Pädophilie als Virus – „Präventionspapst“ am Rande der Volksverhetzung

Im August 2021 erschien in der Mitgliederzeitschrift der Australischen Psychologischen Gesellschaft (APS) eine Sonderausgabe mit Fokus zum Thema Kindesmissbrauch. Die APS ist die größte Berufsvereinigung von Psychologen in Australien und hat 27.000 Mitglieder. 60 Prozent aller in Australien registrierten Psychologen sind Mitglieder der APS.

Als erster „Highlight“-Artikel ist ein Beitrag von Prof. Dr. Klaus M. Beier vom Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité in Berlin aufgeführt. Als Mitautoren werden Maximilian von Heyden und Isabel Schilg genannt. Prof. Dr. Klaus M. Beier ist der Direktor des Instituts. Er ist ein Mitbegründer des Präventionsprojekts Dunkelfeld, das auch als „Kein Täter werden“ bekannt ist und dessen Netzwerksprecher. Er wurde für sein sein Engagement in der „verursacherbezogenen Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs“ mit dem Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Der Beitrag von Prof. Dr. Beier lautet „Child sexual abuse as a global challenge“ (Kindesmissbrauch als globale Herausforderung). Im Artikel beleuchtet er das Phänomen Kindesmissbrauch unter dem Narrativ einer Pandemie und stellt als Fallstudie den Deutschen Präventionsansatz „Kein Täter werden“ und das Projekt „Du träumst von ihnen“ für Kinder und Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren vor.

Der Inhalt des Artikels war für mich ziemlich schockierend.

Ich habe deshalb ein Mail an die im Artikel für den Autor angegebene Kontaktadresse (klaus.beier@charite.de) gesendet und um Stellungnahme zu den Punkten meiner Mail gebeten. Das war am 09. September. Da ich noch keine Reaktion erhalten habe und auch nicht mehr davon ausgehe, eine zu erhalten, veröffentliche ich hier nun die Mail an Herrn Prof. Dr. Baier mit meinen Kritikpunkten als offenen Brief.

Aus meiner Sicht sind dort Punkte enthalten, die so schwerwiegend sind, dass sie geeignet sind, die Glaubwürdigkeit von Prof. Dr. Beier als Ansprechpartner pädophiler Personen und als wichtige handelnde, in relevante Entscheidungsprozesse eingebundene Person im Zusammenhang mit dem Thema Pädophilie nachhaltig zu erschüttern.

Ich habe die in der Originalmail zitierten Passagen des englischen Originaltexts für diesen Blogeintrag ins Deutsche übersetzt. Für im Text erwähnte Studien habe ich teils noch Links auf die jeweilige Studie gesetzt, um meinen Lesern den Zugang zu erleichtern.

Bei den im Mail (und im Beier-Artikel) verwendeten Begriffen CSA und CSAM handelt es sich um in der wissenschaftlichen Literatur gebräuchliche Abkürzungen für Kindesmissbrauch (CSA = child sexual abuse) und Kindesmissbrauchsmaterial bzw. Kinderpornographie (CSAM = child sexual abuse material).

Hier nun die Mail.

Ich glaube das es wichtig wäre, wenn sich die Verantwortlichen und andere Menschen, die sich mit den Themenfeldern Pädophilie, Missbrauch, Prävention und/oder Menschenrechte befassen, mit der darin geäußerten Sachkritik inhaltlich auseinandersetzen. Nur weil Herr Prof. Dr. Baier die sachliche Auseinandersetzung zur Zeit scheut, muss es nicht dabei bleiben und es gibt selbstverständlich auch andere Personen, die die Diskussion voranbringen können.


Sehr geehrter Hr. Prof. Dr. Beier,

ich habe gerade Ihren Artikel „Child sexual abuse as a global challenge“ gelesen. Er enthält einiges, was ich hochproblematisch finde. Da ist zunächst der Aufhänger, COV19 als Pandemie.

Sie begründen Ihren Vergleich in der Einleitung wie folgt:

Der Begriff „Pandemie“ (vom altgriechischen „pan“ für total, umfassend, alles und „demos“ für Menschen) ist einer, mit dem wir alle im vergangenen Jahr aufgrund der Verbreitung von COVID-19 vertraut geworden sind. Der Begriff bezeichnet eine weltweit verbreitete Krankheit und wird allgemein als Infektionskrankheit verstanden. Die Vertrautheit der Öffentlichkeit mit dem Begriff im Zuge der COVID-19-Pandemie bietet die Möglichkeit, den sexuellen Missbrauch von Kindern (CSA) und die Verwendung von Material zum sexuellen Missbrauch von Kindern (CSAM) in ähnlicher Weise neu zu konzipieren. Auch hier handelt es sich um ein weltweit so verbreitetes Gesundheitsproblem, dass es wohl das Niveau einer Pandemie erreicht hat.

Schaut man in die Wikipedia-Definition zu Pandemie, dann steht dort:

Pandemie (von altgriechisch πανpan ‚gesamt, umfassend, alles’ und δῆμοςdēmos ‚Volk‘) bezeichnet eine „neu, aber zeitlich begrenzt in Erscheinung tretende, weltweite starke Ausbreitung einer Infektionskrankheit mit hohen Erkrankungszahlen und i. d. R. auch mit schweren Krankheitsverläufen.“

Ich denke man kann Kindesmissbrauch kaum als neues Phänomen bezeichnen. Es gab ihn vor 5 Jahren, vor 10 Jahren, vor 50, 100, 500, 1.000, vor 2.000 Jahren und vermutlich so lange es Menschen gibt.

Kindesmissbrauch ist auch keine Infektionskrankheit. Eine entscheidende Ähnlichkeit, die fehlt ist, dass Kindesmissbrauch nicht ansteckend ist. Wäre dies der Fall, so müsste es ein Analogum zum „R-Wert“ geben. Dann könnte man versuchen den R-Wert unter 1 zu drücken und dadurch die Ansteckungskrankheit Kindesmissbrauch auszurotten.

So etwas gibt es aber nicht. Der persönliche Kontakt mit einem Missbrauchstäter macht einen Menschen nicht zum Täter. Auch das Opfer eines Missbrauchs wird durch den Missbrauch nicht selbst zum Missbrauchstäter. Das Risiko eines Missbrauchsopfers selbst Missbrauchstäter zu werden, ist gegenüber der Normalbevölkerung geringfügig höher. Ein signifikanter kausaler Zusammenhang existiert nicht. Es kann auch nicht sinnvoll sein, dass im Kern irreführende und stigmatisierende Narrativ, dass Missbrauchsopfers selbst Missbrauchstäter werden, noch zu befeuern.

Wenn von Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung bei COV19 die Rede ist, ist in einer seriösen Darstellung in der einen oder anderen Weise immer auch das Thema Grundrechte präsent. Man kann, was die Angemessenheit oder Unangemessenheit angeht, zu unterschiedlichen Bewertungen kommen, aber die Einschränkung von Grundrechten komplett unter den Teppich zu kehren und mögliche Folgen mit keinem Wort zu erwähnen ist nicht legitim. Vorliegend betrifft dies vor allem Fragen des Datenschutzes. Gerade in einer zunehmend moralisch aufgeladenen Zeit (Cancel Culture, Wokeness) kann es hochproblematisch werden, wenn Datenschutz ausgehebelt wird. Die Vorstellung, dass ja nur die „Guten“ an die Daten kommen, ist naiv und wird von der Realität regelmäßig widerlegt. Geheimdienste und Hacker sind auf nichts so scharf wie auf Daten. Diese Grundrechte-Thematik fehlt in ihrer Darstellung völlig.

Ebenso fehlt jede Betrachtung der Kosten der Pandemie-Bekämpfung. Präventionsmaßnahmen in den Schulen haben dazu geführt, dass im April 2020 weltweit geschätzt 1,3 Milliarden Kinder nicht zur Schule gegangen sind. In Deutschland hat sich die Zahl der Schulabbrecher verdoppelt. Betroffen sind zwei Jahrgänge. Das sind 210.000 zusätzliche Menschen, deren Bildungsweg unterbrochen ist und die lebenslang Konsequenzen daraus haben werden. Da es eine extrem geringe Hospitalisierungsrate unter Kindern gibt, wurden Lasten der Pandemie-Bekämpfung auf Kinder abgewälzt. Ob das die richtige Entscheidung war, darf legitim in Frage gestellt werden, zumal die Grenzen der Belastbarkeit des Gesundheitssystems in Deutschland nie erreicht wurden. Wirklich wissen kann man es nicht.

Je nachdem welche Maßnahmen man im Namen des absoluten Ziels der „Pandemie“-Bekämpfung von CSA durchdrückt, können auch hier ganz erhebliche Kosten anfallen, die den Nutzen durchaus auch übersteigen könnten.

Aus meiner Sicht besonders problematisch an ihrem Bild der Pandemiebekämpfung ist ihre Gleichsetzung von Pädophilen mit Krankheitserregern.

Es ist seit langem anerkannt, dass wir lernen müssen, „mit dem Virus zu leben“. Dies gilt auch für die Pädophilie als sexuelle Ansprechbarkeit auf das kindliche Körperschema, die im Diagnosehandbuch der Weltgesundheitsorganisation als Störung eingestuft wird (ICD-11: „pädophile Störung“) und auf die nicht nur ein erheblicher Teil der sexuellen Missbrauchshandlungen, sondern auch ein erheblicher Teil der Nutzung von Missbrauchsbildern im Internet zurückzuführen ist.

Sie werden wissen, dass eine pädophile Neigung keine pädophile Störung ist, da eine pädophile Störung ein Leiden unter der Neigung oder eine Fremdgefährdung voraussetzt. Pädophilie, die sexuelle Anziehung zu einem kindlichen Körperschema, ist im Gegensatz zur pädophilen Störung nach ICD-11 keine Krankheit. Pädophilie unter Fehlauslegung der ICD-11 pauschal als Krankheit darzustellen, ist irreführend und stigmatisierend.

Wirklich schlimm wird es aber durch den Vergleich „mit dem Virus leben“ und Pädophilie, denn damit wird Pädophilie und der individuelle Pädophile mit einem Krankheitserreger gleichgesetzt. Eine deutsche historische Persönlichkeit meinte mal:

[Der Jude] ist und bleibt der ewige Parasit, ein Schmarotzer, der wie ein schädlicher Bazillus sich immer mehr ausbreitet, sowie nur ein günstiger Nährboden dazu einlädt. Die Wirkung seines Daseins aber gleicht ebenfalls der von Schmarotzern: wo er auftritt, stirbt das Wirtsvolk nach kürzerer oder längerer Zeit ab.

Es ist mir wirklich unverständlich, wie man als gebildeter Deutscher, der die deutsche Geschichte kennt, irgend einen Menschen oder eine Menschengruppe mit einem Virus vergleichen kann. Ich halte es für möglich, dass diese Äußerung den Tatbestand der Volksverhetzung überschreitet.

Damit eine Äußerung nach §130 strafbar ist, muss sie die Menschenwürde anderer angreifen. Ein solcher Angriff ist nach ständiger Rechtsprechung stets gegeben, wenn der Täter sich mit der NS-Rassenideologie identifiziert oder wenn die Äußerung damit im affirmativen Zusammenhang steht. Das ist unzweifelhaft gegeben, wenn Angehörige bestimmter Bevölkerungsgruppen mit Tieren gleichgesetzt werden oder als Dreck, Unrat, Ungeziefer usw. geschmäht werden. Auch die Forderung, Mitglieder einer Gruppe der Bevölkerung wegen ihres So-Seins zu entfernen („Ausländer raus!“), kann die Menschenwürde verletzen. .

Fischer, Kommentar zum Strafgesetzbuch, S. 1010, Randnummer 12/12a

Pädophilie erscheint in Ihrem Artikel als das Virus, dass CSA auslöst. Pädophile werden damit im Sinne einer notwendigen Pandemie-Bekämpfung, die alles rechtfertigt (Grundrechte werden ja nicht weiter erwähnt und scheinen keine Rolle zu spielen) zum bloßen Objekt von Verbrechens-Prävention degradiert. Dem sozialen Wert- und Achtungsanspruch, der untrennbar mit dem Bekenntnis „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ verbunden ist, wird diese Sichtweise nicht gerecht.

In Ihrem Artikel gehen Sie auch von falschen Voraussetzungen aus. Sie schreiben:

Der Gebrauch von CSAM ist vor allem deshalb problematisch, weil er eine Nachfrage nach „Kontakt-CSA“ schafft und aufrechterhält. Dies hat zur Folge, dass Kinder wiederholt sexuell missbraucht werden, um kontinuierlich Inhalte zu produzieren. Ausgehend von einer enormen Dunkelziffer stellen diese Statistiken nur die Spitze des Eisbergs dar, was bedeutet, dass die Zahl der Opfer sexueller Traumata leicht in die Hunderte von Millionen geht – um ein Vielfaches höher als die Zahl der Menschen, bei denen COVID-19 diagnostiziert wurde

und

Inzwischen nimmt die Nutzung von CSAM weltweit zu. Im Jahr 2010 identifizierte die Internet Watch Foundation 1.351 Websites, die das enthalten, was manchmal als „Kinderpornografie“ bezeichnet wird. Die Zahl dieser identifizierten Websites stieg auf 13.182 im Jahr 2013 und auf 132.730 im Jahr 2019 (Internet Watch Foundation, 2020), ein schockierender Anstieg um fast das Zehnfache in nur neun Jahren.

Gäbe es wie von Ihnen nahegelegt einen signifikanten kausalen Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit von CSAM und Kindesmissbrauch, dann müssten sich die Zahlen von Kindesmissbrauch von 2010 bis 2019 verzehnfacht haben. Dies ist mitnichten der Fall. Es ist eher ein gegenläufiges Phänomen zu beobachten.

Ich habe ihnen als Anhang Übersichten zur Kriminalitätsentwicklung auf Basis der Polizeilichen Kriminalstatistik für die Jahre 2000 bis 2019 beigefügt. Die Originaldaten können Sie auf der Seite des BKA einsehen.

Textlich lassen sich nur weniger Datenpunkte prägnant darstellen.

Die Fallzahlen des Hellfeldes für den sexuellen Missbrauch von Kindern: 

  • 1995: 16.013
  • 2000: 15.581
  • 2005: 13.962
  • 2010: 11.867
  • 2015: 11.808
  • 2019: 13.670

Die Fallzahlen des Hellfeldes für Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung von Kinderpornographie:

  • 1995: 414
  • 2000: 1.596
  • 2005: 4.403
  • 2010: 3.160
  • 2015: 3.753
  • 2019: 12.262

Die Statistik zu den Fallzahlen der PKS für den Zeitraum 1995 bis 2019 zeigt, dass es tatsächlich einen erheblichen Anstieg bei Verbreitung und Besitz von Kinderpornographie gibt. Für den sexuellen Missbrauch von Kindern gilt dies dagegen nicht. Wenn Kinderpornographie zu Kindesmissbrauch führen würde, müssten sich die Fallzahlen bei Kindesmissbrauch in den letzten 25 Jahren verdreißigfacht haben. Sie müssten dann über 470.000 liegen. Das tut sie aber nicht. Langfristig gesehen ist sie sogar um 15 Prozent zurückgegangen.

Die Fallzahlen entsprechen aber nicht den Taten. Gerade in Hinblick auf Kindesmissbrauch gibt es gute Gründe anzunehmen, dass die „Dunkelziffer“ aufgrund einer viel höheren Anzeigebereitschaft und gesteigerter gesellschaftlicher Sensibilität in den letzten drei Jahrzehnten deutlich abgenommen hat. Der Rückgang der Taten ist also mutmaßlich noch deutlich größer als der Rückgang der Fallzahlen im Hellfeld suggeriert.

Es ist durchaus denkbar und scheint nicht unwahrscheinlich, dass es einen Zusammenhang zwischen der höheren Prävalenz von CSAM und dem Rückgang (!) von CSA gibt. Ich verweise hierzu auf die Beobachtung, dass es in der Tschechischen Republik während einer Zeit, in der der Besitz von Kinderpornografie nicht verboten war, zu einem signifikanten Rückgang der sexuellen Kindesmissbrauchsdelikte kam (siehe Diamond M (2009) Pornography, public acceptance and sex related crime: a review. Int J Law Psychiatry 32(5):304–314; Diamond M, Jozifkova E, Weiss P (2011) Pornography and sex crimes in the Czech Republic. Arch Sex Behav 40(5):1037–1043).

