Johnny Hammer (Mary did you know?)

Mary did you know? ist ein christliches Lied, dass es seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1991 zu erheblicher Popularität gebracht hat und huntertfach gecovert wurde.

Eine außergewöhliche Umsetzung kam 2011 vom Label technopraise: der 13jährige Johnny Hammer singt das Lied begleitet von Techno Dance Musik.

Erstaunlich, dass das funktionieren kann. Tut es aber. Und zwar verblüffend gut.

Wann ist ein Baum ein Baum?

Wann ist ein Baum ein Baum? Das ist eigentlich eine fast schon frech simple Frage. Die aber gar nicht so leicht zu beantworten ist.

Es gibt zum Beispiel Bambuswälder. Wälder bestehen aus Bäumen. Aber Bambus ist ein Gras?! Und ist die Haselnuss ein Baum oder ein Strauch? Ist die Palme wirklich ein Baum? Wirklich?

Natürlich kann man sich der Frage wissenschaftlich nähern. Aber kann man dann mit der Antwort wirklich etwas anfangen?

„Wann ist ein Baum ein Baum?“ ist keine Kopf-Frage. Die Antwort ist so simpel wie die Frage: Wenn man ihn sieht, weiß man es!


Und wann ist Liebe Liebe?

Wenn man sie sieht, weiß man es!

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Antoine de Saint-Exupéry

Monströs: Kinderhandel in Bibbiano (Italien) + Missbrauch mit „Missbrauch“

Aktuell sorgt in Italien ein monströser Fall von Kinderhandel und Missbrauchs-Missbrauch für Entsetzen. Spiegel Online berichtet über den Fall wie folgt:

Das Kind lebe „in einem Zustand der Verwahrlosung“, notierten die Sozialarbeiter. Abgenickt von Psychologen, unterschrieben von der Kommunalverwaltung, wurde das Mädchen deshalb bei seinen Eltern abgeholt und zu Pflegeeltern verbracht. Laut der Regionalzeitung „Il Tirreno“ wurde das Kind daraufhin von einem lesbischen Paar in Obhut genommen, von dem eine Partnerin zuvor ein Verhältnis mit der Sozialarbeiterin hatte, die für den Sorgerechtsentzug mitverantwortlich war. Das war vor rund zwei Jahren. Niemand ahnte damals, welche Dimension der Skandal von Bibbiano noch erreichen würde.

Anfang dieses Jahres fiel, angeregt durch Hinweise aus der Bevölkerung, dem zuständigen Jugendgericht in Bologna auf, dass in der norditalienischen Gemeinde Bibbiano überdurchschnittlich viele Kinder zwangsweise Pflegeeltern zugeteilt wurden – und dass die Aktenlage dazu nicht stimmig war. Das Gericht ordnete eine Untersuchung an. Interner Arbeitstitel: „Engel und Dämonen“. Dabei fielen den Ermittlern auch erschütternde Briefe dieses kleinen Mädchens in die Hände.

In denen fragte es immer wieder seinen „lieben Papa“, warum er nicht schreibe. Er fehle ihr so sehr, und sie wisse nicht, warum er nicht antworte. Aber sie warte „mit ganzem Herzen“ auf ihn, zitiert „Il Tirreno“ aus den Briefen. Doch die emotionale Post wurde niemals abgeschickt. Die Briefe lagerten gut verwahrt im Sozialamt. Stumm archiviert. Jetzt, nach zwei Jahren, durfte das inzwischen zwölfjährige Kind auf Anordnung der Richter zu seinen leiblichen Eltern zurückkehren.

Es ist nicht der einzige traurige und kaum fassbare Fall dieser Art im kleinen 10.000-Einwohner-Städtchen Bibbiano, in der reichen Provinz Reggio-Emilia, südöstlich von Parma.

Zwei Kinder, von ihrer Mutter wegen Bauchschmerzen ins Krankenhaus gebracht, kamen ins Heim. Die Mutter habe von sexuellem Missbrauch durch den Vater gesprochen, steht in den Einweisungspapieren, die von italienischen Onlinemedien zitiert werden. Der Untersuchungsbefund der Klinik war gegenteilig, die Mutter schwört, dergleichen nie gesagt zu haben.

Ein Mädchen wurde 2011 in „öffentliche Obhut“ genommen, weil die Eltern finanzielle Probleme hatten. Sie wurde von einer Institution zur anderen weitergereicht, war zeitweise auch bei Pflegeeltern. Ab Oktober 2018 kam sie in psychotherapeutische Betreuung. Dort offenbarte sie angeblich unglaubliche Erinnerungen: Ihr Vater habe sie an Halloween mit Tierblut geschminkt und zum Betteln von Tür zu Tür geschickt. Zudem habe er an Halloween vier Menschen ermordet. Damals sei sie zwischen zwei und vier Jahren alt gewesen. Unkommentiert landeten diese Vorwürfe so in den Akten.

Ganz konkret wurden bislang sieben Fälle untersucht, in vier davon durften die Kinder umgehend zu ihren Eltern zurückkehren. In den anderen Fällen steht eine Entscheidung noch aus.

Elektroschocks und Wolfsfratzen-Gesichter

Verwickelt in den Fall ist auch ein bekanntes Therapiezentrum in Turin, mit dem Namen „Hansel e Gretel“ und dessen Direktor. Der Psychotherapeut ist der Justiz nicht unbekannt. Er soll seine Frau und seine Kinder misshandelt haben. Sein Anwalt erklärte hingegen, der Mandant habe doch nur „Teller zerdeppert“.

Der Direktor, seine Gattin – ebenfalls Therapeutin – und zwei „Hansel-e-Gretel“-Kollegen waren auch in Bibbiano aktiv und kümmerten sich dort, um die offenbar besonders häufigen Fälle von Kindesmissbrauch. Bei vielen Kindern führten diese „Diagnosen“ dazu, das die Mädchen und Jungen in die Hände von Pflegeeltern kamen.

Die Staatsanwaltschaft geht inzwischen davon aus, dass diese Missbrauchsfälle in vielen, vielleicht den meisten, vielleicht auch fast allen Fällen, frei erfunden worden waren. Eine Sozialarbeiterin aus Bibbiano hat inzwischen gestanden, sie habe solche Berichte gefälscht – so wird sie von der Regionalzeitung „Gazzetta di Regio“ zitiert. Sie soll auf Geheiß ihrer Vorgesetzten gehandelt haben

„Systematische Gehirnwäsche“

Der Entzug der Kinder lief, wie es die Ankläger sehen, immer wieder nach dem gleichen Schema ab: Sozialhelfer machten passende Kinder in Familien mit ökonomischen Schwierigkeiten ausfindig. Also bei Arbeitslosen, Migranten, Eltern mit wenig Einkommen und vielen Kindern. Diese wurden zu den Therapeuten einbestellt und die machten den Kindern dann klar, dass sie daheim misshandelt oder sogar missbraucht worden seien.

Wollten die Kinder sich daran nicht erinnern, soll ihr Gedächtnis laut Ermittlungsakten mit elektrischen Impulsen „aufgefrischt worden“ sein. Zudem hätten die Kinder Zeichnungen anfertigen sollen, aus denen dann die vermeintlichen Experten auf sexuelle Übergriffe schlossen. Mitunter wurden die kindlichen Malversuche aber auch von den Fachleuten „korrigiert“ oder gleich selbst angefertigt.

Geld, Sex oder Verbohrtheit

Die Methoden, mit denen angeblich „spielerisch“ die schrecklichen Misshandlungen der Kinder aus dem Untergrund des Bewusstseins geholt wurden, lesen sich wie aus einem Horrorfilm: Der Therapeut soll sich dazu etwa eine Angst einflößende Wolfsmaske übers Gesicht gezogen haben, wenn er den bösen Vater spielte.

Laut Anklageschrift, die von verschiedenen italienischen Medien auszugsweise zitiert wird, habe es „systematische Gehirnwäsche“ und geradezu „exorzistische Praktiken“ gegeben.

Das Motiv für die Machenschaften der Beschuldigten ist noch unklar. Vor allem ging es wohl schlicht um Geld. Um viel Geld. So zahlte die Gemeinde Bibbiano offenbar für die therapeutische Behandlung pro Stunde 135 Euro, statt eines andernorts üblichen Satzes von allenfalls 80 Euro. Dazu gab es Fortbildung, Sondermaßnahmen. Im Jahr kamen dabei 100.000 Euro oder mehr zusammen. Die öffentlichen Heime bekamen Geld. Genauso wie die „neuen Eltern“, die im Gegenzug mitunter auch an die „Kinder-Vermittler“ einen Obolus gezahlt haben sollen. Sogar der „Vertrauensanwalt“ der Kinder verdiente mit: Binnen vier Jahren kamen bei ihm Honorare von 70.000 Euro an. Alles in allem sei es um ein Geschäft von Hunderttausenden Euro gegangen.

Auch der Verdacht, manche Kinder seien in den Pflegefamilien sexuell missbraucht worden, steht im Raum. Viele sind offenbar noch heute von den Erlebnissen traumatisiert.

Der Rest des Artikels, der sich um die populistische Verwertung des Falls und die politischen Implikationen in Italien dreht, ist hier entbehrlich.

Der pure Horror

Was sich in dieser italienischen Kleinstadt im relativ wohlhabenden Norditalien abgespielt hat, ist ein absolutes Horrorszenario. Aber letztlich keines, das nicht auch in Frankreich, Deutschland, Spanien oder Polen denkbar wäre.

Wenn man einmal von den elementarsten physischen Bedürfnissen (wie nicht zu verhungern) absieht, ist das wichtigste, was ein Kind aus seiner Kindheit mitnehmen kann, emotionale Wärme und Bindungssicherheit. Auch andere Dinge, wie etwa eine gute Bildung, sind sicher von hoher Bedeutung für den weiteren Lebensweg. Ich glaube aber nicht, dass es etwas gibt, das für ein gelungenes, glückliches Leben noch wichtiger ist, als eben die Erfahrung positiver und sicherer Bindungen.

