Adventskalender 2020 – 9. Tor

2007 wurde die fünfköpfige irisch-schottische Gesangsgruppe Celtic Thunder gegründet. Zum Repertoire gehören alte keltische Volkslieder, einige daran anknüpfende Neukompositionen und Interpretationen von Oldies, vorwiegend aus den 60ern bis 80ern. Die Gruppe existiert noch heute und hat bereits zwölf Alben herausgebracht.

Eines der Gründungsmitglieder war Damian McGinty, der damals 14 Jahre alt war. Er verließ die Gruppe 2011, stieß aber 2016 wieder dazu. Ersetzt wurde er damals durch Daniel Furlong, der zuvor die dritte Staffel der All Ireland Talent Show gewonnen hatte. Zum Zeitpunkt der nachfolgenden Aufnahme aus dem Jahr 2012 war Daniel 14 Jahre alt.

Der Song vorgetragene Over the Rainbow ist sehr bekannt und ein echter Evergreen. Er wurde 1939 für den Film Der Zauberer von Oz geschrieben, erhielt einen Oscar in der Kategorie Bester Song und war bereits im Monat nach der Filmpremiere mit vier unterschiedlichen Interpreten erfolgreich. Alle vier Versionen schafften es damals in die Top 10 der US Charts.

Ein interessantes Detail zur Wirkungsgeschichte des Songs ist, dass er möglicherweise die Inspiration für die Regenbogenflagge der Schwulenbewegung war:

Die Regenbogenfahne entwarf der amerikanische Künstler Gilbert Baker für den Gay Freedom Day 1978, den Vorläufer späterer Gay Prides. Sie gilt als Symbol für lesbischen und schwulen Stolz, sowie für die Vielfalt der Lebensweise von Lesben und Schwulen.

Allerdings trugen bereits neun Jahre zuvor, beim Begräbnis der in Schwulenkreisen sehr beliebten Schauspielerin Judy Garland im Jahre 1969, einige Schwule Regenbogenfahnen. Diese waren eine Anspielung auf eines der bekanntesten Lieder von Garland, Over the Rainbow aus dem Film Der Zauberer von Oz (The Wizard of Oz), ein Lied über einen Ort, „an dem alles besser und gerechter ist“. Ob die Regenbogenfahne daraus hervorging, ist umstritten.

Wikipedia-Artikel Regenbogenfahne

Hier noch die deutsche Übersetzung des Songtexts:

Irgendwo über dem Regenbogen
Ganz weit oben
Dort gibt es ein Land von dem ich gehört habe
In einem Wiegenlied

Irgendwo über dem Regenbogen
ist der Himmel blau
Und die Träume, die du dich zu träumen wagst,
Werden wirklich wahr.

Eines Tages schicke ich meinen Wunsch einer Sternschnuppe
Und wache auf, wo die Wolken weit hinter mir sind,
Wo die Sorgen wie Zitronenbonbons schmelzen
Weit über die Schornsteinspitzen
Dort wirst du mich finden.

Irgendwo über dem Regenbogen
Fliegen die Blaukehlchen
Vögel fliegen über den Regenbogen –
Warum, oh warum kann ich es nicht?

Wenn glückliche kleine Blaukehlchen fliegen
Jenseits des Regenbogens
Warum, oh warum kann ich es nicht?

Krumme13 berichtet über die Anhörung der Sachverständigen zu den geplanten Strafrechtsverschärfungen

Am 8. Dezember wurden acht Sachverständige in einer öffentlichen Sitzung im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz zum Regierungsentwurf des „Gesetzes zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Kinder“ angehört.

Der Inhaber der Webseite Krumme13, Dieter Gieseking, war als Zuschauer dabei und hat umfassend von der Sitzung berichtet. In seinem Artikel sind darüber hinaus auch die schriftlichen Stellungnahmen der Sachverständigen verlinkt.

Adventskalender 2020 – 5. Tor

Heute befindet sich hinter dem Türchen das Cover eines spanischsprachigen Liebeslieds „Hoy tengo ganas de ti“ (Heute will ich dich) aus dem Jahr 1976, gesungen von Eduard Mario Tudor (auch als Mario Eduardo und Mario Edy bekannt).

Mario kam 2018 bei der rumänischen Ausgabe von The Voice Kids ins Halbfinale. Sein Musikvideo Mi Corazon (Mein Herz) aus dem selben Jahr bringt es aktuell auf 17 Millionen Klicks.

Mir persönlich gefällt „Hoy tengo ganas de ti“ aber besser.

