Moral hat weniger mit Sex zu tun, als vielmehr mit Ehrlichkeit zu sich selbst, mit Mitmenschlichkeit und einem klaren Denken.
Christa Schyboll
Das Geschenk der Akzeptanz
Ich habe vor kurzem auf mein Engagement auf gutefrage.net hingewiesen. Meist antworte ich dort auf Fragen, die einen recht direkten Bezug zum Thema Pädophilie, manchmal auch zum Thema sexueller Missbrauch haben.
Vor zwei Tagen habe ich eine Umfrage zur sexuellen Identität entdeckt. Die Frage war: „An alle: Welche Sexualität habt ihr?“.
Die Antwortmöglichkeiten waren
- Heterosexuell
- Bisexuell
- Schwul
- Asexuell
- Sonstiges
- Pansexuell
- Lesbisch
Ich habe mich entschieden teilzunehmen („Sonstiges“) und die Gelegenheit zu nutzen meine sexuelle Identität zu erläutern.
Die Umfrage wurde (stand jetzt) immerhin von aktuell 945 Leuten gelesen und von 161 Leuten beantwortet, von denen die allermeisten „Normalliebende“ sind, also Menschen mit einer in Deutschland anerkannten Sexualpräferenz.
Das sind viel mehr normalliebende Menschen als ich mit meinem Pädo-Blog je erreichen könnte und wer eine Umfrage zu sexuellen Identitäten liest und darauf antwortet, bringt schon mal ein Mindestmaß an Interesse für das Thema mit. Das erhöht die Chance, dass mein Beitrag tatsächlich gelesen wird.
Hier meine Antwort / Erläuterung:
Ich bin pädophil und fühle mich zu Jungen im Alter von 10-14 Jahren hingezogen.
Ansonsten bin ich ein ganz normaler Mensch.
• Meine Sexualität ist für mich aber mit ganz erheblichen Einschränkungen verbunden:
• Es gibt für mich keine realistische Aussicht, auf eine erfüllte, gemeinsam erlebte Sexualität mit einem von mir begehrten Partner
• Die naheliegenden sexuellen Ersatzhandlungen sind mir verboten, sogar wenn sie objektiv moralisch vertretbar wären wie z.B. die Nutzung von virtueller Kinderpornographie = Texten, Zeichnungen, Computeranimationen, bei deren Herstellung kein Kind beteiligt war, also auch kein Kind missbraucht, ausgenutzt oder sonstwie geschädigt wurde. Aus meiner Sicht ist Verbot in Hinblick auf virtuelle Kinderpornographie unverhältnismäßig und eine unzulässige Kriminalisierung.
• Das worauf man verzichten muss, ist nicht lediglich die Befriedigung sexueller Triebe, sondern geht viel tiefer. Jemand, der das recht treffend erfasst hat, ist der Dipl.-Psych. und Sexualtherapeut Christoph Joseph Ahlers. Aus einer Sendung bei Deutschlandfunk Kultur:
„Was die Betroffenen als eigentlichen tiefen Schmerz erleben und was sie betrauern ist der Umstand, dass sie die Erfüllung ihrer Grundbedürfnisse durch intimen Körperkontakt, durch Hautkontakt, niemals erleben können. Das heißt, das Gefühl, das wir alle suchen, wenn wir uns in eine partnerschaftliche Sexualbeziehung begeben, jemand, der uns anfasst, den wir anfassen, der uns drückt, der uns hält, der uns küsst, der in uns sein will, in dem wir sein wollen, diese Verschmelzung im Sexuellen, die geht ja weit über Erregung und Fortpflanzung hinaus.“
• Pädophilie ist eine dauerhafte, unveränderliche sexuelle Orientierung, die sich niemand ausgesucht hat. Was man fühlt, kann man nicht beeinflussen. Der einzige sinnvolle Maßstab, an dem man jemanden messen kann, ist das Verhalten. Das weiß eigentlich auch jeder. Niemand möchte für seine Gedanken oder Gefühle verteufelt werden. Daraus ergibt sich unmittelbar die Konsequenz, dass man auch niemand anderen für seine Gedanken oder Gefühle verteufeln sollte. Im Zusammenhang mit Pädophilie ist das aber außer Kraft gesetzt. In einer anonymen Umfrage plädierten 49% der Befragten für die präventive Inhaftierung von Nicht-Tätern mit sexuellem Interesse an Kindern, 27% wünschten diesen den Tod.
• Als pädophil erkannt oder verdächtigt zu werden, bedeutet den sozialen Tod. Mir fällt nichts ein, was stärker geächtet und stigmatisiert ist als Pädophilie. Das ist eine ungeheure – und eigentlich völlig unnötige – lebenslange Belastung.
Ich hatte nie den Wunsch, einen anderen Menschen zu missbrauchen (= schlecht zu behandeln). Ich habe seit meinem Coming-in schon einige Jahrzehnte gelebt und bin nicht straffällig geworden. Ich sehe auch keinen Grund anzunehmen, dass ich irgendwann in der Zukunft einmal einen anderen Menschen missbrauchen könnte.
Einem Pädophilen wird unterstellt, dass er ein potentieller Kinderschänder ist. Einem heterosexuellen Mann wird typischerweise nicht unterstellt, dass er ein potentieller Vergewaltiger ist.
Problematisch ist nicht eine pädophile Neigung, sondern fehlende Impulskontrolle (z.B. bei einer Impulskontrollstörung). Fehlende Impulskontrolle ist auch bei allen anderen Gruppen von Menschen problematisch.
Ich sage also keineswegs, dass Pädophile nicht gefährlich sein können. Es wäre ja auch falsch zu behaupten, dass heterosexuelle Männer nicht gefährlich sein können. Die Vorstellungen vom Maß der Gefährlichkeit eines Pädophilen ist aber komplett überzogen und korreliert nicht mit der Wirklichkeit.
Dass man die Gefährlichkeit bei Pädophilen in der breiten Öffentlichkeit für den Normalfall hält, ist das Ergebnis einer kognitiven Verzerrung:
Es wird in Medien und Krimiserien typischerweise nur über die kleine Minderheit straffällig gewordener Pädophiler und über pädosexelle Taten von nicht-pädophilen Ersatztätern berichtet, die aber fälschlich als pädophil wahrgenommen werden. Lt. Kriminologen sind c. 60 bis 90% der Täter von Kindesmissbrauch nicht pädophil, sondern Ersatztäter, die sich primär von erwachsenen Sexualpartnern angezogen fühlen.
Was ich mir wünsche ist, das gleiche, was sich auch andere Menschen wünschen: einvernehmliche (wechselseitig willentlich gewollte) Sexualität mit einem geliebten Menschen. Das bekomme ich nicht, indem ich einen Übergriff begehe. Dass mein Wunsch objektiv deutlich schwieriger zu erfüllen ist, als bei anderen Menschen, muss ich hinnehmen.
Für viele Leute (auch Menschen, die sich für sehr aufgeklärt und tolerant halten) ist es sehr problematisch und schwer verdaulich, dass ich an meinen Wunsch grundsätzlich festhalte und auch willentliche Einvernehmlichkeit für möglich halte. Ich finde nicht, dass ich dazu verpflichtet wäre, jegliche Hoffnung auf geteilte, glückliche Momente mit einem anderen, von mir begehrten Menschen aufzugeben.
Ein fixes Schutzalter ist immer eine Pauschallösung. Das deutsche Schutzalter wurde auf 14 festgelegt, weil man überzeugt war, dass 14jährige über die erforderliche Reife verfügen. Die entwickelt man aber natürlich nicht plötzlich in der Geburtstagsnacht. Wenn die Prämisse stimmt, dass man mit 14 über die nötige Reife verfügt, gibt es also faktisch auch viele 13 und sicher auch 12jährige, die (eigentlich) über die nötige Reife verfügen, mit denen ein sexueller Kontakt aber nach heutigem Recht illegal wäre.
Die aktuellen gesetzlichen Regelungen zum sexuellen Missbrauch stimmen also nicht in jeder Hinsicht mit dem überein, was aus meiner Sicht Missbrauch ausmacht. Meiner Auffassung nach ist Missbrauch, wenn ein Mensch einen anderen Menschen schlecht behandelt.
Das Gesetz verlangt von mir nicht, dass ich die geltenden Regeln gutheiße, sondern nur das ich sie befolge. Dieser Verpflichtung komme ich nach. Ich kann mir aber viele Änderungen vorstellen, welche die Gesetze menschlicher und verhältnismäßiger machen würden, ohne damit den Schutz von Kindern zu kompromittieren.
Ich zeige mich hier auf gutefrage.net so, wie ich bin. Ohne Rücksicht auf mich selbst oder auf andere, die sich vielleicht durch irgend einen Aspekt des Ganzen abgestoßen fühlen mögen. Ich möchte authentisch sein und deshalb auch nichts beschönigen oder verleugnen, was evtl. von anderen als problematisch empfunden werden könnte, z.B.
• dass ich eine Therapie ablehne, weil ich mich nicht für gefährlich halte,
• dass ich an die Möglichkeit der Einvernehmlichkeit zwischen einem Jungen und einem Mann glaube, oder
• dass ich mir in meinem stillen Kämmerlein Bilder oder Videos von Jungen ansehe und mir das hilft, mein Leben erträglich oder für einen Moment schön zu machen.
