Leserbrief: Aus dem Leben eines Puppenspielers (2/3)

Heute berichtet tagesschau.de:

„Gräueltaten mit aller Kraft bekämpfen“

Außerdem soll eine ausdrückliche Regelung zur Strafbarkeit von Sexpuppen mit kindlichem Erscheinungsbild in das Strafgesetzbuch aufgenommen werden. Damit soll zugleich der Markt für solche Puppen stillgelegt werden. Der Strafrahmen für Herstellung und Verbreitung soll bei bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe liegen. Für Erwerb und Besitz sind bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe vorgesehen.

Kabinett billigt Entwurf – Gesetz gegen sexualisierte Gewalt auf dem Weg


Zur Nutzung eines Gegenstands zur autoerotischen Befriedigung mag man stehen wie man will. Ganz sicher handelt es sich aber nicht um eine Gräueltat.

Gräuel (Wortneubildung aus gleichbedeutend Greuel) bezeichnet etwas, das Grauen erregt. Im deutschsprachigen Kulturkreis erfuhr es eine Prägung durch die Bibel. Im modernen Sprachgebrauch werden besonders grausame und opferreiche Taten, etwa Kriegsverbrechen, als Gräuel oder Gräueltaten bezeichnet. Kriegsparteien pflegen sich im Rahmen der psychologischen Kriegführung gegenseitig Gräueltaten vorzuwerfen. Zur Abwehr solcher Vorwürfe kam während des Ersten Weltkrieges im deutschen Sprachgebrauch das Wort Gräuelpropaganda auf.

Wikipedia-Artikel „Gräuel

Gräuelpropaganda ist eine Form politischer Propaganda, bei der versucht wird, einen Gegner zu diffamieren, indem man ihm erfundene oder nicht von ihm begangene Untaten bzw. Gräuel zuschreibt oder von ihm unternommene Handlungen bewusst verzerrt darstellt und so skandalisiert. Sie ist ein häufiges Mittel psychologischer Kriegführung und kann im Krieg zur Motivation der eigenen Streitkräfte und Bevölkerung oder zur Beeinflussung der Weltöffentlichkeit eingesetzt werden.

Wikipedia-Artikel „Gräuelpropaganda

Es schützt auch in keiner Weise Kinder, zur autoerotischen Befriedigung geeignete Gegenstände, seien es Zeichnungen oder Puppen, zu verbieten:

  • Wenn man den Sexualtrieb befriedigt hat, ist er erst einmal „weg“ und nicht mehr handlungsleitend.
  • Wenn man den Sexualtrieb nicht befriedigt, bleibt er wirkmächtig und kann ggf. auch dann das Handeln bestimmten, wenn es besonders auf Kontrolle ankommt.

Eine Verbot von Handlungen, die den Sexualtrieb befriedigen und bei denen kein Kind ausgenutzt, missbraucht oder sonstwie geschädigt wird, ist also kontra-indiziert.

Wenn alles verboten wird, dass einem pädophilen Menschen sexuelle Entlastung verschaffen kann, dann kommt das einer Kriminalisierung der Neigung an sich gleich, denn irgendwie muss ein Mensch ja mit seinem Sexualtrieb umgehen.

Wir sind inzwischen an einem Punkt an dem nicht mehr die Verletzung der Rechte einer anderen Person bestraft wird, sondern die Tatsache, dass man so geboren wurde, wie man geboren wurde.

Hier nun der zweite Teil des Leserbriefes eines Puppenbesitzers:


Beim Zoll ging alles völlig problemlos und ich musste mein Paket auch nicht öffnen. Ich zahlte, was zu zahlen war und nahm das Paket mit nach Hause. ich war so aufgeregt, dass ich zunächst das Paket nicht gleich geöffnet hatte. Zudem wartete ich noch kurze Zeit ab, ob nicht doch plötzlich die Polizei bei mir vorfährt.   Schließlich eines Nachts um 3 Uhr überkam mich dermaßen die Neugierde, dass ich das Paket geöffnet hatte und meine neue kleine Prinzessin auspackte.

Ja es war ein kleines Silikonmädchen das einem Mädchen von ca. 5 – 6 Jahren nachempfunden war. Da mein AoA so bei 5 – 9 Jahren liegt, war die kleine Silikonmaus für mich schön anzusehen.

Ich legte sie auf mein Bett und war gleich mal von dem doch hohen Gewicht überrascht, das dem eines echten Kindes wohl im Vergleich zu vielem Anderem am ähnlichsten war.

So betrachtete ich den kleinen Körper und es war eine seltsame und aufregende Erfahrung als abstinent lebender pädophiler Mensch diese Doll zu berühren und mit ihr auch zu sprechen … ja zu sprechen, denn meine Fantasie ging bereits jetzt schon auf Reisen.

Da hierbei weder ein realer Mensch geschädigt wird, noch irgendwelche Persönlichkeitsrechte von realen Menschen verletzt werden, denke ich, dass gerade das sowohl mit der Ethik als auch mit der Moral ohne Weiteres gut zu vereinbaren ist.

Mit der Zeit lernte ich mit meiner Doll immer besser umzugehen, ich lernte wie man sie wäscht, anzieht, auszieht und mit ihr am Frühstückstisch sitzt. Ja ich fing an, mich um meine Doll zu kümmern als wenn sie ein atmender lebender Mensch wäre.

Die Einsamkeit war plötzlich fast schon wie weggeblasen, was mir vor allem psychisch sehr gut tat. Ansonsten änderte sich in meinem Leben gar nichts. Ich hatte vor allem durch meinen Beruf weiterhin viel mit Kindern zu tun, hatte weiterhin alle sozialen Kontakte, die ich davor auch schon hatte und hatte eben nun zusätzlich ein kleines Geheimnis, was an sich auch schon sehr prickelnd sein kann.

Für meinen Teil kann ich sagen, dass ich zweierlei Arten habe, wo ich meine Fantasie auf Reisen schicke.

Einerseits natürlich das Bedürfnis Sex mit einem Kind zu erleben, das sexuelle Verlangen nach einem Kinderkörper, was ich so oft ich will in meiner lebhaften Fantasie täglich haben kann, wenn ich es möchte. Dies ist für mich auch ein sehr intimer Moment, wo ich ganz alleine sein möchte. Für mich ist dies viel realer als es ein optisches Stimuli jemals sein könnte. Denn ich kann ja meine eigenen Szenarien dadurch durchspielen und rede und agiere auch akustisch dabei. Dies ist aber zeitlich sehr begrenzt wie es bei einer Masturbation eben ist. Nach dem Erleben eines Orgasmus, der dann nicht von dieser Welt ist, ist das Verlangen fast komplett verschwunden.

Andererseits gibt es diese beständige und in allen Lebensbereichen latent auftretende Traurigkeit, die der Einsamkeit geschuldet ist, die entsteht, wenn man ohne festen Partner durchs Leben geht. Das „sich um jemand kümmern wollen“ ist hier wohl im Vordergrund. Dies war für mich stets ein Problem, das viel gewaltiger ist, als die sexuelle Abstinenz. Und genau diese Einsamkeit, Depression und Traurigkeit kann ich mit Fantasien, die eben von völlig anderer Art sind mit meiner Doll auf ein erträgliches Maß reduzieren.

In seltenen Fällen habe ich natürlich auch eine Kombination von beidem, die ich wiederum mit meiner Doll perfekt leben und erleben kann.

Und genau dieser Abbau von Traurigkeit, Depressionen und Einsamkeit, die jeder Psychologe normalerweise begrüßen würde, soll nun ausschließlich für pädophil empfindende Menschen nicht nur unter Strafe gestellt werden … nein es soll als Verbrechen gelten, für das man jahrelang in einen kleinen Käfig mit Mördern und Kapitalverbrechern gesperrt werden soll.

Ja es kommt noch schlimmer, im 18+ Bereich haben viele Gesellschaftswissenschaftler die Befürchtung, dass eine Silikonpuppe zu Hause eine echte Partnerschaft erschwert, da die Partnersuche auch immer weiter in den Hintergrund rücken könnte.

Also, was sollen wir Pädos nun machen? Sollen wir keine Kinderpuppe kaufen, so wie es die Gesellschaftswissenschaftler sagen und eine „echte“ Beziehung anstreben? Oder sollen wir eine Kinderpuppe mal versuchen damit so der Wunsch einer „echten“ Partnerschaft in den Hintergrund rückt? Ich denke dass hier sämtliche Wissenschaftler ziemlich uneinig sich sind weil … niemand mit Puppenbesitzern reden möchte.

Parallell dazu habe ich mir die Zahlen von echtem Kindesmissbrauch angesehen und gesehen, dass dies ab dem Zeitpunkt wo Kinderdolls auf dem Markt kamen ca. 2011 immer weiter zurückgingen und das, obwohl man ja versuchte den Missbrauchsbegriff immer weiter auszudehnen bis eben heute, wo selbst der Gedanke einer realen Missbrauchstat gleichzusetzen wäre. Und entsprechend hart zu bestrafen ist. Letztlich besteht eine „Partnerschaft“ zwischen einem Pädo und einem Silikonkind aus Gedanken. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich habe teils jährlich mit allen Puppenverkäufern per Mail Kontakt gehabt, die nach Europa liefern und nach deren Aussagen sind zusammengenommen jedes Jahr ab ca. 2015 fast 1.000 Kinderpuppen alleine in den deutschsprachigen Raum verkauft worden.

Eine Schweizer Studie kommt nun zum Schluss, dass der Konsum von Kinderpornografie zu keinen nennenswerten Mehrverlangen beiträgt, mit einem realen Kind Sex zu erleben. Gleiches kann man bei jeglicher anderer Pornografie in Ländern sehen, wo dies erlaubt wurde und davor es eben verboten war.

Leserbrief: Aus dem Leben eines Puppenspielers (1/3)

Aktuell werden Verbote von kindlich aussehenden Sexpuppen diskutiert und es gibt sogar bereits einen einstimmigen Beschluss des Parlaments von Nordrhein-Westfalen, dass ein solches Verbot angestrebt werden soll. Angestrebt wird ein Totalverbot, von Herstellung über Verbreitung, Import, Erwerb und Besitz.

Pädophile, die entweder (noch) keine Puppe besitzen oder kein Interesse an einer Puppe haben, sehen darin in erster Linie, die Botschaft, dass ihre Neigung als solche kriminalisiert werden soll. Dass es der Gesellschaft nicht (mehr?) um den Schutz von Kindern geht, sondern darum, Pädophile in die Enge zu trieben und „einzuschränken“.

Für Betroffene, die bereits eine solche Puppe besitzen, bedeutet das angestrebte Verbot die Gefahr, die Möglichkeit einer legalen Triebbefriedigung zu verlieren. Dass daneben sogar noch ein anderer, für manchen vielleicht sogar tieferer Verlust droht, war mir bisher nicht bewusst.

Nachdem ich schon mehrfach über das Thema berichtet habe, hat sich ein Leser bei mir gemeldet, der von einem Verbot betroffen wäre.

