):107906321982586, Lisa Janet Cohen, Sherilyn Wilman-Depena, Shira Barzilay, Mariah Hawes, 2019)
- 45% Prävalenz bei B4U-ACT. (2011b). Youth, suicidality, and seeking care. http://www.b4uact.org/research/survey-results/youth-suicidality-and-seeking-care/
Die damit verbundenen Gesundheitskosten sind enorm. Sie steigen durch zusätzliche Stigmatisierung (wie die Bezeichnung von Pädophilen als „Virus“) und sinken durch Maßnahmen, die die psychische Gesundheit stabilisieren, wie dies durch Akzeptanz aber auch durch legale, hochwertige Ersatzmittel wie Sexpuppen erreicht werden kann. Vor allem stecken dahinter Menschen und menschliche Schicksale.
Ich hoffe, dass Sie meine Kritik nachvollziehen können und bitte um eine Stellungnahme dazu.
Mit freundlichen Grüßen
Schneeschnuppe
Dem E-Mail waren drei Anhänge beigefügt, die die Entwicklung der Fallzahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik zeigen.


