Definitiv Päderast

Als ich ein Junge war, wusste ich bereits, was ich fühle, hatte aber keinen Namen dafür.

Ich habe dann einfach den Hauptartikel zum Thema Sexualität in unserem Lexikon nachgeschlagen und bin den Querverweisen gefolgt. Ich bin mir leider nicht mehr ganz sicher, wie alt ich damals war. Vielleicht 12. Vielleicht auch bereits 14.

Im DTV Lexikon von 1982 hätte ich den folgenden Eintrag zur Päderastie finden können:

Päderastie [grch.], erotisch-sexuelle Beziehungen männl. Erwachsener zu Jugendlichen gleichen Geschlechts; Form homosexuellen Verhaltens.

Das ist doch etwas sehr dürftig. Zum Glück hatten wir zu Hause die Ausgabe von 1973. Die Stellen, die mir damals besonders relevant erschienen, habe ich hervorgehoben.

Päderastie [grch. >Knabenliebe<], die; die gleichgeschlechtliche Beziehung von älteren zu jüngeren Männern oder Knaben (→ Homosexualität).

Erhaltene Gesetzte beweisen, dass es gleichgeschlechtliche Verhältnisse zwischen Männern bei allen Völkern des Vorderen Orients gab. So wird im assyrischen Gesetzbuch der geschlechtl. Verkehr zwischen Männern mit Strafe bedroht; während bei den Hethitern anscheinend nur der Verkehr des Vaters mit dem Sohn verboten war. Im alten Iran wurde die P. von Zoroaster und der zoroastrischen Priesterschaft verfolgt und bekämpft.

Der strenge Standpunkt des A.T. erhellt aus 1. Mos, 19, 1-29; 3. Mos., 18, 22 und 20, 13; der des jüd. Gesetzes aus Sanhedrin VII, 4. In der christl. Kirche setzte sich die alttestamentl. Anschauung, unterstützt von Äußerungen des Paulus (Rom. 1, 26-27, 1. Kor. 6, 9-10), durch.

Über die P. Im Aten Orient wissen wir nur, dass es Kinäden (Tänzer) gab, die auch in gewissen Götterkulten auftraten und deren Namen geradezu gleichbedeutend mit pathicus (passiver Päderast) wurde.

Bedeutend mehr ist über die P. In der griech.-röm. Antike bekannt. Im alten Griechenland fand die Knabenliebe öffentl. Duldung und Förderung, ja Heiligung. Am ausgeprägtesten war sie bei den Doreren, wo sie mit dem Rittertum und der Organisation der Gesellschaft verknüpft war, Ethisches und sinnliches Moment standen gleichberechtigt nebeneinander. Auf Kreta pflegte der Liebhaber den Knaben mit Duldung der Familie zu rauben, um ihn zwei Monate lang in den ritterl. Künsten zu unterweisen; keinen Liebhaber zu haben galt als Schande. In Sparta war der Liebhaber der gesetzl. Vormund des Knaben. Auf der Insel Thera gefundene Felsinschriften beweisen, dass die sinnliche Knabenliebe gerade in den besten Kreisen sich in aller Öffentlichkeit vollzog, In Attika war die Knabenliebe mit Palästra und Gymnasium verbunden; Vasenbilder schildern das Liebeswerben der Männer um die Knaben, und nur die gewerbsmäßige Unzucht galt als schimpflich.

Die Römer übernahmen die gleichgeschl. Liebe teils von den Etruskern, teils von den Griechen. Gegenstand der Liebe war bei ihnen jedoch meist ein Sklave. Seit Justinian setzte sich aber die jüd. und christl. Auffassung von der Knabenliebe auch in der Gesetzgebung durch und behaftete die P. mit einem Makel.

Die hellenist. Überlieferung setzte sich im mittelalterl. und neueren Orient bis in die neueste Zeit fort. Trotz der Polemik der Geistlichkeit, die sich auf die in den Koran aufgenommene Lotgeschichte berief, pflogen nach dem Eindringen der Araber in die hellenist. Welt alle Stände der P. Ihr war auch die Lyrik, vor allem die pers. und türk. gewidmet (Attar, Iraki, Hafis). Gegenstand dieser Liebe waren neben freien Knaben und Jünglingen hauptsächl. die wegen ihrer Schönheit bekannten Sklaven osttürk. Herkunft. In Turkestan sind die Tänze der Tanzknaben, die von Liebhabern angeschwärmt werden, eine weitverbreitete Volksbelustigung. Die islam. Mystiker betrachten vielfach die Schönheit des Knaben oder Jünglings als Abglanz der Schönheit Gottes.

