Frommer Wunsch

Ich habe im Laufe der Zeit eine Reihe von Gedichten von Pantherion aufgesammelt, die er auf BL-Foren geteilt hat. Da das schon eine ganze Weile her ist, dürfte das meiste für die meisten unbekannt sein – und falls nicht, dann ist es hoffentlich ein freudiges Wiedersehen. 🙂

Frommer Wunsch
Pantherion

Will jemand sich an mir vergehen,
dann soll er bitte so aussehen:

Ein Junge von zwölf oder dreizehn Jahren,
am liebsten mit blonden, wallenden Haaren,
mit strahlenden Augen blau,
vielleicht auch grün oder grau.
Mit kecken roten Lippen
und unanständigen Blicken.
Ich denke, da würde ich nicken.

Will so jemand sich an mir vergehen:
Es möge geschehen!

Off-Topic Fundstück

Wenn man auf Youtube herumlungert, fällt einem ab und an auch mal etwas vor die Füße, was man so gar nicht erwartet hat und wonach man auch beim besten Willen nicht gesucht hat. Und manchmal stellt sich das dann auch noch als unerwartet gut und unterhaltsam heraus.

In diesem Sinne, hier der Auftritt von Edward Reid bei Britains’s Got Talent aus dem Jahr 2011. Ich wünsche viel Vergnügen. 🙂

Lichtinseln

Dass Pädos sich Bilder von Kindern anschauen, ist für Normalos gruselig bis verstörend. Erst recht, wenn man vielleicht eigene Kinder hat und deren Bilder irgendwo auf Facebook oder Flickr oder Instagram herumschwirren. Man kann sich dann ja nicht sicher sein, ob die Bilder der eigenen Kinder nicht auch von jemanden angeschaut oder sogar unaufgefordert im Internet geteilt werden. Das kann einem dann vielleicht sogar richtig Angst machen.

Ich schreibe hier für mich selbst, für andere Pädos aber auch für Normalliebende, die vielleicht zufällig über die Seite stolpern. Bei den Normalos würde ich mir natürlich wünschen, vielleicht ein paar Vorurteile über Pädos ausräumen zu können.

Trotzdem teile ich hier auch Videos und in Zukunft vielleicht hin und wieder auch mal Bilder von Jungs, die mir gefallen. Ich stoße damit ein glattes Drittel meiner „Zielgruppe“ sehenden Auges vor den Kopf. Warum?

Erstens, weil die Videos den restlichen zwei Dritteln meiner „Zielgruppe“ (anderen BLs und mir selbst) gefallen und zweitens, weil es ein Teil der Wahrheit ist. Wenn ich diesen Teil der Wahrheit verschleiere, was wird dann aus meiner Glaubwürdigkeit? Kein Mensch ist nur gut, ich selbst sicher auch nicht. Ich schlage mich lediglich so gut durch das Leben, wie ich es vermag.

Die Lichtpunkte, die ich auf meinem Bildschirm anschaue, tun niemandem weh, genauso wenig wie ich einem Jungen etwas für sein Leben Entscheidendes weggucken könnte, nur weil sich zufällig auf dem Bürgersteig unser Weg kreuzt.

Und es gibt ja auch einen tieferen Grund hinter diesem Teil der Wahrheit: wenn man sich nicht an der Sonne wärmen darf, muss es genügen, eine Kerze anzuzünden.

Ich brauche meine Lichtinseln. Sie halten mich über Wasser und helfen, das Leben erträglich zu machen – und in dem Moment, in dem ich hineinschaue, sogar schön.

Geteilt via headshotsfaceboys

Vom Hölzchen zum Stöckchen zum innersten Kern

Das Hölzchen

Pädophilie ist ein beliebtes, wiederkehrendes Thema für Tatorte und andere Kriminalserien. Selbstverständlich kommt der Pädo in der Regel nicht sonderlich gut weg. Pervers und abartig, rücksichtslos und gefährlich. In einem Krimi muss schließlich irgendwer über Leichen gehen.

Das trägt natürlich seinen Teil zum katastrophalen Bild bei, das sich die Öffentlichkeit von Pädophilen macht. Pädophile kennt man primär aus Nachrichten über Straftaten und aus Berichten über erfundene Straftaten in Büchern und Fernseh-Sendungen. Also gelten Pädophile als Täter. Als Kinderschänder. Als Zeitbombe.