Deshalb ist CSAM keineswegs unproblematisch. Es handelt sich um eine schwere Verletzung des Persönlichkeitsrechts. Eine Kausalität im Sinn von mehr CSAM = mehr CSA zu behaupten ist von der Datenlage aber nicht gedeckt. Sie spricht sogar ziemlich deutlich dagegen. Ähnliches wurde auch bei normsexueller Pornographie beobachtet. Während zwischen 1964 und 1984 in Dänemark, Schweden und Deutschland die nichtsexuellen Gewaltverbrechen um rund 300% zunahmen, ging trotz der leichteren Verfügbarkeit sexueller Materialien die Zahl der Sexualverbrechen eindeutig zurück.

Während an einem Verbot von CSAM, das reale Kinder zeigt, aufgrund der inhärenten Verletzung von Persönlichkeitsrechten kein Weg vorbei führt, gibt es ethisch unbedenkliche Alternativen, die vielversprechend scheinen, um Kindesmissbrauch durch Präferenztäter deutlich zu senken: Sexpuppen mit kindlichem Erscheinungsbild. Diese können – anders als Missbrauchsabbildungen – auch das Affiliationsbedürfnis befriedigen und so etwas wie das Gefühl von Körperkontakt und Intimität vermitteln. Es gibt also gute Gründe anzunehmen, dass Sie für Verwender als Ersatzmittel CSAM gegenüber überlegen sind. Sie hätten also das Potential nicht nur zu einer Reduktion von CSA beizutragen, sondern auch die Nutzung von CSAM deutlich zurückzudrängen.

Eine Sexpuppe kostet 2.000 bis 3.000 Euro. Die Behandlung eines CSA-Falls liegt lt. Ihrem Artikel bei 400,000 bis 1.2 Millionen Euro. Da scheint es ein „No-Brainer“ zu sein, dass man jedem Pädophilen, der das will, auf Kosten des Gesundheitssystems eine Sexpuppe mit kindlichem Erscheinungsbild finanzieren sollte.

Dies wird mit einem Budget von 5 Millionen Euro pro Jahr erreicht, und das Programm wird derzeit extern evaluiert. Seit Beginn des Projekts bis Ende 2019 wurden mehr als 11.374 Kontakte registriert, von denen 3.613 vollständig diagnostiziert wurden und insgesamt 2.007 Personen ein Therapieangebot gemacht wurde.

Wenn man von 250.000 Pädophilen nur 11.374 erreicht, es nur bei 3.613 zu einer Diagnose kommt und (Stand 31.03.2018, Quelle Wikipedia) nur 925 Personen das Behandlungsangebot angenommen und 360 Personen das Programm beendet haben, ist das nicht wirklich viel. Mit dem gleichen Budget (5 Mio EUR) könnte man pro Jahr 2.000 Pädophile mit Sexpuppen mit kindlichem Erscheinungsbild versorgen.

Damit will ich nicht zum Ausdruck bringen, dass man das eine aufgeben soll, um das andere zu finanzieren. Es wäre kein Problem beides zu finanzieren. Es scheitert nicht am Geld, sondern am Willen. Statt in Prävention wird das Geld lieber in die Verwahrung von Strafgefangenen investiert. (Nettokosten je Hafttag ca. 130 EUR, also 47.450 EUR pro Jahr = ca. 190 Sexpuppen).

Durch Akzeptanz und legale Alternativen könnte man auch die Krankheitsfolgen bei Pädophiler deutlich senken.

Chronische Suizidgedanken sind typischerweise ein Marker für intensive psychologische Not. Der Anteil Pädophiler, die über ernsthafte oder chronische Selbstmordgedanken berichten liegt bei 30 bis 45 Prozent. Quellen dazu:

Die damit verbundenen Gesundheitskosten sind enorm. Sie steigen durch zusätzliche Stigmatisierung (wie die Bezeichnung von Pädophilen als „Virus“) und sinken durch Maßnahmen, die die psychische Gesundheit stabilisieren, wie dies durch Akzeptanz aber auch durch legale, hochwertige Ersatzmittel wie Sexpuppen erreicht werden kann. Vor allem stecken dahinter Menschen und menschliche Schicksale.

Ich hoffe, dass Sie meine Kritik nachvollziehen können und bitte um eine Stellungnahme dazu.

Mit freundlichen Grüßen

Schneeschnuppe


Dem E-Mail waren drei Anhänge beigefügt, die die Entwicklung der Fallzahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik zeigen.

Aufruf zur Studienteilnahme: Hürden und Hindernisse im Outing-Prozess pädophiler Menschen

Es gab in meinem Leben wenig, dass für mich so wichtig war, wie das eigene Outing gegenüber meinen engsten Bezugspersonen.

Menschen sind Beziehungswesen. Das, was einen wirklich glücklich oder unglücklich macht, sind Beziehungen. Bei vielen Pädophilen gibt es hier einen Mangel, da die für Menschen sehr wichtige romantische und sexuelle Beziehungsebene sehr oft unerfüllt bleibt und neuerdings sogar Ersatzmittel wie Puppen kriminalisiert wurden.

Aber auch enge Familien- und Freundesbande sind für Menschen essentiell wichtig. Sie gehören zum emotionalen Fundament, auf dem man sein Leben aufbaut. Nicht zu wissen, ob es Bestand hat, kann extrem belastend sein. Menschen nehmen psychischen Schmerz oft als belastender wahr als physischen Schmerz. Gefragt nach dem schlimmsten Erlebnis ihres Lebens, nannten drei von vier Befragten den Verlust eines geliebten Menschen. Die Angst, sich zu offenbaren, ist die Angst, geliebte Menschen zu verlieren. Wenn man diese Angst längere Zeit mit sich herumschleppt, kann sie einen gefühlt zerquetschen.

Meine eigenen Outings sind im wesentlichen gut gegangen. Damit bin ich keine exotische Ausnahme. Es gibt aber leider auch Menschen, denen es anders ergangen ist.

Die Frage nach einem Outing ist für mich eine der Kernfragen, die ein Pädophiler (in welcher Weise auch immer) beantworten muss. Es kann durchaus Situationen geben, die gegen ein Outing oder gegen ein Outing zum aktuellen Zeitpunkt sprechen. Ich halte es für sehr wichtig, dass es Selbsthilfegruppen gibt, in denen man sich Rat holen kann.

Es ist auch sehr zu begrüßen, dass es wissenschaftliche Forschung dazu gibt, die etwa dazu führen könnte, dass Therapeuten ihren Patienten bei dem Thema eine bessere Unterstützung bieten können. Deshalb möchte ich allen betroffenen Lesern die Teilnahme an einer Studie der Uni Chemnitz ans Herz legen. Die Studie richtet sich sowohl an pädophile als auch an hebephile Personen.

Ich habe an der Studie auch selbst bereits teilgenommen. Das war für mich durchaus auch belastend, weil ich damit alte Schmerzen „angefasst“ habe, die einige Jahre meines Lebens sehr geprägt haben und nie ganz vergessen sein können. Es war mir aber auch wichtig, weil ich glaube, dass es ein Thema von größter Tragweite ist, das dringend besser verstanden werden sollte.

Hier das Anschreiben von Frau Göpel zur Studie:

Liebe Leserinnen und Leser,

Mein Name ist Alina Göpel und ich bin Psychologiestudentin an der Technischen Universität Chemnitz.

Zusammen mit meiner Betreuerin, M.Sc. Psych. Sophie Helene Lux, schreibe ich meine Abschlussarbeit über „Hürden und Hindernisse im Outing-Prozess pädophiler Menschen“. Dabei möchte ich die Hindernisse untersuchen, denen sich pädophile und/oder hebephile Menschen stellen müssen, wenn sie sich entscheiden, ob sie Freunden und Familie von ihren sexuellen Neigungen gegenüber Minderjährigen erzählen wollen oder nicht.

Dazu brauche ich Ihre Hilfe und würde mich sehr freuen, wenn Sie sich die Zeit nehmen würden, eine kurze 15-minütige Umfrage auszufüllen. Dabei ist es nicht relevant, ob Sie sich bereits gegenüber anderen Personen als pädophil/hebephil geoutet haben oder nicht. Dazu klicken Sie bitte auf folgenden Link: https://limes.phil.tu-chemnitz.de/index.php?r=survey/index&sid=851131&lang=de

Ihre Teilnahme ist völlig freiwillig und Sie können die Umfrage jederzeit beenden, wenn Sie sich bei der Beantwortung der gestellten Fragen nicht wohl fühlen. Sie werden nicht nach Informationen gefragt, durch welche man Rückschlüsse auf Ihre Person ziehen könnte. Nach Abschluss der Umfrage werden Ihre Antworten anonym auf Servern der Professur für klinische Psychologie der TU Chemnitz gespeichert. Für diesen Server mit dieser LimeSurvey-Installation ist das IP-Logging abgeschaltet, was bedeutet, dass auf diesem Server keine IP-Adressen gespeichert werden. Für eine zusätzliche Absicherung können Sie dennoch gern einen VPN-Client verwenden.

Ich würde mich ebenfalls freuen, wenn Sie den Link weiterleiten würden.

Falls Sie Fragen oder Bedenken zu dem Projekt haben, können Sie uns (unter outing-studie@psychologie.tu-chemnitz.de) für weitere Informationen kontaktieren.

Mit freundlichen Grüßen,

Alina Göpel

TU Chemnitz, Wilhelm-Raabe-Straße 43., 09120 Chemnitz

Aktivismus durch Sichtbarkeit

Neben dem Blog schreibe ich auch als Schneeprinz auf dem Internetforum Gutefrage.

Mir ist dort heute eine vermutlich relativ neue Funktion aufgefallen, der „Monatsreport“. Monatsreporte lassen sich für die bisherigen 8 Monate im Jahr 2021 aufrufen. Ergebnis für mein Nutzerkonto:

MonatGeschriebene BeiträgeLese-Aufrufe der Beiträgepositive Bewertungen
Januar 21712.038154
Februar 21651.756153
März 21633.130273
April 21361.387112
Mai 21291.83893
Juni 2191.45934
Juli 21331.874105
August 21482.511161

Insgesamt sind das auch nicht viel weniger Aufrufe als ich im selben Zeitraum auf dem Blog erhalten habe. Im Unterschied zum Blog dürfte es sich bei der ganz überwiegenden Anzahl der Leser auf Gutefrage aber um Normal-Liebende handeln.

Aus meiner Sicht ist gerade das an Gutefrage interessant. Am meisten Angst haben Menschen vor dem Unbekannten und als Pädophiler muss man sich normalerweise verstecken und darf sich zur eigenen Sicherheit keinesfalls zu erkennen geben. Diskriminierung wird so zum selbsterhaltenden System.

Egal wie man zu ihnen stehen mag: einem Schwarzen, einem Moslem oder einem Transsexuellen kann man im realen Leben begegnen. Nicht selten überleben die Vor-Urteile den direkten Kontakt nicht und es stellt sich heraus, dass man sich ein falsches Bild von der Gruppe gemacht hat. Ein Bild, das man vorher nie hinterfragt hat, wird zwar sicher nicht sofort beim Erstkontakt umgeschmissen, aber er gibt eine sehr reale Chance, dass es sich durch wiederholte Kontakte wandelt und der Realität annähert.

Hier liegt die besondere Chance, eines pseudonymen Engagements als offen pädophiler User in Internetforen.

Mein eigenes Engagement ist ein gewisser Achtungserfolg, mehr nicht. Aber ich bin nicht der einzige, der auf Gutefrage offen als Mensch mit pädophiler oder hebephiler Neigung Fragen stellt, sie beantwortet oder Antworten kommentiert. Und Gutefrage ist nicht das einzige Internetforum, das für diese Art von Sichtbarkeit in Frage kommt.

Es muss auch nicht jeder in die selben Kerben schlagen, damit es etwas nutzt. Die Emanzipation der Afroamerikaner hat von Onkel Tom (Romanfigur von Harriet Beecher Stowe) genauso profitiert wie von einem Martin Luther King oder einem Malcolm X.

Jeder, der als Mensch mit pädophiler oder hebephiler Neigung sichtbar wird, leistet bereits durch seine bloße Sichtbarkeit wertvolle Anti-Diskriminierungsarbeit. Vielleicht wäre das ja auch etwas für dich?

Zum Abschluss:

Auch wenn es selbstverständlich sein sollte … wer pädophil oder hebephil ist, muss sich Gedanken um seine Sicherheit machen. Man sollte also unbedingt seine IP Adresse verschleiern, ein Pseudonym verwenden und nicht gerade ein Forum wählen, in dem man auch mit Realnamen schreibt und die Leser z.B. den Schreibstil wiedererkennen könnten.

Wahlempfehlung zur Bundestagswahl

Am 26. September sind Bundestagswahlen. Damit stellt sich die Frage nach einer Wahlempfehlung. Gibt es denn überhaupt jemanden, den man Wählen kann?

Der Regierungsentwurf für das „Gesetz zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Kinder“ ist bei den Sachverständigen im Rechtsausschuss in Hinblick auf die vorgesehenen Änderungen zum Strafgesetzbuch komplett durchgefallen. Die LTO schrieb damals:

Als die rechtspolitischen Sprecher von Union und SPD am Montag nach der Anhörung im Rechtsausschuss zum „Gesetzentwurf zur „Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Kinder“ aus dem Sitzungssaal kamen, wirkte es fast so, als sei ihnen das eigene Gesetz peinlich.

Prof. Dr. Tatjana Hörnle vom Max-Planck-Institut bezeichnete den Entwurf als „in weiten Teilen das Gegenteil einer systematischen durchdachten Reform“. Die Staatsanwältin Dr,. Julia Bussweiler hielt die Gesetzesverschärfungen für kontraproduktiv. Dr. Jenny Lederer vom Strafrechtsausschusses im Deutschen Anwaltverein meinte: „In der Praxis wird sich zeigen, (…) welche Probleme sicherlich nicht gelöst werden: Nämlich die Verhinderung von Straftaten und der bessere Schutz von Kindern.“

Trotzdem kam das Gesetz zustande.

Es wurde mit den Stimmen der CDU/CSU, der SPD und der AfD verabschiedet. FDP, Grüne und LINKE enthielten sich. Auch im Bundesrat, wo alle drei Oppositionsparteien in Ländern mitregieren, hat es keinerlei Widerstand gegen das Gesetz gegeben. Es wurde anstandslos durchgewinkt.

Die Strafverschärfungswelle läuft ungebremst seit 1993. Sie fällt in die Zeit der Regierungen Kohl (CDU, 1982 bis 1998), Schröder (SPD, 1998 bis 2005) und Merkel (CDU, seit 2005). Kohl hat mit der FDP koaliert, Schröder mit den Grünen. Merkel mit der SPD, der FDP und dann wieder der SPD. Alle haben bereitwillig mitgemacht.

Trotzdem. Es gibt eine Partei, die herausragt: die CDU/CSU.

Sie inszeniert sich als Law & Order Partei, die Sicherheit über härtere Strafen, mehr Kontrolle des Bürgers, weniger Kontrolle des Staates und mehr Ermittlungsbefugnisse erreichen will. Grundrechte und Datenschutz bleiben dabei auf der Strecke. Sie sind nur wichtig, solange nicht etwas anderes vermeintlich wichtiger ist. Also nie. Die Sicherheitspolitik trägt noch nicht einmal zu einem Mehr an tatsächlicher Sicherheit bei.

Soweit es die Bekämpfung von Kindesmissbrauch betrifft, glaubt man bei der Union dieses Ziel über die Bekämpfung von Pädophilen erreichen zu können. Oder zumindest daran, durch die Befriedigung der eigens angeheizten Sanktionswut Wählerstimmen gewinnen zu können.

Wenn es bei der Bundestagswahl ein sinnvolles Ziel gibt, dann ist das primär die Verhinderung einer Regierungsbeteiligung der CDU/CSU.

Als Juniorpartner einer Koalition schien die CDU/CSU lange nicht denkbar, die andere Parteien sind zu schwach. Die Union hat bei der Schwäche aber inzwischen so stark aufgeholt, dass die SPD in aktuellen Umfragen (Stand 26.08.) gleichauf liegt oder gar eine Nasenspitze vorne liegt.