Die Kinder, denen in Bibbiano die für ihre Entwicklung so entscheidende Bezugspersonen entrissen wurden, wurden aus finanziellen Motiven vorsätzlich von Menschen geschädigt und traumatisiert, die eigentlich dem Schutz von Kindern verpflichtet sind und die aufgrund ihrer Ausbildung ganz genau wussten, welchen Schaden sie anrichten. Es ist mir völlig unbegreiflich, wie ein Mensch so eine Grausamkeit begehen kann.

Aber hier war es nicht ein Mensch, sondern ein ganzes Netzwerk von Menschen. Das macht die Tat einerseits noch monströser, vielleicht aber auf die Einzelperson heruntergebrochen auch ein wenig verständlicher.

Bei einer Gruppenvergewaltigung, machen Täter mit, weil sie in der Herde agieren, die Hemmschwelle durch das “Vorbild“ eines ranghohen Gruppenmitglieds absinkt und sogar ein Gruppenzwang entsteht, mitzumachen.

Beim Holocaust waren die Frau, die zusah, wie die jüdischen Nachbarn abgeholt wurden, der Wachmann, der sie zum Bahnhof brachte, der Zugfahrer, auf dessen Waggons die Menschen ins KZ deportiert wurden, der Posten auf dem Wachturm des Lagers oder der Lieferant des Gases jeweils aus eigener Sicht nur ein kleines Rad, das auf den Ablauf keinen eigenständigen Einfluss hatte. Alle haben sich schuldig gemacht, aber niemand war schuld, außer eben dem „Führer“.

Die Sozialarbeiterin, die die Berichte gefälscht hat, hat auch nur auf Anweisung ihres Vorgesetzten gehandelt. Dieser Typ Mensch (der leider nicht so selten ist) hätte auch bei einem Völkermord mitgemacht.

Alles geht. Hauptsache ein anderer hat die Verantwortung.

Missbrauch mit „Missbrauch“ – Traumatisierung, wo es kein Trauma gab

Die Schilderungen der Methoden, mit deren Hilfe den Kindern eingeredet und eingebläut wurde, dass sie misshandelt und/oder missbraucht wurden, sind schockierend, im Grunde aber nicht überraschend.

Denn Bibbiano ist sicher kein Einzelfall, soweit es den Einsatz fieser, menschenverachtender Methoden betrifft, mit denen Kinder von vermeintlichen Kinderschützern wissentlich traumatisiert werden, um sie dem Kontakt mit geliebten und für sie wichtigen Menschen zu entreißen. Ich rede hier allerdings nicht von den Eltern, sondern von älteren, pädophilen oder päderastischen Freunden.

Es müssen auch keine Wolfsfratzen und Elektroschocks sein. Psychischer Druck reicht völlig. Wenn ein Kind, das sich geliebt fühlte, unter dieser emotionalen Gewalt einbricht, wird es danach nicht nur zum Missbrauchsopfer, das künftig seinen eigenen Gefühlen misstraut und stets die nächste Täuschung oder Manipulation wittert, es fühlt sich auch noch als Verräter an einem geliebten Menschen.

Die Motive der Täter sind dabei nicht zwangsläufig bösartiger Natur. Es kann auch sein, dass jemand meint, ein Kind müsse „zu seinem eigenen Besten“ zu belastenden Aussagen manipuliert oder genötigt werden. Da heiligt dann der Zweck vermeintlich die Mittel.

Denn die Einvernehmlichkeitslüge, das Menschen, die weniger als 14 Jahre zählen, einem sexuellen Kontakt mit einem Erwachsenen zwar willentlich, aber nicht wissentlich zustimmen können und ihnen daher in der sexuellen Begegnung mit einem Erwachsenen stets schlimmste sexuelle Gewalt widerfährt, glauben die allermeisten Kinderschützer tatsächlich. Also muss man die Kinder vor dieser Gewalt „retten“. Koste es, was es wolle.

Im Ergebnis werden dann Kinder, die sich geliebt fühlten, davon überzeugt, dass sie missbraucht wurden und auf diese Weise traumatisiert. Nicht aus Geldgier, sondern in der Annahme, sie damit vor dem bösen Wolf (dem Pädo) zu schützen. Für die Kinder macht es aber keinen Unterschied, ob sie aus Geldgier oder von einem Überzeugungstäter, der nur ihr Bestes will, traumatisiert werden.

Neben fehlgeleiteten „edlen“ Motiven gibt es aber auch profanen Eigennutz im Kinderschutzbereich.

Die allermeisten Kinderschützer werden für ihre Arbeit bezahlt. Hinzu kommt ein hohes gesellschaftliches Ansehen. Ohne missbrauchte Kinder, wären Kinderschützer arbeitslos. Wer eine Karriere im Bereich Kinderschutz eingeschlagen hat, ist auf eine möglichst hohe Fallzahl angewiesen. Wenn mehr Kinder missbraucht werden, oder missbrauchte Kinder besser unterstützt werden sollen, gibt es mehr Arbeit, mehr Stellen und mehr Aufstiegsmöglichkeiten.

Nach meinem Eindruck kommt es im „Wettbewerb“ mit anderen Kinderschützern und Kinderschutzorganisationen dabei zu einem regelrechten Skandalisierungswettstreit, denn nur wer die Speerspitze darstellt, emotionalisiert und Betroffenheit erzeugt, kann damit rechnen wahrgenommen zu werden, Mittel einzuwerben und aufzusteigen.

Hierzu ein Ausschnitt aus einem Artikel von Thomas Fischer (ehemaliger Vorsitzender des BGH) für Spiegel Online, der die prinzipielle Anfälligkeit des „Systems“ Kinderschutz für diese Problematik aufzeigt:

Es steht nicht in Zweifel, dass man verletzten Menschen Beistand leisten und sich bemühen soll, die Zahl der Verletzten und Gepeinigten möglichst gering zu halten. Dies ist auch und gerade Aufgabe des Staats. Bei diesem Bemühen muss man gleichwohl vorsorglich die Strukturen und Systeme der Prävention und ihre sich selbst erzeugende Logik bedenken, und dann wiederum das bedenken, und dann wieder die Wirklichkeiten.

Will sagen: Wer „Opferbetreuungs-Stellen“, „Betroffenen-Räume“, Schutzkonzepte und „Beauftragten-Stellen“ einrichtet – für was auch immer! – und sie mit hochstehenden Zielen, Planstellen und „Mitteln“ ausstattet, muss, wie die Verwaltungssoziologie weiß, berücksichtigen , dass er damit nicht nur gute Hilfe, sondern auch eine sich selbst tragende Struktur errichtet. Banal: Je mehr Beauftragte zur Registrierung von Fehlern es gibt, desto mehr Fehler werden registriert.

Artikel „Kinderschutz-Vorstöße der Union –
Weitgehend wertlos, nützlich für die Stimmung

Damit hat Hr. Prof. Dr. Fischer natürlich noch nicht dieselbe These aufgestellt, die ich hier vertrete. Er spricht lediglich von einer (auch) selbsttragenden Struktur. Die logische Konsequenz ist meines Erachtens aber, dass diese Struktur und ihre „Räder“ zu den von mir angeführten Fehlentwicklungen neigen.

Das bedeutet nicht, dass die Struktur überflüssig und stets schädlich ist. Es gibt wirklichen Kindesmissbrauch und wirkliche Kindesmisshandlung, die keinen anderen Namen verdient haben und auf das Schärfste zu verurteilen sind. Ebenso gibt es wirkliche Opfer von Kindesmissbrauch und Kindesmisshandlung, die dringend auf Hilfe angewiesen sind. Hier ist die Gesellschaft in der Pflicht, einzugreifen und den Kindern auf jede erdenkliche Weise zu helfen.

Die Struktur „Kinderschutz“ bedarf aber der kritischen Beobachtung und Kontrolle, damit Kinder nicht Opfer eines verfehlten Kinderschutzes werden, der aus Nicht-Opfern Opfer macht. Denn ganz egal welches Motiv vorliegt: jemanden unter dem Deckmantel des Kinderschutzes zu traumatisieren, der vorher kein Trauma hatte, ist nichts anderes als Kindesmissbrauch.

Pädophile Identität: Fremdbild, Selbstbild und Wirklichkeit

Vor einiger Zeit berichtete Spiegel Online über ein soziologisches Experiment. Forscher hatten in 355 Städten in 40 Ländern getestet, wie wahrscheinlich es ist, dass ein anscheinend verloren gegangenes Portemonnaie vom Finder zurückgegeben wird.

Das scheinbar paradoxe Ergebnis: je mehr Geld in der Brieftasche war, desto ehrlicher waren die Menschen.

Die Autoren – Verhaltensforscher und Ökonomen – erklären das Resultat damit, dass sich Menschen eher als Diebe fühlen, wenn sie größere Geldbeträge behalten. Mit diesem Selbstbild könnten viele schlecht leben. „Die psychologischen Kosten sind gewichtiger als der materielle Gewinn“, folgert Mitautor Alain Cohnon von der University of Michigan. „Menschen wollen sich als ehrliche Personen sehen, nicht als Diebe“, ergänzt Maréchal.


Spiegel Online „Ehrlichkeitstest mit verlorenem
Portemonnaie – gibt der Finder es zurück?

Die Studie und der Bericht dazu zeigen eine einfache Wahrheit auf: Menschen möchten gut sein. Wer Schlechtes tut, gefährdet damit das positive Selbstbild, das wiederum eine Voraussetzung für Selbstachtung und Selbstliebe ist.