Woher sonst könnte das Bild vom Pädophilen auch kommen? Es kennt ja niemand einen Pädophilen aus erster Hand.

Einem Schwarzen, einem Moslem oder einem Homosexuellen kann man durchaus im realen Leben begegnen und nicht selten stellt sich dann heraus, dass man sich ein falsches Bild von der Gruppe gemacht. So werden Vorurteile abgebaut. Wo eine Begegnung nicht stattfndet, werden Vorurteile konserviert und schaukeln sich potentiell sogar hoch. Es gibt zum Beispiel eine interessante Analyse der FAZ, die den Ausländeranteil der Wahlkreise und das Wahlergebnis der AfD gegenüberstellt. Ergebnis: AfD-Wähler kennen gar keine Ausländer.

Einem Pädo kann man nicht begegnen. Pädophilie ist so stark geächtet, dass Pädophile gezwungen sind, ihre Neigungen sogar im engsten Freundeskreis und in der Familie zu verheimlichen. Bei Bekanntwerden droht der soziale Tod, die vollständige gesellschaftliche Isolation bis hin zu Scheidung, Job- und Wohnungsverlust.

So bleiben neben Berichten über schlimme Gewaltverbrechen also Krimis eine zentrale Informationsquelle.

Meist schaue ich mir sowas gar nicht an, zumal ich ohnehin kein Freund von Krimis bin. So geschah es auch beim letzten Tatort, der am vergangenen Wochenende ausgestrahlt wurde. Allerdings bin ich auf einen Bericht über den Tatort auf Spiegel Online gestoßen, in dem der folgende Dialog wiedergegeben wird:

Kommissar Berg: „Der Typ könnte jeder sein. Durchschnittlicher Mann, der auf Teenager steht.“
Kommissarin Tobler: „Teenager ist eins der meistgesuchten Wörter auf Pornoseiten. Ich finds zum Kotzen: Erwachsene Männer, die nackte Mädchen gucken.“
Berg: „Es gibt auch erwachsene Frauen, die nackte Jungs angucken.“
Tobler: „Selten.“
Berg: „Na ja, ist das Reiz-Reaktions-Schema, die meisten Menschen finden junge Körper interessant.“
Tobler: „Na, dann finde ich unsere Biologie auch zum Kotzen.“

Das Stöckchen

Dieser Kommentar zeigt ein Grundproblem auf. Täter von pädokriminellen Straftaten sind in der Regel gar keine Pädophilen.

Davon gehen nach vorsichtigen Schätzungen etwa 90 % der sexuellen Missbrauchsfälle auf sogenannte regressive Täter zurück, deren primäre sexuelle Präferenz auf Erwachsene gerichtet ist. Aufgrund der leichten Verfügbarkeit von Kindern greifen sie zur sexuellen Befriedigung auf Kinder zurück. Man spricht deshalb auch von einem Ersatzobjekttäter. Der pädophile Typ folgt mit etwa 2 bis 10 % an zweiter Stelle und zählt zum sogenannten fixierten Typus.

Abschnitt Tätertypologie des Wikipedia-Artikels „Sexueller Missbrauch von Kindern

Trotzdem schrieb Spiegel Online (wie man an einem Änderungshinweis erkennen kann) in seinem Artikel zuächst von einem „pädophilen“ Täter. Dies wurde später korrigiert. Im Änderungshinweis wird erläutert, wie Pädophilie klinisch definiert ist und dass im Tatort sexueller Mißbrauch von Kindern thematisiert werde.

Beim Tatort-Täter handelt es sich also wohl um einen Ersatztäter, jemanden, der ein erfülltes Sexualleben mit einem erwachsenen Partner haben könnte, der aber zwecks Machtausübung oder Verfügbarkeit auf ein Kind zurückgegriffen hat. Aus meiner Perspektive ist das verwerflich und Ausdruck einer charakterlichen Schwäche.

Der Kern

Jemand, der ein Kind nicht wie ein Pädo wegen seiner Anziehungskraft, sondern als Ersatztäter wegen seiner Schwäche bevorzugt, wird das Kind viel eher schlecht und rücksichtslos behandeln (= missbrauchen), als dies ein Pädophiler tun würde, der sich in ein Kind verliebt: jemandem, in den man verliebt ist, möchte man nichts Böses.