Die (mit etwas Computer-Unterstützung erstellte) Übersetzung des reichlich schnulzigen Textes:

Du warst eine vorübergehende Beziehung
Und ich weiß nicht aus welchem ​​Grund
Ich habe mich jeden Tag mehr an dich gewöhnt
Wir haben beide das Abenteuer der Liebe erfunden
Du hast mein Leben erfüllt, und dann habe ich dich gehen sehen
Ohne mich zu verabschieden, sah ich dich gehen
Ich möchte in deinen offenen Händen meinen Weg finden
Und dass du dich nur bei mir wie eine Frau fühlst
Heute will ich dich, heute will ich dich
Ich möchte den Durst meiner Seele auf deinen Lippen stillen
Und jeden Morgen gemeinsam die Liebe entdecken
Heute will ich dich, heute will ich dich
Es gibt nichts Traurigeres
Diese Stille und dieser Schmerz
Nichts ist bitterer als zu wissen, dass ich dich verloren habe
Heute suche ich nachts nach dem Klang deiner Stimme
Und wo versteckst du dich, um dich mit mir zu füllen?
Fülle mich mit dir, fülle mich mit dir
Ich möchte in deinen offenen Händen meinen Weg finden
Und dass du dich nur bei mir wie eine Frau fühlst
Heute will ich dich, heute will ich dich
Ich möchte den Durst meiner Seele auf deinen Lippen stillen
Und jeden Morgen gemeinsam die Liebe entdecken
Heute will ich dich, heute will ich dich
Ich möchte in deinen offenen Händen meinen Weg finden
Und dass du dich nur bei mir wie eine Frau fühlst
Heute will ich dich, heute will ich dich
Nur mit mir
Heute will ich dich, heute will ich dich

Was soll ich sagen … mir gefällt das Lied trotzdem. 😉

Adventskalender 2020 – 4. Tor

Das 1980 uraufgeführte Stück Les Misérables ist eines der berühmtesten Musicals überhaupt. Die Handlung basiert auf dem Roman Die Elenden von Victor Hugo.

Held des Stücks ist Jean Valjean, ein ehemaliger Sträfling, der wegen des Diebstahls eines Brotes und weiteren Strafen für misslungene Fluchtversuche nach 19 Jahren aus dem gefängnis entlassen wird und sich bessern will aber von der Gesellschaft (aufgrund seines gelben Passes, der ihn als Strafgefangener auf Bewährung ausweist) keine Chance bekommt.

Verbittert bestiehlt er schließlich den Bischof, der ihm als einziger Obdach gewährt hat. Valjean wird mit seiner Beute gefasst, aber der Bischof hilft ihm erneut: er behauptet, er habe Valjean die Wertsachen geschenkt und bringt ihm noch zwei weitere „vergessene“ silberne Kerzenleuchter. Zum Abschied ermahnt er Valjean sein Leben zu ändern.

Dieser Akt außergewöhnlicher Güte führt zur Inneren Umkehr – und durch die als Geschenk überlassene Beute verfügt Valjean auch über die Mittel, seine alte Identität hinter sich zu lassen und ein neues Leben zu beginnen. Valjean wird zum geachteten Bürger und Menschenfreund. Allerdings könnte bei Entdeckung seiner alten Identität sein neues Leben jederzeit wieder zerbrechen und im Laufe des Stücks muss er sich noch mehrfach den Nachstellungen sein Gegenspielers, des Polizeiinspektor Javert, erwehren.

Das Stück spielt teilweise in Paris während des Juniaufstand von 1832. Hier begegnen wir auch Gavroche, einem Straßenjungen, der hilft, den als Spion agierenden Inspektor Javert zu entlarven und den Barrikadenkampf der Aufständischen unterstützt. Sein Lied (in der englischen Version „Little People„, deutsch „Wir Kleinen„) erfreut sich durchaus einiger Beliebtheit. Leider nimmt es mit ihm im Stück aber kein gutes Ende.

In einem Osterspecial im Jahr 2015 hat man in der New Yorker Broadway-Aufführung die Hauptrolle des Jean Valjean außergewöhnlich besetzt, nämlich mit einem, der sonst die Rolle des Gavroche spielte, dem damals 13-jährigen Joshua Colley. Das Publikum war verblüfft und begeistert. Hier Joshuas Konfrontation als Jean Valjean mit dem Schurken des Stücks, Inspector Javert:

Adventskalender 2020 – 3. Tor

Der Song Hoochie Coochie Man ist ein Blues Standard der 1953 von Willie Dixon geschrieben und erstmals 1954 von Muddy Waters aufgeführt wurde. Der Song handelt von jemandem, der sich als Frauenheld anpreist. Hier meine Übersetzung des Songtexts:

Die Zigeunerin erzählte es meiner Mutter,
Bevor ich geboren wurde:
„Du bekommst einen Jungen,
Er wird ein Teufelskerl sein.
Er wird hübsche Frauen dazu bringen,
Zu springen und zu schreien,
Dann will die Welt es wissen
Was denn da los ist.“

Aber du weißt, ich bin er.
Jeder weiß, dass ich’s bin.
Du weißt, ich bin der Hoochie Coochie Man.
Jeder weiß es, ich bin er.