Zunächst mal muss man natürlich ein Selbstbild entwickeln. Das geschieht schon sehr früh. Und wer man ist, erfährt man zunächst einmal von seiner Umwelt. Aus den wahrgenommenen Fremdwahrnehmungen formt sich ein Selbstbild, dass sich dann auch verselbständigt und zu einem gewissen Grad von Fremdwahrnehmungen emanzipiert. Es bildet sich eine Identität, die zwar nicht unveränderlich aber doch auf innere Konsistenz und Dauer angelegt ist.

Es müssen dabei nicht immer explizite Rückmeldungen wie Aufmerksamkeit oder Ignoranz, Liebe oder Ablehnung, Lob oder Tadel sein, die das Selbstbild formen. Oft gibt es objektive Anknüpfungspunkte. Man ist groß oder klein, weiblich oder männlich, stark oder schwach, schwarz oder weiß, schnell oder langsam, dick oder dünn, rechtshändig oder linkshändig.

Wie diese objektiven Befunde bewertet werden, hat Einfluss auf Selbstbild und Selbstwertgefühl. Dabei sind mit vielen Eigenschaften auch vorgegebene gesellschaftliche Zuschreibungen verbunden: Der wilde Junge, das brave Mädchen, der starke Mann, die mitfühlende Frau. Der unzivilisierte Schwarze, der kultivierte Europäer, der alkoholabhängige Indianer, der fleißige Japaner.

Zuschreibungen bzw. Klischees können dabei sogar im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung wirken, wenn z.B. Mädchen sich von Fächern wie Mathematik, Physik, Informatik oder Ingenieurwissenschaften oder Jungen von sozialen Berufen abgeschreckt fühlen, weil sie dem Irrtum aufsitzen, in diesen Fächern mit den vermeintlich begabteren Jungen ohnehin nicht mithalten zu können oder auch dem Irrtum, dass soziales Engagement unmännlich sei.

Mein Thema in diesem weiten Feld ist die sexuelle Identität und zwar gerade die von pädophil veranlagten Menschen.

Jemand der pädophil ist, bemerkt bei sich selbst irgendwann (in der Regel in der Pubertät) ein nachhaltiges Interesse an Kindern auf der Basis von sexuellem Begehren. Das ist soweit erst einmal nichts anderes als ein objektiver Befund.

Auf persönlicher Basis gibt es zunächst auch keine unmittelbare Veranlassung zu einem negativen Werturteil. Jemand, den man begehrt, will man nicht schaden. Sexuelles Begehren erschöpft sich nicht in einem angestrebten Lustgewinn, sondern führt zu Bindungswünschen, also dem Wunsch, eine enge und von intensiven positiven Gefühlen geprägte Beziehung zu einem anderen Menschen aufzubauen. Warum sollte das schlecht sein?

Ein junger Pädo wird dann aber ziemlich schnell mit einer extrem negativen Fremdwahrnehmung seines sexuellen Begehrens konfrontiert. Die gesellschaftlich Bewertung folgt starr und bedingungslos dem Narrativ des Kinderschänders und Seelenmörders. Mir fällt nichts ein, was einer schärferen gesellschaftlichen Ächtung unterliegt, als pädophiles Begehren.

Verachtende Abwertung führt zu Identitätsproblemen. Ein Mensch ist für ein zufriedenes Leben und seine emotionale Stabilität auf ein positives Selbstbild angewiesen. Ein gesellschaftliches Fremdbild, dass einen kategorisch als den letzten Abschaum betrachtet, ist da nicht gerade hilfreich. Stark negative Fremdbilder können zu psychischen Erkrankungen führen.

Zu diesem destabilisierenden Moment, kommen auch noch andere Schwierigkeiten hinzu, denn auch die Möglichkeiten eines erfüllten Sexuallebens, einer glücklichen Paarbeziehung oder einer Familiengründung sind unter den aktuell gegebenen Bedingungen äußerst bescheiden.

Ich weiß nicht, wie viele junge Pädos sich umbringen. Aber ich bin mir sicher, dass Suizid, Suizidversuche und Suizidgedanken jedenfalls nicht selten sind. Ich war auch selbst in meiner Jugend und als junger Erwachsener einige Jahre lang suizidgefährdet.

Für einen jungen Pädo ist die Selbstbehauptung gegen die moralische Vorverurteilung durch die Gesellschaft also geradezu überlebensnotwendig. Es gibt Pädos, die das mit sich selbst auszumachen versuchen. Aber ganz allein ist es kaum zu schaffen. Selbsthilfegruppen wie das Jungsforum können helfen. Manchmal gelingt mit einem Coming-Out der Durchbruch oder durch ein Treffen mit einem anderen Betroffenen.

Es gibt aber auch einen relativ bekannten, historischen Gegenentwurf zum extrem negativen Bild des Pädos als Kinderschänder, den die griechische Antike mit der Knabenliebe (Päderastie) liefert. Damals warb der ältere Beziehungspartner offen um die Gunst des von ihm begehrten Knaben. Wenn er erhört wurde, wurde er mit Billigung der Familie des Jungen dessen Liebhaber und Mentor.

Der Mann wurde dafür verantwortlich, den Jungen zu einem vollwertigen und ehrbaren Mitglied der Gesellschaft zu formen, bzw. ihn auf diesem Weg zu begleiten. Das Ansehen des Jungen war mit dem Ansehen seines Liebhabers verknüpft. Umgekehrt wurden Erfolge und Fehlverhalten des Jungen auch dem dem Mann angerechnet bzw. ihm zur Last gelegt. Die damit verbundene soziale Kontrolle förderte bei beiden Beziehungspartnern Einsatz, Leistung und ein nach dem Maßstab der Zeit tugendhaftes Verhalten.

Der sinnliche Teil der Beziehung endete mit der Volljährigkeit des Jüngeren. Die sozialen Bindungen dauerten dagegen an und blieben meist lebenslang ein wichtiger Teil des Beziehungsgeflechts der Beteiligten.

Die Päderastie war jahrhundertelang eine Hauptsäule des Erziehungs- und des Gesellschaftssystems eben jener Kultur, auf die sich unsere heutige Zivilisation in Hinblick auf Kunst, Wissenschaft und Politik beruft. Leider beruft sie sich in Hinblick auf die Moral aber stattdessen auf die jüdisch-christliche Tradition, bei der statt von Knabenliebe von Knabenschändung die Rede ist.

Ein Pädophiler, der sich auf die Päderastie beruft, tut dies nicht, weil seine Neigung (jedenfalls die von Männern zu Jungen im Alter von 12 bis 18 Jahren) damals akzeptiert war und ausgelebt werden konnte. Er tut es, weil er nun mal so fühlt, wie er fühlt und weil er gut sein möchte. Er will kein Kinderschänder sein, sondern ein Mentor, Freund und Förderer eines auch (aber nicht nur) sinnlich geliebten Menschen.

Gelingt einem Pädophilen die Selbstbehauptung, der Erhalt eines positiven Selbstbildes und eines positiven Blicks auf seine Neigung, wird das oft als verharmlosend und gefährlich interpretiert. Tatsächlich ist es für die Gesellschaft und für die Kinder gut.

Wenn jemand, der sich für einen Dieb hält, eine Brieftasche mit einem Haufen Geld findet, würde er die Brieftasche behalten, denn der materielle Gewinn wäre nicht mit neuen psychologischen Kosten erkauft. Die Kosten sind ja bereits angefallen und das Dieb-sein in die Persönlichkeit integriert. Jemand, der sich für einen Dieb hält, wird sich aber auch wie ein Dieb verhalten.

Gelänge es, einem Pädophilen einzureden, dass er ohnehin ein Kinderschänder ist, würde man damit vermutlich einiges dazu beitragen, dass sich der Betroffene am Ende so rücksichtslos wie erwartet verhält. An der Neigung an sich und der damit verbundenen, nach Erfüllung strebenden Bedürfnislage ändert sich durch eine von ihm übernommene negative Sicht schließlich nichts.

Zum Glück gelingt dieses Einreden in der Regel allerdings nicht. Der Betroffene weiß ja am Ende immer noch am besten, was er fühlt. Eigentlich bräuchte es also auch keinen Rückgriff auf ein positives antikes Vorbild.

Und doch ist es hilfreich, dass es diesen Gegenentwurf gibt und dass man sich auf ihn berufen kann. Das positive Selbstbild eines Pädos, ist ständigen, vehementen Angriffen ausgesetzt. Es vergeht kein Tag ohne hetzerische Medienartikel, in denen Missbrauchstäter als „pädophil“ betitelt werden. Die deutsche Bundeskanzlerin hat einmal (als Bundesministerin für Frauen und Jugend nach einem sexuellen Gewaltverbrechen mit Todesfolge an einem Kind) gesagt, Pädophile müsse man brandmarken. Aktuell werden Verschärfungen des Strafrechts im Bereich Cybergrooming gefordert, um Kinder vor „Pädophilen“ zu schützen.

Unter diesen Bedingungen ist ein Pädo, der noch am Anfang seines Weges steht, dringend auf jede Hilfe zur Selbstbehauptung angewiesen, die er nur bekommen kann. Für heutige Pädos kann der Rückbezug auf die Ideale der Päderastie also durchaus hilfreich sein. Für heutige „Kinder-vor-Missbrauch-Schützer“ ist die antike Päderastie dagegen ein Störfaktor, da sie eine positive Deutung und die Möglichkeit von Einvernehmlichkeit nahelegt bzw. zulässt.

Die Päderastie passt einfach nicht zum dominierenden ideologischen Konzept der sexuellen Gewalt, der zwangsläufigen Schädlichkeit sexueller Erfahrungen und der Unmöglichkeit von Einvernehmlichkeit. Sie wird daher verfälschend als eher der Homosexualität nahestehend dargestellt, obwohl Homosexualität im antiken Griechenland im Gegensatz zur Knabenliebe verpönt war, oder auch als Basis einer frauenfeindlichen Gesellschaft diffamiert, obwohl andere zeitgenössische Kulturen, bei denen die Päderastie nicht gepflegt wurde, ebenso frauenfeindlich waren, wie die antike griechische Kultur.

