Der letzte Widerstand

Der Superhelden-Film X-Men: Der letzte Widerstand beginnt mit einer Szene, die kaum eindringlicher und herzzerreißender sein kann.

Der junge (von Cayden Boyd gespielte) Warren Worthington III, Sohn eines reichen Industriellen, versucht mit Schere, Raspel, Feile und Teppichmesser verzweifelt die eigenen Flügel zu amputieren, die ihm als junger Mutant gewachsen sind. Dabei wird er von seinem Mutanten-feindlichen Vater entdeckt. Der Vater ist fassungslos und schockiert, wirkt abgestoßen und enttäuscht. Der Junge Angel entschuldigt sich („Dad, I’m sorry“) und bricht in Tränen aus

Da wird sich mancher LGBTQI an das eigene jugendliche (freiwillige oder unfreiwillige) Coming Out (oder jedenfalls seine Angst davor) erinnert haben.

Pädos waren in den 70er und 80er Jahren weitgehend akzeptierte Mitstreiter der Schwulenszene. Bindeglied war nicht zuletzt die damals mit Homosexuellen geteilte Verfolgungsgeschichte aus Strafverfolgung, Denunziation, Berufsverboten und sozialer Ächtung. Irgendwann wurde dann deutlich, dass der Mitstreiter zum Bremsklotz für die eigene Akzeptanz geworden war und man sich von Pädos distanzieren musste, um gesellschaftlich akzeptabel und realpolitisch erfolgreich zu werden.

Die Erfolge dieser Richtungsänderung sind unbestreitbar aber für mich als Pädo auch ein wenig bitter. Einerseits gönne ich jedem die Möglichkeit unbehelligt zu leben und zu lieben. Andererseits wünsche ich mir natürlich für mein eigenes Leben auch einen Hauch Akzeptanz. Durch die Akzeptanz anderer – noch dazu ehemaliger Mitstreiter – tritt die Verachtung für mich selbst umso schärfer hervor.

Trotz aller Verbesserungen ist ein Coming-Out aber auch heute noch keine leichte Situation für einen Schwulen oder eine Lesbe.

Für jemanden, der sich zu Kindern hingezogen fühlt, ist es noch einmal ungleich schwieriger. Anders als bei Homosexualität, wo sich die Situation kontinuierlich über Jahrzehnte bis hin zu einer fast völligen Gleichstellung verbessert hat, hat sich die Dämonisierung und Kriminalisierung von Pädophilen in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich verstärkt.

Wer selbst schon einmal von der Angst vor sozialer Ächtung, Akzeptanz- und Liebesverlust betroffen war und weiß wie sich das anfühlt, wird hoffentlich in seinem Herzen wissen und bewahren, dass kein Engel und kein Mensch dazu gezwungen sein sollte, sich selbst die Flügel abzuschneiden.

Cayden Boyd in X-Men: The Last Stand via Teen Idols 4 You

Bei Mir Bist Du Schoen

Jungen machen nicht erst seit heute oder gestern Musik. In den 50er Jahren begeisterte das Rockabilly-Geschwister-Duo Lorrie und Larry Collins, die Collins Kids, in der Country Music Radio- und Fernseh-Sendung Town Hall Party. Sie hatten zwar keine wirklich großen Hits, waren aber richtige Publikumslieblinge, was wohl vor allem an der ansteckenden Energie und Freude lag, die Larry ausstrahlte. Es macht einfach Spaß ihm zuzusehen und zuzuhören – auch heute noch.

Hier zwei Auftritte mit seinem Mentor Joe Maphis, der ihm das Gitarrenspiel beibrachte und ihm die Doppelhalsgitarre schenkte. Ein BL war Joe Maphis übrigens nicht. Jedenfalls deutet nichts darauf hin. Er war verheiratet und hatte drei Kinder. Aber auch Nicht-BLs dürfen ja gerne nett zu kleinen Jungen sein. Und meinetwegen auch zu kleinen Mädchen.

Zum Abschluss noch eine coole Solo-Gesangsnummer – diesmal aber leider ohne Bewegtbilder.

Menschenopfer und Hexenjagd

Wer Schlagzeilen liest, konnte dieser Tage erfahren, dass Papst Franziskus in seiner Ansprache zum Ende des mehrtägigen Antimissbrauchsgipfels in Rom den sexuellen Missbrauch Minderjähriger mit Menschenopfern verglich.