Hier sein Leserbrief – da er in drei Etappen geschrieben wurde, werde ich ihn auch in drei Etappen veröffentlichen. Teil 1:


Liebe Pädogemeinde,

ich lese hier seit vielen Monaten mit und möchte Erfahrungen meines Pädolebens gerne hier kund tun, da diese vielleicht auch Anderen helfen.

Nun habe ich mich entschlossen einen Beitrag zu verfassen, durch die Ereignisse, der aktuellen Pädophielenverfolgung. Auch was Kinderpuppen und fiktive Kinderpornografie angeht. Mir ist aufgefallen, dass viele über Kinderpuppen diskutieren und jeder versucht über das Thema zu reden, aber mir ist kein Fall bekannt, wo ein Puppenbesitzer einmal zu Wort gekommen wäre und seine Erfahrungen in die Diskussion einbringen hätte können.

Hier und anhand meines Nicks kann der geneigte Leser sich vielleicht vorstellen, was ich in diese Diskussion einbringen kann.

Meine Wenigkeit besitzt seit 13 Jahren eine bis mehrere Kinderpuppen und da ich in der Materie sehr tief drin bin, denke ich, dass ich schon etwas zu dem Thema als auch zum Thema fiktive Kinderpornografie sagen kann.

Nun muss ich kurz ausholen und gehe in meine Kinderzeit zurück, in der ich ca. 6 Jahre alt war. Hier fing ich gerade mit dem Lesen an und kann mich noch gut an das erste Buch erinnern aus dem meine Mutter mir vor dem Einschlafen immer vorlas und mich als Bestätigung auch das eine oder andere Wort lesen hat lassen.

Genau in dem Alter entdeckte ich meine Pädophilie … besser, meine kindliche Sexualität. Mit diesem Alter fing ich an, bewusst Masturbation zu betreiben und hatte von da an fast täglich einen Orgasmus, den ich mir bereitete, was immer ein feuchtes Gefühl „danach“ in meinem Schlafanzug verursacht hatte.

Zunächst noch ohne optische „Stimulierung“ bzw.  edanken, die als Stimuli hätten fungieren können. Es war für mich wie eine schöne Massage vielleicht, oder einfach nur ein schönes Gefühl, das ich mir täglich selbst gegeben hatte.

Mit ca. 8 Jahren bekam ich plötzlich einen Drang bei dieser schönen Tätigkeit mir auch Bilder von anderen Personen anzusehen wobei ich hier offen lassen möchte zu welchem Geschlecht es mich mehr hin gezogen hat was auch nicht weiter eine Rolle spielen sollte.

Zunächst fand ich es schön, leicht bekleidete Erwachsene mir anzusehen. So kam ich auf Kinderunterwäscheseiten, wo bei mir sofort die „Post“ abging..

Durch unseren konservativ geprägten Haushalt ist mit mir über Sexualität auch nie gesprochen worden und dadurch dass meine Eltern wenig Zeit für mich hatten, hatte ich wohl auch die Zeit und Muße meinen eigenen Körper sehr früh zu entdecken.

Ich bin in den 70er und 80er Jahren groß geworden und habe deshalb auch einen Teil meines Lebens schon hinter mir. Straffällig geworden, oder mit Gesetzesübertretungen bin ich nie bzw. hatte ich auch nie zu tun.

Nun folgten Filme, die der mittlerweile jugendliche Puppenspieler mehr und mehr konsumiert hat und dabei auch fleißig  masturbiert hat. Kinder beim gymnastischen Turnen, Kinder in Kinderfilmen, Kinder in Kindersendungen … Kinder … Kinder … Kinder.

Alles verpackt in Nachmittagssendungen und im Vorabendprogramm im öffentlich-Rechtlichen.

Manchmal nahm ich Sendungen auf „Video 2000 oder VHS auf, um mir diese dann „in Ruhe“ ansehen zu können, wenn ich alleine war.

Auch wenn ich lange Zeit mit den einschlägigen Begrifflichkeiten bedingt durch meine fehlende Aufklärung wenig anfangen konnte, wusste ich doch, dass Kinder meine Welt waren und ich mich sehr wohl fühlte mit und unter Kindern, auch wenn ich selber langsam zum Jugendlichen heranreifte.

Mit meiner Pädophilie hatte ich nie ein Problem und sah es auch nie als ein Problem an, was sicher ein Nebeneffekt meiner fehlenden Aufklärung war. Da ich nicht 100 % kernpädophil bin, weiß ich einen jugendlichen/jungen erwachsenen Körper durchaus zu schätzen und habe mehrere wenn auch kurze Partnerschaften mit jungen Erwachsenen geführt.

Damals konsumierten meine Eltern regelmäßig die Bildzeitung.

Eines Tages, mit ca. 15 Jahren, schlug ich die Zeitung auf und sah eine Doppelseite über einen „McMullen“,  der Horror-Masken und Puppen für Hollywood herstellte und nun den Einfall hatte, Sexpuppen herzustellen.

Natürlich mit Puppenfotos als Beispielmaterial. Diese Puppen faszinierten mich, da sie damals schon sehr lebensecht rüber gekommen sind und ich damals sehr wohl wusste, was „aufblasbare Sexpuppen“ waren und wie primitiv diese dagegen aussahen.

Dort war eine Doll aus Silikon zu sehen, die in einer Holzkiste saß und mit einer Rose in der Hand ihren neuen Liebhaber aus Fleisch und Blut begrüßte.

Natürlich war mir damals schon klar, dass ich meine angeborene und im kindlichen Alter schon weitgehend ausgereifte Sexualität nie wirklich werde ausleben können und so entstand in mir sofort eine Verbindung zu dieser damals neuen Idee mit Silikonpuppen.

Die Puppe schrumpfte in meinem Kopf zur kindlichen Größe und „sprach“ mit kindlicher Stimme.

Ich denke, dass wir pädophil empfindenden Menschen Fantasien sehr real und plastisch in unseren Köpfen erleben können, was unserer schwer bis nicht auslebbaren Sexualität geschuldet ist. Ähnlich vielleicht einem Blinden, der dafür einen ausgeprägteren Tastsinn besitzt. So erlebte ich meine Fantasien als meine persönliche Realität im Kopf, die sich für mich dermaßen realistisch manifestierten, dass ich im Prinzip eine reale Situation erlebte, die freilich nur ich sah und die mein persönliches Geheimnis war.

Auch führte ich teils ein Doppelleben mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen als „Partner“, das aber nie lange hielt. Meist „nur“ bis zum ersten Versuch erfüllenden Sex zu erleben, was dann regelmäßig scheiterte und mir schwer zu schaffen machte.

Von dem Gedanken, dass eine Doll in entsprechender Größe diese Form von Einsamkeit vielleicht lindern könnte und die technische Entwicklung solch einer Doll ja nicht stehen blieb, war ich fasziniert.

Nun schnitt ich diesen Zeitungsartikel aus, da ich wusste, dass dies vielleicht ein Anfang sein würde von einem Faden der mich als eine Facette meines Lebens begleitet.

Dann fiel der Artikel warum auch immer doch in Vergessenheit und ich versuchte, leider erfolglos, weiter Partnerschaften mit jungen Erwachsenen aufzubauen, machte Karriere und genoss jede Sekunde, wo ich mit Kindern zusammen sein durfte, bis hin dass ich mir einen Beruf gesucht habe,, wo ich viel mit Kindern Zeit verbringen darf, was mich bis heute sehr erfüllt.

Da ich mich gegen Informatik innerlich eher wehrte, bekam ich erst mit Mitte dreißig meinen ersten PC und genau da fiel mir plötzlich wieder der Zeitungsartikel ein.

Meine Recherche-Möglichkeiten waren durch meinen PC zu dieser Zeit natürlich beachtlich gewachsen und so sah ich mir erstmals den aktuellen Stand an, was Silikonpuppen betraf.

Nun kam „Mr. Zufall“ zu Hilfe und ich kam in ein Forum wo sich ältere Damen riesig aufregten, über eine „Sexartikelfirma“ die Sexpuppen vertreiben und mitten drinnen ist … eine Puppe mit“sehr kindlichen Zügen“, was eine Sauerei war in ihren Augen.

So klickte ich den älteren Damen folgend auch auf den Link und … tatsächlich fand sich da ein Silikonmädchen das einem ca. 9 jährigen Mädchen nachempfunden war, lieb angezogen auf dem Rüssel von einem Spielzeugelefanten sitzend. Da traf mich fast der Schlag. da ich einst genau so ein Bild im Kopf hatte … damals als noch Bildzeitungsleser, als ich den Artikel über McMullen laß.

Nun ging ich zurück in das „reife Damen Forum“ und da regten sich noch mehr auf, dass sie sogar nun ein öffentliches Forum gefunden haben wo … oh Schreck Pädophile sich ganz offiziell austauschen konnten, was sie natürlich sofort allen Polizeidienstellen, dem Militär, Bundesgrenzschutz, der Nasa, Feuer wehren und Seelsorgeeinrichtungen gemeldet haben. Da wir aber in einer verfallenden Gesellschaft leben, tue niemand was.

Auch wusste ich nun, was Pädophilie war, was Kinderpornografie ist und dass die Polizei Jagd auf die Konsumenten machte. Dennoch, da diese Damen dem Link folgten, folgte ich diesem auch und fand mich mitten in einem der ältesten noch heute existierenden Pädoboards wieder, das natürlich völlig legal ist, wo ich mir damals allerdings nicht ganz sicher war.

So las ich an die 7 Tage und 7 Nächte bis ich viereckige und knallrote Augen hatte. Es war das erste Mal, dass ich was von Gleichgesinnte las, von anderen Meinungen, Problemen und Lösungen und … von Kinderpuppen, deren Existenz gerade geboren war.

Es wurden auch Links gepostet zu drei japanischen Firmen, die diese Dolls offiziell anboten und die keinerlei Erwachsenendolls im Angebot hatten. Es war das Jahr 2011 oder 2012.

So klickte ich auf diese Firmen und sah mir fasziniert diese Dolls an. Sie waren so schön und realistisch gefertigt, dass man teils schon zweimal hinsehen musste, um das kleine Meisterwerk als Doll zu erkennen, da sie meist lieb angezogen waren und realistische Lebenssituationen nachgestellt hatten.

Eine Firma nannte sich „Trottla“ und eine weitere „Pure Dolls“. Eine Dritte stellte die Dolls als „Plüschpuppen“ her, die natürlich weniger realistisch aussahen.

Alle drei hatten leider gemeinsam, dass sie Ihre Dolls nur in Japan bzw. auf dem asiatischen Markt anboten und eine Einfuhr nach Europa eher Importspezialisten möglich war. Zudem musste man zum Zoll persönlich hinfahren, wo das Paket dann geöffnet wurde und man sich für den Inhalt möglicherweise erklären musste.

Dennoch haben dies einige Pädos gemacht und schwärmten in den höchsten Tönen von ihrer neuen Errungenschaft. Dies alles geschah ohne irgendeinen Aufschrei der Öffentlichkeit und ohne Aufsehen, wohl auch darum, da sich damals noch niemand vorstellen konnte, dass jemand solche Dolls produzieren und auch gleich vertreiben würde. Geschweige denn, dass es Käufer dafür geben würde, die so unverschämt wären und sich so eine Doll einfach so bestellen würden.