Neben dem Kinderschänder-Narrativ und dem Knabenliebe-Narrativ gibt es neuerdings auch noch das Kein-Täter-werden-Narrativ, vom Pädophilen, der für seine Neigung zwar nichts kann, der sich aber gefälligst in Therapie zu begeben hat, da von seiner Neigung angeblich eine immanente Gefahr für Kinder ausgeht. Die vermeintliche Bombe ist also nicht böse, solange sie sich damit einverstanden erklärt, eine Bombe zu sein und entschärft zu werden.

Das Kein-Täter-werden-Narrativ stellt im Grunde das Angebot eines psychologischen Existenzminimums an Pädophile dar, als Nicht-Täter, der sich in Therapie begibt, als menschliches Wesen zu gelten und einen Hauch weniger diskriminiert zu werden.

Das Ziel von Kein-Täter-werden ist die dabei Verhinderung von „Missbrauch“ durch Akzeptanz der eigenen Gefühle und Resignation im Sinne einer durch die Therapie vermittelten Anerkennung der Unmöglichkeit der angestrebten Liebesbeziehung, der Unmöglichkeit von Einvernehmlichkeit, der Unvermeidlichkeit einer Schädigung und der Erkenntnis der eigenen Gefährlichkeit.

Mir kommt dabei das Stichwort der erlernten Hilflosigkeit in den Sinn. Einem zur Liebe fähigen Menschen soll beigebracht werden, dass er nicht lieben kann und nicht lieben darf, weil er mit seiner Liebe sich selbst und den geliebten Menschen ebenso sicher in die Luft sprengen würde, wie ein Islamist, der seinen Sprengstoffgürtel zündet.

Ich denke es wird damit deutlich, dass ich das Kein-Täter-werden Angebot als nicht sonderlich attraktiv empfinde. Es ist in seinem Ansatz aber auch stark ideologisch getrieben und orientiert sich nicht an der Wirklichkeit.

  • Kinder haben eine Sexualität. Mit dem Beginn der Pubertät ist das sexuelle Erleben und Verhalten mit dem von Erwachsenen vergleichbar.
  • Das man Kinder nicht zur Homosexualität verführen oder durch „verfrühte“ Sexualkontakte zu sonstigen sexuellen Normabweichungen umpolen kann, ist nicht nur wissenschaftlich geklärt, sondern sollte inzwischen auch allgemein bekannt sein.
  • Die Deutungshoheit, ob jemand missbraucht wurde, steht allein dem Betroffenen zu. Wer sich nicht missbraucht fühlt, wurde auch nicht missbraucht. Der Missbrauch erfolgt dann erst durch diejenigen, die den Betroffenen in eine Opferrolle zwängen. Es ist eine grobe Missachtung der Betroffenen, wenn sie erst in der Opferrolle glaubwürdig werden.
  • Wer das das Recht hat, „NEIN“ zu sagen, muss auch das Recht haben, „JA“ zu sagen.
  • Es ist durch kriminologische Opferuntersuchungen belegt, dass gewollte Sexualkontakte nicht zu primären Schädigungen bei Kindern führen.
  • Pädophile sind abgesehen von ihrer sexuellen Neigung völlig normal. Sie sind im Vergleich zum Rest der Bevölkerung nicht weniger empathisch und sensibel und auch nicht egoistischer oder rücksichtsloser.
  • Pädophile verlieben sich wie andere Menschen auch, mit denselben positiven Gefühlen gegenüber dem geliebten Menschen und neigen nicht mehr zu sexueller Gewalt als der Durchschnittsbürger, der sich nicht ständigen Vorwürfen, er sei ein Vergewaltiger oder zumindest ein potentieller Vergewaltiger, ausgesetzt sieht.

So wie das Narrativ vom Kinderschänder und das Kein-Täter-werden-Narrativ ist auch die Päderastie am Ende nur ein Narrativ, nämlich das vom Mentor. Ich finde dieses Narrativ durchaus sinnstiftend und fühle mich ihm persönlich verpflichtet. Aber es bildet natürlich ebenso wenig die Realität ab, wie die anderen Narrative.

Die Realität ist: im Durchschnitt sind Pädos nicht gewalttätiger und rücksichtsloser aber auch nicht mitfühlender und selbstloser als Heterosexuelle, Homosexuelle, Bisexuelle oder Lesben. Die Liebe eines Pädos zu dem von ihm geliebten Kind ist nicht verwerflicher und schmutziger aber auch nicht reiner und edler als sonst eine Liebe.

Sie muss es auch nicht sein.

Liebe an sich ist etwas Positives. Man wird gemeinhin lieber geliebt als nicht geliebt und dafür gibt es gute Gründe. Sich geliebt zu fühlen, ist gut für das Selbstwertgefühl und das Selbstbild. Vor allem aber: Liebe ist die ultimative Motivation. Nichts anderes motiviert einen Menschen so stark sich für einen anderen einzusetzen, wie die Liebe.

Geliebt zu werden, bringt einem daher handfeste Vorteile ein: es sichert Aufmerksamkeit und führt dazu, dass der Liebende Ressourcen aller Art freiwillig in die Beziehung und das Wohlergehen des geliebten Menschen investiert, z.B. in Form von Nahrung, Schutz, Erfahrung, Wissen, Zuneigung, Zärtlichkeit, Unterhaltung, Spiel usw. Auch Sex macht Beteiligten, die sich willentlich darauf einlassen, in der Regel Spaß. Das, worum es beim Sex primär geht, ist nämlich sinnlicher Genuss und nicht Herrschaft, Unterdrückung oder Gewalt.

Die Chance, dass am Ende für denjenigen, der geliebt wurde (idealerweise also beide Beteiligten) unter dem Strich ein positives Saldo stehen bleibt, sind ziemlich gut, zumal es einen simplen Schutzmechanismus gibt: bei einer (zu) negativen Entwicklung wird eine Beziehung abgebrochen.

Die Fehlertoleranz einer Beziehung ist aber nicht Null, sondern angemessen breit, um fehlbaren Wesen, wie Menschen es nun mal sind, gerecht zu werden. Bei der Suche nach dem besten gemeinsamen Nenner oder auch im „Alltagsbetrieb“ darf durchaus auch einmal etwas schief gehen, ohne dass deshalb gleich die Beziehung in Frage gestellt wird oder gar daran zerbricht.

An die Liebe eines Pädophilen müssen deshalb (eigentlich) keine strengeren Anforderungen angelegt werden, als an sonst eine Liebe. Die eine Anforderung, der sie – wie jede andere Liebe auch – genügen muss, ist die Einvernehmlichkeit. Und zwar nicht die Theorie zur Einvernehmlichkeit eines Dritten, sondern die praktische Einvernehmlichkeit der einzig unmittelbar Beteiligten.

Solange das, was geschieht, von beiden gewollt ist, ist alles in Ordnung.

Use Somebody (Tim)

2013 kam mit The Voice Kids eine neue Casting Show nach Deutschland.

Eine der für mich schönsten Stimmen der erste Staffel gehörte dem damals 13jährigen Tim, der – zu meinem Erstaunden – von Lena bei der Blind Audition für ein Mädchen gehalten wurde. „Boah, ist die geil!“, konnte man deutlich vernehmbar von Lena hören. Gebuzzert hat sie am Ende dennoch nicht. Tim kam ins Team von Henning Wehland.

In der Battle Phase schied Tim dann aus. Seine Audition mit dem Song Use Somebody von den Kings of Leon höre ich mir aber auch heute noch gerne an. 🙂

Träumen wir mal …

Die folgende Geschichte teilte murphy1011 im Jahr 2014 im Jungsforum.


Mal im Gedanken gesponnen …

Man macht sich grade was zu futtern, es läutet an der Tür, kann aber eigentlich niemand kommen, weil sonst auch niemand kommt. Also nimmt man die Pfanne vom Ofen, geht man zur Tür, draußen steht eine Traumschönheit von 14yo und fragt nach höflichem Gruße, ob er ein paar Tage bleiben könne.

Ein solcher Treffer, das kann nur eine Falle sein, der erste Gedanke, so fragt man, wo denn die Bullen seien. Nein, keine Bullen, er sei allein. Kann man ihm trauen? Wegschicken? Gedanken überschlagen sich.

Also geht man raus, macht die Haustür hinter sich zu, bittet ihn mitzukommen, geht zu einer Sitzgelegenheit, die von außen nicht so gut einsehbar ist. Man unterhält sich, möchte er etwas zu essen und trinken?

Man bittet ihn zu warten, sagt ihm offen, dass man an eine Falle glaube, macht Butterbrot und Mineralwasser, nimmt Puffreis und Chips mit. Er wartet tatsächlich.

Es wird dunkel, ok, er darf mit ins Haus kommen. Möchte er fernsehen, gerne auch am Beamer oder Spiele spielen, ein paar hat man ja noch von den praktisch nicht benutzten Spielekonsolen. Ein Lachen, er wischt den Staub runter. „Wird Zeit, dass die mal benutzt werden“, steckt die Kabel zusammen, behände bewegt er sich, kriecht auf dem Boden herum, ein Genuss.

Man spielt, aber so richtig konzentrieren ist da nicht, unvorsichtige Bewegungen, man beführt ihn. Und immer noch kein Ärger. Man wolle ihn zuhause nicht mehr, er brauche nicht mehr wiederzukommen und auch nicht anzurufen. Er habe sich wirklich Mühe gegeben, aber man wolle ihn einfach nicht mehr, er war jetzt im Weg, störte nur noch.