Es gibt dann natürlich eine starke sexuelle Komponente, aber ein Pädophiler neigt so wenig zu Vergewaltigungen, wie der durchschnittliche hetero- oder homosexuelle Mann dies tut. Es gibt heterosexuelle Vergewaltiger und es gibt leider Gottes auch pädophile Vergewaltiger. Aber beides ist nicht die Regel, sondern die krasse Ausnahme.

Der Mensch auf den man fixiert ist, ist normalerweise der Angebetete. Ein Pädo würde den Jungen, für den er schwärmt so wenig etwas antun wollen, wie ein Gläubiger den eigenen Tempel niederzubrennen wünscht. Natürlich manipuliert auch ein Pädo den Menschen, in den er sich verliebt. Aber so wie andere Verliebte auch, indem er ihn umwirbt, nicht um ihn auszunutzen und zu schädigen, sondern weil er liebt und zurückgeliebt werden möchte.

Ein Junge, der in eine Beziehung mit einem Pädo gerät, hat gute Chancen sich geliebt zu fühlen. Weil er tatsächlich geliebt wird.

Deshalb muss es noch lange nicht zu einem sexuellen Kontakt kommen. Es gibt Pädophile, die Sex mit Kindern grundsätzlich ablehnen. Trotzdem kann es auch zu sexuellen Kontakten kommen, die ich persönlich nicht als Missbrauch einstufen würde.

Sex an und für sich ist etwas Schönes. Es gibt Jungen, die schwul sind und es gibt in der Pubertät auch eine Phase in der homosexuelle Praktiken insgesamt deutlich verbreiteter sind. Die Neugier und Experimentierfreude ist größer und es ist für die meisten Menschen auch aufregend und anregend begehrt zu werden.

Selbst wenn ein Junge nicht allzu interessiert an einem gleichgeschlechtlichen sexuellen Kontakt ist, ist die sexuelle Erregbarkeit im Jugendalter meist noch um einiges höher und auch flexibler als im Erwachsenenalter. Die sexuelle Komponente kann dann auch ein „Geschenk“ sein, dass den Jungen zwar selbst nicht freut, ihn nach seinem Gefühl aber auch nichts kostet und das er gerne gibt, weil er sich dem Älteren eng verbunden fühlt und weiß, dass es für den Beschenkten kostbar ist.

Ein freiwilliger und einvernehmlicher wiederholter Kontakt ist da nicht so abwegig, wie es vielleicht zunächst erscheinen mag.

Vielleicht ist er es aber doch. Denn zumindest der letzte Teil fußt nicht auf eigenem Erfahren, sondern lediglich auf Überlegungen, die mir plausibel scheinen und an denen ich mich festhalten kann in den vielen einsamen Nächten, die sich endlos aneinander reihen und aus denen mein Leben besteht.

Natürlich sehne ich mich danach einmal mit einem Menschen zärtlich und intim sein zu dürfen, der mich sexuell anspricht. Ich muss mir die Hoffnung bewahren, dass das irgendwann in meinem Leben möglich sein könnte, egal wie klein diese Hoffnung auch sein mag. Wenn es in meinem Leben schon keine Liebe gibt, muss ich mich wenigstens vom Traum der Liebe ernähren.

Der innerste Kern

Ist meine Pädophilie ein Schaden? Eigentlich nein. Ich weiß, was ich fühle und ich weiß, dass ich niemandem etwas Schlechtes will. Dass ich liebevoll und zärtlich sein würde, wenn ich es sein dürfte. Daran, dass ich es nicht sein darf, ist nicht meine Pädophilie schuld, sondern die Umstände einer Welt, in der Pädophilie keinen Platz hat. Aber eine Wunde ist sie doch. Wenn ich sachte drauf drücke, rollen die Tränen aus meinen Augen.

Somebody to love

Ich bin ein großer Fan von Queen und mag eigentlich alle ihre Lieder.

Das Lied „Sombody to love“ ist aber durch seinen Text noch einmal etwas Besonderes.

Der Protagonist leidet unter Einsamkeit und verzehrt sich verzweifelt nach jemanden, den er lieben kann. Er fühlt sich gefangen und ausgegrenzt und ruft Gott und die Welt an, jemanden für ihn zu finden, den er lieben kann. Die Sehnsucht wirkt überzeichnet und fixiert, aus einigen Zeilen trieft das Selbstmitleid. Aber welchem BL war noch nie zum Heulen zu Mute?