Da diese Konstellation für mich wie geschaffen war, bestellte ich nach langer Recherche, wie man Produkte aus Japan importiert, so eine Doll.

„Wie geht man als Pädophiler mit seinem Trieb um?“

Pädophile gelten vielen Menschen als gefährlich für Kinder.

Im Jahr 2014 wurde im Rahmen der Studie Stigmatization of People with Pedophilia: Two Comparative Surveys (Stigmatisierung von Menschen mit Pädophilie; zwei vergleichende Umfragen) eine Umfrage an öffentlichen Orten in Dresden und Stuttgart durchgeführt. Hierbei wurde auch die Zustimmung zur Aussage „Eine Person mit dominantem sexuellen Interesse an Kindern stellt eine Gefahr für Kinder dar“ abgefragt.

Die Skala der Antworten lag bei 0 bis 6 wobei 0 einer völligen Ablehnung und 6 völliger Zustimmung entsprach. Der Durchschnitt der insgesamt 850 Antworten lag bei 5.73. Ein viel höher Wert ist kaum möglich. Bei der Frage nach der Gefährlichkeit für Jugendliche lag der Wert immerhin noch bei 5.15.

Wenn sich jemals etwas an der Stigmatisierung von Pädophilen ändern soll, dann ist das nur möglich, wenn sich etwas an der Gefährlichkeitsvermutung ändert.

Aus meiner Sicht gibt es hier drei Komponenten:

Um den letztgenannten Punkt soll es hier gehen.

Der typische Gedanken dazu ist:

Man darf seinen Trieb nicht ausleben. Aber der Sexualtrieb ist doch einer der stärksten Triebe überhaupt. Wie soll das dauerhaft gut gehen?

Die Hypothese ist, dass ein Pädophiler ständig seinen Trieb unterdrücken muss, um nicht gefährlich für Kinder zu sein.

Das ist eine Fehlvorstellung. Als Pädophiler darf man seinen Trieb durchaus ausleben. Nur eben nicht mit einem Kind.

Ich habe vor kurzem eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2017 gefunden (Is Contact with Children Related to Legitimizing Beliefs Toward Sex with Children Among Men with Pedophilia?), in der Pädophile nach ihrer Bewertung zur Effektivität verschiedener Strategien gefragt wurden, um einen Missbrauch zu verhindern.

Es wurde nach der Bewertung folgender Strategien gefragt (Skala 1-7 – je höher, desto wirkungsvoller wurde die Strategie eingeschätzt). Ich habe das Ergebnis sortiert, die Strategien, die als am wirkungsvollsten eingeschätzt wurden kommen zuerst, die eher wirkungslos eingeschätzten am Ende. Ich habe zusätzlich alle Strategien, die mit dem Ausleben (oder nicht-Ausleben) von Sexualität zu tun haben fett hervorgehoben.

  • Sexuelle Fantasien mit Masturbation (4.97)
  • Kindern emotional nahe sein (z. B. zusammen spielen) (4.82)
  • Konsum von Kinderpornographie (4.16)
  • Warnsignale respektieren, um Risikosituationen frühzeitig zu erkennen (z. B. schöne Kinder meiden) (3.88)
  • Gespräche mit anderen Pädophilen (3.76)
  • Konsumieren nichtpornografischer Bilder von Kindern (z. B. in Zeitschriften oder im Fernsehen) (3.67)
  • Sicherstellen, dass ein anderer Erwachsener anwesend ist, wenn man mit Kindern interagiert (3.64)
  • Gespräche mit Experten (z.B. Ärzten oder Therapeuten) (3.48)
  • Andere informieren (z.B. Elter oder Freunde) wenn man mit Kindern Zeit verbringt (2.96)
  • Sexuelle Fantasien ohne Masturbation (2.72)
  • Sexueller Kontakt mit Erwachsenen (2.26)
  • Outing gegenüber Kollegen und Eltern von Kindern (2.22)
  • Vermeidung sexueller Aktivitäten inkl. Masturbation (1.37)

Ich weise darauf hin, dass es beim Konsum von Kinderpornographie nicht unbedingt um tatsächliche Kinder gehen muss. Es gibt auch fiktive Kinderpornographie (Texte, Zeichnungen, Comuteranimationen). Diese darf man in Deutschland legal besitzen. Man darf sie allerdings nicht legal verbreiten, zugänglich machen, herstellen, beziehen, liefern, vorrätig halten, anbieten, bewerben, einführen oder ausführen.

Es wäre aus meiner Sicht besser gewesen, wenn man separat nach beiden Formen („echter“ und fiktiver) Kinderpornographie gefragt hätte. Eine ebenfalls relevante Strategie, nach der in der Studie leider nicht gefragt wurde, ist die Nutzung von kindlich aussehenden Sexpuppen.

Strategien, die auf ein sexuelles Ausleben (ohne Kontakt mit Kindern) abzielen werden tendentiell als effektiv für die Vermeidung von sexuellen Handlungen mit Kindern eingeschätzt. Das ist für mich keine Überraschung: wenn man den Trieb befriedigt hat, ist er erst einmal weg und nicht mehr handlungsleitend.

Ausweich-Strategien mit geringem Ersatzwert (Sexuelle Fantasiein ohne Masturbation, Sexueller Kontakt mit Erwachsenen, Vermeidung sexueller Aktivitäten) werden als ineffektiv eingeschätzt. Auch das ist keine Überraschung: wenn man den Trieb nicht befriedigt, bleibt er wirkmächtig und kann ggf. auch dann das Handeln bestimmten, wenn es besonders auf Kontrolle ankommt.

Das bedeutet auch: wenn man sexuelle Handlungen mit Kindern verhindern will, ist es schädlich den Zugang zu ethisch unbedenklichen Ersatzhandlungen mit relativ hohem Ersatzwert zu kriminalisieren. Zu nennen sind hier insbesondere:

  • Alle Verbote im Zusammenhang mit fiktiver Kinderpornographie (Texte, Zeichungen, Comuteranimationen). Im Grunde ist alles außer dem Besitz verboten – was natürlich auch den legalen Besitz sehr erschwert.
  • Das geplante Verbot von Besitz, Verkauf, Import etc. von kindlich aussehenden Sexpuppen.

„Ich lasse nicht zu, dass er verknackt wird“ – neue Möglichkeiten

Ende Juli gab es auf dem Portal gutefrage.net folgende Frage von „resembler1995“:

Wie mache ich dem Staatsanwalt klar, dass ich kein Verfahren gegen den 18 Jährigen wünsche mit dem ich mit 13 was hatte?

Das war vor 12 Jahren inzwischen bin ich längst erwachsen ich fühle mich nicht als Missbrauchsopfer das war alles einvernehmlich

Bin mit meinem Ex von damals noch immer befreundet weder lasse ich zu, dass er verknackt wird noch lasse ich mich als bi zwangsouten

Wie finde ich raus wer die alte Geschichte ohne mich zu fragen angezeigt hat damit ich den zur Rede stellen kann?

Ich würde eher alles abstreiten als private Details in einer Verhandlung mit Zuschauern zu erzählen

Generell ist die Lage in diesem Fall sehr schwierig.

Ein Geschädigter hat kein Zeugnisverweigerungsrecht.

Die Aussage verweigern kann man (von Besonderheiten für bestimmt Berufe wie Anwalt oder Seelsorger abgesehen) fast nur bei enger Verwandtschaft, wozu aber immerhin Ehepartner, Verlobter, Lebenspartner, geschiedener Ehepartner, Großeltern, Eltern, Kinder, Enkel, Geschwister, Onkel, Tanten, Neffen, Nichten, Ehegatten der Geschwister und Geschwister der Ehegatten zählen.

Das alles hilft aber dem Fragesteller nicht weiter. Verweigert er die Aussage, dann droht ihm im Extremfall sogar Erzwingungshaft (bis zu maximal 6 Monate).

In einer der Antworten auf die Frage wurde vorgeschlagen, sich über das Akteneinsichtrecht des Beschuldigten Ex die Information zu besorgen, wer die Sache ins Rollen gebracht hat. Aber auch das ist problematisch, da eine Staatsanwaltschaft, wenn sie die Nase dran bekommt, von Verdunklungsgefahr ausgehen müsste. Das kann für den Beschuldigten Ex dann leicht in einer Untersuchungshaft enden.

Ich habe dem Fragesteller damals wie folgt geantwortet:

Wenn ich selbst in einer entsprechenden Lage wäre, würde ich mich vermutlich anwaltlich beraten lassen und – je nach Rechtseinschätzung und den erwartbaren Folgen entweder

• die Aussage verweigern und gegen Zwangsmaßnahmen jeder Art gerichtlich vorgehen, nötigenfalls bis zum Verfassungsgericht

• Erinnerungslücken wie ein Politiker vor einem Untersuchungsausschuss haben

• Lügen und den „Täter“ entlasten (wenn er freigesprochen wird, kann er meiner Kenntnis nach für das selbe Vergehen nicht nochmal angeklagt werden)

Du solltest den Staatsanwalt besser nicht ohne vorherigen anwaltlichen Rat kontaktieren. Man kann da schnell unbeabsichtigt etwas in die Welt setzen, das für das weitere Prozedere schädlich ist. Also am besten schnellstmöglich einen kompetenten Anwalt einschalten. Der kann dann vermutlich auch Akteneinsicht anfordern.

Aus meiner Sicht zeigt dein Fall, dass das Delikt spätestens ab dem 18. Lebensjahr des „Opfers“ ein Antragsdelikt sein müsste. Dass es sich stattdessen um ein Offizialdelikt handelt, ist aus meiner Sicht eine grobe Verletzung deiner Rechte und deiner Menschenwürde.

Falls du magst, gerne mehr über die Postfach-Funktion.

Ein weiterer Kontakt kam leider nicht zustande.

Ich habe für diesen Artikel noch ein wenig zum Thema Aussageveweigerung recherchiert. Z.B. kannte ich zum Zeitpunkt meiner Antowort die § 48 und 68a der StPo noch nicht.

Gerade bei einem Verfahren, bei dem es um einen so intimen Lebensaspekt wie Sexualität geht, steht der Aussagepflicht das Grundrecht auf Schutz der Privat- und Intimsphäre entgegen (§§ 1 und 2 Abs. 1 Grundgesetz). Die Lösung in der Strafprozeßordnung dazu:

§ 48 – Zeugenpflichten; Ladung

(3) Ist der Zeuge zugleich der Verletzte, so sind die ihn betreffenden Verhandlungen, Vernehmungen und sonstigen Untersuchungshandlungen stets unter Berücksichtigung seiner besonderen Schutzbedürftigkeit durchzuführen. Insbesondere ist zu prüfen,

1. ob die dringende Gefahr eines schwerwiegenden Nachteils für das Wohl des Zeugen Maßnahmen nach den §§ 168e [= Vernehmung von Zeugen getrennt von Anwesenheitsberechtigten]oder 247a [= Anordnung einer audiovisuellen Vernehmung von Zeugen] erfordert,

2. ob überwiegende schutzwürdige Interessen des Zeugen den Ausschluss der Öffentlichkeit nach § 171b Absatz 1 des Gerichtsverfassungsgesetzes erfordern und

3. inwieweit auf nicht unerlässliche Fragen zum persönlichen Lebensbereich des Zeugen nach § 68a Absatz 1 verzichtet werden kann. Dabei sind die persönlichen Verhältnisse des Zeugen sowie Art und Umstände der Straftat zu berücksichtigen.