Ich stelle die Wirklichkeit so korrekt und vollständig dar, wie ich es vermag und hoffe, damit bei dem ein oder anderen Normalliebenden zu einer Korrektur des Zerrbildes vom Pädophilen als Kinderschänder beizutragen.
Vielleicht kann die Stigmatisierung und Ächtung von Pädophilen so zumindest abgeschwächt werden. Aber selbst wenn die von mir erhoffte Wirkung ausbleibt: wenn ich schon verachtet werde, dann doch bitte wenigstens für das, was ich bin, statt für das falsche Bild eines Monsters, wie es von Pädophilen so oft gezeichnet wird.
Diese Antwort wurde bis dato von 230 Leuten gelesen, sechsmal mit einem „Hilfreich“ markiert (was der aktuelle Spitzenwert bei den 30 zu der Frage abgegebenen Antworten ist) und mit zwei „Danke“ versehen.
Eine der Reaktionen, die ich über die Kommentar-Funktion erhalten habe, war:
SORRY aber du bist einfach nur krank ganz ehrlich.
Eine andere:
Ich glaube da ist jemand wegen des aktuellen „Social Distance“ und leeren Spielplätzen kurz vorm Aufploppen. Anders kann man sich solch ein hingebungsvolles Statement und Fürsprechen kaum erklären. Beängstigend ist die Uneinsichtigkeit bzgl. einer Behandlung.
Mir geht es aber hier um die dritte Antwort. Die ist mir wirklich nahe gegangen:
Lieber Schneeprinz,
ich bewundere deine Ehrlichkeit und Offenheit. Mir ist bewusst, dass es nicht leicht ist, zuzugeben, dass man selbst eine sexuelle Ausrichtung hat, die in der Öffentlichkeit mehr geächtet wird als jede andere.
Ich habe schon immer gewusst, dass Pädophile nicht schuld an ihrer sexuellen Ausrichtung sind. Deshalb ist es unsinnig, sie dafür zu bestrafen. Dank deiner ehrlich formulierten Antwort sehe ich das Ganze aber noch einmal anders und zwar aus deiner Perspektive. Mir ist erst jetzt bewusst geworden, wie schlimm es sein muss, ständig verdächtigt zu werden und zwar für die eigenen Gefühle, nicht einmal für die Taten.
Du hast aber Recht, ein heterosexueller Mann könnte genau so als potenzieller Vergewaltiger gesehen werden. Ich als heterosexueller Mann habe das eigentlich noch nie von diesem Standpunkt aus betrachtet.
Ich bin offen gegenüber allen unterschiedlichen Sexualitäten, bin jedoch froh darüber, dass ich aufgrund der Tatsache, dass ich als Heterosexueller die am weitesten tolerierte Sexualität habe und mich deswegen vor anderen nicht ständig rechtfertigen muss. Viele andere Menschen werden von der Gesellschaft immer wieder gezwungen, die eigene sexuelle Ausrichtung geheim zu halten oder sich dafür rechtzufertigen. So ist es natürlich schwer, diese zu akzeptieren.
Ich bewundere, wie du trotz aller Schwierigkeiten zu deiner angeborenen Sexualität stehst und – noch viel mehr – wie du darüber sprichst!
Ehrlich gesagt hatte ich da Pippi in den Augen.
Für jemanden, der Stigmatisierung, Ausgrenzung und Diskriminierung gewohnt ist und mit diesen Reaktionen rechnet, ist Akzeptanz ein ganz besonderes und wertvolles Geschenk.
Natürlich habe mich sehr herzlich bedankt.
Ich bin seit einem Jahr auf gutefrage.net präsent und habe dort 76 Antworten geschrieben. Auf meinem Blog, den ich etwa zur gleichen Zeit gestartet habe, habe ich 89 meist längere Artikel zum Thema Pädophilie geschrieben.
Wenn der einzige fassbare Erfolg dieses Jahres dieser eine Antwortkommentar wäre, dann hätte es sich bereits gelohnt.
Der Kampf um die Akzeptanz meiner Neigung scheint mir im Grunde aussichtslos. Es ist für mich nicht vorstellbar, dass sich zu meinen Lebzeiten etwas Grundlegendes an der Ächtung von Pädophilen ändert. Aber punktuelle Erfolge halte ich für durchaus möglich und der Kampf gegen die Stigmatisierung verringert das Gefühl der Hilflosigkeit.
Die Antwort bei gutefrage.net hat mich bewegt, weil sie mir gezeigt hat, dass ich mir „punktuelle Erfolge“ nicht nur einbilde und dass ich in dem kleinen Rahmen, der mir möglich ist, tatsächlich etwas bewegen kann.
Natürlich wird die Welt nicht auf einmal rosig und schön, nur weil einer von hundert Menschen mir in Bezug auf meine Neigung auf einmal mit Offenheit, Toleranz und Akzeptanz begegnet. Aber ich vermute, dass sich die Einzelnen, die sich auf diese Weise zu Wort melden, kaum vorstellen können, wie wertvoll und bedeutend ihre Worte für Betroffene sein können.
Sie melden sich in einer Umgebung zu Wort, die Offenheit gegenüber Pädophilen eigentlich nicht duldet und bereits als Verharmlosung ächtet. Sie beweisen damit nicht nur ihre Offenheit, Toleranz und Akzeptanz an, sondern auch ihren Mut.
Ihre Worte sind für Betroffene emotional wichtig und heilsam, sie sind aber zugleich auch gerade die Stimmen, die vielleicht in der Zukunft die Grenze des Sagbaren innerhalb der Gesellschaft wieder verschieben können, so dass man irgendwann einmal nicht mehr mutig sein muss, wenn man Pädophilen offen, tolerant und akzeptierend begegnet.
Ich habe heute von einem anderen Menschen das Geschenk der Akzeptanz erhalten. Ich bin dafür dankbar. Sehr!
Flüchten, Kämpfen, Totstellen
Es gibt drei Hauptstrategien mit Bedrohungen umzugehen: Flucht, Kampf und Totstellen. Je nach Prägung und Charakter neigen Menschen mehr oder weniger zu einer der drei Antwort-Reaktionen.
Wer zum Kampf neigt, kauft in der aktuellen Corona-Krise Nudeln und Klopapier auf Vorrat. Wer zu Flucht neigt, verlässt nicht mehr seine Wohnung und vermeidet Kontakte über das vorgeschrieben Maß hinaus.
Mit dem Totstellen ist es etwas schwieriger eine Verhaltensweise zu identifizieren, ich denke aber ihm entspricht am ehesten die Ignoranz der Gefahr. Also weiter mit Freunden treffen, als wäre nichts gewesen oder die Bedrohung als erfunden oder als harmlos wie eine gewöhnliche Grippe darstellen.
Auch wenn man mehr zu einer der drei Reaktionen neigt, tritt in der Realität oft ein Mix auf. Hinzu kommt, dass alternative Reaktionen greifen, wenn die „natürliche“ Hauptreaktion nicht erfolgversprechend ist. Wenn der Gegner zu übermächtig ist, bleibt auch dem Kämpfer nur die Flucht. Wenn der Fluchtweg abgeschnitten ist, muss sich auch der Flüchter dem Kampf stellen. Wenn das Totstellen fehlgeschlagen ist, muss sich der Totsteller für Flucht oder Kampf entscheiden.
Wer pädophil ist, ist dadurch einer Dauerbelastung ausgesetzt. Pädophilie ist geächtet und stigmatisiert, wie nichts sonst. Man muss sich also, um das soziale Überleben zu sichern, verstecken.
Auch wenn man zu Flucht oder Kampf neigt: vor seiner sexuellen Orientierung kann man nicht (erfolgreich) flüchten. Die Ächtung ist zudem so stark und absolut, dass auch Kampf keine erfolgversprechende Reaktion ist. Im Grunde kann man sich also fast nur Totstellen.
Keine der drei Panikreaktionen auf Bedrohungen hält man dauerhaft aus. Sie sind ein Notfallprogramm, das nicht als Dauerzustand gedacht ist. Kommt es dennoch zu einem Dauerzustand, dann führt das zu einer Überlastung:
Allgemeines Anpassungssyndrom (AAS, synonym Adaptationssyndrom, Selye-Syndrom, engl. general adaption syndrome) bezeichnet ein allgemeines Reaktionsmuster des Körpers auf länger anhaltende Stressreize. (…)
Ist ein Organismus längere Zeit Stressoren (u. a. Leistungsdruck, Lärm, Hitze, Hunger, psychische Belastungen) ausgesetzt, zeigt er eine Antwort, die eine kurzzeitige Erhöhung der Widerstandskraft bewirkt, langfristig aber zu körperlichen Schäden bis hin zum Tod führen kann.
Man unterscheidet drei Stadien:
Alarmreaktion
Die akute körperliche Anpassungsreaktion wird vor allem durch Stresshormone ausgelöst, die der raschen Bereitstellung von Energiereserven dienen. (…) Der Körper gerät so in einen Zustand erhöhter Aktivität und höherer Leistungsbereitschaft.