Und natürlich weiß der Protagonist letztlich auch selbst ganz genau, dass nicht ein anderer für ihn jemanden zum Lieben finden kann. Das muss jeder schon selbst erledigen.

Es geht im Lied um das, was wirklich wichtig ist: Jemanden, den man lieben kann. Nicht jemanden mit dem man Sex haben kann oder jemanden von dem man geliebt wird, sondern jemanden, den man lieben darf.

Hier noch eine auszugsweise Übersetzung der Lyrics:

Kann mir jemand jemanden finden, den ich lieben kann?
Jeden Morgen, wenn ich aufstehe, sterbe ich ein wenig.
Kann kaum auf meinen Beinen stehen.
Schau in den Spiegel und weine.
(…)
Kann mir jemand jemanden finden, den ich lieben kann?
Ich arbeite hart jeden Tag meines Lebens.
Ich arbeite, bis meinen Knochen schmerzen.
Am Ende des Tages nehme ich
mein hart verdientes Gehalt ganz alleine mit nach Hause.
Ich sinke auf meine Knie
und ich fange an zu beten.
bis die Tränen aus meinen Augen fließen.
Herr, kann mir jemand jemanden finden, den ich lieben kann?
(…)
Jeden Tag versuche ich es und versuche es und versuche es.
Aber jeder will mich herunterziehen.
Sie sagen, dass ich verrückt sei,
zu viel Wasser im Gehirn habe,
dass ich keinen gesunden Menschenverstand habe.
Ich habe niemanden mehr, an den ich glauben kann.
(…)
Kann mir jemand jemanden finden, den ich lieben kann?
Ich habe kein Gefühl, keinen Rhythmus.
Ich verliere einfach immer wieder meinen Beat.
Mir geht es OK, ich komm klar.
Ich werde keine Niederlage erleiden.
Ich muss nur aus dieser Gefängniszelle raus.
Eines Tages werde ich frei sein, Herr.
Finde mir jemanden, den ich lieben kann.
Finde mir jemanden, den ich lieben kann.
Finde mir jemanden, den ich lieben kann.
Finde mir jemanden, den ich lieben kann.
Finde mir jemanden, den ich lieben kann.
Finde mir jemanden, den ich lieben kann.
Finde mir jemanden, den ich lieben kann.
Finde mir jemanden, der ich lieben kann, lieben, lieben.
Finde mir jemanden, den ich lieben kann.
Finde mir jemanden, den ich lieben kann.
Irgendjemand, irgendjemand, irgendjemand, irgendjemand, irgendjemand,
Jemand soll mich finden.
Kann mir jemand jemanden finden, den ich lieben kann?
Finde jemanden für mich, irgendjemand, irgendjemand, irgendjemand, der mich liebt.
Finde mich, finde mich, finde mich, finde mich, finde mich, finde mich, finde mich, finde mich.
Jemanden zum Lieben.
Finde mich, finde mich, finde jemanden, den du lieben kannst. Finde jemanden, der dich liebt.
Wer auch immer, wo auch immer, finde für mich jemanden, den ich lieben kann, lieben, lieben!
Jemand finde mir, finde mir Liebe.

Kriminalisierung und Pathologisierung gehen Hand in Hand

Pädophilie ist gesellschaftlich geächtet. Handlungen im Umfeld pädophilen Begehrens sind umfassend juristisch unter Strafe gestellt, also kriminalisiert.

Aber so verhielt es sich nicht immer.

Pädophilie im Wandel der Zeit

Päderastische Beziehungen waren im antiken Griechenland, das immerhin gemeinhin als die Wiege der westlichen Zivilisation angesehen wird, allgemein praktiziert und institutionalisiert. Ein zentraler Aspekt einer päderastischen Beziehung war die pädagogische Zielrichtung. Der älteren Beziehungspartner, der Erastes („Liebender“) sollte dem jüngeren, in der Regel zwischen 12 und 18 Jahre alten Beziehungspartner, dem Eromenos („der geliebt wird“ bzw. „Geliebter“) zu „männlicher Tugend und sittlicher Tadellosigkeit erziehen“. Nach Platon bestanden die Ziele der Verbindung darin, „den Pais (Knaben) weise und gut zu machen, in Vernunft und der übrigen Tugend zu fördern, Bildung und die übrige Weisheit zu vermitteln“. Die sexuelle Komponente war als „Belohnung“ des Mentors für die Bildung und Erziehung des Jungen legitimiert. Der Ältere brachte Aufmerksamkeit, Zuneigung, Wissen, Erfahrung und Kontakte in die Beziehung ein und erhielt dafür Bewunderung und sexuelle Zuwendung.