§ 68a – Beschränkung des Fragerechts aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes

(1) Fragen nach Tatsachen, die dem Zeugen oder einer Person, die im Sinne des § 52 Abs. 1 sein Angehöriger ist, zur Unehre gereichen können oder deren persönlichen Lebensbereich betreffen, sollen nur gestellt werden, wenn es unerläßlich ist.

In einem Verfahren, bei dem es um strafbewehrte sexuelle Handlungen geht, gehe ich eigentlich davon aus, dass der Richter entsprechende Nachfragen für unerlässlich halten wird.

Andererseits gehe ich auch davon aus, dass es gegenüber dem Opfer einer Sexualstraftat Beißhemmungen bei Sanktionen zur Aussageerzwingung gibt. Ich vermute, dass die meisten Richter es bei einem Ordnungsgeld belassen würden. Leider habe ich keine Informationen dazu gefunden, wie es in der Praxis tatsächlich läuft.

Ich bin mir aber auch unsicher, obe das Verfolgungsinteresse des Staates wirklich schwerer wiegt, als der Persönlichkeitsschutz des „Verletzten“? Vermutlich kommt es auf den Einzelfall unter Beachtung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes an. Danach muss die Sanktion (Ordnungsgeld und/oder Erzwingungshaft) nach den Umständen des Falles unerlässlich sein und darf zur Bedeutung der Strafsache und der Aussage für den Ausgang des Verfahrens nicht außer Verhältnis stehen.

Der Fall von „resembler1995“ kam mir wieder in den Sinn, als ich vor kurzem über ein sehr frisches Urteil des BGH gestolpert bin.

Aus einem Artikel der Legal Tribune Online vom 05. Oktober (wichtige Passagen habe ich rot hervorgehoben):

Neben­kläger darf den Frei­spruch wollen

Opfer schwerer Straftaten oder ihre Angehörigen können im Strafprozess als Nebenkläger auftreten. Dass sie dabei nicht zwingend an einer Verurteilung des Angeklagten interessiert sein müssen, hat jetzt der BGH entschieden.

Die Rolle des Nebenklägers ist nach den §§ 395 ff. Strafprozessordnung (StPO) klar definiert. Verletzte einer schweren Straftat (…) die sich (…) der „erhobenen öffentlichen Klage“ der Staatsanwaltschaft als sogenannte Nebenkläger anschließen, haben in aller Regel ein Interesse daran, dass die Tat rückhaltlos aufgeklärt und der strafrechtlich Verantwortliche dafür angemessen zur Rechenschaft gezogen wird.

Manchmal allerdings kommt es auch anders: Und zwar dann, wenn sich das Verbrechensopfer nicht etwa die Verurteilung, sondern den Freispruch des Angeklagten wünscht. Auch dann, so hat der Bundesgerichtshof (BGH) jetzt in einem am Freitag veröffentlichten Beschluss klargestellt, kommt er als Nebenkläger in Betracht (Beschl. v. 01.09.2020, Az. 3 StR 214/20). Eine anderslautende Entscheidung des Landgerichts (LG) Koblenz hob der BGH auf.

Im zugrundliegenden Fall ging es um einen Jugendlichen, der wegen Mordversuchs in zwei Fällen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vom LG zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren verurteilt worden war. Im Alter von 14 Jahren hatte er versucht, seine schlafenden Pflegeeltern zu erstechen und diese dabei erheblich verletzt. Die Pflegeeltern hatten bereits vor der Anklageerhebung erklärt, sich dem Verfahren als Nebenkläger anzuschließen und waren zunächst auch von der Strafkammer des LG im Eröffnungsbeschluss als anschlussberechtigt angesehen worden.

Nebenkläger wollen Freispruch, dem Gericht reicht es

Nachdem sie dann jedoch in der Hauptverhandlung eine Reihe von Anträgen stellten, die an der strafrechtlichen Verantwortlichkeit ihres Pflegekindes nach § 3 JGG Zweifel weckten und letztlich einen Freispruch des Kindes erreichen sollten, platzte der Koblenzer Strafkammer die Hutschnur: Kurzerhand hob sie den Beschluss über die Zulassung der Nebenklage auf und beteiligte die Pflegeeltern am weiteren Verfahren nicht mehr.

Zur Begründung führten die LG Richter aus, dass die Nebenkläger erkennbar das Ziel verfolgten, einen Freispruch des Angeklagten zu erreichen. Damit fehle es an den gesetzlichen Voraussetzungen der Nebenklage.

In der Vergangenheit hatten vor allem Oberlandesgerichte (OLG) immer wieder die Rechtsauffassung vertreten, dass Nebenkläger im Strafprozess nur sein könne, wer auch auf die Bestrafung des Angeklagten erpicht ist. So hatte etwa das OLG Rostock im Jahr 2012 entschieden, dass der Anschluss eines sogenannten „verteidigenden Nebenklägers“ an die öffentliche Klage nicht zulässig sei. Der Nebenkläger, der erklärtermaßen dafür eintrete, dass der nach seiner Auffassung unschuldige Angeklagte freigesprochen werde, verneine selbst seine Verletzteneigenschaft und entziehe damit seiner Anschlusserklärung die verfahrensrechtliche Grundlage (Beschl.v. 26.03.2012, Az. I Ws 77/12).

Dieser Auffassung, mit der offenbar auch das LG Koblenz sympathisierte, widersprach der BGH nun allerdings deutlich und stärkte damit auch die Rolle des Nebenklägers im Strafprozess: Der Wortlaut von § 395 Abs.1 StPO bzw. § 80 Abs.3 S. 1 JGG definiere kein bestimmtes Ziel des Nebenklägers, das dieser erstreben müsse. Auch sehe das Gesetz keinen Fall vor, wonach eine zunächst berechtigte Nebenklage je nach Verfahrensziel unzulässig werde. Im Gegenteil: Nach § 397 StPO stünden Nebenklägern diverse Verfahrensrechte zu (z.B. Fragen und Beweisanträge zu stellen), ohne dass diese mit Blick auf einen bestimmten Zweck begrenzt seien.

BGH: „Selbstständige Stellung“ des Nebenklägers ignoriert

Auch die Formulierung in § 395 StPO und § 80 Abs. 3 JGG, wonach sich der Nebenkläger der Klage der Staatsanwaltschaft „anschließt“, habe nicht die Verpflichtung des Nebenklägers zur Folge, die Ansicht der Anklage zu vertreten und daran sogar noch ungeachtet der Erkenntnisse der Hauptverhandlung festzuhalten. Der Nebenkläger befinde sich in einer „selbstständigen Stellung“, die ihm die Möglichkeit biete, „auf eine sachgerechte Ausübung der dem Gericht von Amts wegen obliegenden Amtsaufklärungspflicht hinzuwirken“.

Hierzu gehöre, durch Erklärungen, Fragen, Anträge und gegebenenfalls Rechtsmittel auf das Verfahrensergebnis einzuwirken, seine Sicht der Tat und der erlittenen Verletzungen einzubringen und seine Interessen aktiv zu vertreten, so der BGH. In welcher Weise der Verletzte seine Belange am besten geschützt sieht, unterliege infolge seiner Stellung als ein mit selbständigen Rechten ausgestatteter Prozessbeteiligter regelmäßig seiner eigenen Einschätzung.

(…)

Strafrechtler begrüßen BGH-Beschluss

Von LTO befragte Strafrechtler begrüßten die Entscheidung des BGH. (…)

Auch der Augsburger Hochschullehrer Prof. Dr. Michael Kubiciel bewertete den Beschluss positiv: Die Entscheidung sei „gut begründet“ und sie füge sich in die grundlegende Systematik des Strafverfahrensrecht ein. Die Nebenklage sei keinem Ziel verpflichtet, sondern könne entscheiden, welche Verfahrensziele sie sich stecke und diese – bis zur Grenze der Rechtsmissbräuchlichkeit – auch mit entsprechenden prozessualen Mitteln, wie etwa Beweisanträgen, verfolgen.

(…)

Das LG Koblenz bekommt vom BGH jetzt erst einmal alle Verfahrensunterlagen zurück. Den Pflegeltern, die wie ihr Pflegesohn eine Revision des Urteils anstreben, muss jetzt in ihrer Eigenschaft als Nebenkläger unter anderem erst einmal das erstinstanzliche Urteil ordnungsgemäß zugestellt werden – und zwar auf Grundlage der im Jahr 2020 gültigen Strafprozessordnung.

Die Möglichkeit sich dem Prozess als Nebenkläger anzuschließen gibt es bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (§§ 174 bis 182, 184i und 184j). Das Gericht entscheidet über die Berechtigung zum Anschluß als Nebenkläger nach Anhörung der Staatsanwaltschaft. In der Praxis ist das bei den genannten Straftatbeständen unproblematisch.

Welche Rechte mit der Position des Nebenklägers verbunden sind, verrät § 397 der Strafprozessordnung (StPo):

§ 397 – Verfahrensrechte des Nebenklägers

(1) Der Nebenkläger ist, auch wenn er als Zeuge vernommen werden soll, zur Anwesenheit in der Hauptverhandlung berechtigt. Er ist zur Hauptverhandlung zu laden; § 145a Absatz 2 Satz 1 und § 217 Absatz 1 und 3 gelten entsprechend. Die Befugnis zur Ablehnung eines Richters (§§ 24, 31) oder Sachverständigen (§ 74), das Fragerecht (§ 240 Absatz 2), das Recht zur Beanstandung von Anordnungen des Vorsitzenden (§ 238 Absatz 2) und von Fragen (§ 242), das Beweisantragsrecht (§ 244 Absatz 3 bis 6) sowie das Recht zur Abgabe von Erklärungen (§§ 257, 258) stehen auch dem Nebenkläger zu. Dieser ist, soweit gesetzlich nichts anderes bestimmt ist, im selben Umfang zuzuziehen und zu hören wie die Staatsanwaltschaft. Entscheidungen, die der Staatsanwaltschaft bekannt gemacht werden, sind auch dem Nebenkläger bekannt zu geben; § 145a Absatz 1 und 3 gilt entsprechend.

(2) Der Nebenkläger kann sich des Beistands eines Rechtsanwalts bedienen oder sich durch einen solchen vertreten lassen. Der Rechtsanwalt ist zur Anwesenheit in der Hauptverhandlung berechtigt. Er ist vom Termin der Hauptverhandlung zu benachrichtigen, wenn seine Wahl dem Gericht angezeigt oder er als Beistand bestellt wurde.

(3) Ist der Nebenkläger der deutschen Sprache nicht mächtig, erhält er auf Antrag nach Maßgabe des § 187 Absatz 2 des Gerichtsverfassungsgesetzes eine Übersetzung schriftlicher Unterlagen, soweit dies zur Ausübung seiner strafprozessualen Rechte erforderlich ist.