Im Grunde ist das nur erklärbar ist, wenn man die Rede nachschaut und so feststellt, dass der Papst von heidnischen Menschenopern sprach. Konkret: „Das bringt mir auch eine grausame religiöse Praxis in Erinnerung, die in der Vergangenheit in einigen Kulturen verbreitet war, nämlich Menschen – oft Kinder – bei heidnischen Ritualen zu opfern.“

Es ging Papst Franziskus also vermutlich darum, eine möglichst große Distanz zwischen der „heidnischen“ Praxis des Kinderopfers bzw. des damit gleichgesetzten sexuellen Missbrauchs und der ja eben nicht heidnischen, sondern vielmehr „heiligen“ römisch-katholischen Kirche zu schaffen.

Kindesmissbrauch durch katholische Geistliche ist dann kein Verbrechen gegen Kinder innerhalb der Kirche, sondern ein Verbrechen an Kindern und an der Kirche durch das Böse und die Hand Satans. So heißt es später in der Rede dann auch:

„Die gottgeweihte Person, die von Gott auserwählt wurde, um die Seelen zum Heil zu führen, lässt sich von ihrer menschlichen Schwäche oder ihrer Krankheit versklaven und wird so zu einem Werkzeug Satans. In den Missbräuchen sehen wir die Hand des Bösen, das nicht einmal die Unschuld der Kinder verschont. Es gibt keine ausreichenden Erklärungen für diese Missbräuche gegenüber Kindern. Demütig und beherzt müssen wir anerkennen, dass wir vor dem Geheimnis des Bösen stehen, das gegen die Schwächsten erbost ist, weil sie Bild Jesu sind.“

Manifestiertes Bösartigkeitspotential von Religion

Der Vergleich mit Menschenopfern ist natürlich gröbster Unfug. Zunächst mal ist die Motivation eine andere. Ein Menschenopfer hat religiöse Motive. Kindesmissbrauch hat persönliche Motive: die Befriedigung des Sexualtriebs. Es wird kein Kind als „Bild Jesu“ geschändet und es gibt auch kein Geheimnis des Bösen, sondern Menschen, bei denen der Sexualtrieb über die Impulskontrolle gesiegt hat.

Ein weiterer – wie ich meine nicht eben unbedeutender Unterschied – zwischen Menschenoper und sexuellem Missbrauch ist, dass ein Kind, das als Menschenopfer dargebracht wird, tot ist. Ein Kind, dass einen sexuellen Kontakt mit einem Erwachsenen hatte, ist danach noch lebendig.

Im Menschenopfer manifestiert sich darüber hinaus das inhärente Potential zur Bösartigkeit von Religion an sich. Religion ist das Konstrukt einer letztgültigen Wahrheit, der unbarmherzig und erbarmungslos alles untergeordnet wird. Eine Gedankenwelt, in der ein Vater und Schöpfer die von ihm geschaffene Welt und die nach seinem Ebenbild erschaffenen Menschen mit Stumpf und Stil auslöschen darf (etwa mit einer Sinnflut) und in der er Völkermorde und Kriegsverbrechen anordnen darf und vermeintlich trotzdem anbetungswürdig bleibt.

Die Art von Treue, die der christliche Gott der Bibel (und auch der Gott des Koran) von seinen Anhängern verlangt, ist die Treue eines Vaters (Abraham), der bereit ist seinen Sohn (Isaak) als Menschenopfer darzubringen. Der Verzicht auf die praktische Ausführung in letzter Sekunde macht die perverse Gottestreue, die in der Geschichte zum Ausdruck kommt, nicht besser. Am Ende der Geschichte vom Opfer Abrahams wird der religiöse Psychopath, der bereit war, seinen Sohn zu töten, sogar noch belohnt („Weil du solches getan hast und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont, will ich dich segnen und deine Nachkommen mehren wie die Sterne am Himmel und wie den Sand am Ufer des Meeres, und deine Nachkommen sollen die Tore ihrer Feinde besitzen“).