Ob das stimmen kann? So was Schönes an die Luft setzen? Ein paar Tage habe er sich jetzt durchgeschlagen, im Freien geschlafen, per Anhalter gereist. Oder spannt er jetzt wie ihm aufgetragen die Falle?

Spielpause, man lässt ihn kurz alleine, würde er klauen? Aber er schnüffelt und klaut nicht. Also zeigt man ihm kurz, was wo im Haus ist, er sieht die Poster an der Wand, fragt, ob man Jungs gerne hätte. Ja, hat man. Ob man ihn auch mögen könne. Ja, kann man. Sehr gerne? Ja, auch sehr gerne.

Es wird spät, immer noch kein Ärger, es wird Zeit, schlafen zu gehen. Ob er in einem eigenen Zimmer schlafen möchte, wo er allein ist. Nein, will er nicht, will nicht allein sein.

Da er wie gewünscht ein paar Tage da sein würde, bekommt er auch seine eigene Zahnbürste, macht seine Abendhygiene allein im Bad und kommt dann wieder ins Schlafzimmer, fängt an, sich auszuziehen, hängt seine Kleidung über einen Stuhl, nur das Unterhöschen behält er an und verschwindet unter der Bettdecke.

Selbst tut man das Gleiche, macht das Licht aus. Bald schon ist er eingeschlafen, selbst tut man sich damit angesichts des Bewusstseins, so einen Traum von Jungen neben sich zu haben, sehr schwer. Der Vollmond scheint durchs Fenster, man sieht ihm beim Schlafen zu und wie sichtlich gut ihm das tut. Vertrauen pur.

Es wird Morgen, die Bettdecke ist verrutscht, gibt Blicke frei. Es wird Zeit aufzustehen, man ruft im Job an, heute brauche man einen Tag frei. Der Junge steht auf, geht in Unterhose ins Bad, man hört ihn Gurgeln und das Wasser rauschen, kommt wieder und zieht sich an. Danach wäscht er sich auch das Langhaar und bringt es in Form. Wow, sieht der gut aus.

Frühstück, diesmal schmieren seine grazilen Hände selbst die Butter auf das Brot, Salamischeiben und sogar noch Essiggurkenschnitte drauf, er ist kein Kostverächter, blütenweiße Zähne.

Jetzt müssen wir aber noch Klartext reden, wie viele Tage sollten „ein paar Tage“ sein? Dann sollte er sich besser draußen nicht blicken lassen, damit eben niemand von seiner Anwesenheit zu früh was mitkriegt. Fragender Blick, ob er vielleicht ein paar Tage mehr bleiben könne.

Also nochmal ganz klar, man hat Jungs gern, solche wie ihn und wenn es keinen Ärger gibt, kann er bleiben. Und ihm ist auch klar, er ist bei einem bösen Onkel gelandet, aber bis jetzt ist auch „nichts“ passiert.

Man einigt sich auf etwa einen Monat, weil dann müsse man spätestens weitersehen. Diskret verschwindet man mit dem Auto, er braucht ja Klamotten, man fährt also etwas weiter, wo man mich nicht kennt, er probiert, verschwindet in der Kabine und kommt wieder raus, schaut sich im Spiegel an. Ob ihm seine Schönheit selbst bewusst ist?

Bald haben wir, was wir brauchen, so nebenbei hilft er noch einer anderen, älteren Kundin, die ausspricht, was alle denken „Haben Sie aber einen netten Sohn“. Wir fahren wieder, essen unterwegs zu Mittag, sitzen am Nachmittag wieder im Freien, wo man uns nicht sehen kann.

Sollte man mal fragen, ob man ihn in die Arme nehmen darf, einen Kuss draufmachen? Ersteres vielleicht? Oder zerstört man damit alles? Sollte man statt mit Worten mit Blicken fragen?

Und man konnte sich im Job ja nicht ewig frei nehmen. Sollte man einen völlig fremden Jungen tagsüber allein im Haus lassen? Ist es wirklich so, wie er sagt, ist der der Vorbote einer Räuberbande oder eine Falle seitens der Journaille oder des Trachtenverein?, Denn so ein Volltreffer, da glaubt man nur ungern an Zufälle.

Eine Woche Urlaub wird genehmigt, ich schenke der Sekretärin reinen Wein ein, sie meint daraufhin „Hoffentlich wird das was, ich wünsch es Euch.“ Es wird Abend, nach dem Essen machen wir einen Kinoabend, er möchte einen bestimmten Film gerne mal sehen, also Beamer. Das sei ja wie im Kino, da habe man hin nie mitgenommen. Eine Szene, dank PC kann sie mehrfach wiederholt werden, ein Lachen, so was gehe im Kino ja nicht.

Das erste Mal, dass er wirklich völlig unbeschwert lacht. Der Rest des Abends unterscheidet sich nicht vom Vortage, wieder zieht er sich bis auf die Unterhose aus, um dann unter der Bettdecke zu verschwinden.

Einem selber fehlt die vorherige Nacht, man schläft beruhigter ein, am nächsten Tage würde man sich wieder dieses Jungen erfreuen können, den im Grunde der Himmel geschickt hatte. Wieder dreht er sich im Schlafe zigmal, wieder ist morgens die Decke nicht mehr dort, wo sie abends war, mehr noch, auch die Unterhose war am Hinterteile nach unten verrutscht.

Man wartet daher etwas mit Aufwecken, aber dann muss es sein, er bemerkt das mit der Unterhose, zieht sie rauf und meint grinsend, wo er vorher lebte, wäre er dafür geschimpft worden. Und wieder läuft er in Unterhose wissend vor den Augen eines Jungenpädos herum.

Er zieht sich neue Sachen an, es wird Zeit, ihn mal mit Blicken zu fragen, es bedarf keiner Worte, man nimmt in ihn die Arme. „Und ich dachte schon, Du hast mich nicht wirklich gern“. Und wenn es zuviel Gernhaben sei? Das sage er dann schon.

Entweder war der wirklich echt oder eine ganz intrigante Falle.

Die Woche war ins Land gegangen, der Job rief, erstmals würde man dort allein und der Junge allein in der Wohnung sein, morgens also eine dicke Abschiedsmögung und die Bitte, er möge abends noch da sein. Oder sollte man ihn mit in die Arbeit nehmen? Was würden die Kollegen sagen?

Der Chef wusste es schon, gleich morgens bittet er zum Gespräch, zeigt den Urlaubsantrag, die Sekretärin hatte als Grund „Boyfriend“ drauf geschrieben, ihm den Rest erzählt. „Ich kann mir vorstellen, was das für Sie bedeuten muss, aber wir müssen auch unsere Termine halten. Sie können aber gerne in nächster Zeit ihre Arbeitszeit flexibel handhaben und von zuhause aus arbeiten. Oder Sie bringen den Jungen einfach mit, die anderen bringen ihre Kids auch gelegentlich mit. Sie sollten das mit Einwohneramt und Schule noch regeln.“. Nein, es sei ja nur ein Monat geplant. „Das ist sehr schade.“.

Der Tag, er zieht sich endlos in die Länge, würde abends bei der Rückkehr die große Enttäuschung warten? Man sperrt die Haustür auf, Stille, Totenstille. Aber – es fehlte kein Schlüssel, Wechselbad der Gefühle, rasch fing man an, Raum für Raum zu schauen, bis man ihn auf der Liege im Wohnzimmer fand, überanstrengt von der Playstation hatte er sich hingelegt und war eingenickt.

Die Begrüßung, eine dicke Mögung, nicht mehr mit Worten sagt man ihm, wie sehr er einem inzwischen ans Herz gewachsen ist. Am Küchentisch setzt er sich dann frech auf den Schoß, man nimmt ihn an der Schulter und drückt ihn heran, während seine Hand Teile des geschnittenen Rettichs entführt.

Vorsichtig fragt man nochmal nach, seine Geschichte, stimmt die auch wirklich? Ja, sie stimmt. ob er für immer bleiben möchte? Ja, sehr gerne würde er bleiben, ein schönes Gefühl, wenn man willkommen ist. Ok, man würde sich also um den organisatorischen Teil kümmern, das würde nicht einfach, damit einem die Behörden ihn nicht wegnehmen. Er soll sich ja nicht jahrelang verstecken müssen. Und mit welcher Lüge sollte man das Fehlen jeglicher Papiere erklären?

Und wie sollte das mit der Schule gehen, sozusagen ein „offizieller“ BF, der bem BL lebt, wie würden die anderen Schüler darauf reagieren?

Morgens und abends, der Junge weiß, wo er ist, flaxt, dass so ein Original in Unterhose halt doch was anderes sei als die Poster. Bald drei Wochen werden es jetzt, gegenseitiges Vertrauen, nein, das war wohl keine Falle, zum Glück hatte man ihn nicht wieder weggeschickt und sich der Versuchung ergeben.

Abends, der Arbeitstag war anstrengend, man fährt nach Hause, keine ausgestorbene Burg, wo man das auch riecht, eine Verkehrskontrolle, man wird herausgewunken. Gerade als Pädo hält man sich an die Regeln, meidet unnötige Begegnungen mit hohem Gefahrenpotential.

„Herr X, steigen Sie bitte mal aus und kommen Sie mit ins Einsatzfahrzeug“. Wenn sie einen mit Namen anreden, noch bevor sie die Papiere gesehen haben, dann geht es nur um ein Thema, das war schon immer so. Das war das Ende, Weltuntergang.