Damit kann man arbeiten.

Lt. § 397a der Strafprozeßordnung hat man als Nebenkläger im Fall eines Sexualdelikts einen Anspruch auf anwaltliche Vertretung.

§ 397a – Bestellung eines Beistands; Prozesskostenhilfe

(1) Dem Nebenkläger ist auf seinen Antrag ein Rechtsanwalt als Beistand zu bestellen, wenn er

1. durch ein Verbrechen nach den §§ 177, 232 bis 232b und 233a des Strafgesetzbuches oder durch einen besonders schweren Fall eines Vergehens nach § 177 Absatz 6 des Strafgesetzbuches verletzt ist, (…)

(3) Anträge nach den Absätzen 1 und 2 können schon vor der Erklärung des Anschlusses gestellt werden. Über die Bestellung des Rechtsanwalts, für die § 142 Absatz 5 Satz 1 und 3 entsprechend gilt, und die Bewilligung der Prozesskostenhilfe entscheidet der Vorsitzende des mit der Sache befassten Gerichts.

§ 142 Absatz 5, Satz 1 und 3 lauten:

(5) Vor der Bestellung eines Pflichtverteidigers ist dem Beschuldigten Gelegenheit zu geben, innerhalb einer zu bestimmenden Frist einen Verteidiger zu bezeichnen. (…) Ein von dem Beschuldigten innerhalb der Frist bezeichneter Verteidiger ist zu bestellen, wenn dem kein wichtiger Grund entgegensteht; ein wichtiger Grund liegt auch vor, wenn der Verteidiger nicht oder nicht rechtzeitig zur Verfügung steht.

Man kann also einen Wunsch-Nebenklage-Anwalt benennen und bekommt diesen dann in der Regel wohl auch genehmigt. Natürlich sollte man sich vorher bei dem Wunschkandidaten versichert haben, dass der das Mandat auch annehmen will.

Zu den Kosten habe ich auf einem Rechtsanwalts-Blog folgendes gefunden:

Die Kostentragungspflicht für die Kosten der Nebenklage regelt § 472 StPO. Danach gilt: Wird der Angeklagte wegen einer Tat verurteilt, die den Nebenkläger betrifft, werden nach § 472 Abs. 1 StPO dem Angeklagten die Kosten des Nebenklägers auferlegt. Ist das unbillig, kann davon nach § 472 Abs. 1 Satz 2 StPO abgesehen werden. § 472 Abs. 2 StPO regelt die Kostentragungspflicht in den Fällen der Einstellung des Verfahrens. Für die Rechtsmittelverfahren gilt § 473 StPO.

Wird der Angeklagte frei gesprochen, trägt nach § 467 StPO die Staatskasse die Kosten des Verfahrens und die notwendigen Auslagen des Angeklagten. In diesem Fall muss der Nebenkläger seine notwendigen Auslagen selbst tragen.

Die Nebenklage bleibt für den Nebenkläger also typischerweise kostenfrei. Wenn eine auf Freispruch zielende Nebenklage erfolgt hat, trägt die Kosten der Staat. Wenn es doch zu einer Verurteilung kommt, dann trägt die Kosten der Angeklagte. Dem dürfte dann auf der Haben-Seite aber zumindest ein geringeres Strafmaß entgegenstehen.

Ob es zu den Kosten darüber hinaus noch irgend etwas zu beachten gibt, sollte man mit dem Anwalt des Vertrauens vorab abklären.

Was ist noch zu beachten?

Wenn man der Ausübung der Nebenklage einen verteidigenden Charakter verleihen will, sollte man das vermutlich besser nicht vorab zu erkennen geben, da sonst vielleicht Widerstände beim Anschluß als Nebenkläger überwunden werden müssen, die man sich genauso gut auch sparen kann.

Ist man einmal Nebenkläger, dann bleibt man es normalerweise auch und hat die Hände frei. Kleine Einschränkungen gibt es dabei jedoch zu beachten. Aus dem aktuellen BGH Urteil:

Dieses Ergebnis steht mit der bisherigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs in Einklang, der beispielsweise in einem Fall, in dem die Nebenklägerin die Aufhebung eines Urteils zugunsten des aus ihrer Sicht zu Unrecht verurteilten Angeklagten beantragte, die Revision zwar als unzulässig ansah, ihr aber nicht zugleich die Anschlussbefugnis absprach (s. BGH, Beschluss vom 12. Juli 1990 – 4 StR 247/90, BGHSt 37, 136 f.).
Letztlich bedarf keiner abschließenden Erörterung, ob vor dem aufgezeigten Hintergrund die Ansicht zutrifft, die Anschlussbefugnis fehle in solchen Fällen, in denen sich Nebenkläger bereits zum Zeitpunkt der Anschlusserklärung nicht durch den Angeklagten verletzt glauben (so OLG Schleswig, Beschluss vom 2. August 1999 – 2 Ws 239/99 u.a., NStZ-RR 2000, 270 ff.; vgl. auch OLG Rostock, Beschluss vom 26. März 2012 – I Ws 77/12, NStZ 2013, 126 f.; kritisch jeweils Altenhain, JZ 2001, 791, 797 ff.; Bock, JR 2013, 428 f.; Noack, ZIS 2014, 189 ff.); denn eine solche Verfahrenskonstellation liegt ersichtlich nicht vor.

Den Fall, ob man auch Nebenkläger bleiben kann, wenn man von Beginn an einen Freispruch erreichen wollte, hat der BGH also nicht entschieden.

Der Fall, dass man ein mildes Urteil will und dann im Laufe des Verfahrens entdeckt, dass man doch lieber gleich einen Freispruch möchte, ist aber nun abgesichert. Das ist entsprechend auch die Position, auf die man sich sinnvollerweise zurückziehen sollte.

Auch in Hinblick auf die Rechtsmittel gibt es etwas zu beachten, denn der BGH hält ausweislich der zitierten Stelle des Urteils an seiner bisherigen Rechtsprechung fest, dass ein Rechtsmittel nicht zu Gunsten des Angeklagten eingelegt werden darf. Schaut man in das dazu angeführte Urteil vom 12. Juli 1990 – 4 StR 247/90, BGHSt 37, 136 f. , dann kann man dort folgendes lesen:

Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit sexueller Nötigung und mit vorsätzlicher Körperverletzung zur Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die Nebenklägerin hat gegen dieses Urteil ausdrücklich „zugunsten des Angeklagten“ Revision eingelegt. Sie beantragt, das Urteil des Landgerichts aufzuheben, weil der Angeklagte zu Unrecht verurteilt worden sei.

Die Revision ist unzulässig. Grundsätzlich setzt jedes Rechtsmittel eine Beschwer des Rechtsmittelführers voraus (Kleinknecht/Meyer StPO 39. Aufl. vor § 296 Rdn. 8). Ein Nebenkläger ist aber nicht beschwert, wenn der Angeklagte wegen des Nebenklagedelikts verurteilt worden ist (vgl. BGHSt 29, 216, 218;  33, 114, 115, 117) [BGH 09.01.1985 – 3 StR 502/84]. Zwar kann die Staatsanwaltschaft gemäß § 296 Abs. 2 StPO ein Rechtsmittel auch zugunsten des Angeklagten einlegen; diese Vorschrift ist auf den Nebenkläger aber nicht entsprechend anwendbar: (…)

So hat auch das Oberlandesgericht Hamburg bereits mit Beschluß vom 13. Januar 1958 (NJW 1958, 1313 = JZ 1958, 251) entschieden, daß der private Nebenkläger kein Rechtsmittel zugunsten des Angeklagten einlegen könne. Daß ein zulässig eingelegtes Rechtsmittel des Nebenklägers nach § 301 StPO auch zugunsten des Angeklagten wirken kann (vgl. §§ 390 Abs. 1 Satz 3; 401 Abs. 3 Satz 1; Kleinknecht/Meyer StPO 39. Aufl. § 301 Rdn. 2), ändert daran nichts. (…)

Meine Schlussfolgerung dazu: will man als Nebenkläger zugunsten des Angeklagten ein Rechtsmittel einlegen (z.B. eine Revision), dann darf man es jedenfalls nicht ausdrücklich „zugusten des Angeklagten“ einlegen. Erfüllt es (auch) einen anderen Zweck, dann betont man eben den anderen Zweck und freut sich mehr oder weniger heimlich, dass das Rechtsmittel auch zugunsten des Angeklagten wirken kann.

Wenn man einen erfahrenen und guten Anwalt als Nebenkläger zur Seite hat, dann sollte der wissen, wie er vorzugehen hat. Trotzdem kann man auf die Problematik hinweisen. Den Fall der Nebenklage, die einen Freispruch will, gibt es schließlich nicht jeden Tag. Auch jemand, der sein Fach hervorragend beherrscht, kann mal etwas falsch machen, insbesondere, wenn es um etwas geht, das in der Praxis selten vorkommt. Es kommen ja auch bei den besten Chirurgen Kunstfehler vor. Das gilt ohnehin, aber insbesondere wenn Sie bei der spezifischen Operation, um die es geht, nicht erfahren sind. Warum sollte es da bei Anwälten anders sein?

Eine weitere Einschränkung ergibt sich aus StPo § 400 Abs. (1):

§ 400 – Rechtsmittelbefugnis des Nebenklägers

(1) Der Nebenkläger kann das Urteil nicht mit dem Ziel anfechten, daß eine andere Rechtsfolge der Tat verhängt wird oder daß der Angeklagte wegen einer Gesetzesverletzung verurteilt wird, die nicht zum Anschluß des Nebenklägers berechtigt.

Der Umfang dieser Einschränkung ist mir leider nicht völlig klar. Aus einem Fachartikel geht aber hervor, dass der Paragraph nicht die Einlegung eines Rechtsmittels mit dem Ziel des Freispruchs verbietet.

Schlußfolgerung

Wer in der Situation des Fragestellers ist und nicht zulassen möchte, dass der Mensch, dessen Opfer man angeblich geworden ist, „verknackt“ wird, kann mit einem guten Anwalt und dem Instrument der Nebenklage viel dafür tun, dass es so kommt oder dass es zumindest zu einem möglichst milden Urteil kommt.

Das dürfte sich vor allem anbieten, wenn das ehemalige „Opfer“ inzwischen volljährig ist. Bei einem Minderjährigen wäre die Sache sicher schon schwieriger, zumal die Interessen der Eltern anders gelagert sein können. Insbesondere Kinder haben es schwer, Rechte selbstständig geltend zu machen.