Der Rückgriff auf rituellen Kindermord hat im Christentum übrigens Tradition. 1144 tauchte im englischen Norwich erstmals der Vorwurf auf, Juden hätten zum Pessachfest ein vermisstes christliches Kind, William von Norwich, entführt und gemartert wie Christus am Kreuz. Das Gerücht löste eine Anklage gegen örtliche Juden aus, die abgewiesen wurde und dann ein Pogrom zur Folge hatte. Thomas von Monmouth schuf um 1150 eine Legende, die die Anklage nachträglich begründen und wundergläubige Pilger anwerben sollte, um Einkünfte an den Ort der Verehrung zu bringen. Die Ritualmordlegende streute von Norwich nach Kontinantaleuropa aus und war der Startpunkt der antisemitischen Progrome des Mittelalters.

Ein universelles menschliches Phänomen

Wenn Papst Franziskus zu Beginn seiner Rede davon spricht, „anzuerkennen, dass das schwere Übel des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen leider in allen Kulturen und Gesellschaften ein geschichtlich verbreitetes Phänomen ist.“ und man die moralische Wertung jeglicher sexueller Kontakt mit Kindern einmal davon abzieht, wird deutlich, dass es sich beim auch auf Kinder gerichteten sexuellen Begehren um ein universelles menschliches Phänomen handelt.

Das Urteil, ob eine sexuelle Erfahrung gut oder schlecht war, sollte aber dem zustehen, der die Erfahrung macht.

Wer zum Sex gezwungen wird, wird die Erfahrung kaum positiv erleben. Wer zum Sex geführt oder verführt wird, kann das durchaus als verwirrend oder gar negativ erleben. Er muss es aber nicht. Sex an sich ist schön und führt nicht zum automatischen Totalschaden an der Seele – auch nicht bei Kindern.

Wenn es für möglich gehalten wird, dass zwei Dreizehnjährige gemeinsam schöne erste Erfahrungen mit Sex sammeln, sollte es auch denkbar sein, dass ein Dreizehnjähriger und ein Fünfzehnjähriger schöne gemeinsame sexuelle Erfahrungen sammeln – was nach aktueller Gesetzgebung aber bereits Kindesmissbrauch durch den Älteren darstellt.

Es wäre (für mich) sogar vorstellbar, dass ein Dreizehnjähriger und ein alter Sack wie ich, gemeinsam Spaß beim Sex haben könnten. Wobei es für mich natürlich ein wenig peinlich wäre, wenn sich (was mir fast sicher scheint) der Dreizehnjährige als sexuell erfahrener herausstellt.

Echter Schaden entsteht jedenfalls nicht durch Gesetzespostulat, sondern durch Gewalt, Zwang, Stigmatisierung und Schweigen.

Natürlich ist das Kind per Gesetz in jedem Fall Opfer einer Straftat (des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger). Ob ein Kind durch den sexuellen Kontakt mit einem Nicht-Kind auch jenseits der rein juristischen Perspektive zum Opfer geworden ist, ist aber etwas, dass man nur im Einzelfall feststellen kann. Das Urteil hierüber steht letztlich nur dem Kind zu. In der Realität wird ihm in entdeckten Fällen, die Deutungshoheit regelmäßig entrissen.

Praxisbeispiel zur Deutungshoheit von sexuellem Missbrauch

Der österreichische Schriftsteller Josef Haslinger schrieb Mitte der 80er die autobiographisch angehauchte Kurzgeschichte „Die plötzlichen Geschenke des Himmels“. Darin berichtet ein Ich-Erzähler, dass er als Klosterzögling von seinem Religionslehrer, einem gewissen Pater G., vergewaltigt wurde. Wörtlich heißt es: „Er legte mir sein wulstiges Fleischstück wie eine geweihte Hostie auf die Zunge, lächelte mich an dabei, sagte, na, mach schon, trau dich nur. Ein schaler, nichtssagender Geschmack, ein wenig Ekel. Da stieß es mit einem Mal in meinen Mund hinein, zuckte hin und her, ich konnte ihm nicht mehr entkommen. Mein Kopf wurde von hinten gegen das Haarbüschel gepresst, es reckte mich, wenn der Religionslehrer auf meinen Gaumen stieß, die Speiseröhre hinabschlüpfen wollte…“

2010 gab es dann eine sehr kontroverse und lesenswerte Klarstellung, aus der ich hier nun zitiere:

„Ich war zwölf Jahre alt, als erstmals ein Priester, mein damaliger Religionslehrer, sich für meinen kleinen Penis interessierte und dabei ganz offensichtlich in Erregung geriet. Ein Zustand, den man als Zwölfjähriger eigentlich nicht kennt, wenn man nicht das Pech hatte, von seinen Eltern mit deren Sexualität belästigt worden zu sein. Es hat eine Weile gedauert, bis mein Religionslehrer sich die intime Annäherung traute. Als er merkte, dass ich es zuließ, suchte er nach Gelegenheiten, das Spielchen zu wiederholen und, wenn möglich, ein wenig auszuweiten. Ich ging mehrere Etappen der Ausweitung dieser Spielchen mit. Es kam mir nicht in den Sinn, ernsthaft dagegen etwas zu unternehmen. Und deshalb war ich auch nicht in der Lage, sie abzustellen.