„Sie beherbergen den Jugendlichen A. in Ihrem Haus, wir möchten Sie bitten, ihn in den nächsten Tagen beim Einwohneramt zu melden, die nötigen Papiere sind dort hinterlegt. Er war zuletzt auf dem Gymnasium, bitte melden Sie ihn also am örtlichen Gymnasium an, das Nötige ist bereits veranlasst. Dann müssen wir Sie bitten, im Jugendamt auf Zimmer 112 vorzusprechen für die nötigen Formalitäten.“

Das war zu schnell und zu viel auf einmal, entweder waren das keine echten Trachtler oder es hatte in einem benachbarten Atomkraftwerk einen gröberen Störfall gegeben, mit zu viel Ohrenschmalz konnte das nicht zusammenhängen.

„Wir haben Anfang der Woche A, während Ihrer Abwesenheit befragt, er hat uns glaubwürdig versichert, dass er sehr gerne dauerhaft bei Ihnen bleiben möchte, das Jugendamt hat daraufhin die nötigen Schritte in die Wege geleitet. Sie sind dann erziehungsberechtigt und tragen auch die Verantwortung für ihn.“

Die Trachtler haben ihn nicht aus meinen Fängen „gerettet“?

„Wir haben mehrere solche Fälle, die von ihren Erziehungsberechtigten verstoßen werden, bisher wurden sie in Heimen untergebracht, was nicht wenige sehr unglücklich machte. Andere entzogen sich unserem Zugriff und mussten sich ihren Lebensunterhalt illegal beschaffen. Es gibt daher einen Feldversuch, sie zielgerichtet bei Päderasten unterzubringen, wenn wir wissen, daß es Jugendliche wie A. sind, die mehr Fürsorge benötigen als Heime sie ihnen bieten können. Ihre Präferenzen sind bekannt, A. wurde von uns hinsichtlich der Gefahren informiert und stimmte dem Versuch zu, es war daher kein Zufall. Jeder Jugendliche, der so dann nicht mehr auffällig wird, ist daher für uns ein Erfolg und bis jetzt haben wir mit den Versuchen recht erfreuliche Ergebnisse erzielt.“

Heimfahrt, Gedanken kreisen, man sperrt die Tür auf, A. kommt angelaufen, holt sich seine Mögung ab. „Die Bullen haben mich aufgehalten. Du Ratte, du wusstest es! Wie lange wolltest Du nochmal bleiben? Wir werden wohl Vokabeln pauken müssen. „

Tags drauf, jetzt ist es egal, man darf gesehen werden, im Einwohneramt ist tatsächlich alles vorbereitet, der Pädo meldet seinen BF als neuen Einwohner an, auch in der Schule geht die Anmeldung problemlos vonstatten. Frage an den Klassenleiter, würde das wohl gutgehen, wenn die anderen Schüler mehr rausbekämen als nötig?

Nein, das gäbe keinen Ärger, man habe offen mit Klasse und sogar im Rahmen des Elternabendes mit den Eltern darüber gesprochen, die Akzeptanz von A. würde nur seinem eigenen Verhalten abhängen.

Nun noch das Jugendamt, endlos wirkende Belehrungen, Unterschriften, wer liest da schon das Kleingedruckte? „Sie sind jetzt für A. verantwortlich“, schließt der Beamte. Klar, das musste mit einer Mögung vor Ort besiegelt werden, unbemerkt waren die anderen Behördenmitarbeiter gekommen, hatten die Tür ein wenig aufgedrückt. Die Reporter, zum Glück hatte es ihnen keiner gesagt.

Abend, man schaut sich wieder einen Film an, liegt nebeneinander auf den Polstern, eine Decke, man legt den Arm um seinen BF, der Anblick in Unterhose morgends und abends wird zur Gewohnheit, der Tagesablauf spielt sich wieder ein.

Im Betrieb, die Sekretärin sagt, ich sei jetzt Steuerklasse 6, Pädos, die für ihre BFs aufkommen, der Staat honoriert es durch einen günstigeren Steuersatz. Und es gäbe BF-Geld, das dem Kindergeld entspräche. Auch der Chef ist begeistert: „Seit Sie diesen Jungen im Haus haben, sind Sie nicht mehr wiederzuerkennen“.

Elternabend in der Schule. Ein komisches Gefühl, die anderen sind die echten Eltern, ich bin der böse Onkel von A., aber ich muß hingehen, mir anhören, was die Lehrkräfte an A. auszusetzen haben, gegebenenfalls mit ihm darüber reden. Zum Glück gibt es keine Klagen, er habe seinen Platz in der Klasse gefunden. Ein Elternpaar kommt zielgerichtet, mir optisch um Klassen überlegen. „Es war wohl ganz gut, dass wir nicht der Medienhetze gefolgt sind und Leute wie Sie am nächsten Baum aufgehangen.“, dann spricht er weiter „Unser Sohn würde A. gerne besuchen, er hat schon mehrfach gefragt, wenn Sie also nichts dagegen haben, werden wir es erlauben. “

Nun redet sie weiter.

„Wir wissen von Ihrer Neigung für Jungen in diesem Alter, unser Sohn wird Ihnen sicher auch gefallen, wir müssen uns also vorab auf Ihre Grenzen einigen. Wir haben nichts dagegen, wenn Sie ihn streicheln, in die Arme nehmen oder auch küssen, sofern er das zulässt. Über alles Weitere muß man reden. Wir sind außerordentlich froh darüber, dass er A. kennengelernt hat, sein vorheriger Umgang hat uns nicht zugesagt, er war öfter volltrunken und es gab Ärger mit der Polizei. Wir möchten uns auch selbst ein Bild von Ihnen machen und das ohne Vorurteile.“

Das war das Loch im System, A. war ja ein Normalo, lebte eben nicht auf Isolation, ich hatte nur diese Schönheit von Jungen gesehen, wähnte mich allein mit ihm auf einer Insel.

Also ok, A. durfte seinen Klassenkameraden mitbringen, A. ging mit ihm zu mir hin und stellte ihn mir vor. Und wie sollte man jetzt begrüßen, A. wie üblich vor den Augen des anderen in die Arme nehmen und drücken? Wie den anderen begrüßen.

Und richtig, auch er war eine Schönheit, man bot ihm also die Hand. A. klärt das aber gleich ab, man wisse, wo man sei, eine Standardbegrüßung müsse schon sein, das könne man erwarten. Also nimmt man sie nacheinander in die Arme, irgendwie auch besser, wiel man so wortlos sagen kann, wie man sie mag. Ein schöner Nachmittag, abends bringt man ihn wieder nach Hause, er kam dann öfter und jetzt war es klar, wie Begrüßung und Abschied erwartet wurden und irgendwann machte man auch den Kuss drauf.

Dringend muß ich mit A. reden, er möge bei der Auswahl seiner Freunde bitte Vorsicht walten lassen, keine Raufbolde, keine Säufer, wenn möglich auch keine Kettenraucher. Nicht jeder Junge ist willkommen, nur weil es ein Junge ist. Keine Vorschriften, mit wem er beisammen sein will, aber sehr wohl, wen er mitbringen kann.

Unerwartet bringt A. die Eltern seines Klassenkameraden mit, sie hatten sie an der Schule abgeholt und hergefahren. Soll man sie jetzt auch mit einer dicken Mögung begrüßen, wie man es sonst tat, wenn keiner zusah? Bei A. konnte es noch angehen, ihn die Arme zu nehmen und einen Kuss draufzudrücken, aber doch nicht bei dem anderen vor den Augen seiner Eltern.

Seine Mutter beobachtete scharf, bemerkte, dass da etwas nicht war wie sonst. „Bitte begrüßen Sie die Jungen so, wie Sie das sonst auch tun“. Nicht viel Zeit zum Überlegen, also tut man es, auch wenn es Ärger geben konnte. Die Jungs verschwinden, haben ihre Interessen, lassen mich mit den anderen zurück.

Blamage, ich musste gestehen, weder vernünftig Kaffee machen zu können noch hatte ich angemessene Tassen, einfache „Haferln“ halt. Sie wollen das Haus sehen, immer wieder hört man, wie sie sich zuflüstern, genauso, wie man sich das vorgestellt habe, die beiden Jungs hatten sich auf ihre Hausaufgaben gestürzt, lassen sich nicht stören. Keller, die Poster. „Und das war dann wohl alles, was Ihnen vom Leben übrig geblieben ist?“. Ja, genaugenommen nicht mal das.

Auf dem Rückweg ins Wohnzimmer kommen wir an den Jungs vorbei, nein, nicht vorbeigehen, die Matheaufgabe sei viel zu schwer, kurz erklärt man ihnen die Lösung und kuschelt beiden durch’s Haar. Die zwei verstanden sich, aber sie knutschten zumindest nicht vor anderen Leuten miteinander.

Wieder im Wohnzimmer angekommen. „Sie sollten unbedingt eine Therapie machen“. „Wegen der Jungengeschichte?“ „Nein, nicht deswegen, sondern wegen Ihres Verhaltens, man merkt es Ihnen sehr deutlich an, dass Sie sich zulange zurückziehen und ausgeschlossen leben mussten.“. Überredungsversuche, aber nein, das lohnt sich doch altersbedingt schon nicht mehr. Wichtiger ist, den Jungs passt’s. Abend, der Abschied kann jetzt zwanglos erfolgen, man nimmt den Klassenkameraden in die Arme, macht auch den Kuss drauf, ja natürlich darf auch er gerne wieder kommen.

Verunsichert frage ich A., ist mein Verhalten wirklich so daneben? Ja, aber das könne man so lassen, Jungenpädos sind halt komische Vögel, wer Jungen küsst, muss ja einen Knall haben. Aber jetzt bitte den Abendkuss, damit man ins Bett gehen kann. In Unterhose. Und nicht in einem anderen Raum, wegen der Dunkelheit und der Monster.

Der kleine Prinz und die Boylover

Eines der schönsten Bücher, die ich kenne, ist die Erzählung vom Kleinen Prinz. Sie ist mit 140 Millionen verkauften Exemplaren und Übersetzungen in 350 Sprachen und Dialekten auch eines der erfolgreichsten Bücher überhaupt.