Ich habe den Knochen einer schwarzen Katze.
Ich habe auch ein Mojo. [ein magisches Glücksamulett]
Ich hab den Johnny Conkeroo, [eine magische Wurzel]
Ich werde mich mit euch anlegen.
Ich werde euch Mädchen dazu bringen
Mich bei der Hand zu nehmen
Dann wird die Welt wissen,
dass ich ein Hoochie Coochie Man bin.

Aber du weißt, ich bin er.
Jeder weiß, dass ich’s bin.
Du weißt, ich bin der Hoochie Coochie Man.
Jeder weiß es, ich bin er.

In der siebten Stunde,
Am siebten Tag,
Im siebten Monat
Sagten die sieben Ärzte:
„Du wurdest als Glückspilz geboren“.
Und das wirst du sehen,
Ich habe siebenhundert Dollar,
Und leg dich ja nicht mit mir an.

Aber du weißt, ich bin er.
Jeder weiß, dass ich’s bin.
Du weißt, ich bin der Hoochie Coochie Man.
Jeder weiß es, ich bin er.

Was denn nun ein „Hoochie Coochie Man“ ist, weiß allerdings so genau niemand. Der Begriff wurde für den Song assoziativ erfunden und legt sich nicht fest, scheint aber eine sexuelle Konnotation zu haben.

Soziologisch gesehen macht der Text Sinn und man kann wohl sogar eine gestrichelte Linie zur viel später entstandenen Rap-Musik ziehen, in der Sexualität und Angeberei aber auch die Abwertung anderer häufig eine große Rolle spielen.

Wer stark abgewertet wird, hat ein großes Bedürfnis, sich aufzuwerten. Das geschieht dann oft auf Kosten Dritter, in der Rap-Musik zum Beispiel oft auch auf Kosten von Frauen. Wer ein gesundes Selbstbewusstsein hat, muss niemand anderen abwerten oder mit seiner Großartigkeit oder Potenz protzen.

Das verbessert nicht meine Meinung zu sexistischen Rap-Texten, aber im Grunde offenbart sich darin eben auch, dass es sich um eine Form des Widerstands handelt, der nicht nötig wäre, wenn man die Menschen, die den Widerstand leisten, anständig behandelt hätte.

Damit bin ich für einen Adventskalender bedenklich vom Thema angekommen. Aber auch Bitterschockolade wird ja durchaus freiwillig gekauft und es mag nicht ausgeschlossen sein, dass sich etwas davon auch einmal in einen Adventskalender verirrt.

Der Interpret und Mini-„Sexprotz“ (Hoochie Coochie Man) des heutigen Blogbeitrags ist der damals 10-jährige Joshua King, der hier mit einer Blues Ikone, James Cotton, auftritt. Das Video dieses Auftritts aus dem Jahr 2011 bringt es bei YouTube aktuell auf 3.65 Millionen Klicks.

Millionenklicks sammellt Joshua King heute nicht mehr. Sein Mentor James Cotton ist 2017 gestorben. Seine Liebe zur Musik und speziell zum Blues ist aber ungebrochen. Er hat einen eher kleinen YouTube Kanal mit knapp 3.000 Abonnenten, wo man zum Beispiel ein Cover von „Let it Be“ findet, dass er mit fünfzehn aufgenommen hat.

2019 berichtete eine lokales Nachrichtenportal aus North Carolina über ihn als einen „Helden des Alltags“. Anlass für ein Interview mit ihm war seine Tätigkeit als Freiwilliger in einem Krankenhaus. Als seine Schwester dort behandelt wurde, entdeckte er einen Flügel und fragte, ob er darauf spielen dürfe. Er baute so Stress ab, während er auf das Ergebnis der Nierenbiopsie seiner Schwester wartete. Seitdem spielt er immer wieder in diesem und in anderen Krankenhäusern, um den Patienten eine Freude zu bereiten und sie von ihren Sorgen abzulenken.

Ein, wie ich finde, durchaus süßer Abgang.

Adventskalender 2020 – 1. Tor

Im Gegensatz zu 2019 habe ich mich dieses Jahr mit Medienbeiträgen über Jungs sehr zurückgehalten. Zum Jahresausklang bietet die Tradition des Adventskalenders aber eine schöne Gelegenheit meinen Besuchern noch einmal mit netten kleinen Videos den Tag zu versüßen.

Den Anfang macht ein gratis Onlinekonzert des Knabenchors Libera.

Libera ist 2019 mit Konzerten in den Philippinen, Japan, den USA und natürlich im heimischen England aufgetreten. 2020 hat Corona die Konzertpläne gesprengt. Auch ein für den 6. Juli geplantes Konzerts in der Kathedrale von Ely (England) musste ausfallen. Aus Widerstand gegen Corona und zur Freude ihrer Fans entstand stattdessen ein virtuelles Mini-Konzert.

Ich wünsche viel Vergnügen damit. 🙂