Diese Kontakte haben mich verstört, wie man so sagt, ich wusste nicht, was ich davon halten sollte, und ich habe lange Zeit darüber mit niemandem gesprochen. Andere konnten darüber sprechen. Und so kam mir mein erster sakraler Erotikpartner, wenn ich das so ausdrücken darf, noch in der Klosterschule abhanden. Er wurde in ein anderes Kloster, in dem es keine Zöglinge gab, zwangsversetzt.

Dass dieser Mitschüler den Eltern von seinen Erlebnissen erzählte, fand ich mutig. Ein wenig hielt ich es auch für einen Verrat. Aber von da an habe ich natürlich gewusst, dass ich mit meinen Erlebnissen diejenigen, die sie verursachten, erpressen konnte; dass ich ein Mittel der Gegenwehr in der Hand hielt. Und ich habe auch gesehen, wie einfach das ist. Man redet darüber, und der Mann zieht den Kürzeren. Als Kind, insbesondere als Internatsschüler, entwickelt man einen strategischen Sinn. Man kann fies sein gegen jemanden. Ich kannte dieses Mittel, ich habe es oft eingesetzt. Aber nicht gegen die Priester, die mit mir sexuelle Spiele veranstalteten. (…)

Pater G. (aus der Kurzgeschichte) war eine Zusammenführung von drei Personen, mit denen ich im Alter von zwölf bis 14 Jahren sexuelle Kontakte hatte. Darüber hinaus gab es noch eine vierte Lehrperson, die allerdings aus dem Rahmen fiel, weil sie mich lehrte, dass eine Frau und eine erstaunlich große Kinderschar den Herrn Papa nicht unbedingt davon abhalten, sich für erotische Spielchen mit fremden Knaben zu interessieren. Ich bin, im Gegensatz zu meinem Protagonisten in der Kurzgeschichte, aus dem Klosterkonvikt nie abgehauen, sondern ich habe immer nur davon geträumt. Aber nicht wegen der sexuellen Vorkommnisse.

Die Kurzgeschichte war eine moralische Anklage, nein, eine Entladung. Ich hatte mittlerweile mit der Kirche gebrochen und wollte es ihnen heimzahlen, so drastisch wie möglich. Heute denke ich, es war vor allem das ständige Erniedrigtwerden bis hin zur allgegenwärtigen körperlichen Züchtigung, das im Nachhinein meine Hassgefühle hat wachsen lassen. In den Jahren, in denen außerhalb der Klostermauern über antiautoritäre Erziehung gesprochen wurde, wurden wir von den Protagonisten der Religion der Liebe, auf arabische Art, könnte man sagen, mit dem Stock geschlagen. Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit. Das Kloster war ein Exzess in dieser und jener Richtung.

Ich muss mir heute eingestehen, dass es viele Möglichkeiten gegeben hätte, die damaligen sexuellen Kontakte abzuwehren und zu unterbinden. Ich habe diese Möglichkeiten nicht genutzt. Ich habe mich nicht gerade angeboten, dazu war ich zu schüchtern, aber ich habe, nach den ersten unerwarteten Annäherungen, schnell gesehen, wer aus einer bestimmten Neigung heraus sich umschaute. Und ich bin solchen Annäherungen nicht ausgewichen, sondern ich habe sie in gewisser Weise als Auszeichnung empfunden.