Widerstandsstadium
Nach einer kurzen Alarmreaktion gerät der Körper in die sogenannte Widerstandsphase, in der er bestrebt ist, das aktuelle Stressniveau durch Beseitigung der stressauslösenden Reize wieder zu reduzieren, die in der Alarmreaktion ausgeschütteten Stresshormone abzubauen und so den Normalzustand wiederherzustellen. Diese Widerstandsphase kann allerdings nur für einen begrenzten Zeitraum aufrechterhalten werden. (…)
Erschöpfungsstadium
Ist ein Mensch ständig Phasen erhöhter Aktiviertheit ausgesetzt, kann es zu ernsthaften Langzeitschädigungen kommen. Auf körperlicher Ebene kann es zur Schrumpfung der Thymusdrüse und der Lymphdrüsen kommen. Es können zudem Magengeschwüre entstehen. Mittelfristig kann es zu Störungen auf der kognitiven, der emotionalen, der vegetativ-hormonellen und der muskulären Ebene kommen.
Beispiele für Störungen aufgrund von andauerndem Stress sind verzerrte Wahrnehmungen und Denkweisen (kognitive Ebene), Befindlichkeitsstörungen wie Gereiztheit, Ängstlichkeit, Unsicherheit oder Aggressivität (emotionale Ebene). Weitere Folgen können verminderte Leistungsfähigkeit, ineffiziente Handlungsweisen sowie allgemeine Überforderung und Erschöpfung sein. Die Erschöpfung zeigt sich unter anderem darin, dass der Körper schneller in den genannten Aktivierungszustand (siehe „Alarmreaktion“) gerät, wobei die Aktivierung intensiver ist und der Körper sich nur langsam wieder erholt (vegetativ-hormonelle Ebene).
Langfristige Auswirkungen von Stress können die langfristige Beeinträchtigung des Wohlbefindens, psychosomatische und psychische Störungen sowie diverse Krankheiten (z. B. Magen-Darm-Krankheiten, Hautkrankheiten, Schlafstörungen, Depression, Burnout-Syndrom) sein. Außerdem ist das Risiko für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Krankheiten erhöht (vgl. Faltermaier, 2005).
Aus dem Wikipedia-Artikel „Allgemeines Anpassungssyndrom„
Wozu ein Zustand erhöhter Aktivität und höherer Leistungsbereitschaft bei Flucht und Kampf dient, ist offensichtlich.
Beim Totstellen ist die Entsprechung die sogenannte Hypervigilanz (= erhöhte Wachsamkeit oder Wachheit). Der Totsteller ist ja keineswegs tot. Er beobachtet seine Umwelt intensiv darauf, ob sich die Bedrohung realisiert, damit er rechtzeitig auf Flucht oder Kampf umschalten kann.
Ich hatte z.B. jahrelang Herzklopfen, wenn jemand an meiner Türe geklingelt hat. Es hätten ja auch Polizisten mit einem Durchsuchungsbefehl oder ein Sondereinsatzkommando sein können. Logisch war das nicht wirklich. Aber Angst entsteht nun einmal nicht in den Gehirnarealen, die mit logischem Denken assoziiert sind. Selbst wenn man sie gedanklich zurückweist, kann man sich ihr trotzdem kaum entziehen.
Die übertrieben erhöhte Wachsamkeit in Verbindung mit meinem jahrelangen erzwungenen Totstellen hat mich belastet und auch erschöpft, zumal dem Totstellen auch ein Element der Hilflosigkeit innewohnt. Flucht und Kampf sind aktive Reaktionen. Totstellen ist die Hoffnung, dass die Gefahr von alleine vorübergeht.
Nur: Totstellen hält man auf Dauer nicht aus. Wenn man einem Raubtier begegnet und sich tot stellt, ist die Situation irgendwann vorbei. Man wurde gefressen oder das Raubtier ist weitergezogen. Die Gefahr des sozialen Todes geht bei Pädophilie nie vorbei.
Langfristig hat mir das Totstellen auch nicht gut getan. Es führte zu einem sich im Laufe der Zeit verstärkenden Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins. Irgendwann habe ich bemerkt, dass ich mit der Dauerbelastung des anhaltenden sozialen Stresses bei gleichzeitiger gefühlter Hilflosigkeit immer schlechter klargekommen bin.
Wenn jemand in seiner Mobilität eingeschränkt ist (z.B. bettlägrige Menschen oder Rollstuhlfahrer), kommt es bei längerer Druckbelastung zu Hautgeschwüren. Ich denke, dass sich das auf seelische Befindlichkeiten übertragen lässt. Ständiger seelischer Druck führt langfristig, auch wenn er zunächst aushaltbar ist, zu seelischen Wunden. Zur Vermeidung dieser Folge braucht es Entlastung, Bewegung oder ein Umlagern.
Mich hat z.B. erheblich entlastet, dass ich bei meinem Outing innerhalb meiner Kernfamilie von niemandem verstoßen wurde. Der soziale Tod innerhalb der Kernfamilie ist dauerhaft abgewendet. Das hat den Druck erheblich reduziert, aber nicht auf Null abgesenkt. Die Gesellschaft hasst Pädophile ja weiterhin. Jenseits der Kernfamilie droht mir der soziale Tod nach wie vor.
Auch die Möglichkeit, mich in einem Selbsthilfe-Foren mit anderen Betroffenen auszutauschen, hat mir in der Vergangenheit sehr geholfen. Unter Gleichfühlenden ist die Notwendigkeit sich „totzustellen“ aufgehoben. Das entlastet erheblich.
Der Start meines Blogs und die Rückkehr auf eines dieser Selbsthilfe-Foren wurde für mich notwendig, weil ich bemerkt habe, dass ich mich im Erschöpfungsstadium befand. Der Druck und die Belastung sind unmerklich wieder anstiegen und hatten ein nur noch schwer aushaltbares Niveau erreicht.
Insbesondere der Blog und meine Aktivität als Schneeprinz auf gutefrage.net ist dabei aber auch ein Strategie-Wechsel von Totstellen auf Kampf.
Ich zeige mich hier anderen so, wie ich bin. Ohne Rücksicht auf mich selbst oder auf andere, die sich vielleicht durch irgend einen Aspekt des Ganzen abgestoßen fühlen mögen.
Ich möchte authentisch sein und deshalb auch nichts beschönigen oder verleugnen, was evtl. von anderen als problematisch empfunden werden könnte, z.B.
- dass ich eine Therapie ablehne, weil ich mich nicht für gefährlich halte,
- dass ich an die Möglichkeit der Einvernehmlichkeit zwischen einem Jungen und einem Mann glaube, oder
- dass ich nicht bereit bin, jede Hoffnung auf ein zukünftiges Glück mit einem geliebten und begehrten Menschen aufzugeben.
- dass ich mir in meinem stillen Kämmerlein Bilder oder Videos von Jungen ansehe und mir das hilft, mein Leben erträglich oder für einen Moment schön zu machen.
Ich stelle die Wirklichkeit so korrekt und vollständig dar, wie ich es vermag und hoffe, damit bei dem ein oder anderen Normalliebenden zu einer Korrektur des Zerrbildes vom Pädophilen als Kinderschänder beizutragen.
Vielleicht kann die Stigmatisierung und Ächtung von Pädophilen so zumindest abgeschwächt werden. Aber selbst wenn die von mir erhoffte Wirkung ausbleibt: wenn ich schon verachtet werde, dann doch bitte wenigstens für das, was ich bin, statt für das falsche Bild eines Monsters, wie es von Pädophilen so oft gezeichnet wird.
Der Kampf scheint mir zwar im Grunde aussichtslos – es ist nicht vorstellbar, dass sich zu meinen Lebzeiten etwas Grundlegendes an der Ächtung von Pädophilen ändert. Aber punktuelle Erfolge sind durchaus möglich und der Kampf gegen die Stigmatisierung verringert das Gefühl der Hilflosigkeit.
Es ist gut möglich (und sogar wahrscheinlich), dass ich den Kampf irgendwann wieder aufgebe bzw. vorübergehend einstelle. Dass kann passieren, wenn sich der Verfolgungsdruck erhöht (z.B. wenn das Vertreten „Pädophilie verharmlosender“ Ansichten irgendwann strafbar werden sollte) oder wenn sich meine emotionale Belastung soweit verflüchtigt hat, dass der Druck versiegt – und mit ihm meine Worte.
Tatsächlich ist der Druck zwar nicht verschwunden aber wieder deutlich zurückgegangen. Meine Selbstbehandlungsstrategie war also bereits erfolgreich. Trotzdem gibt es den Blog noch.
Möglicherweise ein Hinweis darauf, dass ich in einer Bedrohungsituation nach Prägung und Charakter eigentlich eher zu einer Kampfreaktion neige.
Sprüche und Weisheiten …
Der Mensch ist um so größer, je mehr er er selbst ist.
Antoine de Saint-Exupéry
Cam Anthony (Ain’t No Sunshine)
Ain’t No Sunshine war der Song, mit dem Bill Withers 1971 sein Durchbruch als Singer/Songwriter gelang. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits 32. Er hatte zuvor 9 Jahre in der US Armee gedient und arbeitete danach als Monteur.
Er bemühte sich ab 1967 darum, professioneller Musiker werden, trat in Clubs auf und schickte selbstfinazierte Demobänder an Plattenlabel. So etwas wie YouTube gab es damals ja noch nicht. 1970 klappte es, er erhielt einen Vertrag bei Sussex Records. Schon mit der ersten Aufnahme gelang ihm ein Volltreffer. Ain’t No Sunshine wurde mehr als eine Millionen Mal verkauft und bracht ihm den ersten von insgesamt 3 Grammys ein.
Ain’t No Sunshine blieb einer seiner bekanntesten Songs zu denen auch Lieder wie Lean on me, Lovley Day oder Just the two of us zählen. Am 03.04.2020 wurde bekannt, dass er wenige Tage zuvor (am 30.03.) im Alter von 81 Jahren verstorben ist.