Aus Rechtslexikonn.net:

Jeder Mensch, also auch der Minderjährige, ist Träger von Grundrechten, d.h. grundrechtsfähig. Eine davon zu trennende Frage ist, ob Kinder u. Jugendliche Grundrechte, z.B. in der Schule, selbständig geltend machen können, ob sie also grundrechtsmündig sind, oder ob sie darauf angewiesen bleiben, dass die Eltern für sie handeln. Das Grundgesetz kennt eine – etwa der Geschäftsfähigkeit im Privatrecht vergleichbare – G. nicht. Daher kann auch der junge Mensch, jedenfalls soweit er die erforderliche Einsichtsfähigkeit besitzt, die Grundrechte ohne fremde Hilfe in Anspruch nehmen. Grenzen ergeben sich aus dem Erziehungsrecht der Eltern (Art. 6 II GG, Elternrecht), denen gegenüber sich der Jugendliche auf Grundrechte nicht berufen kann. (…)

Die Grundrechtsmündigkeit ist (grund-)gesetzlich nicht geregelt. Voll geschäftsfähige Personen sind grundrechtsmündig. Nach der herrschenden Theorie der flexiblen Altersgrenze hängt die Grundrechtsmündigkeit von Minderjährigen von deren Einsichtsfähigkeit in die Tragweite des Grundrechts ab. Indizien ergeben sich dabei aus Altersbegrenzungen aus dem GG selbst (z.B. Art.38 Abs. 2 GG = 18 Jahre) oder aus anderen Rechtsnormen, z. B. § 12 AsylVerfG (16 Jahre). Nach der Theorie der starren Altersgrenze besteht die Grundrechtsmündigkeit grundsätzlich erst ab dem 18. Lebensjahr, soweit nicht durch Gesetz etwas anderes bestimmt ist.

Im Familienrecht kann man ab dem 14. Lebensjahr auch selbst einen Interessenvertreter (in der Regel also einen eigenen Rechtsanwalt) mit der Wahrnehmung seiner Rechte beauftragen (§ 158 Abs. 5 FamFG in Verbindung mit § 9 Nr. 3 FamFG). Da das Alter der Sexualmündigkeit in Deutschland bei 14 Jahren liegt, vermute ich, dass man auch hier mit 14 selbstständig nach außen handlungsfähig ist.

Ich habe in der Vergangenheit in Artikeln bereits merhmals den Fall von Jörn und seinem Onkel angesprochen.

Zwischen den beiden soll es, seit Jörn 13 war, auf Initiative des Jungen (!) eine Beziehung gegeben haben. Als Jörn bereits 15 war, wurden seine Eltern misstrauisch. Sein Vater durchsuchte heimlich Jörns Rechner und stieß dabei auf kompromittierende E-Mails. Der Vater erstattete Anzeige, diese führte zu einer Hausdurchsuchung. Die Beamten beschlagnahmten Handys und Computer von Onkel und Neffe, die mit Flucht reagierten und sich Hals über Kopf in die Niederlande absetzten. Sie blieben verschwunden, bis ihnen nach 322 Tagen das Geld ausging.

Es kam zu einer Anklage wegen sexuellem Missbrauch eines Schutzbefohlenen, sexuellem Missbrauch eines Kindes und Herstellen jugendpornografischer Schriften. Aus der Anklageschrift ging hervor, dass die Staatsanwaltschaft von einer Liebesbeziehung zwischen Onkel und Neffe ausging. Auch die Richterin schloss sich im Urteil später dieser Sichtweise an.

Der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs eines Kindes wurde fallen gelassen, weil beide Betroffenen behaupteten, dass es erst nach Jörns 14. Geburtstag zum sexuellen Kontakt kam. Der Onkel wurde aber zu neun Monaten Haft auf Bewährung und 100 Stunden Sozialarbeit wegen sexuellem Missbrauch eines Schutzbefohlenen und Herstellen jugendpornografischer Schriften (dem Video) verurteilt.

Außerdem untersagte die Richterin den weiteren Kontakt zum Neffen. Der wiederum wollte von seinen Eltern, von denen er sich verraten fühlte nichts mehr wissen. Weil er auf keinen Fall zurück zu seinen Eltern wollte, landete er in die Obhut des Jugendamtes.

Wie wäre dieser Fall wohl ausgegangen, wenn sich Jörn als Nebenkläger, unterstützt von einem gutem Anwalt, für einen Freispruch des Onkels eingesetzt hätte?

Die Nebenklage als Verteidigungsinstrument scheint mir jedenfalls eine wichtige und meiner Kenntnis nach bisher ungenutzte Ressource bei Fällen einvernehmlicher, positiv erlebter Sexualität zwischen (ehemaligen) Kindern und Erwachsenen zu sein.

Der wichtigste Fall dürfte dabei genau der des Fragestellers auf gutefrage.net zu sein, der längst erwachsen ist und seinem „Ex“ immer noch freundschaftlich verbunden ist und der auf keinen Fall will, dass dieser „verknackt“ wird.

Die Vermessung einer Verletzung

Ich habe schon häufiger eine anonyme Umfrage erwähnt, deren Ergebnis mich tief beeindruckt hat. Aus dem ersten Artikel auf diesem Blog:

In einer anonymen Umfrage plädierten 49% der Befragten für eine präventive Inhaftierung von Nicht-Tätern mit sexuellem Interesse an Kindern, 27% wünschten diesen den Tod. (Quelle: Ergebnisse der Mikado-Studie der Uni Regensburg). Pädophile möchte man gemeinhin an den Pranger stellen und brandmarken. Zur Erinnerung: brandmarken ist etwas, das man mit Tieren macht.

(K)eine Inkarnation des Bösen

Die Zusammenfassung der MiKADO Studie ist eine vertrauenswürdige Quelle – man hat sich das Umfrageergebnis sicher nicht ausgedacht – aber mir fehlte die eigentliche Quelle zu der Umfrage. Ich habe sie gestern gefunden.

Vor allem in psychologischen Untersuchungen zur Vorurteils- und Diskriminierungsforschung werden Soziale Distanzmaße eingesetzt, um die Bereitschaft für Kontakte mit anderen Personen oder Mitgliedern verschiedener sozialer Gruppen – und damit auch indirekt Vorurteile – zu messen

In der Studie Stigmatization of People with Pedophilia: Two Comparative Surveys (Stigmatisierung von Menschen mit Pädophilie; zwei vergleichende Umfragen) von 2014 wird die Soziale Distanz zu „Nicht-Tätern mit sexuellem Interesse an Kindern“ gemessen, in der Umfrage gibt es einen Vergleich mit der Sozialen Distanz gegenüber Alkoholikern, in der zweiten Umfrage einen Vergleich mit der Sozialen Distanz gegenüber Menschen mit sadistischen sexuellen Vorlieben und Menschen mit antisozialen Persönlichkeitszügen. Pädophile Nicht-Täter schnitten deutlich schlechter ab.

Umfrage an öffentlichen Orten in Dresden (449 Teilnehmer) und Stuttgart (405 Teilnehmer):

Englischsprachige Online-Umfrage über „Amazon Mechanical Turk“ (201 Teilnehmer, die je 35 Cent für ihre Teilnahme erhielten):

In der englischsprachigen Online-Umfrage waren 48.57% für Präventivhaft und 26.67 % wünschten Pädophilen den Tod. Das sind die Werte, die in der MiKADO Studie erwähnt werden.

Die Werte in Deutschland sind nicht ganz so schlimm, aber wenn man die unsicheren Antworten berücksichtigt, dann gibt es in Deutschland 49.53 % die mich einsperren wollen oder das dulden würden. 13,69 % wünschen mir den Tod, 9,52 % sind diesbezüglich unsicher.

In der Studie Stigma-Related Stress and Its Correlates Among Men with Pedophilic Sexual Interests (Stigmabedingter Stress und seine Korrelate bei Männern mit pädophilen sexuellen Interessen) von 2015 wurde unter anderem die gefühlte soziale Distanz abgefragt.

Es sollten also deutsche Pädophile die Frage beantworten, welche Antwort sie erwarten, wenn Deutsche nach ihrer Einstellung zu Nicht-Tätern mit sexuellem Interesse an Kindern gefragt werden.

Pädophilen rechnen also sogar mit noch schrecklicheren Werten. Für die Frage nach der Präventivhaft erwarteten sie eine Zustimmung von 83.65 % der Bevölkerung. Sie gehen davon aus, dass ihnen 63.46 % der Menschen den Tod wünscht.

Diese Werte geben Aufkunft über das Maß gefühlter Verfolgung.

Dieses Umfrageergebnis brennt für mich sogar noch mehr als das tatsächliche Ausmaß an Ablehnung und Verachtung, das in den tatsächlichen Antworten der Menschen zum Ausdruck kommt. Vielleicht liegt das daran, dass ich die tatsächlichen Werte schon kannte. Die Werte, die das Maß der gefühlten Verfolgung zeigen, zeigen mir den Schmerz der Menschen, die sich auf diese Weise ausgegrenzt fühlen und von denen ich selbst einer bin. Die Zahlen dokumentieren das Elend.

Ein dritte Studie zeigt die Folgen für die Betroffenen auf. Hier ein Auszug aus Correlates of Chronic Suicidal Ideation Among Community-Based Minor-Attracted Persons (Korrelate chronischer Suizidgedanken bei Personen mit sexueller Anziehung zu Minderjährigen) von 2019:

Chronische Suizidgedanken sind typischerweise ein Marker für intensive psychologische Not (Cohen, Ardalan, Yaseen & Galynker, 2017; Crane et al., 2014; Franklin et al., 2017; Hawes, Yaseen, Briggs & Galynker, 2016) und daher in und an sich ein entscheidender Schwerpunkt der Forschung und Behandlung. (…)

Wir haben diese Studie über eine Online-Umfragestudie durchgeführt, die in Zusammenarbeit mit B4U-ACT entwickelt wurde, einer Organisation von selbst identifizierten Menschen, die sich von Minderjährigen angezogen fühlen (MAPs), die sich einem Leben im Rahmen der Gesetze verpflichtet fühlen und die Kommunikation zwischen MAPs und psychiatrischen Forschern und Behandlern verbessern wollen. Die Stichprobe wurde aus einer größeren Studie über MAPs gezogen, mit einem besonderen Fokus auf diejenigen, die sich noch nie sexuell einem Kindern genähert haben. (…) Über die Hälfte der Stichprobe (201, 60,4%) gab an, in den USA zu leben. (…)

Von den in die vorliegende Analyse einbezogenen Teilnehmern gaben 127 (38,1%) chronische Suizidgedanken an. Eine vergleichbare Zahl (105, 31,5%) berichtete über Suizidgedanken in jüngster Zeit. Über 80% (271, 81,4%) der Teilnehmer gaben die gleiche Antwort auf beide Fragen, aber 41 (32,3%) der Personen mit chronischen Suizidgedanken berichteten nicht über aktuelle Suizidgedanken und 19 (18,1%) derjenigen mit aktuellen Suizidgedanken berichteten nicht von chronischen Suizidgedanken. (…)

Unsere Ergebnisse einer hohen Rate an Suizidgedanken bei MAPs, die einer Selbsthilfegruppe angehören, stehen im Einklang mit einer früheren Online-Studie von B4U-ACT, die dies zeigte. 45% ihrer Teilnehmer hatten bereits ernsthafte Selbstmordgedanken, 32% hatten sich eine Methode überlegt und 13% hatten irgendwann in ihrem Leben einen Selbstmordversuch unternommen (B4U-ACT, 2011b). In dieser Studie wurden jedoch keine chronischen Suizidgedanken bewertet. Es ist auch unklar, ob einige der gleichen Teilnehmer an unserer aktuellen Studie teilgenommen haben. Unsere Ergebnisse stimmen jedoch auch mit einer anderen Online-Studie überein, die nicht mit B4U-ACT assoziiert war und eine 30%ige Inzidenz von Suizidgedanken feststellte (Levenson & Grady, 2018).

eigene Übersetzung der verlinkten Studie

Ich selbst hatte zwischen meinem 16. und 19. Lebensjahr chronische Suizidgedanken und habe mir damals zwei Methoden überlegt. Zu einem Selbstmordversuch kam es aber nicht. Danach hatte ich noch etwa 10 Jahre Depressionen.