Ich wurde in die geheime, aufregende Welt der Sexualität eingeführt. Ein Penis, der ejakuliert. Wenn man zwölf Jahre alt ist, will man das endlich einmal sehen. Dass es katholische Priester waren, die mir diese Welt eröffneten, mag ungewöhnlich sein. Aber sie waren ja nicht die einzigen. Ich hatte zu Gleichaltrigen und Älteren dieselben Kontakte wie andere auch. Ich war kein sozial gestörtes Kind, das hilflos dem Triebleben sakraler Päderasten ausgeliefert war. Ich war verstört, weil ich zu dieser Zeit ja auch noch ein sehr religiöser Mensch war und selbst Priester werden wollte. Die moralische Verstörung war weitaus übler als die erotische Konfusion. (…)

Neulich, beim Durchstöbern alter Fotos, fiel mir ein Brief aus dem Kloster in die Hände, ein schüchterner Liebesbrief, der mir, dem damals Zwölfjährigen, von einem Ordenspriester geschrieben wurde. Und er hatte ein Foto von sich beigelegt. So erstaunlich, wie ich das heute finde, habe ich das damals gar nicht gefunden. Ich habe mich meiner Mutter gegenüber gebrüstet, dass ein Ordenspriester so vertraut mit mir war, und habe ihr das Foto gezeigt. Sie hat keinen Verdacht geschöpft. Und als mich der zudringliche Pater in den Ferien ins Kloster einlud, bin ich hingefahren.

Ich verstehe, dass die Gesellschaft Pädophilen keinen Freibrief ausstellen kann. Aber ich weiß auch, dass sie zärtlich sind, fürsorglich, liebevoll und weitaus weniger egoistisch als man sich das gemeinhin vorstellt. Sie hätten das gar nicht nötig, weil es Kinder gibt, die sich mit Neugier darauf einlassen. Ich wurde von diesen Erwachsenen sicherlich ausgenutzt, aber ich fühlte mich auch ernst genommen. Wir sprachen ja nicht nur über Sexualität. Einer der drei schrieb Gedichte. Ich kann heute noch eines seiner Gedichte auswendig. Und einmal sprachen wir über das Thema eines Schulaufsatzes, den ich zu schreiben hatte. Als wir uns das nächste Mal trafen, übergab er mir ein mit der Maschine geschriebenes Blatt, auf dem er sich Gedanken zu diesem Thema gemacht hatte. Es waren die Gedanken eines Erwachsenen. Ich baute sie in den Schulaufsatz ein, und da wurden sie plötzlich meine Gedanken. Sie brachten mich weiter. Der Mann hat später geheiratet und Kinder bekommen. Von meinem ersten Partner, jenem, der später in ein anderes Kloster versetzt wurde, kann ich mit ziemlicher Sicherheit behaupten, dass er zu Ehe und Familie gar nicht in der Lage gewesen wäre.“

Soweit der differenzierte Rückblick von Josef Haslinger.

Wer sich für die gesamte Papstrede interessiert, kann den deutschen Text auf der offiziellen Webseite des Vatikan nachlesen.

Was in der Öffentlichkeit davon hängen bleiben wird, ist aber vor allem die Schlagzeile mit der Gleichsetzung von Kindesmissbrauch mit Kindermord. Das mag heutzutage nicht gleich zum nächsten Progrom führen, treibt aber die Skandalisierung und Kriminalisierung von Pädophilie doch weiter voran.

Random-access memory von Caroline Ting

Die meisten Links auf Videos, die ich hier teile, werden einem gut informiert informierten Pädo bereits bekannt sein. Aber es gibt auch ein paar Schätzte, die weitgehend unbekannt geblieben sind.

Hier die Abschlußarbeit von Caroline Ting aus Neuseeland, die diese 2006 an der Massey University in Wellington Neuseeland eingereicht hat und ihr zu einem Bachelor mit Auszeichnung verholfen hat. Inzwischen arbeitet sie als Animatorin bei Weta Digital und hat etwa beim Planet der Affen, Tim und Struppi, Xmen, dem Hobbit, den Avengers oder Ironman III mitgewirkt.

Das wirklich coole Animations-Video wird von ihr seit 9 Jahren auf Vimeo geteilt und hat in der ganzen Zeit dort bisher nur läppische 269 Klicks und 5 Likes gesammelt. Inzwischen ist es natürlich nicht mehr ganz auf der Höhe der Animationskunst, es ist und bleibt aber höchst unterhaltsam. Der Abspann mit den Outtakes zur Synchronisation setzt dann nochmal einen drauf. Die Jungs haben einfach Spaß – den man zwar nicht sieht aber deutlich hört. 🙂

Amor als Sieger

Caravaggio - Cupid as Victor - Google Art Project

Dieses Bild von Caravaggio gab in der Folge der Edaty-Affäre und der allgemeinen gesellschaftlichen Empörung über Bilder nackter Jungen im Besitz von Pädophilen Anlaß für einen offenen Brief an die Berliner Gemäldegalerie Alter Meister.