Der Mann, der die Geschichte vom Kleinen Prinzen geschrieben hat, Antoine de Saint-Exupéry, war zwar ein anerkannter Autor, sah sich selbst aber eher als einen nur nebenher schriftstellernden Berufspiloten. Er startete am 31. Juli 1944 – heute vor 75 Jahren – zu seinem letzten Flug.

Als der Zweite Weltkrieg ausbrach wurde Saint-Exupéry eingezogen und diente zunächst als Ausbilder für Piloten. Später wurde er selbst Pilot bei einem Aufklärungsgeschwader. Nach dem Waffenstillstand mit Frankreich am 25. Juni 1940 wurden die französischen Streitkräfte demobilisiert. Saint-Exupéry emigirierte in die Vereinigten Staaten. Dort, in New York, erschien am 06. April 1943 die Erstausgabe des Kleinen Prinzen.

Im Mai 1943 begab sich Saint-Exupéry in das inzwischen von britischen und amerikanischen Truppen kontrollierte Algerien, wurde wieder Luftwaffenpilot und als Aufklärer eingesetzt. Am 31. Juli 1944 startete er morgens vom Flughafen Bastia zu seinem planmäßig letzten Aufklärungsflug, kehrte aber nicht zurück, sondern blieb verschollen.

Sein Schicksal blieb lange ungeklärt. Im Jahr 2000 wurde ein Flugzeug vom Typ, den er geflogen hatte, auf dem Grund des Mittelmeers in der Nähe von Marseille geortet. Im Jahr 2004 wurde es anhand der Seriennummer als das von Saint-Exupéry identifiziert. Er wurde bei seiner Mission abgeschossen.

Es gibt viele Menschen, die das Werk von Antoine de Saint-Exupéry – besonders sein „Kleiner Prinz“ – berührt hat. Da sollte es nicht verwundern, dass auch BLs (also Boylover, deutsch „Jungenliebhaber“) vom Kleinen Prinz inspiriert wurden.

Hier die ersten fünf Teile einer Sammlung von Geschichten, die ursprünglich von dem Boylover Royal stammen:

Der kleine Prinz und die Boylover – Teil 1

Dann kam der kleine Prinz zu einem jungen Mann.

„Wer bist du?“ fragte der kleine Prinz. „Ich bin ein Boylover“ antwortete der Mann traurig. „Was macht ein Boylover?“ fragte der kleine Prinz und musste schlucken, weil der Mann so traurig aussah.

„Ein Boylover liebt Jungs….“ bekam er als Antwort zu hören. ‚Schön’ dachte sich der kleine Prinz und freute sich. ‚Es muss schön sein jemand zu lieben.’

Der kleine blonde Kopf drehte sich suchend von links nach rechts. „Wo sind diese Jungs?“ fragte er den Boylover neugierig, denn er wollte gerne die Jungs sehen, die geliebt wurden und sich mit ihnen freuen.

Da antwortete der BL gallig: „Ich lasse keine Jungs in meiner Umgebung zu!“ Erstaunt sah der kleine Prinz zu dem Mann auf, erkannte dessen aggressiven Gesichtsausdruck, erschrak und fragte etwas zurückhaltender: „Warum lässt du keine Jungs in deiner Umgebung zu?“ „Weil ich ihnen nicht wehtun will und weil ich selber keinen Schmerz erfahren mag…” antwortete der Mann leise und begann nun zu weinen.

Der kleine Prinz gab ihm ein Taschentuch gegen die Tränen und wollte wissen, warum der Mann denn Angst vor Schmerz habe und sich auch noch sorge, den Jungs weh zu tun. Der Mann sah ihn an und sagte: „Weil ich ein Boylover bin.“

Eine komische Logik dachte sich da der kleine Prinz. ‚Ein Boylover, der Jungs liebt, sie aber nicht sehen will, weil er Angst hat, ihnen weh zu tun. Und … wie kann er jemand lieben, wenn er Angst hat, dass dieser ihm Schmerz bereitet?’

Der kleine Prinz verstand die Logik nicht, wollte dem Mann aber von seiner Traurigkeit erlösen und lächelte ihn nett an. Da sagte der Mann: „Bist du etwa ein Junge?“ Der kleine Prinz strahlte und nickte ein „Ja“, da wandte sich der Boylover erschrocken ab und sagte: „Bitte geh weg“

Und der kleine Prinz bekam ein schweres Herz und ging seinen Weg weiter. Hinter dem ersten Baum musste er an seine Rose denken…. ‚Wie kann ich in Rosen verliebt sein’ murmelte er‚ ‘wenn ich gar keine Rosen in meinem Leben zulasse?’

Der kleine Prinz und die Boylover – Teil 2

Mit diesen tiefen Gedanken in seinem Kopf trug der kleine Prinz ein schweres Gemüt durch die Welt der Menschen. Den blonden Schopf ließ er hängen und achtete nur noch auf das kurze Stück Weg vor seinen Füssen.

Just in diesem Moment aber rollte ihm ein Ball vor die Füße und stieß an seine Zehen. „Heia, kick den Ball rüber!” hörte er eine helle Jungenstimme rufen. Das wollte der kleine Prinz auch gerne tun. Da er nun aber sein Leben lang Vulkane gepflegt, Sonnenuntergänge angesehen und mit seiner Rose gesprochen hat, konnte er einen Ball nicht so richtig gut treten.

So trat er zwar mit aller Wucht zu, traf jedoch nicht den Ball, sondern stieß sich den Fuß an einem Stein. Als der andere Junge sah, dass dem kleinen Prinzen vor Schmerz die Tränen in die Augen schossen, kam er angelaufen und legte seine Hand tröstend auf die Schulter. „Komm, wir gehen zu meinem Bruder, der hilft dir deinen zu Fuß kühlen.”

Der Junge und der kleine Prinz gingen zu den anderen Spielern. Der jugendliche Bruder und ein junger Mann hörten, dass der kleine Prinz Schmerzen hatte und trugen ihn in den Schatten einer kleinen Oase.

Während der junge Mann den Fuß des kleinen Prinzen mit einem feuchten Tuch kühlte, sah dieser wie der Jugendliche dem Mann einen Kuss auf die Lippen gab. „Bist du ein Boylover?” fragte er den Mann da sogleich neugierig. „Ein Boylover? Hmmm” sagt der junge Mann erstaunt. „Ein komisches Wort … aber wenn du meinst, ob ich diesen Junge liebe … dann: ja. Dann bin ich ein Boylover.”

Und während er dies sagte, war zu sehen, dass der Junge den Mann verliebt anblickte und nach diesen Worten glücklich strahlte und ihm einen weiteren dicken Kuss auf die Lippen drückte, den der Mann bereitwillig erwiderte. Der Junge sah den kleinen Prinz nun auch an und sagte: „Wir verbringen schöne Tage und wunderbare Nächte miteinander.”

Bevor der kleine Prinz weiterfragen konnte, sprach der Junge schnell weiter: „Ich bin schwul, als ich mich für Männer zu interessieren begann, hab ich diesen gefunden, und ihn seitdem nicht mehr hergegeben. Wir werden zusammengehören, solange wir das wollen.” Der kleine Prinz freute sich über die Liebe der zwei und die offensichtliche Zuneigung des kleineren Bruders.

Während die drei weiter Ball spielten, näherte sich dem kleinen Prinzen eine alte Frau und zischte ihm zu: „Das ist wider die Natur, was die da machen.” Gerade als der kleine Prinz erschrocken etwas antworten wollte, wandte sich die Alte ab und humpelte weiter in Richtung des Dorfplatz.

Der kleine Prinz jedoch hatte sich lange genug erholt, bedankte sich bei den drei höflich und verabschiedete sich. Während er das Spielfeld, die zwei Liebenden (und das Kind) hinter sich ließ, musste er an die Worte der Alten denken.

„Ja aber …“ so murmelte er leise, „wie kann es denn wider die Natur sein, wenn es doch in der Natur dieser beiden Menschen liegt?”

Der kleine Prinz und die Boylover – Teil 3

Durstig und neugierig suchte der kleine Prinz ebenfalls den Weg zum Dorfplatz. Auf dem Platz angekommen wurde er von den vielen Menschen beinahe überwältigt. Hatte er bisher auf seinem Planet immer nur Platz für einen oder zwei Besucher gehabt, so waren hier hunderte von Menschen versammelt.

Und jeder hatte seine eigene kleine Welt und viel zu tun. Es wurde gehandelt, geredet, gefeilscht und auch gestritten. Mit einem Glas Wasser in der Hand sah sich der kleine Prinz um und erschauderte. Er sah einen anderen Jungen, der am Rande des Marktes zum Verkauf angeboten wurde. Ohne lange nachzudenken, ging er los.

Je näher der kleine Prinz dem Jungen kam, umso mehr musste er sich aber wundern. Der Junge war ein verkleideter Mann. Noch dazu war die Verkleidung recht dürftig. Der kleine Prinz merkte, dass dies keiner der Interessenten erkannte und fragte den Mann: „Warum verkleidest du dich als Junge?” Der Mann sah ihn betrübt an und meinte er habe keine Freunde und hoffe so welche zu finden. Der kleine Prinz sah stumm zu den Jungens, die am Rande des Dorfplatzes im Sand spielten. Die Augen des Mannes folgten dem Blick, zuckten dann aber schnell zurück und fixierten den nächsten Mann, der ihn vielleicht kaufen wollte.

Der kleine Prinz wollte den Mann nicht noch trauriger machen und fragte ihn deshalb nicht, ob er ein Boylover wäre. Stattdessen fragte er: „Was verkaufst du?” und der Mann antwortete: „Meine Seele.”