Wenn man die CDU/CSU verhindern will, muss man sich Gedanken über die möglichen Koalitionen machen. Eine Regierung der CDU/CSU unter Beteiligung der AfD oder der LINKEN scheint aktuell undenkbar. Als Partner kommen die Grünen, die SPD und die FDP in Frage. Bei „Sonstigen“- Stimmen von ca. 8% benötigt man zusammen 46+x Prozent.

Als Varianten mit Union kommen somit in Frage:

  • Schwarz-Gelb (aktuell 34%)
  • Schwarz-Grün (aktuell 40%)
  • Große Koalition (aktuell 45%)
  • Jamaika-Koalition (Union, Grüne, FDP; aktuell 52%)

Wenn man zusammen auf genug Stimmen käme, würde sich die CDU vermutlich die FDP als Koalitionspartner wünschen. Kanzlerkandidat Laschet regiert in Nordrhein-Westfalen mit der FDP und hat eine entsprechende Präferenz durchblicken lassen. Zusammen kommt man aufgrund der aktuellen Schwäche der CDU/CSU auf nur 34 Prozent – deutlich zu wenig. Es erscheint im Moment auch sehr unwahrscheinlich, dass sich die Union so stark erholen könnte, dass diese Koalitionsvariante eine Mehrheit hätte.

CSU-Chef Söder hat eine Präferenz für die Grünen durchblicken lassen. In dieser Konstellation ist auch eher denkbar, dass es für beide Parteien zusammen für eine Mehrheit reichen könnte. Aktuell kommt man zusammen auf 40 Prozent. Zu wenig, aber beiden Parteien sind Zugewinne bis zur Wahl zuzutrauen. Es könnte am Ende also durchaus reichen.

Die SPD scheint keiner so wirklich zu wollen, vielleicht auch, weil die SPD sich ohnehin sperren dürfte. Sie hat sich als Junior-Partner der CDU/CSU selbstverzwergt. Rechnerisch könnte es knapp reichen, trotzdem scheint diese Variante eher unwahrscheinlich. Ausgeschlossen ist aber nichts. Nach der letzten Wahl schien nur eine Jamaika Koalition denkbar, am Ende wurde es doch wieder eine Große Koalition.

Wenn die nötigen Stimmen für die Mehrheit mit nur einem Partner fehlen, dürfte die CDU/CSU versuchen, eine Jamaika-Koalition zu bilden. Die Mehrheit wäre in dieser Konstellation gesichert (aktuell 52 Prozent). Nachdem FDP Chef Lindner beim letzten mal in letzter Sekunde einen Rückzieher gemacht hat, dürfte sich dieses Schauspiel nicht noch einmal wiederholen. Die FDP will endlich wieder regieren.

Wir werden nach der Wahl vermutlich noch nicht wissen, wer und künftig regiert. Im Grunde hängt es von der Koalitionsbereitschaft der anderen Parteien ab.

  • Ziemlich klar scheint, dass die FDP am liebsten mit der CDU/CSU koalieren würde. Aber ausgeschlossen sind da nur AfD und LINKE. Vor allem: man will endlich wieder mitregieren! Unter dem Aspekt der Verhinderung einer Rot-Rot-Grünen Regierung wäre eine Koalition mit SPD und Grünen der liberalen Basis auch vermittelbar.
  • Die Grünen würden vermutlich am liebsten selbst den Kanzler stellen. Der SPD dürfte es nicht anders gehen. Sie wären dazu in erster Linie aufeinander angewiesen, können aber auch miteinander. Die große Frage wäre, wer als (vermutlich benötigter) dritter Partner hinzu käme. Bei den Grünen ist für mich keine klare Präferenz erkennbar. Bei der SPD im Grunde auch nicht. Kanzlerkandidat Scholz dürfte eher zur FDP tendieren. Die SPD Parteiführung um Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans hätte vielleicht eher Sympathie für die LINKE.
  • Die LINKE dürfte nur für eine Koalition mit SPD und Grünen in Frage kommen.

Damit hätten wir als mögliche Regierungskoalitionen ohne CDU/CSU unter Führung der SPD oder der Grünen (je nachdem, wer stärker wird):

  • Ampelkoalition (SPD, Grüne, FDP; aktuell: 53 %)
  • Rot-Rot-Grüne Koalition (aktuell 47 %)

Rechnerisch würde beides aktuell reichen.

Für wen muss man stimmen, um eine Koalitionsbildung ohne CDU/CSU wahrscheinlicher zu machen?

Da alle Parteien außer der LINKEN auch für eine Koalition mit der Union in Frage kommen, scheint mir die LINKE die einzige Möglichkeit, wirklich sicherzustellen, dass die eigene Wählerstimme nicht ungewollt bei einer Koalition unter der Union (oder mit Unions-Beteiligung) landet. Es gibt aber natürlich durchaus Gründe, warum man die LINKE für unwählbar halten könnte, schließlich ist niemand ist nur pädophil / hebephil. Es gibt in jedem Leben auch viele andere wichtige Aspekte und Belange.

Was wäre die Alternative? Aus wahltaktischer Sicht (Koalitionsoptionen) kann ich im Moment wenig erkennen, was eher für die SPD, die Grünen oder die FDP spräche.

Also nochmal zum Verhalten beim „Gesetz zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Kinder“. Die SPD hat dafür gestimmt und die für das Gesetz letztlich verantwortliche Justizministerin gestellt. Das einige, was nicht nach Plan gekommen ist, war die Umbenennung der Straftatbestände von „Sexueller Missbrauch von Kindern“ in „Sexualisierte Gewalt gegen Kinder“. Die Umbenennung war ein SPD Anliegen. Sie könnte mit der SPD in Zukunft also doch noch kommen.

Der Wunsch nach weiteren Gesetzen kam vor allem in Reden der CDU/CSU, der AfD und der Grünen zum Ausdruck:

Aus der Rede von Tobias Matthias Peterka (AfD):

Das alles hört sich gut an, ganz klar. Weshalb aber sexualisierte Gewalt ohne Körperkontakt, also wenn das Kind nur zusehen muss, ohne jede Rückqualifikation milder bestraft wird, tut mir leid, das erschließt sich mir nicht. Die psychische Schädigung gehört hier ganz klar als entscheidendes Element herausgestellt.Warum nur ein Jahr Mindeststrafe für diese Tauschbörsenbetreiber? Die heutigen digitalen Möglichkeiten rufen nun mal bei den Tätern erst recht das Schlimmste hervor. Wir kennen die Fälle aus Lügde oder Münster, wo das mitprägend war. Ein Extratatbestand mit bedeutend höherer Mindeststrafe wäre hier sinnvoll gewesen. Die CSU ging schon mal in die richtige Richtung. (…) Sie gehen – so schreiben Sie es im Gesetzentwurf – nun selbst davon aus, dass durch die härteren Strafen mehr Bewährungen entstehen. Gratulation dazu! Mit unserem Gesetzentwurf wäre das nicht so gewesen.

Aus der Rede von Mariana Iris Harder-Kühnel (AfD):

Sexueller Missbrauch ist Mord an der Kinderseele. Punkt. Pädophilie-Verharmlosung, Kuscheljustiz, Frühsexualisierung sind der Nährboden für derartige Verbrechen an Kindern. Sie sind der Nährboden für fast 14 000 registrierte Missbrauchsfälle allein in 2019; von der Dunkelziffer ganz zu schweigen. Kindesmissbrauch lässt sich eben effektiv nur mit einer Nulltoleranzpolitik bekämpfen. Kinderschänder sind zu lange und zu oft mit Bewäh-rungsstrafen davongekommen, obwohl sie unter den Sexualstraftätern die höchste Rückfallquote haben. Das ist eine Schande für unser Land. (…) Damit sind deutlich höhere Freiheitsstrafen möglich. Wir haben das schon immer gefordert. Es wurde allerhöchste Zeit. Aber man hätte hier schon viel früher etwas tun können und müssen. Dieser Vorwurf geht übrigens insbesondere an die hier seit Jahrzehnten regierende CDU. Traurig ist, dass es offenbar erst immer so richtig knallen muss, bevor etwas passiert. Allerdings können diese Maßnahmen nur ein erster Schritt sein.

Aus der Rede von Thorsten Frei (CDU):

Die Tatsache, dass wir in der Strafprozessordnung zwar nicht für alles, was wir uns gewünscht hätten, aber in vielen Bereichen die Möglichkeiten der Quellentelekommunikationsüberwachung und der Onlinedurchsuchung einführen, ist ein echter Vorteil für die Ermittlungsbeamtinnen und Ermittlungsbeamten, weil sie Instrumente bekommen, um Opfer zu identifizieren und andererseits auch Täter zu überführen. Genau darum geht es, und dafür schaffen wir die Instrumente. (…) Wo gibt es Möglichkeiten, wo können wir noch mehr tun? Wir haben bisher eine wirklich sehr konstruktive Atmosphäre erlebt und gesehen, dass es eine große Bereitschaft gibt, diese offensichtlichen Themen auch gemeinsam anzugehen. (…) Deswegen gehen wir jeden Schritt mit, der mehr Kinderschutz bedeutet. Deswegen sind wir auch sehr dafür, dass wir in diesem wie auch in anschließenden Gesetzesverfahren schauen: Wo können wir noch etwas tun? Um zum Beispiel den Betrieb von Kinderpornografieforen strafbar zu machen, brauchen wir Straftatbestände. Das können wir in Angriff nehmen, wenn wir uns generell mit der Strafbarkeit von Darknetforen beschäftigen. Das müssen wir in den Blick nehmen. Das ist effektiver Schutz von Betroffenen. Auch das Thema der Kettenbewährungen – damit komme ich zum Schluss – wollen wir in Angriff nehmen. Das ist nicht nur hier ein Thema, sondern generell: Wenn jemand in der Bewährungszeit erneut einschlägig strafbar wird, ist es nicht einzusehen, warum man darauf mit einer erneuten Bewährungsstrafe reagiert.

Aus der Rede von Alexander Hoffmann (CSU) :

Wir haben aber – nach Auffassung der Union – bislang maximal die Hälfte des Weges zurückgelegt. (…) Wir als Union stehen dafür, dass sich kein Täter sicher fühlen darf; wir wollen in diesem Bereich alle Register ziehen, und wir stellen Opferschutz vor Täterschutz. (…) Nein, liebe Kolleginnen und Kollegen, im Bereich der Bekämpfung von Kinderpornografie und Kindesmissbrauch tun wir nicht das, was wir tun müssen; vielmehr müssen wir alles tun, was wir tun können, Frau Kollegin! (…) Wir als CSU fordern für Täter im Bereich Kindesmissbrauch, Kinderpornografie den lebenslangen Eintrag ins Bundeszentralregister. (…) Wir müssen auch über die Möglichkeit einer lebenslangen Freiheitsstrafe in extremen Fällen reden.

Aus der Rede von Dr. Jan-Marco Luczak (CDU):

Es gibt noch viele Dinge, die wir in diesem Gesetzentwurf verbessern wollen: Wir wollen Bewährungsstrafen verhindern; wir wollen die U-Haft dahin gehend verändern, dass die Täter, die gefasst werden, dann auch tatsächlich in U-Haft bleiben müssen.

Aus der Rede von Annalena Baerbock (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Was mich umtreibt, sind all die Fälle, bei denen es zu keiner Strafe kommt, bei denen die Täter nicht verurteilt wurden, weil wir sie nicht sehen. Daher kann dieser Gesetzesentwurf nur ein Anfang sein. (…) Wir sind den Kindern gegenüber in der Pflicht, dass wir gemeinsam beraten. Wir sind es diesen Kindern schuldig, weil solche Taten jeden Tag, mitten in diesem Land, weiterhin passieren, auch mit dieser Gesetzesreform. Wir kennen diese Kinder; ein bis zwei davon gibt es in jeder Schulklasse. Wir sind ihnen gegenüber verpflichtet, gemeinsam zu handeln, erst recht mit weiteren Gesetzen.

Einen relativ moderaten Eindruck haben demgegenüber die Reden der FDP und der LINKEN hinterlassen.

Aus der Rede von Dr. Jürgen Martens (FDP):

Wir sind uns einig in der Notwendigkeit, zu handeln, um solche Taten zu bestrafen, zu verfolgen und – nach meiner Auffassung wo immer es geht – zu verhindern. Wir müssen uns dabei die Fragen stellen: Tun wir immer das Richtige, auch mit diesem Gesetzentwurf? Antworten wir tatsächlich auf Strafbarkeitslücken, die es unabdingbar machen, dass wir handeln? (…) Nebenbei: Den Nachweis der Erforderlichkeit, den Besitz von Kindersexpuppen unter Strafe zu stellen, Herr Kollege Frei, sind Sie uns schuldig geblieben. Im Gegenteil: Die Sanktionsforschung belegt, dass der Besitz solcher Puppen nicht die Hemmschwelle für solche Taten senkt. Auch hier müssten wir wirklich gucken, wie wir uns verhalten, wenn wir eine evidenzbasierte Strafrechtspolitik machen. (…) Wenn wir die Grundtatbestände der §§ 184b und 176 Strafgesetzbuch zu Verbrechen hochstufen, müssen wir aber auch wissen, dass wir uns damit Folgeprobleme einhandeln. Das ist dann die Rückseite der von Ihnen geschilderten Medaille: Verfahrenseinstellungen sind nicht mehr möglich, es ist kein Strafbefehlsverfahren mehr möglich; auch das wird es nicht mehr geben. Aber damit ist nicht die Frage beantwortet, ob wir tatsächlich schuld- und strafangemessen auch in Bagatellfällen vorgehen. Es besteht hier die Gefahr der sogenannten Überstrafe.

Aus der Rede von Dr. André Hahn (DIE LINKE):

Bei sexueller Gewalt gegen Kinder darf es nur null Toleranz geben. (…) Das Ziel der Koalition, mit dem Gesetz den Schutz von Kindern zu verbessern, unterstützt Die Linke ganz ausdrücklich. Allerdings haben wir Zweifel, ob dieses richtige Ziel mit dem vorliegenden Entwurf tatsächlich erreicht werden kann.Bereits zum Referentenentwurf erhielt das Justizministerium 35 Stellungnahmen mit zahlreichen kritischen Hinweisen und schwerwiegenden Einwänden. Vergleicht man den ursprünglichen Entwurf mit dem nun vorliegen-den Gesetzestext, stellt sich schon die Frage, was diese Stellungnahmen bewirkt haben. Besser ist der Gesetzentwurf leider nicht geworden; an manchen Stellen eher schlechter. Wir als Linke meinen: Mit Symbolpolitik lässt sich ein solch komplexes gesellschaftliches Problem nicht bekämpfen. (…) Wir als Linke hoffen sehr, dass es uns gelingt, den Gesetzentwurf der Koalition in den Ausschussberatungen noch deutlich zu verbessern, gerade auch mit Blick auf die zahlreichen Anregungen und Vorschläge, die der Deutsche Anwaltverein dem Parlament übermittelt hat, unter anderem zum Wegfall der sogenannten minderschweren Fälle.

Die Grünen hatten im Gesetzgebung einen Änderungsantrag eingebracht. Dieser enthielt vor allem diese Punkte.