Ein Cover, das mir gut gefällt und thematisch zum Blog passt, stammt von Cam Anthony und wurde im April 2015 veröffentlicht, als Cam 13 Jahre alt war.
Cam hatte auch schon vor dieser Aufnahme durch andere YouTube Videos auf sich aufmerksam gemacht und ist dadurch zum Beispiel zu Auftritten im Fernsehen (in der Ellen Degeneres Show) oder bei jährlichen Osterfest des Weißen Hauses (damals von Barack Obama bewohnt) gekommen.
Drei Jahre später, im Mai 2018, hat er mit dem gleichen Lied das Finale der Fernseh-Talentshow „Showtime at the Apollo“ gewonnen.
Auch das eine schöne, aber dabei gänzlich andere Aufnahme – nicht nur wegen des Wechsels vom Wohnzimmer mit improvisierter Technik auf die großen Bühne mit Livepublikum, Fernsehen und Profitechnik, sondern auch weil Cam zwischenzeitlich seinen Stimmbruch erfolgreich überstanden hatte.
Heute ist er 18 und Musiker. Ob er damit dauerhaft seinen Lebensunterhalt verdienen kann oder gar reich und berühmt werden wird, muss sich noch erweisen. Ich wünsche ihm dafür jedenfalls viel Erfolg und bin mir sicher, dass auch Bill Withers diesbezüglich keinerlei Einwände hätte.
Sprüche und Weisheiten …
Wer nichts waget, der darf nichts hoffen.
Friedrich Schiller
Wertvolle Niederlagen
Einer der Teilnehmer, der 5. Folge der aktuellen Staffel von The Voice Kids, war der 13-järige Finley. Er sag das (trotz des englischsprachigen Titels deutschsprachige) Lied „Oh Love“ von Marc Forster.
Ich fand, dass hat er gut gemacht. Aber es war nicht gut genug. Niemand hat für ihn gebuzzert und er ist damit einer der relativ wenigen, die bereits in den Blind Auditions ausgeschieden sind.
Zu The Voice Kids kommen nur junge Sänger, die etwas können, aber in so ziemlich jeder Folge der Blind Auditions gibt es auch jemanden, der es nicht in die nächste Runde schafft. Ich denke das hat für die Betroffenen etwas von Sitzenbleiben. Fast alle anderen schaffen es in die nächste Klasse (Runde), nur man selbst bleibt sitzen (ist ausgeschieden).
Finley rutschte nach seinem Auftritt, als im klar wurde, dass er nicht weitergekommen war, ein „Ach Scheiße“ heraus. Die gut gemeinte Manöverkritik der Coaches, mit dem obligatorischen Lob für den Auftritt, etwas Kritik („an den wichtigen Stellen nicht so richtig abgeholt“, „zu aufgeregt“, „zu viel nachgedacht“, „den Song mehr zu deinem machen“) und viel Zuspruch („dranbleiben“, „komm bitte nochmal wieder“) hat Finley dann tapfer über sich ergehen lassen.
Ich hatte allerdings den Eindruck, dass das Ganze in diesem Moment für Finley zu lange dauerte, dass sein Nervenkostüm arg strapaziert war und er eigentlich lieber geflüchtet wäre. Das durfte er dann am Ende auch und weil die Kamera die Kids begleitet, bis sie wieder bei der wartenden Familie sind, bekam man Live und in Farbe mit, dass ihm in der Umarmung seiner Mutter dann doch noch die Fassung entglitt und ein paar Tränen über das Gesicht rollten. Egal wie menschlich das ist – für einen 13-jährigen ist so etwas in der Öffentlichkeit peinlich und ein Gesichtsverlust.
Der beistehende Moderator hat nochmal versucht ihn zu trösten und darauf zu verpflichten, weiter zu machen und im nächsten Jahr wieder zu kommen. Und tatsächlich hat sich Finley auch (glaubhaft) dazu bekannt. Man darf also davon ausgehen, dass wir ihn in einem Jahr wiedersehen.
Seinen Auftritt sucht man auf YouTube vergeblich. Ich denke, dass entweder die Eltern oder vielleicht auch der Sender auf eine Verbreitung dort verzichten, um etwas von der Wucht der Niederlage zu nehmen und negative Auswirkungen auf das Kind zu minimieren. Auf der Sat1-Seite von The Voice Kids, kann man den Auftritt (ohne die Szene mit der Familie) aber abrufen.
Natürlich tat mir Finley leid. Aber mein erster bewusster Gedanke war: das war eine wichtige Niederlage für ihn.
Ich war mir sicher, dass er von seiner Familie gut unterstützt werden wird. Dass er am Ball bleiben, sich durchbeißen, hart arbeiteten und besser werden wird. An Niederlagen kann man zerbrechen oder wachsen. Ich bin mir sicher, dass Finley an seiner vorübergehenden Niederlage wachsen wird. Am Ende wird er ein besserer Sänger sein, als er es geworden wäre, wenn er mit einem Buzzer etwas glücklich aber gesichtswahrend in die nächste Runde gekommen und dort ausgeschieden wäre.
Einer, dem es im Vorjahr ähnlich wie Finley ergangen ist, ist Timur. Im letzten Jahr hat niemand für ihn gebuzzert. Timur hat weitergemacht, viel geübt und ist zurück gekommen. Diesmal wollten ihn alle vier Coaches in ihrem Team haben. Hier sein Auftritt:
Enttäuschungen und Niederlagen sind Teil des Lebens. Vor einem Millionenpublikum wie bei The Voice Kids muss man sie natürlich nicht unbedingt haben. Aber man kann es sich eben nicht aussuchen. Was immer die Umstände einer Niederlage sind, entscheidend ist, wie man mit ihr danach umgeht.
Ich wäre sehr überrascht, wenn Finley es Timur im nächstes Jahr nicht gleichtut und mit Bravour in die nächste Runde einzieht.
Kindliche Unschuld: Fehlanzeige
Ein Mythos, der sich zäh hält, ist der von der angeblichen Unschuld der Kinder.
Kinder wirken niedlich (Kindchenschema) und sind schutzbedürftig, aber mit Unschuld sollte man das nicht verwechseln. Insbesondere sind Kinder nicht sexuell „unschuldig“, was aber eigentlich ohnehin schon unsinnig ist, weil Sexualität generell nichts mit Schuld zu tun hat.
Ich finde es verstörend, wenn einerseits mantrahaft die kindliche Unschuld betont wird, andererseits eine breite Mehrheit der Bevölkerung die Herabsetzung der Strafmündigkeit befürwortet.
In einer Umfrage bei Stern.de vom Juli 2019 waren 83 Prozent für die Herabsetzung von 14 auf 12 Jahre und 12 Prozent dagegen (ca. 3.200 Teilnehmer). Bei einer Insa-Meinungstrend Umfrage aus dem selben Monat im Auftrag der „Bild“-Zeitung waren 57.9 Prozent für eine Herabsetzung, 25.8 Prozent dagegen.
Ich halte es da eher mit Prof. Dr. Thomas Fischer, ehemaliger Vorsitzender Richter des 2. Strafsenats des Bundesgerichtshofs:
Von allen Möglichkeiten und Vorschlägen, wie man mit problematischen, sozial randständigen, gefährdeten oder verwahrlosten kindlichen Grenzüberschreitern und Straftatverwirklichern umgehen kann oder soll, ist die Ausweitung des Strafrechts auf sie die sinnloseste, erbärmlichste und schädlichste.
Aus „Das Kind, der Verbrecher und die CSU“ bei Spiegel Online
Die Gleichzeitigkeit des Zelebrierens kindlicher Unschuld und der Propagierung einer Bestrafung verbrecherischer Kinder ist für mich schizophren.
Aber zurück zur Sexualität.
In Wissenschaftskreisen ist längst bekannt, dass es auch vorpubertär eine kindliche Sexualität gibt, die sich zwar von der Erwachsenen-Sexualität unterscheidet, aber deswegen nicht minder sexuell ist. In der Pubertät wird das sexuelle Erleben und Verhalten dann mit dem von Erwachsenen vergleichbar. Das sexuelle Interesse erreicht in der Pubertät sogar seinen Höhepunkt.
Schaut man in die üblichen Tabellen der Polizeilichen Kriminalstatistik, dann wirkt der Anteil kindlicher Tatverdächtiger an den verschiedenen Sexualstraftaten erst einmal nicht sehr hoch. In der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS 2019) findet man in der Statistik der Tatverdächtigen nach Alter und Geschlecht für den Sexuellen Missbrauch von Kindern (§§ 176, 176a, 176b StGB) insgesamt 10.259 Tatverdächtige von denen 1.276 Kinder unter 14 Jahren waren.
Es gibt aber natürlich nicht so viele Kinder wie Erwachsene.
Wenn man die relative „Kriminalitätsneigung“ von Kindern im Vergleich zu der von Erwachsenen verstehen will, muss man die sogenannte Tatverdächtigenbelastungszahl heranziehen. Das ist eine kriminologische Häufigkeitsangabe und gibt die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen auf 100.000 Einwohner des entsprechenden Bevölkerungsanteiles an. Kinder unter acht Jahren werden dabei nicht berücksichtigt. Die Tatverdächtigenbelastungszahl macht sichtbar, welche Altersgruppen häufiger oder weniger häufig tatverdächtig werden.