Vielen anderen geht es ähnlich oder schlechter. Aus einer persönlichen Nachricht, die ich auf dem Portal gutefrage.net erhalten habe:

Hallo. Ich bin auch Homohebephil.

Ich habe deswegen einen dreifachen Selbstmordversuch in einer Nacht plus Selbstmordgedanken. Ich werde demnächst in die Psychiatrie zwangseingewiesen.

Ein kurzes Zitat aus Emotions and Cognitions Associated with the Stigma of Non-Offending Pedophilia: A Vignette Experiment (Emotionen und Kognitionen im Zusammenhang mit dem Stigma pädophilier Nicht-Täter: Ein Vignettenexperiment) von 2017:

Die vorliegende Studie könnte darüber hinaus den Beweis festigen, dass eine stärkere Strafhaltung gegenüber pädophilen Männern oder allgemeiner gegenüber Nicht-Tätern mit sexuell grenzüberschreitenden Impulsen mit erhöhter sozialer Erwünschtheit verbunden ist (Imhoff, 2015).

Obwohl eine Assoziation zwischen sozialer Erwünschtheit und Toleranz zu erwarten wäre, scheinen Reaktionen auf pädophile Nicht-Täter eine einzigartige Ausnahme von dieser Regel zu sein.

Entsprechend, hatten ein eigener Minderheitenstatus (in Bezug auf Ethnie oder sexuelle Orientierung), liberale Werte und ein höheres Bildungsniveau keinen Einfluss auf die Bewertungen des Mannes in der Beispiel-Vignette, was mit früheren Beobachtungen überein stimmt, dass Menschen mit Pädophilie selbst von Menschen, die ansonsten eine akzeptierende Haltung gegenüber sexuellen Minderheiten oder Menschen mit paraphilen sexuellen Interessen ausdrücken, stark abgelehnt werden (Furnham & Haraldsen, 1998; Imhoff & Jahnke, 2017).

eigene Übersetzung der verlinkten Studie

Die Studie zeigt also, dass Menschen annehmen, dass es sozial erwünscht ist, pädophile Nicht-Täter zu verfolgen bzw. zu bestrafen. Das erklärt für mich auch die Werte aus den ersten Umfragen, die ich hier behandelt habe.

Wenn in einer Umfrage in Deutschland 13,69 % der Teilnehmer Menschen wie mich präventiv einsperren wollen und 9.52 % der Teilnehmer Menschen wie mir den Tod wünschen, dann spiegelt das nicht ganz die wahre, innere Einstellung.

Die Menschen gehen davon aus, dass die Befürwortung von Strafe sozial erwünscht ist. Sie erwarten für ihre Verdammung Zuspruch. Es gibt zwar tatsächlich eine extrem negative Haltung in der Bevölkerung aber die erwartete soziale Erwünschtheit verzerrt das Ergebnis noch zusätzlich in Richtung der Verdammung.

Die aus meiner Sicht naheliegende Ursache ist die Berichterstattung durch Kinderschutzorganisationen, von Medien und von Politikern, bei der nicht zwischen Pädophilie und sexuellem Missbrauch differenziert wird und „pädophil“ im Grunde sogar als Steigerungsform von Missbrauch und Gewalt verwendet wird.

Zwei Beispiele von Menschen, die sich als Kinderschützer verstehen:

Enders hält eine Konzentration auf die sexuelle Orientierung für irreführend: Es gehe nicht um das Ausleben sexueller Fantasien einzelner Täter, wie es der aus ihrer Sicht verharmlosende Begriff der Pädophilie suggeriere. „Der Begriff blendet aus, dass es um schlimmste Formen der Unterwerfung und Folter geht. Die Täter handeln mit Kindern und den Videos der Taten. Wir haben es hier mit organisiertem Verbrechen im eigentlichen Sinne zu tun.“

Ursula Enders, Kindesmissbrauchsfälle nehmen zu

Oft ist das das Schicksal von Kindern aus elenden Lebensverhältnissen, auf die Pädophile im Mantel der Wohltätigkeit, des pädagogischen Eros oder anderer geheuchelter Vorwände zugreifen. Und es war die sexuelle Befreiung der 68er, die auch Pädophile zum Anlass nahmen, nach ihrer Befreiung zu rufen. Und die 68er hatten keine selbstbewusste Zurückweisung parat.

Zu sehr waren sie mit ihrer eigenen Befreiung befasst. So gerieten Kinder in das raffiniert getarnte System pädophiler Ausbeuter, die pädagogisch sich besorgt geben, um sich für ihre perverse Charakterstörung Erfüllung unter zärtlichkeitsbedürftigen Kindern zu holen. Aber alles Pädagogische war ihnen letztlich nur Mittel zum Zweck ihrer sexuellen Befriedigung.

Was zärtlich und verständlich dünkt, ja sogar war, steht im Dienste der sexuellen Unterwerfung von Kindern. (…) Es ist das Wesen der pädophilen Perversion, dem wir mit unseren Gefühlen nicht folgen können. Denn das Perverse als Charakterstörung ist uns nicht eigen. Im Prinzip respektieren wir die Grenzen zwischen Erwachsenen und Kindern.

Gerhard Amendt, Die abnormen Argumente der Pädophilie-Versteher

Beispiele zur Kriminalisierung pädophiler Menschen aus den Medien (übernommen aus einem Beitrag im Blog „Kinder im Herzen“):

Beispiele aus der Politik:

Wir werden alles Notwendige tun, um Kindesmissbrauch und Kinderpornografie möglichst zu verhindern und entschieden zu bekämpfen. Präventionsprogramme wie ‚Kein Täter werden‘ sind dabei ein wichtiges Element. Wir führen eine Strafbarkeit für den Versuch des Cybergroomings ein, um Kinder im Internet besser zu schützen und die Effektivität der Strafverfolgung pädophiler Täter, die im Netz Jagd auf Kinder machen, zu erhöhen

Koalitionsvertrag der 19. Wahlperiode, Seite 130

Warum sollte die Effektivität der Strafverfolgung gerade von pädophilen Tätern erhöht werden? Was ist mir nicht-pädophilen Tätern, die im Netz Jagd auf Kinder machen?

Nachdem man sich bereits verstärkt für Kindeswohl und gegen sexuellen Missbrauch eingesetzt hat, wolle man nun die Täter noch weiter einschränken. Jede Möglichkeit dazu müsse genutzt werden.

Neue Westfälischen Zeitung,
CDU und FDP in NRW wollen Kinder-Sexpuppen verbieten

Tatsächlich geht es gar nicht um Täter, sondern um pädophile Nicht-Täter. Und jemanden zu verfolgen, der nach aktuellen Gesetzen Täter ist, braucht es keinen neuen Straftatbestand.

Die Ursache ist struktureller, menschenfeindlicher Hass, der dafür sorgt, dass

  • 13,69 % der deutschen Bevölkerung pädophile Nicht-Täter präventiv einsperren wollen und 9.52 % ihnen den Tod wünschen
  • 83.65 % der Pädophilen glauben, dass die Bevölkerung pädophile Nicht-Täter präventiv einsperren will und 63.46 % glauben lässt, dass ihre Mitmenschen ihnen den Tod wünschen
  • 38,1% der Pädophilen chronische Suizidgedanken haben und 31,5% über Suizidgedanken in jüngster Zeit berichten

Der Hass braucht vorgeprägte Muster, in die er sich ausschüttet. Die Begriffe, in denen gedemütigt, die Assoziationsketten und Bilder, in denen gedacht und sortiert, die Raster der Wahrnehmung, in denen kategorisiert und abgeurteilt wird, müssen vorgeformt sein. Der Hass bricht nicht plötzlich auf, sondern er wird gezüchtet. Alle, die ihn als spontan oder individuell deuten, tragen unfreiwillig dazu bei, dass er weiter genährt werden kann.

Gegen den Hass, Carolin Emcke

Hass melden: „Stoppt Tierversuche! Nehmt Kinderschänder!“

Durch einen Artikel auf dem Blogportal „Kinder im Herzen“ bin ich auf den im Titel zitierten Slogan aufmerksam geworden. Der Gastautor „Strolch“ hat am 01. Mai 2020 im dortigen Artikel „„Stoppt Tierversuche! Nehmt Kinderschänder!“ – Erklärung einer überhitzten gesellschaftlichen Debatte“ darüber berichtet, nachdem er einen Aufkleber mit dem Slogan entdeckt hatte. Für Strolch war es Anlass für eine gedankliche Auseinandersetzung über die Heftigkeit der gesellschaftlichen Reaktion.

Meine eigene Reaktion, als ich seinen Artikel Anfang September entdeckt habe, war anders. Für mich war der Slogan vor allem eine offenkundige Volksverhetzung.

Warum sollte mich eine Volksverhetzung gegen Kinderschänder kümmern? Ich bin schließlich selber kein Kinderschänder und hege auch keinerlei Sympathie für Menschen, die andere Menschen in sexuell bestimmter Weise schlecht behandeln (= missbrauchen), erst recht nicht, wenn sich der Missbrauch gegen Kinder richtet.

Für mich ist auch der Zorn und Hass gegenüber Missbrauchstätern verständlich, besonders bei Menschen, die selbst Opfer von Missbrauchstaten geworden sind. Ich kann auch gut verstehen, dass Eltern aggressiv werden, wenn sie eine (echte oder vermeintliche) Bedrohung für ihre Kinder wahrnehmen. Ich gehe stark davon aus, dass ich auch selbst aggressiv werden würde, wenn jemand ein Kind, dass mir ganz besonders am Herzen liegt, bedrohen würde.

Missbrauchstäter schaden mir darüber hinaus auch persönlich, da ihre Taten der Auslöser für den Hass sind, der auf mich übertragen wird, denn medial werden Pädophile (und Hebephile) oft mit Missbrauchstätern gleichgesetzt.

Diese Gleichsetzung ist nicht gerechtfertigt, denn 1) sind ca. 80% der Täter von sexuellem Kindesmissbrauch nicht-pädophile Ersatztäter und 2) begehen ca. 90% aller Pädophilen niemals in ihrem Leben einen sexuellen Übergriff gegen ein Kind. Trotzdem ist es die bittere Realität, dass pädophile (und hebephile) Nicht-Täter regelmäßig auf den Status eines potentiellen zukünftigen Missbrauchstäters reduziert und als tickende Zeitbombe dargestellt werden.