Das passte! In dieser Lexikon-Definition habe ich das, was ich fühlte, eindeutig wiedererkannt.

Daran, jemanden zu lieben, ist nichts schändlich. Das war mir schon damals völlig klar. Die abfällige Meinung des Christentums hat mich nicht sonderlich interessiert, was vielleicht auch damit zu tun hatte, dass Religion in meinem Elternhaus keine große Rolle spielte. Mein sehr religiöser Großvater war diesbezüglich eher ein abschreckendes Beispiel.

Nachdem ich den Lexikoneintrag gelesen hatte, war jedenfalls alles klar. Er hatte meine Frage zufriedenstellend beantwortet und die Antwort war für mich undramatisch. Ich konnte gut damit leben.

Die Schmerzen kamen erst später. Einerseits die Tantalosqualen des unglücklich Verliebten, der seinen unerreichbaren Traumjungen aus der Ferne anschmachtet. Andererseits das volle Bewusstsein der Verachtung der Gesellschaft. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich ja auch durchaus schon erzählt habe. Es handelt sich ja leider um ein Dauerthema.

Auch wenn es nach der ersten seelischen Erschütterung besser wird, bleibt die Verachtung und Stigmatisierung ein andauernder Druck, der auf die Seele eine ähnliche Wirkung hat, wie die ständige Belastung durch Bettlägrigkeit auf die Haut. Wenn man sich nicht darum kümmert, führt sie zum Wundliegen bzw. dazu, dass sich ein Druckgeschwür entwickelt. Das hört sich vielleicht immer noch eher harmlos an, aber das vergeht, wenn man „Dekubitus“ googelt und die Bildersuche bemüht.

Man behandelt den Druck am besten, durch Kontakt mit anderen Betroffenen z.B. in Selbsthilfeforen oder indem man sich im Abglanz der Schönheit Gottes sonnt. Ein besonderes Bild oder nettes Video kann manchmal schon ein wenig helfen. Aber ein Pädo blüht so wirklich auf, wenn er soziale Nähe zu Jungs erleben darf (bzw. zu Mädchen, wenn das die Geschlechtspräferenz ist). Das, was man gemeinhin unter Sexualität verbucht, ist keineswegs das Wichtigste.

Ich identifiziere mich auch heute noch mit der Idee der Päderastie. Sie beschreibt das Ideal des sinnlich begehrten Jungen, dem man heute ein Mentor ist und morgen ein lebenslanger Freund wird. In ihr verbinden sich Liebe und Verantwortung für einen jungen Menschen in einer für mich natürlichen Weise.

Im Grunde kann man sexuelle Anziehung nicht erklären. Irgendwann bemerkt man, dass sie da ist und sie hat dann etwas magnetisches. Dann dreht man sich um, um jemanden anzuschauen, den man normalerweise nicht weiter beachten würde. Für jemanden wie mich sind Jungen die schönsten Wesen der Welt.

Schönheit ist in gewisser Weise ultimativ subjektiv, es gibt aber auch einen für Menschen quasi allgemeingültigen Anteil. Es gibt gewisse Naturerlebnisse, die eigentlich jeder schön findet. Ein besonders beeindruckender Berg, ein malerischer See, Meeresbrandung auf Felsen, ein Sonnenuntergang oder die Zweige eines Baumes.

Ein Muster, dass eigentlich alle Menschen anspricht ist das Kindchenschema, also kindliche Proportionen, vor allem auch bestimmte Gesichtszüge, die als Schlüsselreiz wirken und Brutpflegeverhalten auslösen. Wer diese Züge aufweist wird für niedlich und oft auch schön gehalten. Brutpflege hat offensichtlich etwas Erfüllendes. Es gibt viele Haustierrassen, bei denen man den adulten Tieren jungtierhafte Züge angezüchtet hat. Und das betrifft oft nicht nur das äußere Erscheinungsbild, sondern auch das Verhalten, etwa einen ausgeprägten Spieltrieb.