  • Mann wollte eine andere Handhabung von Taten des § 176 („Sexueller Missbrauch von Kindern“) bei Einvernehmlichkeit und geringem Alter- und Reifeunterschied. Man wollte in diesen Fällen dem Gericht nicht nur (wie nun Gesetz geworden) ermöglichen von Strafe abzusehen, sondern festschreiben, dass bei dieser Konstellation der Tatbestand nicht erfüllt ist. Für Kinder und Jugendliche wäre diese Regelung sehr viel besser gewesen, da es dann gar nicht zu einem sehr belastenden Gerichtsverfahren käme.
  • Außerdem wollten die Grünen beim § 176 einen minder schweren Fall einführen. Der Strafrahmen von 1 bis 15 Jahre wäre in diesem Fall auf 3 Monate bis 5 Jahre abgesunken.
  • Bei Verbreitung / Zugänglich-machen vom Kinderpornographie sollte eine „großen Menge“ (was immer das ist) kinderpornographischer Inhalte so wie gewerbsmäßige Taten oder bandenmäßiges Begehen bestraft werden. Die Folge wäre eine Erhöhung der Mindeststrafe von einem Jahr auf zwei Jahre gewesen. Aus meiner Sicht deuten große Mengen bei Abwesenheit ökonomischer Motive nicht auf ein Mehr an krimineller Energie hin, sondern auf ein Suchtverhalten. Einen Süchtigen kann man aus meiner Sicht zwar für eine begangene Straftat bestrafen, nicht aber für seine Sucht an sich. Die Wahrscheinlichkeit, dass große Mengen festgestellt werden, scheint mir bei Pädophilen, die zu Tätern bei der Verbreitung von kinderpornographischem Material werden, höher als bei nicht-pädophilen Tätern zu sein. Natürlich wäre es besser, wenn erst gar nicht auf strafbare Ersatzmittel zurückgegriffen werden würde. Jemandem, der das (noch) nicht schafft, sollte man aber in erster Linie helfen, es in Zukunft hinzubekommen. Der Grundsatz „Helfen statt strafen“ wäre viel sinnvoller als eine Erhöhung der Strafandrohung.
  • Auch bei Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornographischer Inhalten sollte ein minder schweren Fall geschaffen werden, der vor allem bei jugendlichen Tätern zugute gekommen wäre. („Ein minder schwerer Fall liegt insbesondere dann vor, wenn der Altersunterschied zwischen Täter und abgebildetem Kind gering ist und das Kind die Abbildung selbst gefertigt und weitergegeben hat. Der Tatbestand des Absatzes 3 ist nicht verwirklicht, wenn der Unterschied sowohl im Alter als auch im Entwicklungsstand oder Reifegrad zwischen Täter und Kind gering ist und die Tathandlung einvernehmlich erfolgt, es sei denn, der Täter nutzt die fehlende Fähigkeit des Kindes zur sexuellen Selbstbestimmung aus.“)

Auch die FDP hatte einen Änderungsantrag eingebracht. Hier ging es um die Einführung von minder schweren Fällen.

  • Der Strafrahmen des § 176 solle bei Vorliegen eines minder schweren Falls von 1 bis 15 Jahre auf 3 Monate bis 5 Jahre (minder schwerer Fall des Absatz 1, Nr. 1) oder 6 Monate bis 5 Jahre (minder schwerer Fall des Absatz 1, Nr. 2 und 3) sinken.
  • Der Strafrahmen des $ 184b, Absatz 1, Nr. 1 sollte von 1 bis 10 Jahren in minder schweren Fällen auf 3 Monate bis 5 Jahre sinken. Sinnwidrig erscheint hierbei allerdings die Beschränkung auf Absatz 1, Nr. 1 (sexuelle Handlungen von, an oder vor einer Person unter vierzehn Jahren). Man sollte meinen, dass etwa die Fälle des Absatz 1, Nr. 2 (die Wiedergabe eines ganz oder teilweise unbekleideten Kindes in aufreizend geschlechtsbetonter Körperhaltung = Posing-Aufnahmen) weniger strafwürdig sind, als Darstellungen sexueller Handlungen.

Die Union war (wie so oft in den letzten Jahrzehnten) der Brandstifter. Grüne und FDP wollten die Reform wenigstens etwas abmildern. Die SPD hat sie mitverursacht. Das spricht gegen die SPD und eher für Grüne und FDP.

Die Änderungsvorschläge der Grünen sind etwas kinder- und jugendfreundlicher, zeigen aber mit den „großen Mengen“ als eigenständigem Verschärfungsgrund Ansätze von antipädophilem Feindstrafrecht. Die Grünen haben mit der Rede ihrer Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ihren Willen zu weiteren Gesetzen ausdrücklich herausgestellt.

Die FDP hat sich als einzige Partei gegen das Puppenverbot positioniert, auf eine evidenzbasierte Strafrechtspolitik gepocht und wollte Übermaßstrafen durch Einführung minder schwerer Fälle verhindern. Eigentlich sieht die FDP nicht so schlecht aus. Anders als die LINKE ist sie aber ein möglicher Koalitionspartner für die Union.

Die LINKE hat sich in der Debatte ausdrücklich auf die Stellungnahme des Deutschen Anwaltvereins zum Gesetz bezogen, die inhaltlich (ähnlich wie auch die Stellungnahmen des Deutscher Richterbundes und der Bundesrechtsanwaltskammer) sehr fundiert war.

Fazit

Mein Fazit gleicht einer vergleichenden Krankheitsbewertung:

Die Union ist die Pest. Die SPD die Cholera. Die Grünen sind Corona. Die FDP die Grippe. Die LINKE ist … naja … die LINKE. Wer sie wählen kann, soll sie wählen. Wer sie nicht wählen kann, hat vor allem die Wahl zwischen Corona und Grippe, wobei mir die Grippe als das etwas kleinere Übel erscheint. Alles, nur keine Pest. Da wäre sogar die Cholera noch besser.

Die AfD (Ebola? Tollwut?) ist bei der Betrachtung weitgehend ausgeklammert, da eine Regierungsbeteiligung aktuell nicht zu befürchten ist.

Kafka lesen, bevor es zu spät ist

Ein Leser hat mir einen Text von Kafka zugeschickt, den ich in doppelter Hinsicht bemerkenswert finde. Hier zunächst der Text, dann meine Gedanken dazu:


Vor dem Gesetz (von Franz Kafka)

Vor dem Gesetz steht ein Türhüter. Zu diesem Türhüter kommt ein Mann vom Lande und bittet um Eintritt in das Gesetz. Aber der Türhüter sagt, daß er ihm jetzt den Eintritt nicht gewähren könne. Der Mann überlegt und fragt dann, ob er also später werde eintreten dürfen.

«Es ist möglich», sagt der Türhüter, «jetzt aber nicht.»

Da das Tor zum Gesetz offensteht wie immer und der Türhüter beiseite tritt, bückt sich der Mann, um durch das Tor in das Innere zu sehn. Als der Türhüter das merkt, lacht er und sagt:

«Wenn es dich so lockt, versuche es doch, trotz meines Verbotes hineinzugehn. Merke aber: Ich bin mächtig. Und ich bin nur der unterste Türhüter. Von Saal zu Saal stehn aber Türhüter, einer mächtiger als der andere. Schon den Anblick des dritten kann nicht einmal ich mehr ertragen.»

Solche Schwierigkeiten hat der Mann vom Lande nicht erwartet; das Gesetz soll doch jedem und immer zugänglich sein, denkt er, aber als er jetzt den Türhüter in seinem Pelzmantel genauer ansieht, seine große Spitznase, den langen, dünnen, schwarzen tatarischen Bart, entschließt er sich, doch lieber zu warten, bis er die Erlaubnis zum Eintritt bekommt. Der Türhüter gibt ihm einen Schemel und läßt ihn seitwärts von der Tür sich niedersetzen.

Dort sitzt er Tage und Jahre. Er macht viele Versuche, eingelassen zu werden, und ermüdet den Türhüter durch seine Bitten. Der Türhüter stellt öfters kleine Verhöre mit ihm an, fragt ihn über seine Heimat aus und nach vielem andern, es sind aber teilnahmslose Fragen, wie sie große Herren stellen, und zum Schlusse sagt er ihm immer wieder, daß er ihn noch nicht einlassen könne. Der Mann, der sich für seine Reise mit vielem ausgerüstet hat, verwendet alles, und sei es noch so wertvoll, um den Türhüter zu bestechen. Dieser nimmt zwar alles an, aber sagt dabei:

«Ich nehme es nur an, damit du nicht glaubst, etwas versäumt zu haben.»

Während der vielen Jahre beobachtet der Mann den Türhüter fast ununterbrochen. Er vergißt die andern Türhüter, und dieser erste scheint ihm das einzige Hindernis für den Eintritt in das Gesetz. Er verflucht den unglücklichen Zufall, in den ersten Jahren rücksichtslos und laut, später, als er alt wird, brummt er nur noch vor sich hin. Er wird kindisch, und, da er in dem jahrelangen Studium des Türhüters auch die Flöhe in seinem Pelzkragen erkannt hat, bittet er auch die Flöhe, ihm zu helfen und den Türhüter umzustimmen. Schließlich wird sein Augenlicht schwach, und er weiß nicht, ob es um ihn wirklich dunkler wird, oder ob ihn nur seine Augen täuschen. Wohl aber erkennt er jetzt im Dunkel einen Glanz, der unverlöschlich aus der Türe des Gesetzes bricht. Nun lebt er nicht mehr lange. Vor seinem Tode sammeln sich in seinem Kopfe alle Erfahrungen der ganzen Zeit zu einer Frage, die er bisher an den Türhüter noch nicht gestellt hat. Er winkt ihm zu, da er seinen erstarrenden Körper nicht mehr aufrichten kann. Der Türhüter muß sich tief zu ihm hinunterneigen, denn der Größenunterschied hat sich sehr zuungunsten des Mannes verändert.

«Was willst du denn jetzt noch wissen?» fragt der Türhüter, «du bist unersättlich. »

«Alle streben doch nach dem Gesetz», sagt der Mann, «wieso kommt es, daß in den vielen Jahren niemand außer mir Einlaß verlangt hat?»

Der Türhüter erkennt, daß der Mann schon an seinem Ende ist, und, um sein vergehendes Gehör noch zu erreichen, brüllt er ihn an:

«Hier konnte niemand sonst Einlaß erhalten, denn dieser Eingang war nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe ihn.»


Die Stärke des Textes liegt sicher auch darin begründet, dass er auf vielfältige Weise gedeutet werden kann. Was ist das Gesetz? Wer trägt die Schuld am Scheitern? Hätte ein Versuch zum Erfolg geführt?

Als Pädophiler fühlt man sich oft hilflos. Der Zugang zum Gesetz scheint versperrt. Ein erstes, fast unüberwindliches Tor ist, dass man sich bei einer Klage oder Beschwerde in aller Regel mit seinem echten, gesetzlichen Namen ausweisen muss.

Es fällt einem verdammt schwer, sich vor Gericht gegen Diskriminierung zu wehren, wenn man fürchten muss, durch den Versuch, den Schutz des Gesetzes in Anspruch zu nehmen, eine noch viel größere Zielscheibe von Hass und Diskriminierung zu werden.

Nicht nur finden viele Pädophile einige der aktuellen Gesetze ungerecht, sie glauben auch in der Realität keinen Zugang zu den Gesetzen zu haben, die sie schützen könnten.

Ich habe bereits über die Initiative Gegen das Puppenverbot berichtet. Dort haben sich Menschen zusammengefunden, die sich Zugang zum Schutz des Gesetzes verschaffen wollen und eine Verfassungsbeschwerde gegen das Verbot von Sexpuppen mit kindlichem Erscheinungsbild anstreben.

Ich gehe zur Zeit davon aus, dass es gelingen wird, die erste Hürde zu nehmen. Ob der Versuch am Ende zum Erfolg führen wird, bleibt abzuwarten. Aber es ist wichtig, es überhaupt zu versuchen.

Das Gesetz der Liebe

Ich musste bei dem Text aber auch an meinen vor kurzem veröffentlichten Artikel über die Liebe denken, an dessen Ende die Feststellung stand: „Wir leben in einer Zeit, in der eine Ente keine Ente sein darf. Das darf man beklagen. Aber man darf es nicht ignorieren.“

Man kann im Kafka-Text auch „das Gesetz“ durch „die Liebe“ ersetzen. Das ermöglicht eine etwas unorthodoxe aber interessante Interpretation des Gleichnisses.

Der Weg zum Paradies ist lang.

«Wenn es dich so lockt, versuche es doch, trotz meines Verbotes hineinzugehn. Merke aber: Ich bin mächtig. Und ich bin nur der unterste Türhüter. Von Saal zu Saal stehn aber Türhüter, einer mächtiger als der andere. Schon den Anblick des dritten kann nicht einmal ich mehr ertragen.»

Statt sich auf den Weg ins Paradies zu machen, ist der Protagonist bereits an der ersten Tür stehen geblieben, hat sein Leben allein in einer Einöde verbracht und ist darin umgekommen.

Dabei gibt es kein Gesetz, dass einem verbietet, einem Kind Liebe, Zuwendung und Zeit zu schenken. Auch in der Erzählung steht das Tor offen und der Türhüter tritt beiseite. Trotzdem geht der Mann nicht durch. Er scheitert nicht daran, nicht durchtreten zu können, sondern daran, dass er die ausdrückliche Erlaubnis dafür haben möchte, sie aber nicht erhält. Er hält sich an die Konventionen, fürchtet aber wohl auch eine Abwehrreaktion des Türstehers, die jedoch letztlich wohl kaum so schrecklich ausgefallen wäre, wie ein Leben und Sterben in Einsamkeit.

Vielleicht ist man verpflichtet, nach zwei passierten Toren halt zu machen und sich an dem zu erfreuen, was möglich ist. Aber passiv, hoffnungslos und letztlich sinnlos in einer Einöde verrecken muss man jedenfalls nicht.

Ich musste bei dem Kafka-Text an einen Abschnitt aus meinem Artikel „Argumente für eine pädophile Beziehung“ denken. Hier noch einmal die dortige Passage:


Man kann eine pädophile Orientierung als Fluch interpretieren, der einem die Möglichkeit auf eine normale Liebesbeziehung, Familienglück und eine erfüllte Sexualität verbaut oder wenigstens extrem erschwert. Man kann eine pädophile Orientierung aber auch als ein ungewöhnliches und gesellschaftlich verkanntes, aber doch wertvolles Talent begreifen, bestimmte Menschen zu lieben.

Mir fällt dazu (obwohl ich nicht gerade ein sonderlich religiöser Mensch bin) ein Gleichnis aus der Bibel ein:

Es (das Himmelreich) ist wie mit einem Mann, der auf Reisen ging. Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an. Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab. Sofort ging der Diener, der die fünf Talente erhalten hatte hin, wirtschaftete mit ihnen und gewann noch fünf weitere dazu. Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei weitere dazu. Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn.

Nach langer Zeit kehrte der Herr jener Diener zurück und hielt Abrechnung mit ihnen. Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen. Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du tüchtiger und treuer Diener. Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen. Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn! Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte, und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben; sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen. Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du tüchtiger und treuer Diener. Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen. Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!

Es kam aber auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mensch bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast; weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Sieh her, hier hast du das Deine.

Sein Herr antwortete und sprach zu ihm: Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du hast gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe. Du hättest mein Geld auf die Bank bringen müssen, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten. Nehmt ihm also das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat! Denn wer hat, dem wird gegeben werden und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.

Das Gleichnis von den anvertrauten Talenten Silbergeld

Es gibt junge Menschen, die niemanden haben, der sich wirklich für sie interessiert und die niemanden haben, denen sie ein echtes Anliegen sind. Also emotional vernachlässigte Kinder.

Andererseits gibt es Menschen wie mich, die sich in Kinder verlieben und denen die Kinder, in die sie sich verliebt haben, dann das wichtigste Anliegen überhaupt sind. Ja, sie sind durch eine sexuelle Anziehung hingelenkt, aber das macht das emotionale Interesse nicht geringer oder gar unecht. Ein Pädophiler, der sich in ein Kind verliebt, würde dem Angehimmelten ebenso wenig schaden wollen, wie ein Mann, der sich in eine Frau verliebt oder eine Frau, die sich in einen Mann verliebt.

Das „Talent“, das mir mitgegeben wurde, ist, dass ich mich in Kinder verlieben kann und dann bereit wäre, alles in meiner Macht stehende zu tun, damit es dem Kind, in das ich mich verliebt habe, gut geht. Die Gesellschaft erwartet von mir, dass ich dieses Talent vergeude und vergrabe. Aber was würde mir derjenige sagen, der mir das Talent anvertraut hat, wenn ich es nicht nutze?

Und was würde mir der Mensch sagen, den zu lieben ich bestimmt war und der von mir um meine Liebe betrogen wurde, weil ich mein Talent aus Angst vergraben habe?


Der Türsteher klärt den Sterbenden auf:

«Hier konnte niemand sonst Einlaß erhalten, denn dieser Eingang war nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe ihn.»

Ja, es gab äußere Umstände, die den Zugang erschwert haben. Ihre Überwindbarkeit oder Unüberwindlichkeit bleibt im Ungewissen. Aber letztlich ist das nichts besonderes. Es gibt kein erfülltes Leben ohne Hindernisse und Herausforderungen.