Einen Einblick in die aktuellen Tatverdächtigenbelastungszahlen (TVBZ) liefert die Statistik der Tatverdächtigenbelastung Deutsche nach Alter und Geschlecht der Kriminalstatistik 2019.
Ich habe aus den Angaben zu den verschiedenen Straftaten eine Auswahl getroffen und dabei zur besseren Übersichtlichkeit auf die Differenzierung der Täter nach Geschlecht verzichtet. Leider ist die Tabelle recht groß, so dass das Bild dazu hier nur sehr klein dargestellt wird. Um die Tabelle gut lesen zu können, muss man etwas heranzoomen.

Bei den den „Straftaten gesamt“, Körperverletzung, Diebstahl, Beleidigung und Sachbeschädigung usw. sieht man, dass Kinder schon ganz allgemein gesehen keineswegs „unschuldig“ sind. Sie kommen überall vor. In der Gruppe der 12 bis 13-jährigen liegt die Tatverdächtigenbelastungszahl außer bei Beleidigungen und fahrlässiger Körperverletzung sogar über dem Wert für die Gesamtbevölkerung.
Bei jüngeren Kinder sinken die Werte. Diesbezüglich sollte aber beachtet werden, dass strafrechtlich relevante Handlungen von Kindern oft nicht angezeigt werden, weil viele sich über die Straflosigkeit von Kindern aufgrund ihrer fehlenden Strafmündigkeit im Klaren sind. Bei einem 12 bis 13-jährigen kann man auf Anhieb nicht sicher erkennen, ob er vielleicht bereits strafmündig ist. Bei jüngeren Kindern gelingt dies schon eher.
Teilt man den Wert der Altersklasse z.B. bei der vorsätzlichen einfachen Körperverletung 381 pro 100.000 für die 12 bis 13-jährgen durch den Wert für die Gesamtbevölkerung von 331, dann erhält man ein Aktivitätsniveau der Alterklasse relativ zur Gesamtbevölkerung von 115%. Dieses Niveau habe ich für jede der Straftaten und Alterklassen errechnet.
Interessant finde ich zum Beispiel, dass Kinder relativ seltener bei fahrlässiger Körperverletzung auffällig werden (z.B. 48 % bei 12 bis 13-jährgen). Wenn man sich die absichtlichen (vorsätzlichen) Fälle anschaut, liegen die 12 bis 13-jährgen darüber (115%). Bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung steigt das Niveau noch weiter an.
Ehe man nun mit der Verteuflung anfängt: sie liegen immer noch unterhalb des Niveaus aller Altersklassen darüber bis inklusive der 25 bis 30-jährigen.
Natürlich interessieren mich hier besonders die Werte aus dem Bereich der Sexualstraftaten. Hier eine entsprechende Übersicht zu ausgewählten Straftaten mit Sexualitätsbezug:

Für den sexuellen Missbrauch von Kindern liegen das Aktivitätsniveau der 10 bis 11-jährigen bei 89% des durchschnittlichen Aktivitätsniveaus der Gesamtbevölkerung. Bei den 12 bis 13-jährigen liegt der Wert 328%, bei 14 bis 15-jährigen bei 646%, bei 17 bis 18-jährigen bei 434%. Danach geht der Wert dann für Heranwachsende auf 225% zurück und bleibt für höhere Altersklassen bei etwa 120%. Er sackt dann im Bereich der 50 bis 60-jährigen auf 59% und für die noch älteren auf 24% ab. Die Fallzahlen der 8 bis 9-jährigen (65%) liegt etwa auf dem Niveau der 50 bis 60-jährigen.
Eine ähnliche Beobachtung kann man auch bei den anderen Straftaten mit Sexualbezug ablesen. Im Grunde sieht man hier wohl vor allem, wie sich die Libido bzw. das sexuelle Interesse im Laufe des Lebens ändert.
Schaut man sich die Prozentzahlen an, kann man leicht erkennen, dass durch die Bank bei allen dargestellten Straftaten die höchste Aktivität bei den 12 bis 13-jährigen, den 14 bis 15-jährigen und den 16 bis 17-jährigen zu verzeichnen ist.
Mich verwundert das kein bisschen. Dieses Segment der Bevölkerung ist pubertäts-bedingt das sexuell aktivste und fällt deshalb natürlich auch am häufigsten auf.
Mit der sexuellen „Unschuld“ der Kinder ist es jedenfalls nicht weit her, auch nicht wenn man die offiziellen Zahlen zu den Tatverdächtigen-Statistiken des BKA heranzieht. Schon 10 bis 11-jährige sind da bereits nahe am Niveau der Gesamtbevölkerung. Danach kommt es zu einem fast schon exponentiellen wirkenden Anstieg des sexuellen Interesses und der „Auffälligkeiten“ mit Spitzenwerten bei den 14 bis 15-jährigen. Erst nach der Heranwachsendenphase (Altersklasse 18 bis 20) wird ein „Normallevel“ erreicht.
Schauen wir uns nun die Werte für Pornographiedelikte an:

Man kann erkennen, dass die Herstellung (!) von Kinder- und Jugendpornographie vor allem ein Kinder- und Jugendverbrechen ist. Wahrscheinlich handelt es sich überwiegend um „Selbstportraits“. Die Hürden sind denkbar niedrig. Mehr als sexuelles Interesse und ein Smartphone braucht es dazu nicht.
Die pädoaktivistische Seite Krumme13.org berichtete dazu bereits vor ein paar Tagen:
Auch in diesem Jahr wird an der polizeilichen Kriminalstatistik(PKS) wieder deutlich, dass auch immer mehr Kinder & Jugendliche von sich selbst „Kinderpornos“ herstellen und verbreiten. Die Kriminalisierung der Kids schreitet weiter voran. Hausdurchsuchungen bei der Eltern sind stets die furchtbaren Folgen. Die Kids von heute sind keine sexuallosen Wesen, die nicht wissen, was sie wollen. Kinder, die von sich selbst „Kinderpornos“ herstellen, können sich dabei nicht selbst vergewaltigen. Sie können dabei auch nicht an ihrem eigenen Körper sexuell übergriffig werden. Erst Recht gilt dies für Jugendliche.
Aus dem Artikel „Kriminalstatistik 2019 veröffentlicht“
Die Herstellung von Kinderpornographie mit Verbreitungsabsicht (!) kommt bei 8 bis 9-jährigen 3,16-mal, bei den 10 bis 11-jährigen 5,14-mal, bei 12 bis 13-jährigen 14,53-mal (!) und bei 14 bis 15-jährigen 3,52-mal so häufig vor wie in der Gesamtbevölkerung.
Die Herstellung von Jugendpornographie mit Verbreitungsabsicht kommt bei 14 bis 15-jährigen fast 20-mal (!) und bei 16 bis 17-jährigen 9,32-mal so häufig vor wie in der Gesamtbevölkerung.
Auch Cybergrooming (vorherige Tabelle, dort die Zeile „Einwirken auf Kinder § 176 Abs. 4 Nr. 3 und 4 StG“) ist ganz entschieden vor allem eine Straftat von Kindern ab 12 (641%), Jugendlichen (960%) und Heranwachsenden (606%).
Ein paar Schlussfolgerungen dazu:
1) Die Gesetze, die Kinder und Jugendliche schützen sollen, treffen Kinder und Jugendliche überproportional häufig.
Aus meiner Sicht, bedeutet das nicht, dass man spezielle Straf- und Erziehungskonzepte für auffällig gewordene Kinder und Jugendliche benötigt, sondern dass kinder- und jugendtypisches Verhalten, das nicht strafwürdig ist, nach aktuellem Gesetz unter Strafandrohung steht. Hier gibt es Korrekturbedarf.
Die Herstellung von kinder- oder jugendpornographischen Schriften sollte für Kinder und Jugendliche straffrei sein. Die eigene Verbreitung eines kinder- oder jugendpornographischen Selbstportraits sollte ebenfalls von Strafe befreit sein.
Bei sexuellem Missbrauch von Kindern (inkl. Cybergrooming) sollte es eine Altersdistanzklausel von drei oder vier Jahren geben, die bewirkt, dass sich zum Beispiel ein 14-jähriger, der einvernehmlichen Sex mit einem 12-jährigen hat, nicht mehr strafbar macht.
2) Schon 12 bis 13-jährige haben ganz offensichtlich regelmäßig ein intensives sexuelles Interesse.
Wer sich für etwas interessiert, ist typischerweise entwicklungsgemäß auch reif genug, um auf dem betreffenden Gebiet Erfahrungen zu sammeln. Das Lebensrisiko, dass dabei nicht jede Erfahrung zwingend positiv sein muss, muss man in diesem Fall hinnehmen.
Kinder haben Rechte und zu diesen Rechten gehört auch das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung also das Recht „ja“ oder „nein“ zu sagen. Eine Verkürzung auf das Recht, „nein“ zu sagen, ist für jemanden, der sich bereits intrinsisch motiviert für sexuelle Handlungen interessiert, nicht hinnehmbar.
Eine Anerkennung des Rechts des Kindes, „ja“ zu sagen, bedeutet dabei noch nicht, dass man willentlich einvernehmlichen Sex zwischen Kindern und Erwachsenen deshalb zwingend legalisieren muss. Es gibt schließlich zwei Beteiligte und es ist möglich, eine Pflicht des Erwachsenen zu postulieren, in diesem Fall „nein“ zu sagen, auch wenn er eigentlich gerne „ja“ sagen würde.