Wichtigste Anbahnungsorte für päderastische Beziehungen waren die Palästra, der Sportplatz, sowie das Gymnasion, wo sich sich Männern Möglichkeiten boten, Kontakte zu einem Jugendlichen zu knüpfen und ihn mit Hilfe von Geschenken zu umwerben. Üblich waren insbesondere Tiergeschenke. Geld wurde zwar teilweise als Geschenk angeboten, eine Annahme durch den Jugendlichen galt jedoch als unehrenhaft. Umworben zu werden verlieh Status, keinen Verehrer zu haben, war ein Makel.

Dabei war Freiwilligkeit wesentlich. Der Junge entschied selbst, ob er seinen Verehrer erhörte. Dies macht natürlich auch vor dem Hintergrund der pädagogischen Zielrichtung Sinn. Ein unwilliger Schüler lernt schlecht. Nach der päderastischen Phase folgte in der Regel eine lebenslange Freundschaft. Es blieb ein familienähnliches Band, das das soziale Netzwerk erweiterte.

Päderastische Beziehungen standen grundsätzlich allen Bürgern offen, nicht jedoch Sklaven und Fremden. Wegen des hohen Zeitaufwands und der wiederholten Schenkungen war die Päderastie in erster Linie ein Privileg der Oberschicht.

Die Umdeutung des Machtgefälles

Die altersbedingt physisch-psychische Überlegenheit der Beziehungspartner, die heute im Gewand des Machtgefälles das Argument schlechthin ist, um die moralische Verdorbenheit einer solchen Beziehung im Sinne sexuellen Missbrauchs zu erklären, hat unter den Griechen gerade den hohen moralischen Wert der Beziehung im Sinne eines Mentorenverhältnisses ausgemacht und dieses erst ermöglicht.

Während die Knabenliebe die Liebe eines Mannes zu einem Jungen eindeutig gesellschaftlich akzeptiert war und teilweise sogar institutionalisiert und gefördert wurde, wurden homosexuelle Beziehungen zwischen Partnern gleicher Stellung und gleichen Alters als nicht wünschenswert eingestuft. Sie waren mit dem Makel des Weibischen verbunden, wurden aber in der Regel wohl zumindest toleriert.

Kriminalisierung und Pathologisierung

Heute gibt es aufgrund der in den letzten Jahrzehnten immer stärker gewordenen Skandalisierung, Tabuisierung und Kriminalisierung für die allermeisten Menschen keine andere Denkmöglichkeit mehr als die Einstufung jeglichen sexuellen Kontakts zwischen einem Erwachsenen und einem Kind als sexuelle Gewalt und sexueller Missbrauch.

Dies wirkt nicht nur auf die „Täter“, sondern auch auf die „Opfer“.

Das kann man im aktuellen Fall zu Michael Jackson in „Leaving Neverland“ sehr gut ablesen.

Der Fall Jackson

Beide, Robson und Safechuck, betonen, dass die sexuellen Begegnungen, die sie mit Michael Jackson hatten, immer zärtlich und nie gegen ihren Willen verlaufen seien. Auch das ist eine Vorstellung, die der Zuschauer erst in seinem Kopf zurechtrücken muss. Die Jungen glaubten, der Sex gehöre zu dieser „besonderen Freundschaft“, und es betrübte sie eher, wenn er nicht sofort stattfand. Schon früh impfte ihnen Jackson ein, dass sie niemals etwas erzählen dürften. Ihr Freund würde sonst für den Rest seines Lebens ins Gefängnis gehen und die Jungen auch, alles wäre zerstört. Das wollten die beiden auf keinen Fall.

