Gastbeitrag: Auf den Hund gekommen!

Hunde machen gesund und glücklich„, behauptet ein Artikel, den ich vor ein paar Wochen gelesen habe. Ich habe bei einem BL und Hundebesitzer angeklopft und nachgefragt.

Hier sein Gastbeitrag.


Als ich zwölf Jahre alt war, wünschte ich mir, ich sei bereits zwanzig Jahre alt, weil ich nur die vermeintlichen Vorteile des Älterseins sah und den ganzen Rest, der unvermeidlich auch dazu gehört, komplett ausblendete.

Als ich vierundzwanzig Jahre alt war wollte ich keinesfalls dreißig Jahre alt werden weil … wer Dreißig ist gehört zum Establishment.

Als ich sechsunddreißig Jahre alt war, stellte ich fest, dass ich alt werde, mein Leben verpasse … und bekam Torschlusspanik.

Als ich achtundvierzig Jahre alt war, lebte ich endlich in der Gewissheit, mich selbst und das, was mich … mhm … bewegt, im Griff zu haben, sah meinem fünfzigsten Geburtstag mit Gelassenheit entgegen und landete wenig später hinter schwedischen Gardinen … wegen einiger Symptome meiner Torschlusspanik.

Als ich sechzig Jahre alt war, fürchtete ich eigentlich nur noch, dass mir der Himmel auf den Kopf fallen könne und wollte darüber hinaus von Gott und der Welt in Ruhe gelassen werden.

Als ich sechsundsechzig Jahre alt geworden war, war das Leben immer noch nicht vorbei und ich war …

AUF DEN HUND GEKOMMEN !

Und nein … *mit dem Finger in der Luft rumwedele* … ein Hund ist kein Ersatz für einen Jungen … oder für sonst was. Und schon gar nicht mein Hund, denn er, also mein Hund, ist ein Weibchen, also eine sie. Passt also nicht und überhaupt … ich zoophil? Zum Schießen der Gedanke.

Außerdem … Jungs als solche werden von unsereiner welchem aus meist ideell-libidinösen Gründen kolossal überbewertet. Sie sind in Einzelfällen zwar recht liebenswert und für uns in einer gewissen Lebensphase fast überlebenswichtig, aber als ‚Spezies‘ recht kurzlebig. Allenfalls geeignet als Lebensabschnittspartner (falls sie dazu taugen), keinesfalls aber für eine Lebenspartnerschaft.

Selbst wenn sie individuell dazu taugen, so wachsen sie doch unvermeidlich aus unseren Bedürfniserwartungen heraus. Und sie sind anstrengend … immer. Ist so … vertraut meiner mehrdekadigen Erfahrung.

Und grad heut in unseren aktuellen Zeiten …? Nö … muss ich mir nicht mehr antun und … *mit einem Auge zum seeligen Antinoos rüberschiel* … in meinem Alter eh nicht mehr. Ich mein … klappen täts noch, keine Frage – aber der Stress, die Sorge, was ich dem wunderschönen, verwöhnten und verfressenen Wohlstandsbengel als Nächstes zum Futtern hinstellen soll … und überhaupt, meine Libido hat mir jüngst zugeflüstert: Lass es gemächlich angehen. Und … der Begriff ‚gemächlich‘ existiert für Jungs nicht.

Tatsache … was bleibt ist eine schleichende Einsamkeit.

Man bemerkt sie erst gar nicht. Sie schleicht eben … blind wie eine Schleiche, nistet sich ein und kriegt Junge.

Dann war sie da, meine Hündin.

Ein bester Freund von meiner einem schenkte sie mir, gerade mal drei oder vier Monate alt (also nicht mein Freund … der Hund!^^). Vielleicht deshalb, weil er bemerkte, dass ich vor allem emotional peu a peu und fast unmerklich vor die Hunde ging.

Da ist sie nun also … quietschfidel, wunderschön (ist sie wirklich!), nicht so verfressen wie ein Junge außer es handelt sich um Leckerlis – da läuft sie jedem Jungen den Rang ab, durchaus auch anspruchsvoll (sie hat sich in meiner gesamten Wohnung ‚ausgebreitet‘, überlässt mir lediglich respektvoll die Küche und den Lokus, besteht auf den Zutritt auf meine Terrasse zum angelegentlichen Kacken und Pinkeln und zur räumlich erhöhten Selbstdarstellung als Halterin eines eigenen Reviers samt eigenem Herrchen und Revierputzteufel inklusive angelegentlichem Verbellen von am Halsband vorbei gezerrter Wadenbeisser aus der Nachbarschaft).