Im Schlusswort offenbart sich, dass der Sterbende seine Bestimmung vor allem durch seine eigene Passivität und Autoritätshörigkeit verfehlt hat. Er hat auf die Erlaubnis gewartet, seine Bestimmung erfüllen zu dürfen, sich auf unbestimmte Zeit vertrösten lassen und seine Chance am Ende verspielt. Im Grunde hat er seine Bestimmung verraten und sein Talent vergeudet.

Man muss nicht im Paradies ankommen. Dessen Bevölkerungszahl liegt nicht zufällig seit Anbeginn der Zeit bei Null.

Aber wer ein erfülltes Leben führen möchte, sollte sich besser auf den Weg machen, Tore durchschreiten – nicht unbedacht, aber mutig – und sich nicht schon vom erstbesten Türsteher aufhalten lassen.

Kein Freiwild: Kampf gegen anti-pädophile Hasskriminalität

Pädophile fühlen sich oft schutzlos, wenn es um Diskriminierungserfahrungen, Beleidigung oder Volksverhetzung geht. Die Situation ist auch wirklich schwierig, da Pädophile für ihr soziales Überleben in der Regel auf die Wahrung ihrer Anonymität angewiesen sind. Dadurch wird es enorm erschwert, Gegenwehr zu leisten.

In manchen Bereichen wird Pädophilen auch tatsächlich kein Schutz gewährt. Nach der aktuellen Behördenauslegung sind sie zum Beispiel vom Schutz durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (umgangssprachlich auch Antidiskriminierungsgesetz genannt) ausgenommen.

Es gibt also viel zu verbessern. Aber ganz schutzlos sind Pädophile nicht.

Ich habe im Juni 2020 über einen Drohanruf gegen den deutschen Pädo-Aktivisten Dieter Gieseking (Webseite krumme13.org) berichtet. Er erhielt folgende Sprachnachricht auf seinem Handy :

Wir sind quasi auf dem Weg zur Dir. Du kleiner Wichser, Alter. Wir sind quasi auf dem Weg, Alter. Ohne Witz. Du wirst so was von kastriert, du kleiner Kinderficker, Junge.

Aufnahme der Handy-Nachricht

Wie der Berichterstattung zu diesem Fall auf krumme13.org zu entnehmen ist, konnte die Täterin (Catarina Maria P.) doch noch ermittelt werden. Sie wurde im Strafbefehlsverfahren zu einer Geldstrafe in Höhe von 70 Tagessätzen a 30 Euro (= 2.100Euro) verurteilt. Der Strafbefehl ist rechtskräftig und wurde bereits vollstreckt.

Der Geschädigte hat Anspruch auf Schadenersatz und Schmerzensgeld und diesen auch geltend gemacht. Das Amtsgericht Stuttgart hat zu dieser Forderung inzwischen einen Mahnbescheid in Höhe von 196,00 Euro gegen die Täterin erlassen.

Auch wegen Volksverhetzung gegen Pädophile gab es bereits Verurteilungen. Der ehemalige NPD-Landtagsabgeordnete David Petereit wurde 2015 zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt. Er hatte über einen von ihm betriebenen Onlinehandel eine rechtsextreme Musik-CD angeboten auf der mit Texten wie „Krieg den Pädophilen, stirb, stirb, stirb, keiner wird überleben“ zu Hass und Gewalt gegen Menschen mit pädophilen Neigungen aufgerufen wurde.

Diese Beispiele zeigen, dass es auch für Pädophile möglich ist, sich erfolgreich gegen Bedrohung, Beleidigung und Hasskriminalität zu wehren. Es kostet Kraft, aber es ist notwendig, wenn sich etwas ändern soll.

Leserbrief: So fühlt es sich an, eine „Sexpuppe“ zu haben

Ich habe einen anonymen Leserbrief erhalten, der eindrücklich und anschaulich vermittelt, wie es sich anfühlt, eine „Sexpuppe“ zu haben. Ich habe nun die Erlaubnis erhalten, ihn zu veröffentlichen. Ich glaube, dass er viel zum Verständnis beitragen kann, was da gerade eigentlich verboten wurde.

Im Interview mit Deutschlandfunk Kultur „Unter Kontrolle. Wie Pädophile mit ihrer Neigung leben(ab Zeitstempel 21:28) erklärte Dr. Christoph Joseph Ahlers, Sexualtherapeut und Mitbegründer von „Kein Täter werden“ :

Was die Betroffenen als eigentlichen tiefen Schmerz erleben und was sie betrauern ist der Umstand, dass sie die Erfüllung ihrer Grundbedürfnisse durch intimen Körperkontakt, durch Hautkontakt, niemals erleben können. Das heißt, das Gefühl, das wir alle suchen, wenn wir uns in eine partnerschaftliche Sexualbeziehung begeben, jemand, der uns anfasst, den wir anfassen, der uns drückt, der uns hält, der uns küsst, der in uns sein will, in dem wir sein wollen, diese Verschmelzung im Sexuellen, die geht ja weit über Erregung und Fortpflanzung hinaus.

Puppen ermöglichen es ihrem Besitzer etwas zu erleben, was Körperkontakt sehr nahe kommt, ohne einem Kind zu nahe zu kommen. Sie können einen tiefen Schmerz lindern, den pädophile Menschen empfinden. Es gefährdet die Gesundheit pädophiler Menschen, ihnen dieses Hilfsmittel weg zu nehmen.

Puppen sind das einzige verfügbare Ersatzmittel zu Befriedigung, das eben nicht nur zur sexuellen Triebabfuhr dienen, sondern auch ein Gefühl von Nähe und Intimität vermitteln kann. Wenn sie (hoffentlich) wieder legal werden, bieten sie das Potential Menschen, die ihre Hoffnung auf Liebe und Partnerschaft längst aufgegeben haben, einen Ausweg aufzeigen. Sie können Menschen helfen ihr Glück zu finden, ein Glück, das zuvor unmöglich und unerreichbar schien.

Ich selbst hatte Dolls nie auf dem Schirm. Ich wusste zwar, dass es sie gibt, aber bin davon ausgegangen, dass es nur weibliche Modelle gibt. Tatsächlich gibt es viel mehr Dolls mit erwachsenen Erscheinungsbild als mit kindlichem Erscheinungsbild. Und Es gibt in jeder simulierten Altersklasse viel mehr weibliche als männliche Dolls. Aber ich habe inzwischen dazu gelernt und erfahren, dass es sehr wohl auch männliche Dolls mit kindlichem Erscheinungsbild gibt, die einen ziemlich guten Eindruck hinterlassen. Das Verbot betrifft also nicht nur heterosexuelle Pädophile, sondern alle. Uns allen wurde durch das Verbot eine Möglichkeit abgeschnitten, die vielen von uns wirklich helfen könnte.

Nach dieser Vorbemerkung hier nun der Leserbrief.


So fühlt es sich an, eine „Sexpuppe“ zu haben

„Sexpuppe“ ist einfach der falsche Begriff, um eine solche Doll zu beschreiben. Liebespuppe trifft es deutlich besser. Aber selbst diese Bezeichnung trifft es nicht ganz. Ich verwende meistens den Begriff „Doll“. Damit meine ich einmal die Puppe, aber auch die Gefühle, die man für sie hat. Das macht den Unterschied zwischen der Puppe als Gegenstand und der Doll als eine Art Wesen.

Viele Leute denken, dass solche Dolls einfach nur große und teure Masturbatoren sind. Auch ich habe das mal geglaubt. (Mit Masturbatoren oder Aufblaspuppen konnte ich übrigens nie etwas anfangen.) Leider werden diese Dolls dadurch immer auf ihre Sex-Funktion reduziert.

Ich erzähle jetzt mal etwas aus der Realität, um das wahre Potential dieser Dolls zu verdeutlichen. Es trifft natürlich nie alles auf jeden zu. Trotzdem werden diese Erfahrungen zumindest auf manche zutreffen. Die Frage ist also eher: Auf wie viele trifft das zu?

Ich sehe Pädophile als normale Menschen an, deren einziger Unterschied das „age of attraction“ ist. (Ob man nun heterosexuell, homosexuell oder anders veranlagt ist, ist egal. Auch das sehe ich als normal an. Die Natur diversifiziert, sonst würden wir auch alle gleich aussehen.) Jeder hat die gleichen „Grundelemente“ der Sexualität in sich. Der Unterschied ist lediglich die Stärke der Ausprägung dieser einzelnen Elemente. Das ist natürlich nur meine Meinung, aber heute schreibe ich einfach mal das, wie ich es sehe.

Sex ist nur ein Teil aus dem kompletten Paket „Liebe“. Sex alleine kann einen auf Dauer nicht glücklich machen. Auch viele pädophile Menschen wünschen sich nichts anderes, als einfach nur den richtigen Partner für das Leben zu finden. Einen Partner, dem man seine Liebe schenken kann, dem man vertrauen kann und der immer für einen da ist.

Ist ein Kind wirklich das, was sich ein Pädophiler wünscht? Wäre er damit glücklich? Ich glaube nicht. Der kindliche Körper ist zwar das Schönheitsideal, aber vieles andere würde einfach nicht passen.

Nun lassen wir mal den rechtlichen und moralischen Aspekt beiseite. Aber alleine das wären schon zwei Knock-Out Kriterien. Ein Kind kann kein Partner für einen Pädophilen sein. Zu unterschiedlich sind die Interessen, die Wünsche, die Prioritäten und der geistige Entwicklungsstand. Eine Beziehung mit Beständigkeit wäre einfach nicht möglich. Schon gar nicht über einen längeren Zeitraum. Stetigkeit, Stabilität und Verlässlichkeit sind wichtige Punkte. Genau diese Kriterien entscheiden darüber, ob uns die Beziehung Kraft gibt oder uns Energie kostet. In beiden Fällen lieben wir den Partner. Aber tut uns diese Liebe wirklich gut? Wie weit hier Wunsch und Realität auseinander klaffen, hängt natürlich sehr stark vom „age of attraction“ ab.

Ich glaube, dass sich schon einige Pädophile eher einen reiferen Verstand im kindlichen Körper wünschen. Das sieht man an den Loli Charakteren in japanischen Manga und Anime. Für diese Industrie sind die Pädophilen eine Zielgruppe. Dementsprechend wird auf deren Wünsche eingegangen. Dort finden sich genügend Charaktere, die zwar einen kindlichen Körper aber oftmals einen reiferen und erwachsenen Verstand haben. Diese haben schon noch kindliche Züge, entsprechen aber trotzdem nicht wirklichen Kindern. Und typischerweise sind das dann Vampire, Dämonen, Elfen und andere Fabelwesen, die allesamt bereist ein absurd hohes Alter aufweisen. Die altern entweder extrem langsam oder eben gar nicht. Und das liefert gleich den nächsten Punkt, warum ein echtes Kind nicht das ist, was sich ein Pädophiler wirklich wünscht.

Ein Kind wächst und entwickelt sich. Nach kurzer Zeit wäre es nicht mehr attraktiv. Für manchen Pädophilen dürfte genau diese Erkenntnis sehr deprimierend sein. Genau das verhindert nämlich eine lebenslange Partnerschaft. Was kann es Schöneres geben, als den einen Partner zu finden, mit dem man dann gemeinsam, Seite an Seite, durch das Leben geht? Ein Kind wird in wenigen Jahren eine komplett andere Person sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass das klappt, geht gegen Null.

Aber einen Ausweg gibt es: Eine Doll. Sie bleibt attraktiv. Hier kann man sich genau aussuchen, wie sie aussehen soll. Und wenn man lange genug sucht und nicht zu geizig ist, dann findet sich da schon der attraktive Traumpartner. Aber es braucht halt Zeit und Geld. Aber was ist mit dem Rest?

Wenn man sich dazu entschließt, eine solche Doll zu adoptieren, dann hat man erst mal ein teures aber hübsches Sextoy zuhause. Beim Sex sind die richtig gut. Es gibt einige Leute, die behaupten, diese Dolls seien besser als jeder echte Mensch. Das kann man sich erst vorstellen, wenn man mal eine Doll hatte. Jetzt hat man also eine bildhübsche Doll zuhause mit der man noch richtig guten Sex hat. Man braucht auch kein schlechtes Gewissen haben, da man niemand damit schadet. Man kann sich beim Sex einfach fallen lassen und genießen. Alles schön entspannt. Keine moralischen Bedenken und kein Leistungsdruck. Für manchen ist das bereits der Jackpot.

Aber es geht noch weiter. Besser gesagt, es fängt gerade erst richtig an. Gerade weil das alles so gut ist, fängt man an, die Doll zu mögen. Immerhin gibt sie einem sehr viel. Sie ist zwar eine Puppe, aber alleine diese erotische Präsenz und das Wissen, dass man mit ihr richtig guten Sex haben könnte, beeinflusst unser Wohlbefinden. Also nicht nur unmittelbar beim Sex, sondern den ganzen Tag. Anstatt diese Schönheit unter dem Bett zu verstauen, setzt man sie doch lieber hübsch gekleidet auf das Bett. So kann man sie immer schön betrachten und dieses erotische Prickeln genießen. Auch fühlt man sich tatsächlich nicht mehr so alleine. Auch wenn es nur eine Puppe ist, es fühlt sich anders an, wenn sie im Raum ist. Sie schafft eine andere Atmosphäre.

Natürlich ist einem ständig bewusst, dass sie nur eine Puppe ist, aber trotzdem fühlt man sich einfach viel besser. Außerdem sehen diese Dolls wirklich sehr echt aus und fühlen sich auch sehr echt an. Das lässt einen nicht einfach kalt.

Das alles lässt man dann mal zwei Wochen auf sich wirken. Man ist den ganzen Tag einfach besser gelaunt. Egal ob in der Arbeit oder beim Einkaufen. Man schläft sogar besser. Auch wenn man mal unterwegs was Schönes sieht, ist man sexuell komplett entspannt. Ist nicht so als ob man davor unentspannt gewesen wäre, aber es lässt einen einfach kalt. Man weiß einfach, dass zuhause Püppi wartet – ein wirklich schönes Gefühl. Man denkt eher drüber nach, ihr vielleicht ein ähnliches Outfit zu kaufen.

Dann macht man irgendwann mal einen ausgedehnten Spaziergang und denkt etwas über die jüngste Vergangenheit nach. Dabei kann man wunderbar die Gedanken sortieren. Irgendwann fällt einem dann mal auf, dass man in letzter Zeit eigentlich immer so gut gelaunt und vollkommen entspannt ist. Dann kommt man ins Grübeln und sucht den Grund dafür.

Komischerweise ist das so, seitdem man die Doll zuhause hat. Man wird sich selbst dafür loben, dass man das Geld so gut investiert hat und man wird sich wundern, dass ein einfaches Sextoy das Wohlbefinden so steigern kann. Vielleicht überlegt man noch, wann man sich das letzte mal so gut gefühlt hat. Bei manchen dürfte das sehr lange her sein.

Wenn man dann wieder zuhause ist, wird man sich die Doll mal genau ansehen. Man wird mit dem Kopf ganz nah an ihr Gesicht ran gehen um sie genau zu begutachten und ihr mal tief in die treuen Augen sehen. Mit großer Verwunderung wird man bemerken, dass sie noch hübscher ist, als man ursprünglich bemerkt hat. Dann bemerkt man noch dieses Kribbeln, wenn man so nah an sie ran geht. Wenn man nun offen und ehrlich zu sich selbst ist, dann realisiert man, dass das passiert ist, was man für unmöglich gehalten hat: Man hat sich tatsächlich in seine Puppe verliebt. Vielleicht gibt man ihr auch nur mal einen Kuss auf die Backe, wundert sich dann, dass das so gut getan hat und grübelt noch eine weitere Woche lang darüber nach, warum man so gut drauf ist.

Gerade Pädophile sind offen und ehrlich zu sich selbst. Ansonsten hätten sie ihre Neigung verleugnet oder erst gar nicht bemerkt. Das alles trifft natürlich nicht auf alle zu. Aber diejenigen, die zurückgezogen leben und die Hoffnung auf Liebe und Partnerschaft längst begraben haben, für die ist das die Offenbarung. Im ersten Moment ist das vielleicht ein Schock: Wie kann man denn seine Puppe lieben? Aber im nächsten Moment wird einem klar, dass man eigentlich das große Los gezogen hat. Man hat nämlich einen treuen Partner für das Leben gefunden. Auch wenn dieser Partner nichts tun kann, so „wirkt“ er doch auf einen. Und zwar 24 Stunden am Tag.