„Es fühlte sich nie so an, als würde er mir etwas tun oder dass mir irgendwas Schlechtes passiert“, sagt Robson. „Ich habe Michael geliebt, Michael hat mich geliebt, das war eine Sache, die nur uns etwas anging. That’s it.“ Safechuck und Robson waren sich noch als Erwachsene sicher, dass sie ihr Geheimnis über Michael Jackson mit ins Grab nehmen würden.

Neverland, Monsterland“ auf Spiegel Online

Wenn man der Sache inhaltlich gerecht werden will, muss man Missbrauch von der Geschlechterfrage und der Altersfrage trennen. Es geht bei Missbrauch nicht um Mann und Frau oder um Jung und Alt. Es geht darum, dass Menschen andere Menschen schlecht behandeln.

Robson und Safechuck, die sieben respektive vier Jahre lang mit Jackson zusammen waren, sagen übereinstimmend, dass ihre sexuellen Begegnungen, mit Michael Jackson immer zärtlich und nie gegen ihren Willen verlaufen sind und es sich nie so anfühlte, als würde er den Jungen etwas tun oder dass ihnen irgendwas Schlechtes passiert. Das hört sich nicht so an, als hätte Michael Jackson die beiden Jungen schlecht behandelt. Und wenn er sie nicht schlecht behandelt hat, dann müsste gelten, was auch Robson selbst schlußfolgerte: „Ich habe Michael geliebt, Michael hat mich geliebt, das war eine Sache, die nur uns etwas anging. That’s it.“

In der Logik von Anti-Mißbrauchsaktivisten führt sexualisierte Gewalt zum Zusammenbruch des Grundsicherheitsempfindens des Kindes und zum Verlust des Glaubens an die Welt als guten, vertrauenswürdigen, sicheren Ort. Behalten wir dies im Hinterkopf, wenn wir lesen, was Robson im Alter von 27 Jahren als Nachruf zum Tod von Michael Jacksons schrieb:


Michael Jackson hat die Welt und, was noch persönlicher ist, mein Leben für immer verändert. Er ist der Grund, warum ich tanze, der Grund, warum ich Musik mache, und einer der Hauptgründe, warum ich an die reine Güte der Menschheit glaube. Er ist seit 20 Jahren ein enger Freund von mir. Seine Musik, seine Bewegung, seine persönlichen Worte der Inspiration und Ermutigung und seine bedingungslose Liebe werden für immer in mir leben. Ich werde ihn unermesslich vermissen, aber ich weiß, dass er jetzt in Frieden ist und den Himmel mit einer Melodie und einem Moonwalk verzaubert.

Wade Robson zum Tod von Michael Jackson

Das hört sich nicht so an, als hätten der Kontakt mit Jackson (auch nicht der sexuelle) bei Robson zum Verlust des Glaubens an die Welt als guten, vertrauenswürdigen, sicheren Ort geführt. Eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Es lag also wohl keine sexualisierte Gewalt vor. Im Gegenteil erscheint Jackson (der Robson auch als Choreograph ausbildete und unterstützte) geradezu als ein Mentor und Päderast im klassisch griechischen Sinne.

Pathologisierung der Opfer

Warum also nun die Kehrtwende und posthume Anklage? Ein Aspekt mag das Geld sein, dass sich durch eine Zivilklage evtl. erstreiten lässt, ohne dem ehemals geliebten Menschen, der ja zum Glück nicht mehr davon mitbekommt, damit noch unmittelbar schaden zu können.

Ein anderer wesentlicher Aspekt ist aber die Pathologisierung der Opfer.

Jedweder sexuelle Kontakt eines Erwachsenen mit einem Kind wird kategorisch als sexueller Missbrauch und Seelenmord dargestellt.

Seelenmord ist aus meiner Sicht ein unsäglicher und schwer erträglicher Kampfbegriff, mit dem sexuelle Kontakte mit Kindern als schlimmer eingeordnet werden als Mord, das normalerweise schlimmstes mögliches Verbrechen, das ein Mensch begehen kann. Angeblich handelt es sich bei der sexuell motivierten berührung eines Kindes um nichts anderes als Mord an der gemeinhin als unsterblich angesehenen Seele. Damit bekommt Kindesmissbrauch eine geradezu satanische Dimension und kann bzw. muss mit religiösem Eifer bekämpft werden.

