Der Sieger

Martial Adolphe Thabard ist ein französischer Bildhauer aus Limoges, der von 1831 bis 1905 lebte und in Frankreich, Italien, England und den Vereinigten Staaten gewirkt hat. 1884 wurde er zum Mitglied der Ehrenlegion ernannt. Bei der Weltausstellung in Paris 1889 (für die man unter anderem den Eiffel Turm gebaut hat), wurde er mit einer Silbermedallie ausgezeichnet. Also durchaus ein Sieger, der einiges geleistet hat und dessen Skulpuren zum Beispiel in Versailles zu sehen sind.

Der Sieger um den es geht, ist aber natürlich nicht Martial Adolphe Thabard. Es handelt sich bei „Der Sieger“ (franz.: Le Vainqueur) vielmehr um eine 1889 von Thabard geschaffene Marmorstatue, die im Rathaus seiner Heimatstadt Limoges zu sehen ist.

Die Statue stellt eine Wahrheit dar, die auch in einem Aphorismus von Franz Blei festgehalten ist:

Es gibt immer einen Besiegten in der Liebe: den, der mehr liebt.

Diese universelle Wahrheit gilt auch für Männer, die auf Jungs stehen. Thabards Auftraggeber – wer immer das gewesen sein mag – scheint es wichtig gewesen zu sein, darauf einfach mal dezent hinzuweisen. Es wird jedenfalls ziemlich deutlich, wer in der abgebildeten Szene der Sieger ist:

Bild geteilt via notesdemusees.blogspot.com.
Bild geteilt via notesdemusees.blogspot.com.
Bild geteilt via notesdemusees.blogspot.com.
Bild geteilt via notesdemusees.blogspot.com.

Ich bin extrem beeindruckt, dass sich jemand getraut hat, diese Statue in Auftrag zu geben und dass Thabard sich bereit erklärt hat, sie auszuführen. Für mich ist die Statue perfekt: wahrhaftig, mutig und hochwertig ausgeführt.

Hier noch das passende Gedicht von Pantherion dazu:

Hoch im Himmel
Pantherion

Hoch im Himmel wo Ganymed
auf seinem Adler reitet,
den er sich vom Olymp entführte,
und wo der kecke, kühne Knabe
sein stolzes Tier in luft’ge Höhen peitscht
bis sie nach lustvoll irren Gipfeln
in ermatteten Kreisen gemeinsam
zum Boden nieder gleiten.

Aber auch dort, wo der Geliebte
seinem liebenden Gotte mit köstlichen Tropfen
den brennenden Durst zu stillen beginnt
und zugleich auch aufs Neue
verzehrendes Feuer entfacht.

Ja, eigentlich überall und immer
siegt der Begehrte. Denn stärker noch
als der Stärktste ist die Liebe.
Sie fesselt, wen sie will
und macht Weise zu Narren.

Als grausame List der Natur geschaffen
kettet sie Männer an Frauen, Frauen an Männer,
Eltern an Kinder und manchmal
verschenkt sie Götter
oder Gewöhnliche an Knaben.

Alles dient der großen, der goldenen Kette,
die sich von Mensch zu Mensch durch die Äonen spannt.
Auch in mir hat sie ein nützlich Glied erkannt.
Mit einen Wink hat sie mein Herz in deine Hand gebannt
und stellt dir frei, ob du es dort zerbrichst,
ob du es fallen lässt,
ob du es in die Tasche steckst und dort vergisst.

Es wäre schade, denn es ist gut.
Und dein.


Jean Turcan, Ganymed, Gips, 1878 (geteilt via books.openedition.org)

Hinterlasse einen Kommentar