Gemäß Berichterstattung der Berliner Zeitung: „Das Bild soll nun, ginge es nach den Briefschreibern, wegen seiner „unnatürlichen und aufreizenden Position“ schleunigst von der Wand. Die „ausdrücklich obszöne Szene“ diene „zweifellos der Erregung des Betrachters“. Auch unter Rücksicht auf das Alter des „Modells“ sei dieses „künstlerische Produkt“ höchst verwerflich. Es könnten Pädophile ihre perversen Neigungen darauf projizieren.“

Das erinnert ein wenig an die Geschichte von König Midas. So wie alles, was Midas berührt zu Gold wird (unpraktisch fürs Essen und Trinken), wird alles, was mit einem Pädo in Verbindung steht, verwerflich und pervers.

Im Bild dargestellt ist der vermutlich zu diesem Zeitpunkt (1602) etwa zwölfjährige Francesco Boneri, auch genannt Cecco del Caravaggio, der für eine ganze Reihe von Bildern Caravaggios Portait stand und auch sein Schüler wurde. Angeblich sollen die beiden auch ein Verhältnis gehabt haben.

Es ist zumindest möglich, dass es sich dabei um eine Diffamierung durch Giovanni Baglione handelt, der ein Feind und Rivale Caravaggios war und 32 Jahre nach dessen Tod die erste Caravaggio-Biografie veröffentlichte.

Mir persönlich fällt es aber nicht weiter schwer, Caravaggio (der auch sonst oft und gerne Knaben gemalt hat) für einen Knabenliebhaber zu halten. Wenn zur Entkräftung auf das Fehlen verlässlicher (unparteiischer) historischer Quellen verwiesen wird, darf man dem entgegenhalten, dass die Knabenliebe auch damals nicht akzetpiert, sondern allenfalls toleriert war und das auch nur, wenn sie im Geheimen praktiziert wurde. Es ist also nicht eben zu erwarten, streng beweisende Quellen zur sexuellen Orientierung Caravaggios finden.

Vielleicht ist es aber gut, dass nichts bewiesen werden kann. Das von einem nachweislichen Päderasten gemalte Aktportrait eines Knaben, das noch dazu den Triumph der Liebe postuliert, dürfte tatsächlich in die Bleikammern verbannt werden.

Besonders erregend finde ich das Bild übrigens nicht. Es ist künstlerisch äußerst gelungen. Der Junge ist ansehnlich, vor allem gefällt mir an ihm aber der vermitzte Ausdruck im Gesicht. Das Beste am Bild ist die Botschaft vom Sieg der Liebe.

Pflichttermin

The Voice Kids ist für Pädos ein Pflichttermin. Bei den zweiten Blind Auditions muss ich auch als BL (boylover) anerkennen, dass die beste Performance des Abends von zwei Mädchen hingelegt wurde. Aus meiner Sicht war ihre Interpreation von „Creep“ sogar besser als das Original von Radiohead.

Das Lied handelt vom Sänger selbst und einem bewunderten, angehimmelten, engelgleichen Menschen (eine „sie“). Der Sänger ist hoffnungslos und ohne Hoffnung verliebt und traut sich nicht mal, die Angebetete anzuschauen. Sich selbst hält er für einen Widerling (creep) und Spinner (weirdo), der nicht dazugehört. Er wünscht sich, einen perfekten Körper und eine perfekte Seele zu besitzen – damit es seinem angebeteten Engel aufällt, wenn er nicht da ist. Er wird aber ignoriert.

Das hört sich vielleicht abschreckend an, ist aber vor allem großes und authentisches Gefühl. Da ist Qual und Verzweiflung, die als schöner Schmerz schimmert. Goßartig!

Als Pädo habe ich für Creeps und Weirdos aller Art ohnehin große Sympathie, der Text und besonders die Interpretation spricht mich aber auch unmittelbar an.