Von der Entmenschlichung von Missbrauchstätern ist es deshalb nur noch ein minimaler Schritt hin zur Entmenschlichung von pädophilen Nicht-Tätern. Für die meisten Menschen, die sich einen Aufkleber mit dem Slogan „Stoppt Tierversuche! Nehmt Kinderschänder!“ kaufen, sind Pädophile mit-gemeint.

Aber selbst wenn ich nicht mit-gemeint wäre, würde mich der Slogan abstoßen. Wenn man einen Menschen mit einem Tier gleichsetzt, ist das immer die Vorbereitung von Aggression. Es geht darum, die Akzeptanz dafür zu schaffen, dass man Menschen am Ende des Entmenschlichungsprozesses tatsächlich wie Tiere und schlimmer behandeln darf.

Egal was sie getan haben, auch Missbrauchstäter bleiben Menschen. So etwas wie Todesstrafe, Folter oder Kastration gehen deshalb nicht. Sie sind aber das, worauf die Entmenschlichung letzlich abzielt. Ich würde mich – egal um wen es geht – aus persönlicher humanistischer Überzeugung so oder so dagegen wenden.

Hinzu kommt hier aber noch, dass es auch „Missbrauchstäter“ gibt, die diese Bezeichnung aus meiner Sicht nicht verdienen, weil sie zwar ein Gesetz brechen, sich das Kind von ihnen aber nicht nicht schlecht, sondern gut behandelt fühlt.

Beispiel 1:

Als ich dreizehn war und die Sexualität entdeckte, war ich ständig auf der Suche nach jemandem, mit dem ich ins Bett gehen konnte. Und irgendwann habe ich das gefunden. Er war vierzig Jahre alt und es war großartig.

Schwuler Senior bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Pädophilie

Beispiel 2:

Da war ich ja gerade 13 geworden, als ich Gerhard kennenlernte. Den fand ich richtig gut, menschlich, was der so drauf hatte, aber eben auch körperlich. Der hatte immer viel Sport gemacht und sah gut aus. Er gefiel mir. Wir hatten dann eine richtige Beziehung und eben auch Sex. Das war richtig schön. Gerhard war so zärtlich zu mir. Das war nicht nur rein raus und fertig. Blöd fand ich nur, dass das Ganze geheim bleiben musste. Ich wusste ja, dass der das nicht darf. Und mir war’s natürlich peinlich. Wenn die das in der Schule herausgefunden hätten … Das wollte ich mir gar nicht vorstellen. Zur Belastung wurde die Beziehung zu Gerhard erst, als alles aufflog und er verurteilt wurde. Da war ich richtig schockiert. Ich hatte ja das Gefühl, dass nichts Schlimmes passiert, und trotzdem schicken sie ihn in den Knast. Ich hatte ganz schöne Schuldgefühle, weil ich ja auch aussagen sollte vor Gericht.

Fallbeispiel aus „Herausforderung Pädophilie“, Seite 135

Beispiel 3:

Du schließt von dir auf andere! Ich zb war sehr frühreif und habe mit 13 ausgesehen wie 16 und mich auch so verhalten. Ich hatte damals einen Freund der etwas älter war als 20. allerdings kannte er mein wahres Alter nicht. meine Mutter war etwas schockiert als ich mit seinem 2 jährigen Sohn und ihm auf dem Spielplatz war. ich habe in dem Alter mein eigenes Geld beim babysitten verdient, habe von ihm nie Geld oder ähnliches bekommen. Ich war sehr verantwortungsbewusst und meine Eltern haben die Beziehung zugelassen. mich persönlich war sehr frühreif, hatte die ersten sexuellen Erfahrungen mit meiner Cousine als wir 11-12 Jahre waren.

mich fand es damals super cool einen älteren Freund zu haben der einen von der Schule holt, mit dem Mann rumknutschen kann und mit dem man die erste Erfahrung im Bett haben kann. es war wundervoll, ich hatte eine tolle Zeit mit ihm, nachts rausschleichen (obwohl ich im Nachhinein erfahren habe das meine Eltern es wussten) und es fühlte sich nicht anders an, als später mit den Typen die gleichaltrige waren. mit 12-13 waren die Typen in meinem Alter einfach nur doof, für die 16 jährigen waren wir Mädels kein Beute Schema und die die nicht mehr in unserer Reichweite waren was das alter betrifft, wussten nicht wie alt wir sind. meine Cousine Hat übrigens ähnlich Erfahrungen mit 12/13 Jahren gemacht mit einem 21 jährigen.

nach dem meine Eltern mit zu einem selbstbestimmten, selbstbewussten Kind/ Jugendlichen erzogen haben, hätte keiner eine Chance gehabt sich an mir zu vergehen, etwas zu tun was ich nicht will oder ähnliches. und Meister in Manipulation war ich selber.

Eine ursprünglich aus Zypern stammende Frau als Antwort auf
>Warum gibt es Menschen die behaupten dass Kinder mit
Erwachsenen sex haben wollen? < auf gutefrage.net

Man kann die Handlung jeweils missbilligen, weil sie das Kind dem Risiko einer Schädigung ausgesetzt hat. Aber in allen drei Fällen fanden die Kinder die Beziehung „großartig“, „richtig schön“ oder „toll“. Missbrauch ist für mich etwas anderes.

Ich habe auf die Volksverhetzung gegen „Kinderschänder“ noch am selben Tag reagiert, indem ich sie mit folgendem Begleittext bei hassmelden.de gemeldet habe:

Ich habe heute einen Artikel gelesen, in dem auf einen Aufkleber mit dem aus meiner Sicht volksverhetzenden Slogan „Stoppt Tierversuche! Nehmt Kinderschänder!“ hingewiesen wurde. Nachdem ich auf den Slogan aufmerksam wurde, habe ich durch eine Google Suche festgestellt, dass dieser weit verbreitet zu sein scheint.

Es gibt sogar ein Amazon-Angebot, bei dem ein Aufkleber mit dem Slogan verkauft wird. Link dazu.

Ich habe danach auf FaceBook nach dem Slogan gesucht. Es gibt dort eine öffentliche Gruppe, die sich „Stoppt Tierversuche! Nehmt Kinderschänder“ nennt.

Ausserdem habe ich eine FaceBook-Seite „Todesstrafe für Kinderschänder“ gefunden. Auf dieser Seite gibt es einen „Jetzt kaufen“ Button oben links mit dem man auf die amazon.de Seite weitergeleitet wird. Der Inhaber der FaceBook-Seite „Todesstrafe für Kinderschänder“ dürfte also identisch zum Anbieter des Aufklebers auf amazon sein.

(…) [Anmerkung: die mitgelieferte Information zum Anbieter-Unternehmen und zum Inhaber lasse ich hier weg]

Durch den Volksverhetzungs-Paragraphen sind neben den ausdrücklich genannten nationalen, rassischen, religiösen und ethnischen Gruppen „Teile der Bevölkerung“ also zahlenmäßig nicht unerhebliche Personenmehrheiten, die auf Grund gemeinsamer äußerer oder innerer Merkmale als unterscheidbarer Teil von der Gesamtheit der Bevölkerung abgrenzbar sind.

Damit eine Äußerung nach §130 strafbar ist, muss sie die Menschenwürde anderer angreifen. Ein solcher Angriff ist nach ständiger Rechtsprechung stets gegeben, wenn der Täter sich mit der NS-Rassenideologie identifiziert oder wenn die Äußerung damit im affirmativen Zusammenhang steht. Das ist unzweifelhaft gegeben, wenn Angehörige bestimmter Bevölkerungsgruppen mit Tieren gleichgesetzt werden oder als Dreck, Unrat, Ungeziefer usw. geschmäht werden. Auch die Forderung, Mitglieder einer Gruppe der Bevölkerung wegen ihres So-Seins zu entfernen („Ausländer raus!“), kann die Menschenwürde verletzen. (siehe Fischer, Kommentar zum Strafgesetzbuch, S. 1010, Randnummer 12/12a).

Durch den Slogan „Stoppt Tierversuche! Nehmt Kinderschänder!“ werden Missbrauchstäter auf eine Stufe noch unterhalb von Tieren gestellt. Tiere seien es wert vor Tierversuchen geschützt zu werden. Menschen, die Kinder missbraucht haben, seien weniger wert und könnten deshalb anstelle von Tieren für Tierversuche genutzt werden. Es dürfte auch unzweifelhaft sein, dass Tierversuche Gewalthandlungen darstellen. Damit wird das staatliche Gewaltmonopol angegriffen und faktisch zur Selbstjustiz aufgerufen. Darüber hinaus wird die Resozialisierung von Missbrauchstätern bekämpft.

Auch aufgrund der objektiv sehr aufgeheizten Stimmung gegen Missbrauchstäter sind solche Aufrufe geeignet, das Vertrauen eines entlassenen Missbrauchstäters in den öffentlichen Frieden und seine körperliche Unversehrtheit zu erschüttern.

Ich erhielt am 07. September eine Bestätigung über den Eingang der Meldung. Am 14. September teilte man mit mit:

Wir haben den von Dir gemeldeten Beitrag erhalten, und sind der Meinung, dass eine strafrechtliche Relevanz nicht ausgeschlossen ist. Um die Belastung der Justiz so gering wie möglich zu halten, prüfen wir Deine Meldung jetzt in unserem Haus juristisch fundiert darauf, ob sie strafrechtlich relevant sein könnte. 

Einen Tag später:

Nach Prüfung des Inhalts des von Dir gemeldeten Beitrags sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass eine strafrechtliche Relevanz wahrscheinlich vorliegt, und haben über die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main und die dort ansässige Zentralstelle zur Bekämpfung von Internetkriminalität (ZIT) Anzeige gegen den Verfasser erstattet.

Das ist der letzte Stand, der mir vorliegt. Das ist auch nicht weiter verwunderlich. Strafrechtliche Verfahren brauchen Zeit. Wenn sich etwas tut, werde ich hier noch einmal berichten.

Als Pädophiler ist man auf die Anonymität angewiesen, da sonst der soziale Tod droht. Für den Moment finde ich es ermutigend, dass es mit hassmelden.de nun eine Möglichkeit gibt, sich gegen Dinge, die zu weit gehen, zur Wehr zu setzen, ohne dafür die eigene Anonymität aufgeben zu müssen. Alleine die Existenz dieser Möglichkeit reduziert bereits das Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht.

Die Möglichkeit, die hassmelden.de bietet, ist kostbar und sollte nicht missbraucht werden. Damit es etwas bringt, geht es nicht um die Masse, sondern um die Qualität der Meldungen. Man sollte sich meiner Einschätzung nach auf ernste Fälle beschränken, bei denen eigentlich jedem objektiven Dritten der Unrechtgehalt der Äußerungen ins Auge springen müsste. Das erhöht dann sicherlich auch die Erfolgschancen und die Erkenntnis bei Nicht-Betroffenen, dass es ein echtes Problem gibt. Natürlich schadet es auch nicht, die Meldung gut zu begründen.

Wenn jemand einen ernsthaften Vorfall melden möchte und meine Unterstützung bei der Meldung oder der Begründung zur Meldung haben möchte, helfe ich gerne.

Meine Mail-Adresse ist Schneeschnuppe@protonmail.com.