Die Pflicht, auf ein „ja“ mit einem „nein“ zu antworten, wäre dann aber ein schwerwiegender Eingriff in die sexuelle Selbstbestimmung des Erwachsenen UND des Kindes. Er müsste daher sehr gut begründet sein. Es müsste dafür wissenschaftlich nachweisbar sein, dass ein willentlich einvernehmlicher sexueller Kontakt eines Kindes mit einem Erwachsenen ein Kind mit signifikant höherer Wahrscheinlichkeit belastet, als ein willentlich einvernehmlicher sexueller Kontakt mit einem anderen Kind.
Eine Pflicht, eines Kindes (oder eines beinahe-Kindes) auf ein „ja“ eines anderen Kindes mit einem „nein“ zu antworten, kann es dagegen nicht geben. Einem Erwachenden gegenüber mag das bei guter sachlicher Begründung noch zumutbar sein. Dieselbe Anforderung an ein Kind zu stellen, wäre unverhältnismäßig.
Zumindest die Schutzwirkung einer tatbestandsauschließenden Alterdistanzklausel ist daher überfällig. In Österreich und der Schweiz gibt es bereits entsprechende Regelungen. Deutschland sollte nachziehen.
Beispiel für eine solche Klausel (aus Artikel 187 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs):
Die Handlung ist nicht strafbar, wenn der Altersunterschied zwischen den Beteiligten nicht mehr als drei Jahre beträgt.
3) Wenn Kinder offensichtlich mit 10 und 11 Jahren schon annähernd auf dem sexuellen „Auffälligkeitsniveau“ der Gesamtbevölkerung liegen (z.B. bei Verbreitung pornographischer Schriften auf einem Niveau von 95%) und Kinder von 12 und 13 Jahren das „Auffälligkeitsniveau“ der Gesamtbevölkerung deutlich übertreffen (z.B. bei Verbreitung pornographischer Schriften auf einem Niveau von 579%), dann erscheint das aktuelle, starre Schutzalter von 14 Jahren als zu hoch.
Das mit dem Schutzalter geschützte Rechtsgut ist die „von vorzeitigen sexuellen Erlebnissen ungestörte Gesamtentwicklung des Kindes“.
Vorzeitig ist, was von außen aufgedrängt wird, bevor es ein eigenständiges intrinsisches sexuelles Interesse gibt. Hiervon kann spätestens in der Altersklasse der 12 bis 13-jährigen wohl keine Rede mehr sein.
Wer aus „entwicklungspsychologischen Gründen“ dennoch eine erst spätere sexuelle Reife postuliert, die das Kind erst später zur Ausübung seines sexuellen Selbstbestimmungsrechts befähigt, muss es aushalten, wenn wissenschaftliche Beweise für seine These verlangt werden. Eine lediglich von Moralvorstellungen getragene Meinung oder Theorie reicht zur Rechtfertigung eines schwerwiegenden Grundrechtseingriffs nicht aus.
Sprüche und Weisheiten …
Größe entsteht zunächst – und immer – aus einem Ziel, das außerhalb des eigenen Ichs gelegen ist. Sobald man den Menschen in sich selber einschließt, wir er arm. Sobald er nur für sich da ist.
Antoine de Saint-Exupéry
Gute Frage … (sichtbar sein – aber wo?)
Vorurteile überleben nicht immer die Begegnung mit der Wirklichkeit.
Einem Muslim, einem Asylanten, einem Homosexuellen oder einem Transsexuellen kann man im wirklichen Leben begegnen. Und dann stellt man vielleicht fest, dass die Person nicht oder jedenfalls nicht so ganz in das Bild passt, das man sich von ihr gemacht hat. Sie ist dann eben die Ausnahme. Das ändert nichts am Vorurteil, weicht es aber vielleicht doch ein wenig auf.
Wenn man dann der dritten, fünften oder zehnten Ausnahme begegnet ist, wird das eigene Erleben langsam wichtiger als das fremdvermittelte Bild an dem man sich bis dahin orientiert hat. Und wenn man genug Menschen kennenlernt hat, bestehen gute Chancen, dass sich die eigene Erfahrung der Wirklichkeit annähert.
Das vermittelte Bild vom Pädophilen ist der gewalttätige oder manipulative in jedem Fall aber egoistische, triebhafte und böse Kinderschänder. Pädophile und vermeintliche Pädophile „kennt“ man nur aus Nachrichten über Missbrauchstaten und die Massenmarkt-taugliche Verarbeitung in Krimisendungen. Das Bild speist sich also vor allem aus echten und erfundenen Verbrechen gegen Kinder, die nicht notwendigerweise von Pädophilen begangen wurden, ihnen in der Regel aber zugeschrieben werden. Die Mehrzahl der Täter sind in Wirklichkeit Ersatztäter.
Entkräftet werden kann dieses Bild nicht. Man begegnet ja keinen Pädophilen. Oder richtiger: man begegnet zwar Pädophilen, erkennt sie aber nicht als solche. Man kann schließlich niemandem die Pädophilie an der Nasenspitze ansehen und Pädophilie ist so stark geächtet, dass niemand sich freiwillig dem Risiko aussetzt, sich als Pädo zu erkennen zu geben.
Orte, wo man Pädophilen zumindest virtuell begegnen könnte, etwa auf Selbsthilfeforen wie dem Jungsforum, auf Seiten von Aktivisten wie K13 Online oder auf meinem Blog, ziehen Normsexuelle nicht an und die meisten, die zufällig darauf stoßen, wenden sich sofort wieder ab, ohne sich mit dem Vorgefundenen auseinander gesetzt zu haben.
Einerseits empfinden viele Normsexuelle diese sexuelle Orientierung als abstoßend, andererseits kann die Befürchtung aufkommen, dass man allein durch den zufälligen Besuch einer pädophilen bzw. pädofreundlichen Webseite selbst in den Verdacht geraten könnte, pädophil zu sein – und aufgrund dieses Verdachts geächtet zu werden oder Besuch von der Polizei zu bekommen.
Auch bei frei zugänglichen und inhaltlich völlig legalen Angeboten beschränkt sich die Leserschaft pädophiler Internetseiten daher im Wesentlichen auf Pädophile.
Wenn man als Pädophiler trotzdem ein wenig an den Vorurteilen rütteln will, bedeutet das meines Erachtens, dass man dahin muss, wo man vor allem Normsexuelle erreicht und wo man sich pseudonym als Pädo outen kann, ohne dass man deshalb rausgeschmissen oder geblockt wird.
Wohin könnte man da gehen? Gute Frage …
Die Antwort – jedenfalls eine mögliche Antwort – ist gutefrage.net.
gutefrage.net (Eigenschreibweise: gutefrage) ist eine digitale Frage-Antwort-Community, nach Zahlen die größte ihrer Art im deutschsprachigen Raum. Ziel der Plattform ist es, praktische Ratschläge, persönliche Erfahrungen, Wissen und Meinungen kostenfrei zwischen den Nutzern zu vermitteln. Der Austausch auf gutefrage.net ist, sofern gesetzeskonform, nicht themenlimitiert und kann entsprechend zu allen Bereichen des täglichen Lebens stattfinden. (…)
Die Internetplattform dient Fragestellern dazu, von anderen Nutzern Antworten auf individuelle Fragen zu erhalten. Diese können nach einem persönlichen Rat oder einer persönlichen Erfahrung fragen, Diskussionen anstoßen oder lexikalischen Charakter haben. Sowohl Fragen als auch Antworten lassen sich nach einer Registrierung unlimitiert einstellen.
Die Vergabe von Themen/Schlagworten (Social Tagging) erleichtert das Auffinden von Fragen und Antworten. Registrierte Nutzer können einzelne Themen abonnieren und somit Fragen zu diesen Themen per Mail sowie in ihrem persönlichen Fragen-Feed erhalten.
Als Content Farm besteht der Inhalt der Seite größtenteils aus User-Generated-Content. Beiträge der Nutzer werden dabei durch ein internes System der Punktevergabe (Gamification) belohnt, welches auf Bewertungen durch andere Nutzer beruht. (…)
Neben der Contentproduktion haben die Nutzer die Möglichkeit, sich untereinander zu vernetzen, über private Nachrichten zu kommunizieren und Beiträge aller Art zu bewerten. Fragesteller haben zudem die Option, unter den Antworten auf ihre Frage die hilfreichste auszuzeichnen. (…)
Auf gutefrage.net wird nach formalen Richtlinien moderiert. Eine inhaltliche Moderation findet mit wenigen Ausnahmen nicht statt.
Aus dem Wikipedia-Artikel Gutefrage.net
Ich habe mich vor etwas über einem Jahr auf Gutefrage.net als Schneeprinz angemeldet (Schneeschnuppe war leider nicht verfügbar). Bisher habe ich 67 Antworten eingestellt, überwiegend zu den Themenbereichen Pädophile und Kindesmissbrauch. Zum Teil habe ich dabei auch Abschnitte aus Blogartikeln wiederverwendet oder auf Blogartikel verlinkt. Im Unterschied zum Blog sind meine Leser dort aber ganz überwiegend Normsexuelle.
Hier ein paar aktuelle Beispiele:
Frage von DasPferdechen:
Was sagst du zu dieser Aussage (Pädophilie)?