Das für mich interessante Alter liegt bei ca. 10 bis 14 Jahren. Auch etwas jüngere Jungen finde ich bereits schön, aber noch nicht sexuell anziehend. Im unteren Bereich meiner Altersrange finde ich Jungen niedlicher und süßer. In diesem Bereich dominiert der Wunsch, die Jungen zu beschützen. Im oberen Bereich finde ich sie vor allem sexy. Der Wunsch den Jungen zu beschützen verschwindet nicht, aber das Begehren tritt in den Vordergrund. Wenn die Pubertät dann den optischen Sprung in Richtung Mann vollzieht, ist der Junge für mich auf einmal verwelkt. Jedenfalls äußerlich. Ein geliebter Mensch bleibt wichtig aber die Schönheit ist dahin und die Liebe ist anders als zuvor.

Innerhalb der für mich interessanten Altersgruppe tritt das sexuelle Begehren nie allein auf. Es gibt immer auch einen gewissen Anteil „Brutpflegeverhalten“. Die Anteile verschieben je nach Alter eines Jungen etwas, sie sind aber beide immer vorhanden. Und weil beides stets zusammenfällt, entspricht für mich das „natürliche Streben“ meiner sexuellen Ausrichtung dem Ideal der griechischen Päderastie, also dem eines Mentorenverhältnis, von dem ich mir wünsche, dass es sich nach dem Ausklingen des sinnlich-sexuellen Anteils in eine lebenslange Freundschaft wandelt.

Für Kinderschützer ist Päderastie dagegen ein rotes Tuch. Nicht nur weil sie eine positive Deutung und die Möglichkeit von Einvernehmlichkeit nahelegt bzw. zulässt. Es ist auch noch gerade die Ungleichheit der Beteiligten, die aus der Sicht heutiger Kinderschützer jeden Kontakt zu Gewalt macht, die den ethisch-sittlichen Wert der Päderastie stiftet. Ein Mentorenverhältnis unter Gleichen wäre nicht möglich. Päderastie wird deshalb oft wahlweise verleugnet und als Homosexualität umgedeutet oder als institutionalisierte Vergewaltigung hingestellt.

In Grunde ist es aber wie bei jeder Liebe. Derjenige, der geliebt wird, wird für den Liebenden zum wichtigsten Menschen der Welt. Er bekommt Aufmerksamkeit, Zuneigung, Liebe, Interesse, Zärtlichkeit, Verständnis, Hilfe, Unterstützung und Gemeinschaft.

Welchen Wert hat das?

Der Kinderpsychiater Paulus Hochgatterer glaubt, dass es einen ganz wichtigen prognostischen Faktor gibt, der etwas darüber aussagt, ob sich ein Kind gut entwickelt oder schwierig wird:

„One caring person“. Das ist eine Person, idealerweise eine erwachsene, bei der das Kind das Gefühl hat, dieser Mensch interessiert sich für mich, diesem Menschen bin ich wirklich ein Anliegen. Das kann ein Elternteil sein oder ein Großelternteil, das kann jemand in einer sozialpädagogischen Wohngemeinschaft sein, eine Tante oder ein Onkel. Es ist dabei überhaupt nicht wichtig, ob das ein Mann oder eine Frau ist.

Paulus Hochgatterer möchte das vermutlich nicht hören, aber es ist auch egal, ob der Erwachsene pädophil ist.

Egal wie skandalös man das finden mag: wer liebt und sich kümmert, ist gut genug.

3 Kommentare zu „Definitiv Päderast

  1. Gibt es Unterschiede zwischen Päderastie und Hebephilie?
    Ich weiß nur über die dargestellte Alterspräferenz im BoyWiki und die Informationen, die Päderastie dort hergeben, die du hier im Artikel auch erwähnst.
    Ich muss sagen, ich bin mit dem Begriff Hebephilie eigentlich schon für die Beschreibung meiner eigenen Identität mehr als zufrieden. Vor allem auch die Philie, die hervorgehoben wird, weil ich kein großes sexuelles Interesse im Sinne von Eindringen in andere Personen habe, wie ich kürzlich schonmal geschrieben hab.
    Jedoch scheinen Päderasten und Hebephile eine ähnliche Alterspräferenz zu haben. Aber ich wäre mit der Rolle des „Mentors“ nicht so ganz zufrieden. Sicherlich bin ich gebildet genug, um einem Jugendlichen das ein oder andere mehr auf seinen Lebensweg mitzugeben, aber als Mentor sehe ich mich vordergründig eigentlich nicht.

