Aufruf zur Studienteilnahme: Hürden und Hindernisse im Outing-Prozess pädophiler Menschen

Es gab in meinem Leben wenig, dass für mich so wichtig war, wie das eigene Outing gegenüber meinen engsten Bezugspersonen.

Menschen sind Beziehungswesen. Das, was einen wirklich glücklich oder unglücklich macht, sind Beziehungen. Bei vielen Pädophilen gibt es hier einen Mangel, da die für Menschen sehr wichtige romantische und sexuelle Beziehungsebene sehr oft unerfüllt bleibt und neuerdings sogar Ersatzmittel wie Puppen kriminalisiert wurden.

Aber auch enge Familien- und Freundesbande sind für Menschen essentiell wichtig. Sie gehören zum emotionalen Fundament, auf dem man sein Leben aufbaut. Nicht zu wissen, ob es Bestand hat, kann extrem belastend sein. Menschen nehmen psychischen Schmerz oft als belastender wahr als physischen Schmerz. Gefragt nach dem schlimmsten Erlebnis ihres Lebens, nannten drei von vier Befragten den Verlust eines geliebten Menschen. Die Angst, sich zu offenbaren, ist die Angst, geliebte Menschen zu verlieren. Wenn man diese Angst längere Zeit mit sich herumschleppt, kann sie einen gefühlt zerquetschen.

Meine eigenen Outings sind im wesentlichen gut gegangen. Damit bin ich keine exotische Ausnahme. Es gibt aber leider auch Menschen, denen es anders ergangen ist.

Die Frage nach einem Outing ist für mich eine der Kernfragen, die ein Pädophiler (in welcher Weise auch immer) beantworten muss. Es kann durchaus Situationen geben, die gegen ein Outing oder gegen ein Outing zum aktuellen Zeitpunkt sprechen. Ich halte es für sehr wichtig, dass es Selbsthilfegruppen gibt, in denen man sich Rat holen kann.

Es ist auch sehr zu begrüßen, dass es wissenschaftliche Forschung dazu gibt, die etwa dazu führen könnte, dass Therapeuten ihren Patienten bei dem Thema eine bessere Unterstützung bieten können. Deshalb möchte ich allen betroffenen Lesern die Teilnahme an einer Studie der Uni Chemnitz ans Herz legen. Die Studie richtet sich sowohl an pädophile als auch an hebephile Personen.

Ich habe an der Studie auch selbst bereits teilgenommen. Das war für mich durchaus auch belastend, weil ich damit alte Schmerzen „angefasst“ habe, die einige Jahre meines Lebens sehr geprägt haben und nie ganz vergessen sein können. Es war mir aber auch wichtig, weil ich glaube, dass es ein Thema von größter Tragweite ist, das dringend besser verstanden werden sollte.

Hier das Anschreiben von Frau Göpel zur Studie:

Liebe Leserinnen und Leser,

Mein Name ist Alina Göpel und ich bin Psychologiestudentin an der Technischen Universität Chemnitz.

Zusammen mit meiner Betreuerin, M.Sc. Psych. Sophie Helene Lux, schreibe ich meine Abschlussarbeit über „Hürden und Hindernisse im Outing-Prozess pädophiler Menschen“. Dabei möchte ich die Hindernisse untersuchen, denen sich pädophile und/oder hebephile Menschen stellen müssen, wenn sie sich entscheiden, ob sie Freunden und Familie von ihren sexuellen Neigungen gegenüber Minderjährigen erzählen wollen oder nicht.

Dazu brauche ich Ihre Hilfe und würde mich sehr freuen, wenn Sie sich die Zeit nehmen würden, eine kurze 15-minütige Umfrage auszufüllen. Dabei ist es nicht relevant, ob Sie sich bereits gegenüber anderen Personen als pädophil/hebephil geoutet haben oder nicht. Dazu klicken Sie bitte auf folgenden Link: https://limes.phil.tu-chemnitz.de/index.php?r=survey/index&sid=851131&lang=de

Ihre Teilnahme ist völlig freiwillig und Sie können die Umfrage jederzeit beenden, wenn Sie sich bei der Beantwortung der gestellten Fragen nicht wohl fühlen. Sie werden nicht nach Informationen gefragt, durch welche man Rückschlüsse auf Ihre Person ziehen könnte. Nach Abschluss der Umfrage werden Ihre Antworten anonym auf Servern der Professur für klinische Psychologie der TU Chemnitz gespeichert. Für diesen Server mit dieser LimeSurvey-Installation ist das IP-Logging abgeschaltet, was bedeutet, dass auf diesem Server keine IP-Adressen gespeichert werden. Für eine zusätzliche Absicherung können Sie dennoch gern einen VPN-Client verwenden.

Ich würde mich ebenfalls freuen, wenn Sie den Link weiterleiten würden.

Falls Sie Fragen oder Bedenken zu dem Projekt haben, können Sie uns (unter outing-studie@psychologie.tu-chemnitz.de) für weitere Informationen kontaktieren.

Mit freundlichen Grüßen,

Alina Göpel

TU Chemnitz, Wilhelm-Raabe-Straße 43., 09120 Chemnitz

5 Kommentare zu „Aufruf zur Studienteilnahme: Hürden und Hindernisse im Outing-Prozess pädophiler Menschen

  1. Habe die Umfrage gemacht (über Tor).

    Ich bin mir aber nicht sicher, ob Frau Göpel weiß, was so ein Outing bedeutet.

    In unserer Zeit werden Pädophile mit Kinderfickern und Vergewaltigern gleichgestellt. Habe selbst keine Person, der ich komplett vertraue. Manche interessiert es schon brennend, warum ich immer noch keine Freundin habe, sie denken sogar ich sei schwul (bestimmt nicht). Aber gleichzeitig erlebe ich es immer wieder, dass Menschen alles weiter erzählen. Er wäre ja schon eine Hilfe, wenn man mit jemand darüber reden könnte, aber die Gefahr, dass der etwas weiter erzählt ist doch vorhanden.
    Außerdem: Wenn jemand weiß, dass ich Pedo bin, verhält er sich dann anders? Sperrt er seine Kinder weg, wenn wir uns sehen? Darf ich dann bestimme Arbeiten nicht mehr machen, da ich dabei in Kontakt mit Kindern komme?

    Ein Outing als Pedo stelle ich mir wie ein Outing als Jude während Hitler vor. Die Möglichkeit, dass das gut geht ist doch sehr gering.

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    1. Dafür gibt es ja diese Umfrage: damit Frau Göpel erfährt, was so ein Outing bedeutet (und anschließend die Erkenntnisse in Ihrer Studie präsentieren kann).

      Ansonsten bin ich ein einer ähnlichen Lage und teile deine Einschätzung.

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