Der kleine Prinz und die Boylover – Teil 4

In der Nähe des Marktplatzes sah der kleine Prinz einen Mann der einen Abfalleimer auf die Straße stellte. „Was machst du?” fragte er den Mann. „Ich räume meine Wohnung endlich auf.” beschied ihn der Mann. Der kleine Prinz ging schnurstracks an dem Mann vorbei ins Wohnzimmer, setze sich auf einen der Teppiche und fragte den Mann warum er das denn mache. „Ich habe mich entschieden ein Boylover zu sein.” meinte der Mann. Erstaunt einen angehenden Boylover gefunden zu haben, wollte der kleine Prinz wissen, „und dann räumst du auf?”„Ja, klar” wurde ihm geantwortet, „wenn ich einen Jungen kennen lernen will, so möchte ich, das er es schön hat bei mir. Dass ich ihm etwas bieten kann.”

„Aber wird er denn gerade eine aufgeräumte Wohnung an dir schätzen?” fragte der kleine Prinz erstaunt. „Toll, kennst du ihn denn schon so gut? Wo ist er?” Der blonde Besucher sah sich neugierig in der Wohnung um. Da lachte der Mann. „Nein”, sagte er „ich kenne ihn noch gar nicht. Vielleicht werde ich sogar noch lange auf ihn warten, aber er wird so ein Netter sein, dass ich nicht nur nehmen, sondern auch geben will.” „Eine aufgeräumte Wohnung geben?” fragte der Prinz verwundert. Da nickte der Mann ernst und erklärte: „Ich werde *mich* geben wollen. Und da muss ich doch Sorge tragen, dass es mir gut geht, oder? Dass ich mich wohl fühle … und der erste Schritt auf einem langen Weg ist eine aufgeräumte Wohnung.”

Danach sprach der Mann von all den vielen anderen Schritten, die er vorhatte zu seinem eigenen Wohle und zum Wohle eines Jungen zu gehen, den er noch gar nicht kennen gelernt hatte. Das gefiel dem kleinen Prinzen und er half dem Mann bis in den Abend hinein aufzuräumen.

Der kleine Prinz und die Boylover – Teil 5

In der Nacht wurde der kleine Prinz überraschend wach. Während er noch sein dünnes Gewand um sich schlang und versuchte, wieder einzuschlafen, hörte er leises Schnaufen und die Geräusche von nackter Haut. Zuerst dachte er an ein Liebespaar, welches die Gunst der dunklen Stunde nutzen würde … dann aber wurde die Nacht zusätzlich durch leise und mit aller Anstrengung unterdrückte Laute des Schmerzens durchschnitten.

Da stand der kleine Prinz auf, richtete seine Kleidung, rieb sich den Schlaf aus den Augen und ging langsam in Richtung der Geräusche. Ein paar Meter führte ihn der Weg durch die Wüste. Er spürte den kalten Sand unter seinen Füßen und während er still und lauschend weiterging, kam er zu einem kleinen Hain. In der ersten Reihe der Bäume sah er einen erwachsenen Mann, der einen kleinen Jungen vergewaltigte.

„Hallo” sagte der kleine Prinz leise. „Geh weg, das ist meiner, den schnalle ich mir um.” antwortete der Mann und ließ sich durch die Anwesenheit des Prinzen nicht beeinflussen. Der kleine Prinz indes sah sich um und konnte in der Nähe die anderen Mitglieder der Familie des Jungen erkennen, die allem Anschein nach fest und tief schliefen. „Bist du ein Boylover? Und was machst du da?” fragte er den Mann. Just in diesem Moment stieß der Mann einen kleinen Schrei der Erregung aus und ließ erschöpft und schwitzend von dem Jungen ab.

„Ein Boylover? Keine Ahnung, was das ist.” antwortete er schwer atmend. „Und was ich mache? Das siehst du doch, ich hole mir, was ich brauche, um nicht zu verrecken.” „Aber hast du keine Angst, jemand weh zu tun?” wollte der kleine Prinz wissen. „Angst? Die habe ich nur vor der Entdeckung durch die Wachen, schau, der Junge hat sich noch nie beklagt und selbst der Mutter ist es egal…” antwortete der Mann und wies mit der zittrigen Hand auf eine in der Nähe am Boden liegende Gestalt.

Und ja, als der kleine Prinz dem Jungen ins Gesicht sah, beklagte sich dieser nicht und blickte zu Boden. Noch während zwei schwere Tränen von dessen abgewandtem Gesicht rollten und auf dem Wüstenboden aufschlugen (und den trockenen Sand zu einer kleinen Perle verbucken) wusste der kleine Prinz, dass der Junge nicht mit ihm reden wollte. Als der kleine Prinz zu der Mutter ging, sah er, dass auch sie die Augen etwas geöffnet hatte und ihr ebenfalls kleine Tränen aus den Augen rannen.

Weitere Teile finden sich hier (Link).

Egor Gorlov (Podolyanochka)

Egor Gorlov ist ein ukrainisches Kindermodel – und trat 2017 als Zwölfjähriger in der 4. Staffel von The Voice Kids Ukraine an.

Da er nicht nur gut aussieht (was die Coaches in der Blind Audition natürlich nicht wissen können), sondern auch noch gut singen kann, war die Qualifikation für die nächste Runde für ihn kein Problem. Alle Coaches drehten sich um und wollten ihn in ihrem Team haben. Er schied dann allerdings in der Battle Runde aus.

Hier seine ziemlich ansehnliche und durchaus hörenswerte Blind Audition mit einem ukrainischen Volkslied, der Podolyanochka.

Der alte Mann, der einmal ein Junge war

Am 20.02.2013 fand eine öffentliche Podiumsdiskussion in der Reihe Denkcafé des Arminius Konferenz- und Debattenzentrums in Rotterdam zum Thema Pädophilie statt.

Die Moderation übernahm Mirella van Markus, eine erfahrene TV-Moderatorin der Nachrichtensendung Hart van Nederland des Senders SBS6.

An der Debatte nahmen ein Polizist, ein Sexualwissenschaftler, ein Psychologe, ein Soziologe für Schwule Studien an der Universität Amsterdam und Marthijn Uittenbogaard, ein pädophiler Aktivist, teil.

Am Ende der Debatte durfte sich das Publikum zu Wort melden. Die letzte Wortmeldung kam von einem alten Mann, der einmal ein Junge war. Einer der sich noch daran erinnerte, wie das war, es in seinem Herzen bewahrt hat und das offene Wort wagte:

Ich möchte zwei Dinge sagen. Als ich dreizehn war und die Sexualität entdeckte, war ich ständig auf der Suche nach jemandem, mit dem ich ins Bett gehen konnte. Und irgendwann habe ich das gefunden. Er war vierzig Jahre alt und es war großartig. Das war so wichtig für mich. Das ist Punkt eins. Und die andere Sache, die ich sagen möchte: Ich bin schwul, ich durfte lange Zeit nicht sein, wer ich war, und ich hoffe, dass sich jeder vorstellen kann, wie es ist, wenn man nicht sein kann, wer man ist. Wenn du eine Frau liebst: und du darfst keine Frau lieben. Wenn du einen Mann liebst: und du darfst keinen Mann lieben. Und da haben wir die Pädosexuellen, die das gleiche Problem haben, wie ich in meiner Jugend. Sie dürfen nicht fühlen, was sie fühlen, sie dürfen nicht zärtlich sein, zu dem sie zärtlich sein wollen. Dass Missbrauch furchtbar ist, da stimme ich völlig zu, aber wir müssen uns sehr bemühen, diese Menschen in der Situation, in der sie sich befinden, zu unterstützen und versuchen, sie zu verstehen. [das Publikum klatscht]

Übersetzung des Transskripts von http://www.brongersma.info
(herzlichen Dank für den Link an Marthijn Uittenbogaard!)

Für alle, die dem Niederländischen folgen können, hier das Video der gesamten ca. zweistündigen Podiumsdiskussion. Ich habe zwar versucht einen „Timestamp“ im verlinkten Video zu setzen, dies scheint aber bei der Verlinkung verloren zu gehen. Die zitierte Wortmeldung beginnt bei 1:52 und 7 Sekunden. Mit dem Schieberegler-Bedienelement im Video kann man relativ leicht an diese Stelle springen.

Ich bin sehr, sehr dankbar dafür, dass dieser mutige Mann bereit war, sich in die Diskussion einzubringen.

Seine Worte sind ein Tabubruch. Es gilt heutzutage als skandalös und unerhört, die Möglichkeit von sexueller Einvernehmlichkeit zwischen einem Jungen und einem Mann auch nur in den Raum zu stellen.

Der Mann aus dem Publikum hat die real existierende Wirklichkeit dieser Einvernehmlichkeit aus unmittelbarer eigener Erfahrung eindeutig bejaht. Er unterscheidet klar zwischen Missbrauch und Liebe und erinnert daran , wie schwer es für einen Menschen ist, nicht sein zu dürfen, wer man ist und nicht lieben zu dürfen, wen man zu lieben bestimmt ist.

Der Mann aus dem Publikum hat es nicht getan, weil er es musste, oder weil er selbst etwas davon gehabt hätte, sondern weil er wusste, dass es richtig war.

Es war ein sehr wichtiger und wertvoller Beitrag, zumal man hier auch nicht nur liest, dass jemand etwas gesagt haben soll, sondern weil man hier die Möglichkeit hat, es direkt aus dem Mund eines Betroffenen zu hören.

Jeder, der als Kind eine positive Erfahrung mit einem Erwachsenen gemacht hat und es wagt das Tabu zu brechen und die Wahrheit seiner Erfahrung auszusprechen, ob unter Freunden, in einer Diskussionsrunde oder gegenüber einem Journalisten, macht den Menschen, die so fühlen und lieben wie sein ehemaliger großer Freund, ein großes und kostbares Geschenk.