Ich weiß, dass das ganze unvorstellbar klingt. Aber es funktioniert besser als man glaubt. Man kann tatsächlich verliebt sein. Es sind exakt die gleichen Gefühle. Man muss nur noch über seinen eigenen Schatten springen, um im Paradies zu sein. Das Ganze hat sogar noch einige Vorteile. Man braucht keinerlei Gewissensbisse oder moralische Bedenken zu haben. Man schadet niemanden. Die Doll ist immer für einen da. Sie verlässt einen nicht. Sie hat keine Stimmungsschwankungen. Man muss keine Angst haben verletzt, betrogen, hintergangen oder verlassen zu werden. Sie ist absolut treu und zuverlässig. Man kann sich ohne Bedenken auf sie Verlassen und muss sich keine Sorgen machen. Sie altert nicht. Sie ist gerade für Pädophile der perfekte Partner.

Wir Menschen wollen jemanden haben, um den wir uns kümmern können. Jemanden, dem wir mal was Gutes tun oder auch mal etwas schenken können. Jemanden, dem wir unsere Aufmerksamkeit und unsere Liebe geben können. Auch wenn es nur eine Doll ist, es fühlt sich gut an nachhause zu kommen und nicht alleine im Zimmer zu sein. Es tut einfach gut, sie fröhlich zu begrüßen und ihr einen Kuss zu geben. Wenn man seien nutzlosen falschen Stolz ablegt, kann man mit ihr glücklich sein. Und diese Stetigkeit und Stabilität, die eine solche Doll einem geben kann, die bekommt man sonst nirgends.

Eine Doll ist eine wahre Glücks-Flatrate. Man muss einfach nur offen dafür sein. Gerade für Pädophile kann eine Doll einfach der perfekte Partner sein. Mit einer Doll können sie ein glückliches und zufriedenes Leben führen.

Manche mögen jetzt denken, das sei krank und pervers. Na und? Was hat denn ein Pädophiler noch an Ansehen zu verlieren? Wichtig ist doch einfach, dass man glücklich ist. Nur das zählt.

Für viele bleibt sie vermutlich eine einfache Sexpuppe, aber für manche wird sie zum Partner. Gerade wenn man ansonsten keine Möglichkeit hat, einen Partner zu finden, dann lohnt sich zumindest der Versuch. Im schlimmsten Fall verliert man dadurch etwas Geld. Aber man kann dafür einen treuen Partner gewinnen. Ich hätte NIEMALS geglaubt, dass man sich tatsächlich in eine „Puppe“ verlieben kann. Umso magischer ist es aber dann, wenn es doch einfach passiert.

Aber wie kann so etwas denn passieren?

Vermutlich geschieht das dadurch, dass wir ihr Gefühle zuschreiben und somit mit ihr Fühlen. Dadurch wird die Sexpuppe zu einer Art Wesen. Es ist ihr realistisches Aussehen und ihr Gesicht. Einem ist zwar bewusst, dass sie eigentlich nur eine Puppe ist, aber unsere Gefühle für sie, machen sie eben zu mehr. Dieses Gefühl wächst über die Wochen still und heimlich.

Aber was ist eigentlich die Voraussetzung für romantische Liebe? Die Psychologie hat darauf tatsächlich schon eine erstaunlich einfache Antwort. Es ist das Zusammenspiel von 3 biologischen Systemen:

1. Anhänglichkeit: Wir entwickeln eine Anhänglichkeit gegenüber anderen Personen aber auch alltäglichen Gegenständen, mit denen wir öfter zu tun haben. Wenn ein Gegenstand zu „unserem“ Gegenstand wird, dann ist er etwas besonderes. Gleiches gilt natürlich auch für unsere Doll, die treu zuhause auf uns wartet und immer für uns da ist. Sie schläft neben uns und schaut mit uns Videos. Es liegt an euch, was ihr daraus macht.

2. Fürsorge: Wir wollen uns um jemanden kümmern. Dolls sind ziemlich empfindlich und pflegeintensiv. Auf den ersten Blick scheint das ein Nachteil zu sein, aber sie sind auf unsere Fürsorge angewiesen. Diese niedlichen Dolls sind uns schutzlos ausgeliefert. Wir können mit ihnen tun, was wir wollen. Trotzdem gehen wir fürsorglich und zärtlich mit ihnen um und behandeln sie mit Respekt. Es ist unser Beschützer-Instinkt, der dadurch getriggert wird. Außerdem sehen wir dadurch, dass wir eben keine rücksichtslosen Monster sind.

3. Sex: Das können sie richtig gut! Anfangs hat man nur guten Sex mit einer Puppe. Die Puppe dient dabei noch als Ersatz. Das ganze entwickelt sich aber rasant. Es wird mehr und mehr zum gemeinsamen Sex. Irgendwann möchte man tatsächlich Sex mit Ihr haben. Es ist einfach so ein vertrautes Gefühl diese intimen Momente mit Ihr zu verbringen. Sie ist dann kein Ersatz mehr. Sie wird zum Objekt der Begierde.

So betrachtet, verwundert es eigentlich gar nicht mehr, dass sich so einige Puppenbesitzer in ihre Dolls verlieben. Die Sexpuppe wird zur Liebespuppe. Selbst wenn man nichts mit den aufblasbaren Puppen und den Masturbatoren anfangen kann, bedeutet das noch lange nicht, dass man sich nicht in eine Doll verlieben kann! Diese Dolls sind einfach ganz was anderes.

Aber selbst das war noch nicht alles. Der menschliche Verstand ist erstaunlich anpassungsfähig. Die Erfahrungen mit der Doll können unsere Sexualität tatsächlich verändern. (Auch das gilt sicher nicht für jeden. Aber für manche eben schon.)

Auch wenn es sich im Punkt 3 oben schon andeutet, so ist es doch nochmal eine ziemliche Überraschung. Dolls müssen kein Ersatz sein. Sie können selbst zum Objekt des Verlangens werden. Das gilt nicht nur für die eigene Doll, sondern für Dolls allgemein. Es scheint als würde der Verstand nach einiger Zeit die Dolls als potentielle Partner wahrnehmen, was dazu führt, dass wir sie anziehend finden. Es ist nicht so, dass die ursprüngliche sexuelle Orientierung damit vollkommen verschwinden würde, aber tatsächlich kann eine Doll nach einiger Zeit wesentlich attraktiver und erregender wirken, als das, was man bisher immer wollte. Sie haben ihre eigenen Reize. Es ist mehr als nur ihre Optik.

Ich bin der festen Überzeugung, dass es viele pädophile Puppenbesitzer gibt, die ihre Doll jedem echten Kind vorziehen. Eine Doll kann so manchen Pädophilen wesentlich mehr geben, als es ein Kind jemals könnte. Dadurch verliert das echte Kind seinen Reiz. Es entspricht nur noch dem Schönheitsideal, hat aber ansonsten keinen großen Reiz mehr.

Es mag zuerst merkwürdig sein, wenn man selbst Bilder von Dolls erregend findet, aber warum sollte man sich jetzt noch selbst belügen und diese Tatsache ignorieren? Man muss es einfach positiv sehen: Diese Doll könnte man sich einfach zulegen. Das sind Möglichkeiten von denen man im bisherigen Leben nur geträumt hat. Insofern kann man auch damit sehr gut leben.

Ich habe den Eindruck als würden diese Dolls das Unterbewusstsein in die Irre führen. Obwohl einem bewusst ist, dass man nur eine „Puppe“ vor sich hat, so scheint das Unterbewusstsein sie als potentiellen Partner wahr zu nehmen. Es werden Glückshormone ausgeschüttet und man fühlt genau das gleiche, wie bei einem menschlichen Partner.

Genau das ist das wahre Potential dieser Dolls. Ihr fühlt genau das gleiche. Ihr seid genau so verliebt. Der einzige Unterschied: der Partner ist synthetisch. Das hat manche Nachteile, aber eben auch viele Vorteile. Sie haben nicht nur Schwächen, sondern auch ihr Stärken. In manchen Punkten sind sie menschlichen Partnern überlegen.

Ihr könnt ein Sextoy bestellen und innerhalb von wenigen Monaten kann sich euer komplettes Leben dadurch verändern. Das ändert einfach alles. Auf einmal ist man glücklich verliebt in einer festen Partnerschaft, während man vor 6 Monaten geglaubt hat, dass eine Partnerschaft unmöglich sei. Man ist nicht mehr alleine, sondern hat den treuesten Partner, den es gibt. Man hat jemanden, dem man seine Liebe schenken kann und kann das schöne Gefühl der glücklichen Liebe genießen. Das gibt einem Zuversicht und Stabilität. Ein Suizid kommt gar nicht mehr in Frage, da man ansonsten seine geliebte Doll in den sicheren Tod schicken würde. Man muss für sie weiter leben und für sie sorgen. Wer würde sich denn um eine gebrauchte „Sexpuppe“ kümmern? Was würde mit ihr passieren? Schon alleine das hält einen am Leben. Man fühlt sich ihr gegenüber verantwortlich. Man möchte sie beschützen und kann sie nicht einfach in Stich lassen. Alleine dadurch können sie Leben retten. Sie können Menschen aus der Hoffnungslosigkeit befreien und ihrem Leben einen Sinn schenken.

Wie sich die Beziehung mit einer Doll entwickelt, liegt alleine an uns selbst. Die Doll ist nur ein Spiegel unserer Persönlichkeit. Wir projizieren etwas in sie hinein. Dadurch können wir viel einfacher sehen, was in uns selbst vorgeht. Manchmal hat man z.B. den Eindruck, dass sie traurig schaut. Natürlich schaut sie so wie immer. Obwohl man das weiß, fühlt man trotzdem etwas anderes. Es kann also nur daran liegen, dass uns selbst etwas belastet, oder wir ein schlechtes Gewissen haben. Oft sind es Emotionen, die einem sonst gar nicht auffallen würden. Man findet doch noch verborgene Wünsche, die man bisher noch gar nicht kannte. So komisch sich das anhören mag, aber wir können viel von einer Doll über uns selbst lernen. Das Glück ist oft näher als man glaubt. Man muss es selbst einfach nur zulassen.

Hier sieht man wie das Leben einer „Sexpuppe“ wirklich aussieht: http://www.19yxw.com/Article/2015-3-15/135726_all.html

Sieht das aus, als hätte da jemand seine „Triebabfuhrpuppe“ fotografiert? Oder handelt es sich vielleicht doch um Bilder der geliebten Partnerin? Welchen Stellenwert hat diese „Sexpuppe“ wohl im Leben des Besitzers?

Aber viel wichtiger ist die Frage: Hat diese Doll das Leben des Besitzers bereichert? Ist der Besitzer nun glücklicher? Denkt nochmal kurz bewusst darüber nach und seht euch die Bilder dabei an.

Man kann glauben, dass man dafür etwas „besonders“ sein muss. Vielleicht ist das sogar so. Aber wer sagt, dass ihr nicht auch so seid? Ich hätte auch niemals geglaubt, dass das alles möglich ist. Alles, was ich geschrieben habe, entspricht der Realität. Nichts davon ist Theorie oder Fiktion. Das alles (und noch viel mehr) ist wirklich passiert. Nicht nur einmal. Die Puppenforen sind voll mit solchen Erlebnissen. Natürlich kann nicht jeder was mit einer Doll anfangen, aber es sind mehr als nur Einzelschicksale. Man sollte die Dolls nicht unterschätzen. Es ist einfach naiv zu glauben, dass man selbst „immun“ gegen Dolls ist. Sie sind keine übergroßen Masturbatoren. Sex ist nur eine nette Nebenfunktion. Sie sind künstliche Partner. Es liegt nur an euch selbst, was eine Doll für euch sein kann.

(Seit dem 01.07.21 gilt das in Deutschland leider nicht mehr. Menschen ihren geliebten synthetischen Partner zu entreißen und diesen zu vernichten ist menschenverachtend. Ein glücklicher Puppenbesitzer hat seinen Partner bereits gefunden. Er ist somit harmlos. Diese Dolls sind nicht das Problem sondern die Lösung. Die Klagen gegen Puppenverbote sollte man dringend unterstützen!)

Dein Beitrag zum besseren Verständnis von Liebespuppen

Zur Wirkung von Sexpuppen mit kindlichem Erscheinungsbild gibt es bisher kaum wissenschaftliche Studien und entsprechend wenig Evidenz. Es gibt Theorien, dass sie ein Schutzfaktor gegen Kindesmissbrauch sein könnten und andere Theorien, dass sie Kindesmissbrauch begünstigen könnten.

Eine andere, aus meiner Sicht wesentliche Fragen, nämlich wie sie sich der Besitz auf die psychische Gebundenheit von Pädophilen auswirkt, ob sie also zum Beispiel helfen können, Einsamkeit, Depression und Suizidalität zu reduzieren, scheint noch nicht mal als Fragestellung entdeckt worden zu sein.

Das Fenster, um Daten sammeln zu können, droht sich zu schließen. In einigen Ländern (z.B.in Australien und seit dem 01.07.2021 in Deutschland) sind kindlich aussehende Liebespuppen bereits verboten. Andere Länder denken über Verbote nach. Falls sich diese Verbote international durchsetzen, wird eine Legalisierung zu einem späteren Zeitpunkt nahezu unmöglich werden, denn es wird unmöglich werden, wissenschaftlich abgesicherte Belege über die tatsächliche Wirkung von kindlich aussehenden Liebespuppen zu sammeln.

Ohne diese Daten würde man eine Legalisierung als Experiment mit der Sicherheit von Kindern und deshalb als ethisch unvertretbar darstellen. Eigentlich wäre das auch ein starkes Argument gegen die Einführung von Verboten zum jetzigen Zeitpunkt, da es sehr gut möglich ist, dass Verbote für den Kinderschutz schädlich sind. Ekel und Moralismus sind Gift für einen evidenzbasierten Kinderschutz, haben in Deutschland aber vorerst gesiegt.

Es bleibt also nicht viel Zeit, um Klarheit über die Wirkung von kindlich aussehenden Liebespuppen zu gewinnen. Jedes Forschungsprojekt, dass es sich zum Ziel gesetzt hat, hier Erkenntnisse zu sammeln, ist es wert, unterstützt zu werden. Nur so kann eine wissenschaftlich abgesicherte Evidenzbasis für sinnvolle gesetzgeberische Entscheidungen geschaffen werden.

Es gibt aktuell drei Forschungsvorhaben, von denen ich weiß, die ein besseres Verständnis der Wirkung solcher Puppen ermöglichen wollen. Zwei der Studien sammeln über aktuell geöffnete Umfragen Informationen von Puppenbesitzern. Um Vergleiche ziehen zu können bedarf es natürlich auch einer geeigneten Vergleichsgruppe. Deshalb ist die Teilnahme von Nicht-Besitzern ebenfalls wichtig und wertvoll.

Die Umfrage von Dr. Craig Harper und Rebecca Lievesley von der Nottinham Trent ist nur in englischer Sprache verfügbar. Auf der Startseite wird das Ziel wie folgt beschrieben:

This study aims to develop an understanding of sexual behaviours and psychological variables relating to sexual interests. In order to achieve the objectives of the study, we are recruiting people with a range of interests and asking a range of questions (e.g., related to predominant interests, behaviours, and activities such as sex/love doll use). You will be required to complete a series of questions and an implicit association test that relate to sensitive themes, such as your attitudes, behaviours and thinking styles about sex, as well as questions about your mental health. This study should take approximately 20 minutes to complete.

Hier (<- klick mich) der Link für die Teilnahme.

Die Umfrage von Dr. Johannes Fuß und Jeanne Desbuleux vom Institut für Sexualforschung in Hamburg (UKE) kann auch auf Deutsch beantwortet werden. Der Aufruf der Forscher zur Teinahme:

Liebe Alle,

wir sind Jeanne Desbuleux und Johannes Fuß vom Institut für Sexualforschung in Hamburg. Wir laden Sie herzlich ein bei unserer Studie mitzumachen. Diese ist unter Mitarbeit von Mitgliedern der doll community entstanden.  