Meine Couch gehört ihr, auf meinem Bett pflegt sie zu meditieren, mein Ohrensessel dient ihr als bequeme Beobachtungsstation für ihren menschlichen Kompadre, wenn der vor glühendem Bildschirm wie jeck auf seiner Tastatur rumhackt (die spinnen, die Menschen!!! *mit der Pfote an die Stirn tippt*) während im Hintergrund dessen heißgeliebte französische Chansons melancholisch daher jammern und bei jedem Ausritt pflegt sie wie eine Lokomotive voraus zu dampfen und wie diese der Sechzigerjahre an jeder Milchkanne abrupt zu stoppen und erstmal genüsslich mit ihrer hochempfindlichen Nase die örtliche Zeitung zu ‚lesen‘ … ganz abgesehen von ihrer Eigenschaft alles an Kleingetier zu jagen, was bei drei nicht auf einem hohen Pfahl sitzt und selbstbewusst etwa dreißig Mal pro Ausritt in flüssiger Form ‚ihr‘ Revier zu markieren und der gesamten vorbei streunenden Hundeschaft mitzuteilen: „Nehmt gefälligst zur Kenntnis, dass ICH hier war und das es MIR soundso geht!“. *Kicher* … sie markiert sogar dann noch, wenn schon gar nichts mehr ‚drinne‘ ist.

Eine Nachbarin von mir ist ihre beste Freundin. Einmal die Woche geht die mit ihr über die Felder. Wenn die vorbeikommt springt meine Kleine regelrecht aus dem Fell. Und – weiß der Geier warum – meine Hündin liebt fast alle Menschen und besonders alte Menschen an ihren Rollatoren haben es ihr angetan … vielleicht weil die meist irgendwelche Beutel an ihrem Bewegungsunterstuetzungsapparat hängen haben und sie der festen Überzeugung ist, dass in jedem verdammten Beutel gefälligst auch ein Leckerli für sie zu sein hat.

Gelegentlich wälzt sie sich, wenn wir in den hiesigen Parks unterwegs sind und ich mal nicht aufpasse, hingebungsvoll und ganz offensichtlich hoch genussvoll im Gras. Mhm … grundsätzlich hab ich da ja nichts dagegen, aber hin und wieder nimmt sie dabei ein schier steinerweichendes Aroma an, worauf ich sie nach unserer Rückkunft zwangsweise in die Badewanne und unter die Dusche expedieren muss. Passt ihr gar nicht … aber – wer vorsätzlich vor sich hinstinkt hat eben mit Konsequenzen zu rechnen. Kleiner Tipp an alle kuenftigen Hundehalter … vorher selber sich freimachen und den Wischmopp bereithalten.

Jeden Tag zwei-, dreimal fordert sie mich ausdrücklich dazu auf, ihr auf die Terrasse zu folgen und mit ihr zu spielen. Spielen ist ihre große Leidenschaft. Sie apportiert mit Hingabe und Zerrereien ist sie dabei durchaus nicht abgeneigt. Ich muss dann versuchen, ihr das Spielzeug wegzunehmen … da besteht sie drauf. Das geht dann meist mit einigem Geknurre ab … ihrerseits und meinerseits und nahezu immer schnappt sie sich dann meine Hand mit dem Maul und beginnt damit, ganz sacht und vorsichtig auf meiner Hand rumzukauen. Wie’s scheint schmecke ich ihr.^^

Wenn sonst nix los ist, liegt sie wie ein Teddyhund auf meiner … mhm … ihrer Couch und döst vor sich hin, gelegentlich unterbrochen von einer Knuddeleinlage meinerseits, die sie meist hingebungsvoll erwidert. Ein besonderer Liebesbeweis ihrerseits ist dann gelegentlich ein feuchter Knutscher hinter einem meiner Ohren. Naja … und wenn ihr mein Fernsehprogramm nicht gefällt, schlendert sie rüber in mein Schlafzimmer und meditiert auf meinem Bett. Ein sehr esoterischer Hund … mein Hund!

Nein, meine Hündin ist kein Surrogat für einen Jungen. Sie ist eine völlig eigene kleine Persönlichkeit, die aber – wie ein Mensch auch – für ihr Leben Zuwendung und auch Zärtlichkeit braucht … abgesehen von Futter und Wasser. Und … sie gibt viel zurück und vertreibt jede Einsamkeit.

Und ja … ich liebe sie und würde sie tierisch vermissen, wäre sie nicht mehr da.

Ich sag Euch, wolltet Ihr es wagen … in den Tierheimen wartet auf jeden von Euch ein vierbeiniger Gefährte. Ihr würdet es nicht bereuen, wenn Ihr dazu fähig seid, auch dessen Bedürfnisse zu bedienen und Verantwortung für ein Lebewesen zu übernehmen, an dem Eure Libido kein Interesse hat.

In diesem Sinne völlig auf den Hund gekommen

Herzlich M´Noel

Ein Kommentar zu „Gastbeitrag: Auf den Hund gekommen!

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