Der Ausdruck aktiviert aber nicht nur zur Verfolgung der (echten und vermeintlichen) Täter, sondern ist auch eine unfassbar brutale Herabwürdigung der (echten und vermeintlichen) Opfer, denn jemand dessen Seele ermordet wurde, ist seelenlos bzw. bleibt im besten Fall ein seelischer Krüppel.

Die „Opfer“ bzw. die jüngeren Partner einer pädophilen oder päderastischen Beziehung werden konsequent und für den Rest ihres Lebens pathologisiert.

Niemand verschwendet dabei einen Gedanken darauf, wie es die alten Griechen mit ihren angeblich gemeuchelten, verstümmelten und verkrüppelten Seelen fertig gebracht haben sollen, zur Wiege der westlichen Zivilisation zu werden.

Opfer auf Lebenszeit

Die gesellschaftliche Erwartungshaltung an den jüngeren Beziehungspartner einer pädophilen oder päderastischen Beziehung ist, dass er gefälligst ein Opfer zu sein hat. Als Opfer und NUR als Opfer, erhält er Anerkennung und Unterstützung.

Eine sexuelle Erfahrung, die der Junge vielleicht als schön erlebt hat, auf die er sich freiwillig eingelassen hat und die er vielleicht sogar zu wiederholen suchte, wird nachträglich von der Gesellschaft zur Seelenfolter erklärt. Was positiv als Fürsorge, Unterstützung, Vertrauen und Bestätigung erlebt wurde, wird von der Gesellschaft als Manipulation, Täuschung und Verrat hingestellt.

Natürlich bekommt jeder irgendwann mit, wie die Meinungen der Gesellschaft zu sexuellen Kontakten zwischen Kindern und Erwachsen ist. Menschen sind soziale Wesen und empfinden „Isolationsfurcht“. Sie wollen nicht isoliert sein. Die eigene, positive Erfahrung und Wahrnehmung ist nicht mit der extrem negativen Einstellung der Gesellschaft in Einklang zu bringen. Die kilometerweite Kluft zwischen der eigenen Wahrnehmung und der Erwartungshaltung der Gesellschaft kann zu einem Trauma führen, das auch das Vertrauen in sich selbst und in die Wahrhaftigkeit der eigenen Gefühle und Wahrnehmungen erschüttern kann. Was macht das mit einem Menschen?

Kognitive Dissonanz

Es bewirkt eine kognitive Dissonanz. Wenn zwei kognitive Elemente zueinander im Widerspruch stehen, sodass das eine in gewisser Hinsicht das Gegenteil des anderen ausdrückt, entsteht Dissonanz. Der Mensch befindet sich im Ungleichgewicht und ist bestrebt, wieder einen konsistenten Zustand – ein Gleichgewicht – zu erreichen.

Starke Dissonanz entsteht insbesondere bei einer Gefährdung des stabilen, positiven Selbstkonzepts, wenn also jemand Informationen bekommt, die ihn als dumm, unmoralisch oder irrational dastehen lassen. Kognitive Dissonanz motiviert Personen, die entsprechenden Kognitionen miteinander vereinbar zu machen, wobei unterschiedliche Strategien benutzt werden, wie beispielsweise Verhaltensänderungen oder Einstellungsänderungen. Falls nötig, werden die eigenen Überzeugungen und Werte geändert, was über temporäre Rationalisierungen weit hinausgeht.

Opferschutz auf Kosten der Opfer

Die unerbittliche Logik der Anti-Mißbrauchsaktivisten ist, dass ein Kind das Recht hat „Nein“ zu sagen, dass es aber kein Recht hat, „Ja“ zu sagen.

Zur Absicherung wurde das Konzept des wissentlichen Einverständnisses entwickelt: Kinder können danach gegenüber Erwachsenen keine gleichberechtigten Partner sein, weil sie ihnen körperlich, psychisch, kognitiv und sprachlich unterlegen sind. Deshalb können Kinder sexuellen Kontakten mit Erwachsenen nicht wissentlich zustimmen. Aufgrund des strukturellen Machtgefälles sei jeder sexuelle Kontakt zwischen einem Kind und einem Erwachsenen sexueller Missbrauch.

Das Kind muss also Opfer sein, koste es was es wolle. Diesem ehernen Prinzip wird im Zweifel sogar die geistige und seelische Gesundheit der Kinder geopfert.