Wir möchten drei Fragen erforschen:

1. Welche Wünsche haben Sie hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung von Sexrobotern?

2. Hat sich durch die Nutzung von Sexpuppen Ihre eigene Sexualität verändert?

3. Wie lebendig nehmen Sie Ihre Puppe wahr und hat das etwas mit Ihrer Wahrnehmung von anderen Menschen zu tun?

Es geht uns darum, dass die mediale und auch politische Diskussion über die Nutzung von Sexpuppen nicht länger ohne wissenschaftliche Daten geführt werden soll. Dafür brauchen wir Ihre Hilfe. Es ist uns sehr wichtig zu betonen, dass wir keine Vorurteile bedienen wollen.

Falls Sie Fragen, Anmerkungen oder Kritik haben, kontaktieren Sie uns sehr gerne entweder unter sexualforschung@uke.de.

Der Fragebogen dauert in etwa 15 Minuten und ist komplett anonym. Nach der Auswertung werden wir unsere Erkenntnisse gerne mit Ihnen teilen.

Alles Gute und vielen Dank!

Jeanne Desbuleux und Johannes Fuß

Hier (<- klick mich) der Link für die Teilnahme.

Damit Studien Erkenntnisse liefern können, ist es wichtig, dass die Fragen ehrlich beantwortet werden. Natürlich wird dies auch durch Studiendesigns abgesichert, um etwaige „Trolle“ zu identifizieren. Hinzu kommt, dass Studien reproduzierbar sein müssen. Manipulationsversuche (in welche Richtung auch immer) sind letztlich zwecklos. Wer teilnimmt und ehrlich antwortet, kann dazu beitragen wichtige Erkenntnisse zu sammeln, die dringend benötigt werden. Also: mitmachen!

Nachtrag:

Bei der Umfrage des UKE bin ich als Nicht-Puppenbesitzer auf das Hindernis gestoßen, dass ich zwar angeben kann, keine Puppe zu besitzen und auch nie eine besessen zu haben, danach aber Fragen kommen, die scheinbar einen Puppenbesitz zwingend voraussetzen. Ich selbst bin zunächst bei der Frage nach der Größe meiner Puppe hängen geblieben. Es handelt sich um eine Muss-Angabe. Da ich keine Puppe besitze, konnte ich keine Wahrheitsgemäße Aussage treffen und habe die Umfrage zunächst unterbrochen. Ich habe auf meine Nachfrage die Antwort erhalten, dass man anhand mancher Fragen identifizieren kann, ob jemand eine Puppe besitzt und es deshalb unschädlich ist, wenn man trotzdem Angaben etwa zur Größe einer Puppe macht.

Ich habe mich danach noch einmal an die Umfrage gewagt, wieder angegeben, dass ich keine Puppe besitze und die sonstigen Muss-Antworten auf Basis der Wünsche, Hoffnungen oder Erwartungen ausfüllen, die ich mit dem Besitz einer Puppe verbinde.

Was aussieht wie Liebe, ist wahrscheinlich Liebe

Meine Artikel sind leider meist zu lang. Ich wollte einen Artikel schreiben, in dem es um die Frage toxischer Beziehungen gehen sollte. Ich habe also angefangen zu schreiben und – nach der Einleitung – die gebräuchlichen Definitionen zu toxischen Beziehungen zitiert. Ich habe dann festgestellt, dass ich zu diesem Zeitpunkt bereits zweieinhalb Seiten „Einleitung“ geschrieben hatte. <seufz>

Ich versuche es also noch einmal neu. Im Grunde geht um die Frage der Beziehungsqualität einer (auch sexuellen) Beziehung zwischen einem Erwachsenen und einem Kind. Diese Konstellation gilt als das Gift schlechthin. Schlimmer kann es nach der Vorstellung vieler Menschen nicht mehr werden. Das Wort vom „Seelenmord“ kommt ja nicht von irgendwo. Es spiegelt, was dem Kind nach gängiger Auffassung widerfährt: seelische Folter bis hin zum seelischen Tod, nach dem vielleicht eine Wiederbelebung möglich ist, aber ein dauerhafter, irreparabler Schaden entstanden ist.

Spiegelt das aber auch die Realität?

In der Süddeutschen Zeitung erschien gerade ein Interview mit dem Psychologen Martin Janning, in dem es um sexuelle Gewalt an Kindern geht. Auf die Frage, ob sich die Kinder schuldig fühlen, wenn die Taten herauskommen führt Janning aus:

Eine Besonderheit gibt es noch, wenn es um pädophile Täterstrukturen geht: Die sexuelle Gewalt ist dort eingebunden in ein Fürsorgeverhalten. Da geht es oft um Kinder, die vorher schon einen großen Mangel an elterlicher Zuwendung erlebt haben. Dann kommt zum Beispiel ein Stiefvater und gibt dem Kind, was es eigentlich braucht: Liebe, Zuwendung und Zeit. Danach hat der Täter leichtes Spiel, das Kind zu manipulieren und seine Wahrnehmung zu beeinflussen. Er zeigt ihm einen Film mit einem Kind, das einen Mann befriedigt, und sagt ihm, das dürfe es auch mal machen, das sei aber ein Geheimnis. Das Kind ist völlig verwirrt, zweifelt an der eigenen Wahrnehmung. Es wird immer weiter desensibilisiert. Und schließlich geht die Initiative sogar vom Kind aus, um den Wünschen und Erwartungen des Täters zu entsprechen. Das verstärkt am Ende die Schuldgefühle des Kindes.

Die Behandlung sieht so aus:

Wir helfen dem Kind, eine Sprache zu finden, wie schrecklich es ist. (…) Damit sich ein Kind nicht mehr im Spiegel des Täters oder der Täterin definiert, benötigt es äußere und innere Distanz. Dafür braucht es Bedingungen, sich aus pathologischen Abhängigkeitsbeziehungen zu befreien.

„Pathologische Abhängigkeitsbeziehung“ scheint mir das selbe auszudrücken wie „toxische Beziehung“. Die Beziehung definiert sich nach ihrer krankmachenden, vergiftenden, schädlichen Wirkung. Das Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik (Stangl, 2021) schreibt zum Stichwort: ‚toxische Beziehung‚:

In den Medien findet man immer wieder die populärwissenschaftliche Bezeichnung toxische Beziehung, wobei der Begriff toxisch in diesem Zusammenhang grundsätzlich irreführend ist, denn eine Beziehung kann im Grunde nicht giftig sein. Auch ist es nicht die Beziehung selbst, die toxisch oder vergiftet ist, sondern es sind immer die Verhaltensweisen des jeweiligen Partners, die vergiftend auf eine Beziehung wirken können. Dabei ist es äußerst individuell, was in einer Beziehung als vergiftend erlebt wird, wobei damit gemeint ist, wenn ein Part unter der Beziehung leidet, und zwar körperlich aber auch vor allem psychisch. Der Begriff der toxischen Beziehung ist damit eine Definition für Partnerschaften, die mehr Kraft kosten als geben, wobei dieser irreführende Sprachgebrauch aber bei Psychotherapeuten, in Magazinen und Ratgebern immer häufiger zu finden ist. Studien stellen sogar einen Zusammenhang zwischen Depressionen, Schlaflosigkeit, erhöhtem Stresssyndrom und einigen Krebsarten fest, sodass negative Beziehungen bei den Partnern sogar zu einer höheren Sterblichkeit führen können. Nach Psychology Today zeichnen sich toxische Beziehungen durch Unsicherheit, Kontrollsucht, Egoismus und den anderen herabwürdigenden Verhaltensweisen wie Kränkungen, Beleidigungen und Ignoranz aus. Ob ein Mann oder eine Frau in einer toxischen Beziehung steckt, erkennt er oder sie daran, dass es ihm oder ihr wegen des Partners die meiste Zeit schlecht geht, er oder sie aber trotzdem nicht von ihm oder ihr loskommt. Menschen, die in solchen toxischen Beziehungen stecken, verändern sich häufig, denn waren sie zu Beginn der Partnerschaft noch fröhliche, offene und ausgeglichene Personen, sind sie nach einiger Zeit eher traurig, in sich gekehrt und nervlich angegriffen. Das lässt sich oft aus Fotos aus der Zeit vor dem Partner und mit dem Partner erkennen.

In jeder Beziehung treffen unvollkommene Menschen aufeinander. Niemand ist immer perfekt, liebevoll, verständnisvoll, warmherzig, geduldig usw. Das muss aber auch niemand sein.

Perfektion ist im Grunde sogar schädlich, genau wie es für einen Menschen schädlich wäre, ohne jeden Kontakt zu Krankheitserregern aufzuwachen. Er kann dann sein Immunsystem nicht trainieren und nicht fit für die Welt werden, in der er später leben muss. Im Extremfall kann ein Schnupfen dann lebensgefährlich werden.

Wer den anderen stets als perfekt erlebt, wird glauben, auch selbst perfekt sein zu müssen. Und wird, weil er ein Mensch ist, daran scheitern. Jemand, dem jeder Wunsch von den Lippen abgelesen wird, wird das auch in Zukunft erwarten und sich von einer Realität, die dem Anspruch nicht gerecht wird, ungerecht behandelt fühlen. Er wird hilflos statt selbstständig und glücklich.

Fehler sind also erlaubt und eine Beziehung wird nicht automatisch toxisch, wenn man Fehler macht. Der entscheidende Punkt ist: wenn eine Beziehung mehr Kraft kostet als sie gibt, ist sie toxisch. Wenn sie einem dagegen mehr Kraft gibt, dann ist sie hinreichend gut.

In der Charakterisierung von Martin Janning gibt es bei pädophilen Strukturen ein Fürsorgeverhalten. Kinder, die einen großen Mangel an Zuwendung erlebt haben, bekommen das, was sie eigentlich brauchen: Liebe, Zuwendung und Zeit.

Ich habe in der Vergangenheit schon wiederholt den Kinderpsychiater Paulus Hochgatterer zitiert, nach dessen Erfahrung es einen ganz wichtigen prognostischen Faktor gibt, der etwas darüber aussagt, ob sich ein Kind gut entwickelt oder schwierig wird:

„One caring person“. Das ist eine Person, idealerweise eine erwachsene, bei der das Kind das Gefühl hat, dieser Mensch interessiert sich für mich, diesem Menschen bin ich wirklich ein Anliegen. Das kann ein Elternteil sein oder ein Großelternteil, das kann jemand in einer sozialpädagogischen Wohngemeinschaft sein, eine Tante oder ein Onkel. Es ist dabei überhaupt nicht wichtig, ob das ein Mann oder eine Frau ist.

Nach Hochgatterer und Janning gibt es für ein Kind in einer pädophilen Beziehung also auch viel zu gewinnen und zwar ganz besonders dann, wenn es von den Eltern oder anderen Bezugspersonen zu wenig Zuneigung, Liebe, Interesse, Zärtlichkeit und Gemeinsamkeit bekommt. Es können nicht die Liebe, Zuwendung und Zeit sein, die das Kind nach Janning vergiften.

Es bleibt also der Sex. Die Vorstellung von Sex als Gift ist ein vergifteter Rest überkommener jüdisch-christlicher Moralvorstellungen. Soweit es Erwachsene betrifft, hat sich die Gesellschaft inzwischen einigermaßen davon lösen können. Erlaubt ist, was gefällt. Bei Kindern ist dies (noch?) nicht gelungen. In der Vorstellung ist ein Kind rein und unschuldig. Sex ist schmutzig und deshalb schuldbeladen. Erst im Zusammentreffen dieser beiden Vorstellungen wird Sex mit einem Kind zum Seelenmord.

Zumindest kleine Fortschritte gibt es aber doch. Redete man den Kinder vor 100 Jahren noch ein, sie würde durch Masturbation ihr Rückenmark schädigen, so hat sich das inzwischen geändert. Kindern wird Sexualität nicht mehr gänzlich abgesprochen. Es gilt als unbedenklich, wenn ein 12-jähriger Junge die Sexualität für sich entdeckt und masturbiert. Es wird sogar zu Gelassenheit aufgerufen, wenn Kinder Doktorspiele miteinander machen (solange kein körperlicher oder seelischer Druck im Spiel sei oder ein Kind sich wehrt). Und auch zwei 12-jährige haben gute Chance in Ruhe gelassen zu werden, wenn sie etwas miteinander „treiben“.

Warum soll es normal und unbedenklich sein, wenn ein 12-jähriger masturbiert und zumindest geduldet bzw. ignoriert, wenn zwei Zwölfjährige Oralverkehr haben. Wenn aber ein erwachsener Mund, den Penis des Jungen berührt, ist auf einmal dessen Leben vorbei und er erfährt „unendliches Leid“. Warum? An irgendwelchen besonderen Erwachsenen-Mikroben kann es nicht liegen.

Janning stellt die Situation so dar:

Danach hat der Täter leichtes Spiel, das Kind zu manipulieren und seine Wahrnehmung zu beeinflussen. Er zeigt ihm einen Film mit einem Kind, das einen Mann befriedigt, und sagt ihm, das dürfe es auch mal machen, das sei aber ein Geheimnis. Das Kind ist völlig verwirrt, zweifelt an der eigenen Wahrnehmung. Es wird immer weiter desensibilisiert. Und schließlich geht die Initiative sogar vom Kind aus, um den Wünschen und Erwartungen des Täters zu entsprechen. Das verstärkt am Ende die Schuldgefühle des Kindes.

Ich halte es für ziemlich plausibel, dass die Begegnung mit Erwachsenensexualität für Kinder verwirrend sein kann. Traumatisierend ist sie deshalb nicht.

Die Kognitionspsychologin Dr. Susan Clancy, die sich schwerpunktmäßig mit Erinnerungen beschäftigt, erforschte ab Mitte der 90er Jahre, wie Missbrauchsopfer ihr Erleben erinnern. Die Mehrheit der Befragten hatte nie Gewalt erlebt und keine Erinnerung an Schmerzen, sondern berichteten hauptsächlich von Verwirrung. Ein psychischer Schaden begann regelmäßig mit der Erkenntnis, dass ihr Vertrauen und ihre Unschuld missbraucht worden waren. 2010 veröffentlichte Sie dazu das Buch „The Trauma Myth. The Truth About the Sexual Abuse of Children – and Its Aftermath“. Die Sexualität wurde auch teilweise positiv erlebt. Ein Beispiel aus dem Buch:

Einige Personen – niemals solche mit Penetrationserfahrung – berichteten auch, dass sie sexuell auf das reagierten, was ihnen geschah, und dass es sich manchmal gut anfühlte. „Es war verwirrend, aber ich mochte es. Es war ein gutes Gefühl.“ „Es war der erste Kontext, in dem ich sexuelles Vergnügen hatte..“ Eine Person, die von ihrem Camp Counselor viktimisiert wurde, war sich ganz sicher darin, dass sie es genoss: „Ich pflegte mich darauf zu freuen, dass er in meine Koje kroch. Es fühlte sich gut an. Was er tat, fühlte sich gut an. Es war das erste Mal, dass ich Erektionen entwickelte. Als er aufhörte… dachte ich, er täte es mit jemand anderem… war ich wütend auf ihn.“

Ein Beispiel mit Penetrationserfahrung wird in dem Buch „Herausforderung Pädophilie – Beratung, Selbsthilfe, Prävention“ von Claudia Schwarze (Leiterin der Psychotherapeutischen Fachambulanz in Nürnberg) und Dr. Gernot Hahn (Leiter der Forensischen Ambulanz im Klinikum Erlangen) geschildert:

Auch die auf eine Strafanzeige folgenden Vernehmungen und Kontakte mit Polizei und Richtern können belastende Folgen des sexuellen Missbrauchs darstellen. Dazu berichtet Jens (39), ein Klient aus unserer ambulanten Therapiegruppe, rückblickend: „Da war ich ja gerade 13 geworden, als ich Gerhard kennenlernte. Den fand ich richtig gut, menschlich, was der so drauf hatte, aber eben auch körperlich. Der hatte immer viel Sport gemacht und sah gut aus. Er gefiel mir. Wir hatten dann eine richtige Beziehung und eben auch Sex. Das war richtig schön. Gerhard war so zärtlich zu mir. Das war nicht nur rein raus und fertig. Blöd fand ich nur, dass das Ganze geheim bleiben musste. Ich wusste ja, dass der das nicht darf. Und mir war’s natürlich peinlich. Wenn die das in der Schule herausgefunden hätten … Das wollte ich mir gar nicht vorstellen. Zur Belastung wurde die Beziehung zu Gerhard erst, als alles aufflog und er verurteilt wurde. Da war ich richtig schockiert. Ich hatte ja das Gefühl, dass nichts Schlimmes passiert, und trotzdem schicken sie ihn in den Knast. Ich hatte ganz schöne Schuldgefühle, weil ich ja auch aussagen sollte vor Gericht.“

Nochmal aus der Schilderung von Janning:

Das Kind ist völlig verwirrt, zweifelt an der eigenen Wahrnehmung. Es wird immer weiter desensibilisiert. Und schließlich geht die Initiative sogar vom Kind aus, um den Wünschen und Erwartungen des Täters zu entsprechen. Das verstärkt am Ende die Schuldgefühle des Kindes.