5 Sterne. Aber nur weil es einen sechsten nunmal nicht gibt.

AJ Wray und Gabriel Bennett

Tolle Musik und tolle Videos. Hauptperson ist der ältere Bruder AJ Wray, von dem es auch eine ganze Reihe Solovideos auf seinem Kanal gibt. Sein kleiner Bruder Gabe kann aber auch toll singen und sieht ziemlich süß aus. Trotzdem hat es für AJ nicht zum Durchbruch gereicht. Das letzte Video ist schon 2 Jahre alt. Es gibt auch keine Videos mit Millionenklicks in seinem Kanal. Über 20 – 90 tausend Klicks ist er nicht hinausgekommen. Schade, dass es zum großen Durchbruch nicht gereicht hat. Trotzdem können die beiden stolz auf sich sein.

Pädophilie-Problem auf Youtube

Es gibt dieser Tage mal wieder einen Pädophilie-Aufreger. Angeblich gibt es ein Paralleluniversum für Pädophile auf YouTube.

In der Tat nutzen Pädophile YouTube um sich keine Mädchen (oder in meinem Fall kleine Jungen) anzuschauen. Das sollte eigentlich niemanden überraschen. Menschen, die man attraktiv findet, schaut man sich gerne an. Letztlich findet man wohl so auch initial heraus, auf welchen Typ Mensch man eigentlich steht. Wenn man eine spontane Erektion bekommt, wenn man eine sexy Frau sieht, ist man als Mann vermutlich heterosexuell. Wenn sich die Erektion beim Anblick eines gut gebauten Mannes einstellt, ist man vermutlich homosexuell. Und wenn der Anblick eines hübschen Jungen Auslöser der Erektion ist, ist man wohl pädophil.

Wer an Frauen interessiert ist, dreht sich um, wenn er eine hübsche Frau sieht. Wer auf Männer steht, schaut sich gerne mal einen attraktiven Mann etwas genauer an. Wer wie ich auf Jungen steht, würde sich natürlicherweise umdrehen, wenn er einen süßen Jungen sieht.

Da man als Pädophiler nicht auffallen will, muss man sich diesbezüglich etwas bremsen. So gesehen trainiert Pädophilie das periphere Sehvermögen. Oder man schaut sich die hübschen Jungen eben im stillen Kämmerlein im Internet an. Da darf man sich nicht nur umdrehen. Es gibt sogar ein Standbild. Mit etwas Handarbeit ist dann auch die Erektion schnell wieder verschwunden.

Das mag man als heterosexueller oder homosexueller Mensch abstoßend finden aber es ist im Grunde nichts anderes, als das, was man selbst auch tun würde. Im Verbund mit der angesprochenen Handarbeit ist es darüber hinaus eine praktische und für Dritte unschädliche Form der Triebabfuhr.

Zu Kinderbildern onanierende Pädophile sind deutlich besser als Pädophile, die zwanghaft ihre Sexualität unterdrücken – und irgendwann daran scheitern. In seinen „Unzeitgemäßen Betrachtungen“ schrieb Nietzsche: „es ist das schrecklichste Gegenmittel gegen ungewöhnliche Menschen, sie dergestalt tief in sich hinein zu treiben, dass ihr Wiederherauskommen jedesmal ein vulkanischer Ausbruch wird“. Vulkanausbrüche und die sich daraus ergebenden „Kollateralschäden“ kann niemand ernsthaft wollen.

Wer sich bei YouTube Videos anschaut, bekommt Empfehlungen für Videos, die ähnliche Inhalte liefern. YouTube will schließlich dass man interessante Dinge findet, damit man lange auf YouTube bleibt und die Firma möglichst viel Geld mit Werbung verdienen kann.

Wenn ich vor allem Videos mit Jungen anschaue, bekomme ich irgendwann vor allem Videos mit Jungen angezeigt. Und wenn ich Jungen mit nacktem Oberkörper sehen will, habe ich gut Chancen fündig zu werden, wenn ich zum Beispiel nach jugendlichen Teilnehmern an der Ice Bucket Challenge suche. Zum Beispiel dieses Video:

Der aktuelle Pädophilie-Aufreger wurde durch ein Video von Matt Watson (MattsWhatItIs) losgetreten, dass mit „Youtube is Facilitating the Sexual Exploitation of Children, and it’s Being Monetized (2019)“ betitelt ist. Auf Deutsch: „Youtube erleichtert die sexuelle Ausbeutung von Kindern und verdient Geld damit (2019)“

Anders als der Titel suggeriert, handelt es sich aber um völlig legale Inhalte. Da wird kein Kind sexuell ausgebeutet oder traumatisiert.