„Da es Kinder gibt, die durch sexuelle Handlungen mit Erwachsenen gar nicht schwer traumatisiert werden, sollte Sex mit Kindern grundsätzlich legalisiert werden. Sexueller Missbrauch soll aber trotzdem verboten bleiben.“
Ich persönlich bin absolut gegen diese Aussage aus verschiedenen Gründen und würde gerne eure Argumentation dazu hören.
Meine Antwort dazu (85 mal gelesen, von 5 Personen als „hilfreich“ markiert und 2 mal mit einem „Danke“ bedacht):
Für mich wäre das wesentliche, dass sexueller Missbrauch weiterhin strafbar bleibt.
Wenn es keinen sexuellen Missbrauch gab (also: willentliches Einverständnis, keine Gewalt, keine Nötigung, keine Drohungen, keine Ausnutzung eines Abhängigkeitsverhältnisses, kein Inzest) und keine Schädigung erkennbar ist (keine Traumatisierung) wäre der Resttatbestand aus meiner Sicht nicht strafwürdig.
Es stellt sich für mich dann die Frage, ob in Hinblick auf den Resttatbestand überhaupt noch ein legitimer Schutzzweck erfüllt wird. Moralvorstellungen haben im Sexualstrafrecht eigentlich nichts verloren. Es geht um den Schutz von Rechtsgütern vor einer Beeinträchtigung (sexuelle Selbstbestimmung) und vor einer Gefährdung (Ungestörte sexuelle Entwicklung).
Bei Fehlen von Missbrauchstatbeständen UND willentlichem Einverständnis UND Abwesenheit von Beeinträchtigungen / Schäden kann man von einem Verstoß gegen die sexuelle Selbstbestimmung nicht mehr reden. Allerdings kann man durch die Tat eine abstrakte Gefährdung der sexuellen Entwicklung annehmen, die dann strafbar sein kann, ohne dass sich die Gefährdung tatsächlich realisieren muss.
Dem steht entgegen, dass durch ein lediglich auf abstrakten Gefährungsüberlegungen beruhendes Verbot die sexuelle Selbstbestimmung des Kindes eingeschränkt wird. Wenn Kinder Rechte haben (was ja neuerdings durch Politiker aller Parteien überwiegend bejaht wird), dann muss man diese Rechte auch ernst nehmen und eine Ausübung der Rechte akzeptieren, die einem nicht in de kram passt und die man anstößig findet.
Aus meiner Sicht wäre es wünschenswert, wenn es mehr Forschungen zu den Wirkung (auch Spätwirkungen) von sexuellen Kontakten gäbe. Dies ist bereits wichtig, um die bestmögliche Behandlung von Schäden bzw. Versorgung von Opfern zu gewährleisten, sollte aber auch Erkenntnisse in Hinblick auf die Haltbarkeit des abstrakten Gefährungstatbestandes liefern.
In anderen Bereichen haben sich vermutete (oder vorgeschobene) abstrakte Gefährdungen bereits als wissenschaftlich haltlos erwiesen (Verführungstheorie zur Homosexualität). Das bedeutet nicht, dass er sich an anderer Stelle zwangsläufig ebenfalls als haltlos erweisen muss. Wenn man hierzu wissenschaftliche Erkenntnisse hätte, wäre das aber durchaus bedeutsam, auch für die strafrechtliche Würdigung.
Wenn man die Existenz nicht oder weniger strafwürdiger Fälle bejaht, wäre es meines Erachtens sinnvoll, zur Vermeidung unbilliger Härte z.B. einen „minder schweren Fall“ einzuführen.
Wenn z.B. Staatsanwalt und Richter der Auffassung sind, dass es zwischen den Beteiligten ein Liebesverhältnis gab, macht die Bestrafung aus meiner Sicht keinen Sinn und ist sogar schädlich.
Wenn man meint, dass es solche Fälle ohnehin nicht gibt, kann man die Möglichkeit von einer Bestrafung in diesem Fall abzusehen, zulassen, da sie in der Praxis ohnehin nie greifen würde also auch niemandem den Schutz entzieht.
Wenn man es für möglich hält, dass es solche Fälle tatsächlich gibt, sollte man sich Gedanken darüber machen, wie man dieser Wirklichkeit besser gerecht werden kann als es mit dem heutigen Strafrecht möglich ist.
Disclaimer
Ich bin pädophil, bzw. päderastisch veranlagt und fühle mich zu Jungen im Alter von ca. 10 bis 14 Jahren hingezogen. Ich bin weder übergriffig geworden, noch sehe ich die Gefahr einmal übergriffig zu werden.
Wenn jemand meint, dass meine Gedanken bereits dadurch entwertet werden, dass man mir ein Eigeninteresse unterstellt, muss ich das in Kauf nehmen.
Ich hoffe, dass es trotzdem möglich ist, die Argumente zum Thema sachlich abzuwägen und zu diskutieren. Es kommt nicht darauf an, was ich mir vielleicht wünsche oder was ein anderer ekelig und unmoralisch findet, sondern darauf, wie man den Menschen am besten gerecht wird.
Als weiteres Beispiel eine Frage von Alien94:
Sexueller Missbrauch, Schutzalter und Psychologie?
TRIGGERWARNUNG: Wer selbst Erfahrungen mit sexueller Gewalt machen musste, muss damit rechnen, dass es in der Frage Trigger gibt.
Laut 176 StGB liegt das Schutzalter in Deutschland bei 14 Jahren. Jetzt kann man sich freilich fragen, ob dieses spezielle Alter auf einer wissenschaftlichen Basis fußt.
Gibt es psychologische Studien, die sich mit der Frage nach dem „richtigen“ Schutzalter befassen? Falls ja, bitte einen Link oder eine Buchquelle etc. posten, falls es sowas gibt 🙂
Vielleicht auch nur indirekt? Dass z.B. untersucht wird, wie schlimm die psychischen Folgen in Relation zum Alter sind. In Relation zum Verhältnis zum Täter. Zu Persönlichkeitseigenschaften des Opfers. Zum Umfeld des Opfers.
Denn ich als Laie kann mir nur schwer erklären, wieso die Unterschiede in den Folgen für die Opfer so unterschiedlich sind. Im Grenzbereich unseres Schutzalters (12-15) fällt es mir aus ethischer (nicht: rechtlicher) Sicht oft schwer zu sagen, ob das jetzt ein Missbrauch war oder nicht. Im Grenzbereich verschwimmt alles.
Da wäre halt die Psychologie am Zug, um auf wissenschaftlicher Basis festzustellen, unter welchen Konstellationen Traumata entstehen und unter welchen nicht.
Je nach Ergebnis sollte das Schutzalter erhöht, gesenkt oder flexibilisiert werden. Das gleiche gilt für das Strafmaß.
Ich hoffe, es wird deutlich was ich meine.
Danke für eure Antworten 🙂
Meine Antwort dazu (196 mal gelesen, 2 mal „hilfreich“, 1 mal „Danke“, 26 Kommentare):
Es gibt eine Reihe von Studien, die nahelegen, dass es sich bei sexuellen Kontakten mit Minderjährigen nicht immer um sexuelle Gewalt handelt. Einige Beispiele:
1) Studie „Sexualität, Gewalt und psychische Folgen“, erschienen in der Forschungsreihe des BKA, Band 15, aus dem Jahr 1983, von Michael Baurmann
Die Studie ist sehr umfangreich und umfasst 791 Seiten. Das Literaturverzeichnis umfasst 52 Seiten mit ca. 500 Autoren und Quellenangaben. Die eigentliche Studie besteht aus einer viktimologischen Untersuchung von 8.058 Opfern von Sexualdelikten. Ausgangspunkt der viktimologischen Untersuchung war eine vierjährige Fragebogenaktion (1969-1972) bei nahezu allen Sexualopfern, die im Bundesland Niedersachsen bei der Polizei bekannt wurden.
Ich habe diese Studie hier besprochen und umfangreich daraus zitiert.
2) Studie „The prevalence of unwanted and unlawful sexual experiences reported by Danish adolescents: Results from a national youth survey in 2002“ (= Die Prävalenz unerwünschter und ungesetzlicher sexueller Erfahrungen, die von dänischen Jugendlichen gemeldet werden: Ergebnisse einer nationalen Jugendstudie aus dem Jahr 2002).
Die Studie basiert auf multimedialen, computergestützten, selbstverwalteten Fragebögen, die von einer nationalen, repräsentativen Stichprobe von 15- bis 16-Jährigen ausgefüllt wurden (5.829 Teilnehmer).
Ich habe diese Studie hier besprochen.
Link zur Studie im Volltext.
3) „A meta‐analytic review of findings from national samples on psychological correlates of child sexual abuse“ von Rind, Tromovitch (1997)
Metaanalyse von 7 nationalen Studien mit insgesamt 8.500 Teilnehmern. Auf der Grundlage der Ergebnisse kamen die Autooren zu dem Schluss, dass der allgemeine Konsens, der Kindesmissbrauch mit intensivem, allgegenwärtigem Schaden und langfristiger Fehlanpassung in Verbindung bringt, falsch ist.
Link zur Studie im Volltext.
4) Meta-Analyse von Rind, Tromovitch, Bauserman „A Meta-Analytic Examination of Assumed Properties of Child Sexual Abuse Using College Samples“ (1998)
Metaanalyse von 59 Studien (36 veröffentlichte Studien, 21 unveröffentlichte Doktorarbeiten und 2 unveröffentlichte Masterarbeiten) mit einer Gesamtstichprobengröße von 35.703 Hochschulstudenten (13.704 Männer und 21.999 Frauen).