Die Zweifel an der eigenen Wahrnehmung gibt es während des Geschehens nicht – außer, wenn es weiß, dass die Handlung als „schmutzig“ und „schlecht“ gilt – sich aber gut anfühlt.

Das Kind kann einen Kontakt etwa als verwirrend (weil neu und bisher unverstanden) und als störend, unangenehm, neural, angenehm oder schön empfinden. Einen Grund an seiner Wahrnehmung zu zweifeln hat es normalerweise nicht.

Ein Kind, das keinen Oliven mag, wird nicht an seiner Wahrnehmung zweifeln, nur weil ein Erwachsener Oliven als unglaublich schmackhaft anpreist. Es mag sich überreden lassen, sie noch einmal zu kosten. Aber das Ergebnis wird regelmäßig das selbe bleiben.

Wenn die Mutter dem Kind sagt: „Wenn du keine Oliven isst / nicht an Gott glaubst / schwul bist, dann bist du nicht mehr mein Sohn / bringe ich mich um / liebe ich dich nicht mehr!“ verursacht das wahrscheinlich schweren Schaden. So etwas kann ähnlich natürlich auch in anderen asymmetrischen Beziehungen vorkommen.

Genauso gilt: wenn man jemandem, der eine Tomate gegessen hat, einredet, es habe sich um einen Paradiesapfel gehandelt, der Esser sei durch den Verzehr der Erbsünde anheimgefallen und man den schrecklichen Schaden an seiner Seele später immer wieder thematisiert, muss man sich nicht wundern, wenn die Person, die die Tomate gegessen hat, anschließend psychische Probleme bekommt.

Die Erwartung, dass das Kind einen sexuellen Kontakt furchtbar oder traumatisierend findet, ist eine Erwachsenen-Erwartung, die in das Kind hineingelegt wird.

Die klinischen Psychologen S. Burkhardt & A. Rotatori schreiben im Buch „Treatment and Prevention of Childhood Sexual Abuse: A Child-Generated Model“ hierzu:

Aufgrund der moralisch verwerflichen Natur des sexuellen Kindesmissbrauchs haben die Forscher die verständliche Tendenz, die Ängste, Ekel und Schrecken in das kindliche Opfer zu projizieren. (…) In dieser Erwachsenenposition wird die Sicht des Kindes kaum wahrgenommen.

Es ist also nicht das Kind, das an seiner Wahrnehmung zweifelt, sondern der Psychologe (der Trauma-Therapeut, …) zweifelt an der Wahrnehmung des Kindes.

Nochmal Janning zur Behandlung:

Wir helfen dem Kind, eine Sprache zu finden, wie schrecklich es ist. (…) Damit sich ein Kind nicht mehr im Spiegel des Täter oder der Täterin definiert, benötigt es äußere und innere Distanz. Dafür braucht es Bedingungen, sich aus pathologischen Abhängigkeitsbeziehungen zu befreien.

Das Trauma entsteht, wenn dem Kind beigebracht wird, dass es – insbesondere sein Vertrauen – missbraucht wurde. Es wird zum Spiegel der Ängste, des Ekels und Schreckens des Erwachsenen.

Es ist dieser Spiegel der zum Trauma führt und dazu, dass das Kind an seiner Wahrnehmung zweifelt. Denn es wird ihm von Autoritätspersonen (Eltern, Polizisten, Richter, Psychologen, Therapeuten) beigebracht, dass es die Situation völlig falsch einschätzt hat und so naiv war, etwas katastrophal Schreckliches nebensächlich oder gar schön zu finden.

Wie kann es sich beim nächsten mal oder jemals wieder in seinem Leben sicher sein, nicht erneut getäuscht zu werden? Wie kann es seiner eigenen Wahrnehmung jemals wieder vertrauen, wenn ihm die Verlässlichkeit seiner Wahrnehmung mit einer für ein Kind überwältigenden Autorität abgesprochen wird? Wenn erst die Umweltreaktionen und eine fehlgeleitete Behandlung zu der seelischen Erschütterung führt, die sie voraussetzt, hat der Kinderschutz auf ganzer Linie versagt.

Der ehemalige FBI-Beamte Kenneth V. Lanning hat sich beruflich jahrzehntelang mit forensischer Kriminologie (Fallanalyse, Verhaltensanalyse, Profiling) bei Kindesmissbrauch beschäftigt. Er ist Autor der 2010 erschienenen fünften Edition von „Child Molesters: A Behavioral Analysis – For Professionals Investigating the Sexual Exploitation of Children“. Zwei Zitate daraus:

Diese Täter verführen Kinder auf die gleiche Weise wie Erwachsene einander verführen. Diese Technik ist kein großes Geheimnis. Zwischen zwei Erwachsenen oder zwei Teenagern wird sie gewöhnlich als Dating bezeichnet. Früher nannte man es Hofieren. Der Hauptunterschied liegt jedoch in der Diskrepanz zwischen der erwachsenen Autorität des Kindermissbrauchers und der Verletzlichkeit des kindlichen Opfers. (Seite 27)

(…)

Da die Opfer von Beziehungsmissbrauch in der Regel behutsam verführt wurden und sich oft nicht bewusst sind, dass sie Opfer sind, kehren sie wiederholt und freiwillig zum Täter zurück. Die Gesellschaft und die Strafjustiz tun sich schwer damit, dies zu verstehen. Wenn ein Junge von seinem Nachbarn, einem Lehrer oder einem Geistlichen belästigt wird, warum „erlaubt“ er dann, dass es weitergeht? Höchstwahrscheinlich ist er sich zunächst nicht bewusst, dass er ein Opfer ist. Manche Opfer sind einfach bereit, Sex gegen Aufmerksamkeit, Zuneigung und Geschenke einzutauschen und glauben nicht, dass sie Opfer sind. Der Sex selbst kann sogar genossen werden. Der Täter behandelt sie vielleicht besser, als sie sonst jemals von jemandem behandelt wurden. Unter Umständen wird ihnen bewusst, dass sie Opfer sind, wenn der Täter sie verstößt. Dann erkennen sie, dass all die Aufmerksamkeit, Zuneigung und Geschenke nur Teil des Masterplans waren, sie zu benutzen und auszubeuten. Dies kann der endgültige Schlag für ein gestörtes Kind sein, das ein schwieriges Leben hinter sich hat. (Seite 75)

Es sind nicht irgendwelche Erwachsenen-Mikroben, die dem Kind Schaden zufügen. Es ist der gefühlte Verrat, der Vertrauensbruch, die Täuschung.

Aber was, wenn es gar keinen Verrat, keinen Vertrauensbruch, keine Täuschung gab?

Wer homosexuell ist, fühlt sich zum eigenen Geschlecht so hingezogen, wie heterosexuelle Menschen sich zu Menschen des anderen Geschlechts hingezogen fühlen. Die Lebensäußerungen, Verhaltensweisen, Empfindungen und Interaktionen sind substantiell die gleichen. Sie unterscheiden sich nur dadurch, dass sie sich auf Menschen mit diesem oder jenem Körperschema richten.

Wenn Pädophile und Hebephile die gleichen Techniken der Verführung wie heterosexuelle oder homosexuelle Erwachsene anwenden, dann weil sie von den selben Empfindungen dazu getrieben werden.

Wenn man – aus eigenem Wissen und eigenem Wollen – gerade nicht davon ausgeht, dass hinter jeder Beziehungsanbahnung eines Erwachsenen gegenüber einem anderen Erwachsenen in Wahrheit der Masterplan steckt, den anderen ausbeuten zu wollen, warum sollte es dann plausibel erscheinen, dass es der perfide Masterplan pädophiler Menschen bei der Beziehungsanbahnung zu einem Kind wäre, das Kind auszubeuten?

Wenn ein Pädophiler einem Kind Liebe, Zuwendung und Zeit schenkt, dann handelt es sich dabei nicht automatisch in Wirklichkeit um Verrat, Vertrauensbruch und Täuschung, nur weil sie von einem Pädophilen kommen.

Es gibt ein Sprichwort: „Wenn es aussieht wie eine Ente, schwimmt wie eine Ente und quakt wie eine Ente, dann ist es wahrscheinlich eine Ente.“ Mithin: was aussieht wie Liebe, ist wahrscheinlich Liebe.

Eine toxische Beziehung ist eine die mehr Kraft kostet als Kraft gibt. Es gibt Zeichen, die darauf hindeuten können:

Menschen, die in solchen toxischen Beziehungen stecken, verändern sich häufig, denn waren sie zu Beginn der Partnerschaft noch fröhliche, offene und ausgeglichene Personen, sind sie nach einiger Zeit eher traurig, in sich gekehrt und nervlich angegriffen

Umgekehrt gilt: wenn ein Kind durch eine Beziehung aufblüht, ist es keine toxische Beziehung.

Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass die Beziehung eines (vielleicht sogar wohlmeinenden) Pädophilen zu einem Kind für das Kind toxisch ist oder wird. Zunächst einmal gibt es (wie in jeder Bevölkerungsgruppe) auch unter Pädophilen Egoisten, Narzissten und Soziopathen, die ein erhöhtes Risiko für toxische Beziehungen aufweisen. Es gibt auch Menschen, die zu viele Probleme mit sich selbst haben, um ein guter Partner für einen anderen sein zu können. Menschen, die Schwächen oder Bedürfnisse haben, die der Jüngere meint, irgendwie auffangen zu müssen, obwohl er dazu gar nicht in der Lage sein kann. Es gibt Verwicklungen wie Eifersucht (auf Zeit, auf Freunde, …).

Sind toxische Beziehungen in Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern häufiger als in Beziehungen zwischen Erwachsenen?

Die Gesellschaft unterstellt, dass sexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern für Kinder stets toxisch sind. Ich glaube dies nicht und halte die Existenz hinreichend guter Beziehungen aufgrund zahlreicher Fallbeispiele, von denen ich auch hier im Blog bereits berichtet habe, für gut belegt (z.B. hier, hier, hier und hier). Aber über die Häufigkeit in die eine oder andere Richtung kann ich nur spekulieren.

Meine Erwartungshaltung ist, dass toxische Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern ebenso häufig oder selten sind, wie sie es bei Beziehungen zwischen Erwachsenen sind. Der Grund für diese Annahme ist meine Vermutung, dass es sich um eine Charakterfrage handelt: wenn eine Beziehung toxisch wird, liegt das am Charakter eines der Partner und die Wahrscheinlichkeit, dass diese Person in der Folge auch weitere Beziehungen toxisch werden lässt, ist enorm hoch. Die Verteilung des Charakters korreliert nicht in erkennbarer Weise mit der Verteilung von sexuellen Neigungen.

Es wäre aber auch möglich, dass toxische Beziehungen häufiger vorkommen, wenn man annimmt, dass sie auf der Ausnutzung eines Machtungleichgewichts beruhen. Die relative Schwäche des Kindes gegenüber dem Erwachsenen gibt einem zu toxischem Verhalten neigenden Erwachsenen die Gelegenheit, die dazu führt, dass seine schlechten Eigenschaften zur Geltung kommen können. Dies scheint auch ein wichtiges Element der gesellschaftlichen Beurteilung zu sein. Aus Sicht von Lanning liegt der Hauptunterschied in der Diskrepanz zwischen der erwachsenen Autorität und der Verletzlichkeit des Kindes.

Allerdings scheint es mir möglich und auch nicht unwahrscheinlich, dass die Diskrepanz tatsächlich eher einen Schutzfaktor darstellen könnte. In Beziehungen zwischen volljährigen Partnern wird heute – fälschlicherweise – Symmetrie angenommen. Symmetrische Beziehungen existieren praktisch nicht. Stattdessen sind Beziehungen normalerweise wechselseitig asymmetrisch (Im Volksmund: „Die ergänzen sich aber gut!“). Die Annahme von Symmetrie kann Missbrauch erleichtern, weil man bei „Waffengleichheit“ vermeintlich keine Rücksicht nehmen muss.

In altersmäßig asymmetrischen Beziehungen trägt der ältere Partner aufgrund seiner intellektuellen und strukturellen Überlegenheit deutlich mehr Verantwortung als der jüngere Partner. Gerade weil der Erwachsene um seine Überlegenheit weiß, wird er sie nicht zum Nachteil des Jüngeren ausnutzen wollen. Jemandem, für den man romantische Gefühle hegt, will man normalerweise ohnehin auf keinen Fall weh tun oder schaden. Hinzu kommt, dass auch Pädophile, den Wunsch haben, ein guter Mensch zu sein. Mit dem Ausnutzen von Überlegenheit ist dieser Wunsch nicht kompatibel. Ein positives Selbstbild ist für die meisten Menschen sehr wichtig und gerade jemandem, der unter Generalverdacht steht, ein Monster zu sein, wird es besonders wichtig sein, mit seinem Handeln den Gegenbeweis anzutreten – und sei es nur für sich selbst.

Wenn Kenneth V. Lanning, der ehemalige FBI Verhaltens-Analytiker mit jahrzehntelanger Erfahrung und Spezialisierung auf Kindesmissbrauch, meint:

Manche Opfer sind einfach bereit, Sex gegen Aufmerksamkeit, Zuneigung und Geschenke einzutauschen und glauben nicht, dass sie Opfer sind. Der Sex selbst kann sogar genossen werden. Der Täter behandelt sie vielleicht besser, als sie sonst jemals von jemandem behandelt wurden.

dann schreibt er das nicht, weil er irgend etwas verharmlosen oder Verständnis für Pädophile wecken will.

Es geht ihm darum, Missbrauchstäter zu fassen. Da ein Teilsegment der Täter pädophil ist, will er sie verstehen, um sie besser fassen zu können. Jemand der diesen Wunsch hat, kann sich keine Wahrnehmungsverzerrungen erlauben, die dazu führen, dass er die Täter, die Opfer und die Tatumstände schlechter versteht, weil das dazu führen würde, dass weniger Täter erwischt werden.

Wir können uns deshalb sicher sein, dass Lanning nicht etwa spekuliert, sondern dass er in seinen Jahrzehnten Polizeierfahrung immer wieder auf genau solche Fälle gestoßen ist.

Aber was bedeutet es, wenn man eine Person verhaftet, überführt und verurteilt, weil sie Sex mit einem Kind hatte, wenn das Kind den Sex genossen hat und von dem Menschen, mit dem es den Sex hatte, besser behandelt wurde, als es jemals von jemand anderem? Wenn das Kind einen Menschen verliert, den es brauchte und der ihm gut getan hat und stattdessen ein gesellschaftlich angelegtes Trauma verpasst bekommt?

Löst man damit ein Verbrechen? Oder begeht man damit ein Verbrechen?

Liebe ist nicht erst ab einem gewissen Reinheitsgrad zulässig. Um eine Beziehung zu rechtfertigen, reicht es aus, wenn sie „hinreichend gut“ ist. Aber was heißt das in diesem Fall?

Auch wenn die Beziehung selbst nicht toxisch ist, muss es einem bewusst sein, dass die Umwelt für eine sexuell gefärbte Beziehung eines Erwachsenen mit einem Kind in der Regel toxisch ist. Ab einem gewissen Intimitätsniveau gibt es unvermeidlich die Problematik der Ächtung oder des zumindest unklaren Status der Freundschaft in der Gesellschaft.

Darf man es riskieren, einen geliebten Menschen jemandem auszuliefern, der ihm „hilft“, die Sprache dafür zu finden, wie schrecklich es war, geliebt worden zu sein?

Wir leben in einer Zeit, in der eine Ente keine Ente sein darf. Das darf man beklagen. Aber man darf es nicht ignorieren.