Dabei müsste man es besser wissen.

Entmündigung statt Stärkung von Betroffenen

Aufschlussreich ist der Wikipedia-Artikel „Definitionsmacht (sexualisierte Gewalt)“. Danach soll es das Vorrecht von Betroffenen sexualisierter Gewalt sein, zu definieren, was sexualisierte Gewalt ist. Es geht darum, statt objektiver Kriterien das subjektive Erleben in den Mittelpunkt zu rücken. Das, was als sexualisierte Gewalt empfunden wird, ist somit auch sexualisierte Gewalt. Dies soll zum einen verhindern, dass Opfer unter Rechtfertigungsdruck geraten, wenn sie von sexualisierter Gewalt, die ihnen angetan wurde, berichten. Zum anderen kommen damit auch Formen sexualisierter Gewalt in den Blick, die nicht durch das Recht definiert sind. Soweit Wikipedia. Der Fokus liegt also hier darauf zu Erweitern, was als sexualisierte Gewalt gelten kann.

Wenn man Betroffenen ernsthaft das Recht zusprechen will, zu definieren, was nach ihrem subjektivem Erleben sexuelle Gewalt darstellt, dann muss Ihnen auch zugestehen zu definieren, was keine sexuelle Gewalt darstellt.

Konsequenzen

Wenn ein Erwachsener, der sich als Kind in einer auch sexuell gefärbten Beziehung, nicht missbraucht, sondern geschätzt und geliebt fühlte, auch noch als Erwachsener so über die gemeinsame Zeit denkt, dann ist er unter der geltenden Rechtslage dazu gezwungen, den Menschen, mit dem er sich einmal innig verbunden fühlte, durch dauerhaftes Schweigen zu schützen – unter Inkaufnahme aller damit verbundenen emotionalen Belastungen.

Das kann nicht richtig sein.

Wenn ein Betroffener eine Handlung, die juristisch als sexueller Missbrauch definiert ist, subjektiv nicht als Missbrauch wertet, dann liegt auch keine sexuelle Gewalt vor. Wenn diese nicht vorliegt, gibt es kein Unrecht und wenn kein Unrecht vorliegt, sollte es auch keine Strafe geben. Gibt es keine Strafe, dann entfällt ein großer Teil des Zwangs, über das Erlebte schweigen zu müssen.

Hieraus ergibt sich meines Erachtens zwingend, dass – jedenfalls ab dem Moment, in dem der Betroffene volljährig geworden ist – ein sexueller Kontakt zwischen einem Kind und einem Erwachsenen nicht mehr von Amts wegen, sondern nur noch auf Antrag des Betroffenen hin verfolgt werden sollte.

Auch wenn es sicherlich auf absehbare Zeit bei der allgemeinen Strafbarkeit sexueller Kontakte mit Kindern bleibt, ist es nicht hinnehmbar, dass vermeintliche Opfer in jedem Fall konsequent und ohne Rücksicht auf ihr subjektives Erleben und ihre Gefühle pathologisiert werden.

Beeindruckende Stimme aus Russland

The Voice Kids gibt es nicht nur in der Niederlande, wo das Format erfunden wurde, sondern in zahlreichen Ländern, darunter seit 2014 auch in Russland. Sieger der Staffel von 2018 wurde der väterlicherseits deutschstämmige Rutger Garecht aus Orenburg. Der 12-jährige begeisterte Publikum und Coaches schon in den Blind Auditions. Ich verstehe zwar kein Wort, aber es ist sehr russisch und dabei genial gut!

Was es ist

„Was es ist“ ist das populärste und beliebteste Gedicht des österreichischen Lyrikers Erich Fried. Für mich eines der schönsten Liebesgedichte überhaupt.

Was es ist

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

***

Unsinn. Unglück. Schmerz. Angst. Aussichtslos. Lächerlich. Leichtsinnig. Unmöglich.

Es fühlt sich so an, als hätte Erich Fried nicht einfach nur über „die Liebe“ geschrieben, sondern über meine Liebe, die unmöglich scheinende Liebe eines Mannes zu einem Jungen. Eine Liebe, die nach dem herrschendem gesellschaftlichen Konsens nicht sein darf und doch ist, und die sich über alle Einwände und Widerstände mit einem schlichten „Es ist was es ist“ hinwegsetzt.