Die Ergebnisse der Meta-Analyse zeigten, dass Studenten, die Kindesmissbrauch erlebt hatten, im Vergleich zu anderen Studenten, die keinen Kindesmissbrauch erlebt hatten, etwas weniger gut angepasst waren, aber dass das familiäre Umfeld einen bedeutenden Störparameter (Confounder) darstellte, der für den Zusammenhang zwischen Kindesmissbrauch und Schaden verantwortlich sein könnte. Intensive, allgegenwärtige Schäden und langfristige Fehlanpassung waren in den meisten Studien eher auf Störparameter (Confounder) als auf den sexuellen Missbrauch selbst zurückzuführen (obwohl Ausnahmen für Missbrauch mit Gewalt oder Inzest festgestellt wurden).
Link zur Studie im Voltext.
5) „Reactions to First Postpubertal Male Same-Sex Sexual Experience in the Kinsey Sample: A Comparison of Minors With Peers, Minors With Adults, and Adults With Adults“ von Rind und Welter (2016)
Link zur Studie im Volltext
Grundlage der Studie ist der Original-Datensatz mit allen befragten Jungen und Männern der Kinsey-Studie (ohne die Gefängnisinsassen, 6.621 Personen). Davon wurden all jene 1.094 Personen berücksichtigt, für die Daten zur ersten postpubertären gleichgeschlechtlichen sexuellen Erfahrung und dem Alter des Partners vorlagen.
Als postpubertär wurden jene Menschen angesehen, die bereits ihre erste Ejakulation hatten. Das Durchschnittsalter bei der Pubertät betrug 12.62 Jahre und reichte von 8 bis 18 Jahre.
Die Menschen wurden damals gefragt, ob sie ihre erste sexuelle Erfahrung genossen haben. Es gab diese Antwortmöglichkeiten: 1=nein, 2=ein bisschen, 3=etwas, 4=sehr („1=no; 2=little; 3=some; 4=much“).
Minderjährige unter 18 Jahren mit Erwachsenen (mittleres Alter: 14,0 bzw. 30,5 Jahre) reagierten häufig (70%) positiv (dh genossen die Erfahrung „sehr“) und selten (16%) emotional negativ (z. B. Angst, Ekel, Scham, Bedauern). Diese Quoten waren die gleichen wie bei Personen, die ihre erste gleichgeschlechtliche sexuelle Erfahrung als Erwachsene mit anderen Erwachsenen hatten (mittleres Alter: 21,2 bzw. 25,9): 68% positiv bzw. 16%. negativ.
Minderjährige mit Gleichaltrigen (mittleres Alter: 13,3 bzw. 13,8 Jahre) reagierten signifikant häufiger positiv (82%) und nominell weniger häufig negativ (9%).
Minderjährige mit Erwachsenen reagierten ebenso häufig (69%) positiv auf Geschlechtsverkehr (oral, anal) wie auf Outercourse (Körperkontakt, Masturbation, femoral) (72%) und reagierten emotional signifikant seltener negativ (9% gegenüber 25%).
Die Ergebnisse werden in Bezug auf den kulturellen Kontext diskutiert, der für Kinseys Zeit spezifisch ist.
6) Ich habe mich hier eingehend mit der Frage des „informed consent“ auseinandergesetzt.
Als letztes Beispiel eine Frage von Nico888235:
Pädophile oder zwangsgedanken??
Hallo, ich bin männlich 14 Jahre alt und habe seit 2 Monaten Angst Pädophile zu sein ich stand immer auf gleichaltrige oder ältere aber seit dem habe ich Angst das es nicht mehr so ist, wen ich ein Kind sehe ist es unangenehm ich finde es irgendwie ecklig, aber wen es mir gut geht sind die gedanken weg, ich habe mal ein porno angeschaut mit einer kleinen puppe kinder ähnlich um zu schauen ob mir das Gefällt und habe mich darauf befriedigt aber es war irgendwie unangenehm, und das hab ich nur einmal gemacht, bin ich jetzt Pädophile?
Meine Antwort (23 mal gelesen, 1 „hilfreich“, 1 Kommentar):
Da du bisher immer auf gleichaltrige oder ältere gestanden hast, halte ich es für extrem unwahrscheinlich, dass du pädophil bist. Normalerweise verschiebt sich die Alterspräferenz in der Pubertät nicht mehr nach unten. Sie bleibt wo sie ist oder wächst noch ein bischen mit.
So wie ich es verstehe hast du vor einiger Zeit eine sexuelle Erregung an dir bemerkt, die für dich nun auf eine pädophile Neigung hindeutet und dich in Angst und Schrecken versetzt.
Nur weil dich etwas erregt hat, sagt das nichts über deine primäre sexuelle Neigung aus. Vor allem ist Sexualität nicht binär. Man kann z.B. auch 90% heterosexuell sein und ganz selten (10%) doch einmal auf einen Mann / Jungen anspringen. Deswegen ist man dann nicht homosexuell. Man hat vielleicht eine homosexuelle Nebenader, aber das ändert dann nichts daran, dass man dann immer noch primär an weiblichen Wesen interessiert ist.
So ähnlich ist es auch mit dem Alter bzw. der sexuellen Alterspräferenz. Er gibt keine Männer, die sich erst punktgenau ab dem 18. Geburtstag für eine Frau interessieren. Die Augen sehen ja nicht zuerst den Pass.
Im Prinzip liegt unterliegt die altersmäßige Anziehung einer Normalverteilung. Wo der Höhepunkt der Kurve ist, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Er könnte Beispielsweise bei 20 Jahren liegen und 15 bis 25 wäre dann so etwas wie der Kernbereich der Alterspräferenz. Aber auch jüngere wären dann noch prinzipiell anziehend, selbst wenn sie nicht mehr im primären anziehenden Bereich liegen. Hinzu kommt: ältere machen sich jünger (auch 40jährige Frauen versuchen noch mit Kosmetiktricks als 25 durchzugehen) und jüngere machen sich älter (weil sie als erwachsen und reif gelten wollen) und ziehen sich erwachsen an, schminken sich etc.
Dass Männer duch 13jährige erregbar sind, ist vermutlich gar nicht so selten. Sehr viele Mädchen sind dann auch schon geschlechtsreif. Das Durchschnittsalter für die 1. Menstruation liegt bei 12.5 Jahren. Mit der Geschlechtsreife setzt naturbedingt auch das sexuelle Interesse der bereits geschlechtsreifen Exemplare der Spezies an. Das ist eben die Natur. Dass das in der Gesellschaft extrem verpönt ist, liegt an der kulturbedingten „künstlichen“ Verlängerung der Kindheit, die aber an den natürlichen Voraussetzungen nichts ändert.
Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte:
Wenn du bisher typischerweise auf Gleichaltrige oder Ältere angesprungen bist, dann ist der Höhepunkt deiner sexuellen Alterspräferenz genau da, wo er auch kulturell geduldet ist und als „normal“ gilt.
Das schließt aber eben nicht aus, dass du ausnahmsweise auch mal von jemandem sexuell angesprochen wirst, der außerhalb des Kernbereichs liegt. Ich denke so verhält es sich hier. Dass dich das so brutal aus der Bahn wirft, zeigt vor allem wie stark kulturelle Tabus wirken.
Falls dich meine rationalen Erklärungen alleine nicht überzeugen: Ich bin selbst pädophil (bzw päderastisch) veranlagt. Es wird dich nicht überraschen, dass ich auch mal 14 und in der Pubertät war. Ich kann dir versichern, dass ich mich nie zu Gleichaltrigen oder Älteren hingezogen gefühlt habe. Also auch aus eigener Erfahrung: so wie du dich schilderst, bist du nicht pädophil.
Mach dir nicht zu viele Sorgen.
Und wenn ich einen Wunsch für die Zukunft äußern darf: sei ein wenig gnädig, wenn es darum geht über Menschen zu urteilen, die eine abweichende sexuelle Orientierung haben. Sie haben es sich nicht ausgesucht. Und wie hart das sein kann, merkst du ja gerade selbst. Auch wenn es bei dir ganz bestimmt ein Fehlalarm ist, vielleicht hilft dir der Schreck ein wenig nachzuvollziehen wie es anderen geht, die wirklich so eine Sexualpräferenz haben und trotzdem mit ihrem Leben klar kommen müssen.
Der schon erwähnte eine Kommentar zu dieser Antwort war „Dankesehr wirklich“ und kam vom Fragesteller.
Die Beispiele zeigen, dass man Normsexuelle tatsächlich erreichen und pseudonym mit real existierenden Pädophilen konfrontieren kann. Nicht in großer Masse, aber doch zumindest einige Hundert. Das ist zwar immer noch nicht viel, aber bedeutend mehr als die ein oder zwei Normalos, die sich auf eine „Pädoseite“ verirrt haben oder dorthin gefunden haben, weil sie sich aus persönlichen Gründen für das Thema interessieren.
Ich bin übrigens keineswegs der einzige Pädophile oder Pädophilen-freundlich gesinnte Mensch, der gutefrage.net nutzt, um das überkommene Bild von Pädophilen ein wenig zurecht zu rücken. Es ist auch durchaus Platz für weitere Pädos verhanden. Ich finde, ein Blick auf diese Möglichkeit lohnt sich.