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    1. Aus meiner Sicht ist Päderastie ist ein Kulturphänomen und ein Beziehungstyp. Hebephilie ist eher ein „technischer Begriff“ für eine sexuelle Präferenz.

      Der Begriff Päderastie beschreibt die Beziehung zwischen einem Mann (oder älterem männlichen Jugendlichem) in der die sexuelle Beziehung und die Mentorenbeziehung zusammenkommen. Für die Beziehungen Mann – Mädchen, Frau – Junge oder Frau – Mädchen greift der Begirff historisch gesehen nicht. Daran angelehnt Beziehungen kann es aber selbstverständlich geben. Insofern wäre ich auch nicht für eine strikt historische Auslegung des Begriffs.

      Auch z.B. die Ehe ist ein Kulturphänomen und Beziehungstyp. Heterosexualität ist dagegen ein technischer Begriff“ für eine sexuelle Präferenz. Es gibt natürlich auch Heterosexualität jenseits der Ehe und Hebephilie jenseits der Päderastie.

      Ein Eindringen-lassen war in der klassischen Päderastie für den jüngeren Beziehungspartner verpönt. Es hätte bei Bekanntwerden seinem Ruf geschadet. Allerdings wird es natürlich trotzdem in der Praxis durchaus vorgekommen sein.

      „Vor allem auch die Philie, die hervorgehoben wird, weil ich kein großes sexuelles Interesse im Sinne von Eindringen in andere Personen habe“

      Also ich verbinde ich mit „philie“ überhaupt keine konkreten Sexualpraktiken. Der Begriff „philie“ schließt nichts ausdrücklich ein und schließt auch nichts ausdrücklich aus. Ich vermute, dass du Eindringen bei Pädophilie (also gegenüber Kindern vor Erreichen der Pubertät) als Sexualpraktik ausgeschlossen haben möchtest. In dem Wort Pädophilie ist dieser Ausschluß aber nicht enthalten.

      Ich bin jedoch insoweit bei dir, als ich der Ansicht bin, dass sich die Praktiken – soweit es zu solchen kommt – vor allem nach den Wünschen und Interesssen des Jüngeren richten sollten und zwar umso mehr, je jünger er ist.

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  2. „Ich vermute, dass du Eindringen bei Pädophilie (also gegenüber Kindern vor Erreichen der Pubertät) als Sexualpraktik ausgeschlossen haben möchtest. In dem Wort Pädophilie ist dieser Ausschluß aber nicht enthalten.“
    Ich glaube, dass ich mich nicht gut genug ausgedrückt habe. Du magst damit Recht haben, dass „philie“ konkrete Sexualpraktiken weder ein- noch ausschließt. Es geht mir aber nicht darum, die genannte Sexualpraktik des Eindringens ausgeschlossen haben zu wollen. Wenn es wirklich einvernehmlich ist und tatsächlich ohne Manipulation, ist da nun wirklich nichts bei. So viel zu meiner Meinung dazu.
    Was ich jedoch zum Ausdruck bringen wollte, ist, dass die „philie“ als griechisches Wort für „Freundschaft“ Sex nicht im Wort enthält, im Gegensatz zum Begriff der (Pädo- oder Hebe-) Sexualität. Daher bin ich mit dem Wort „philie“ sehr zufrieden, wenn es um die Bestimmung meiner eigenen Identität in der Präferenz geht. Denn wie gesagt, mir geht es nicht primär um Sex.

    „Ich bin jedoch insoweit bei dir, als ich der Ansicht bin, dass sich die Praktiken – soweit es zu solchen kommt – vor allem nach den Wünschen und Interesssen des Jüngeren richten sollten und zwar umso mehr, je jünger er ist.“
    Der Ansicht bin ich einfach nicht. Meine Meinung ist, dass die Wünsche und Interessen beiderseits gleich berücksichtigt werden sollten.

    War das jetzt verständlich?

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