Dennoch gibt es, bei dem, was im Video gezeigt wird, durchaus problematische Aspekte. Es scheint sich überwiegend um Videos zu handeln, die ursprünglich von anderen (Kindern oder deren Eltern) hochgeladen wurden, um dann von jemandem gefunden, heruntergeladen und auf neuen Kanälen platziert zu werden. Hinzu kommen anzügliche bzw. sexuell gefärbte Kommentare von Nutzern unter den Videos und Timestamps, bei denen besonders „relevante“ Stellen des Videos mit einem Klick angesprungen werden.

Schließlich wird zu einigen der Videos auch Werbung eingeblendet oder abgespielt, womit Youtube aber auch die Kanal-Besitzer Geld verdienen. Aufgrund des Skandals haben etliche Firmen Ihre Werbung auf YouTube eingestellt, bis das Problem von Youtube gelöst wird (oder von der Öffentlichkeit wieder vergessen wurde).

Sexuell gefärbte Kommentare können durchaus eine erhebliche Belästigung sein. Entsprechende Kommentare im Original-Video würden schnell dazu führen, dass die Videos von den Eltern oder Kindern gelöscht werden. Wenn das Video von jemand anderem in einem neuen Kanal eingestellt wurde, besteht diese „Gefahr“ (aus Sicht des Konsumenten) nicht. Allerdings ist damit auch das Risiko deutlich geringer, dass das Kind irgend etwas von den Kommentaren mitbekommt. Die reale Belästigung dürfte sich also in Grenzen halten.

YouTube „demonetarisiert“ regelmäßig Videos mit potentiell kontroversem Inhalt, indem dort keine Werbung mehr angezeigt wird und verfügt auch über Algorithmen und natürlich auch eine Meldefunktion, mit denen anstößige Kommentare identifiziert werden können. Bei Videos mit anstößigen Kommentare wird dann in der Regel die Kommentarfunktion deaktiviert.

Bei dem Video des Jungen mit der Ice Bucket Challenge sind die Kommentare übrigens ebenfalls deaktiviert. Es wird sich wohl also auch dort jemand verbal daneben benommen haben.

Es wäre für YouTube (das zum Google Konzern gehört) ein Leichtes, Videos mit Kindern, bei denen die Kommentarfunktion deaktiviert werden musste, zu demonetarisieren oder auch Kanäle zu sperren, bei denen fremde Inhalte hochgeladen werden, die noch dazu mit einer nennenswerten Menge anzüglicher Kommentaren bedacht werden.

Belästigendem Verhalten muss man Einhalt gebieten, wenn man andere Nutzer nicht vergrätzen will. So etwas gehört zur normalen Hausarbeit / Hygiene wie auch etwa das Entfernen von rassistischen Inhalten oder antisemitischen Kommentaren. YouTube hat diese Hausaufgaben nicht ordentlich erledigt und muss sich deshalb eigentlich nicht wundern, wenn es dafür nun sozusagen die Quittung bekommt.

Allerdings drängt sich auch ein unschöner Verdacht auf, wenn man das Ende des Videos anschaut, mit dem Matt Watson, den Werbeboykott von Disney, Nestlé, Dr. Oetker und anderen Konzernen ausgelöst hat. In den letzten anderthalb Minuten geht es vor allem um die Klagen von Kanal-Besitzern und Content-Erstellern auf YouTube deren Videos von YouTube demonetarisiert wurden, so dass sie damit kein Geld mehr verdienen können. Die gezeigten Personen fühlen sich offensictlich ungerecht behandelt, bzw. von YouTube um ihre Einnahmen betrogen. Ganz zu Beginn des Videos erfährt man wiederum, dass es sich um ein (einmaliges) Comeback-Video handelt. In der Mitte des Videos erfährt man, dass Matt Watson der Meinung ist, dass YouTube die Content-Ersteller über den Tisch zieht und mit seinem eigenen kleinen Kanal in der Vergangenheit 1.000 US Dollar verdient hat.

Es liegt der Verdacht (!) nahe, dass die Videos von Matt Watson von YouTube demonetarisiert wurden und er sich deshalb im Zorn von der Plattform verabschiedet hat. Die feurig vorgetragene Empörung über die ekelhaften Pädos mit denen das böse YouTube Geld verdient, wirkt da auf einmal wie ein strategisch geplanter, privater Rachefeldzug. Das Thema wurde in der Vergangenheit nach den Recherchen von Matt Watson bereits von anderen (wohl mit deutlich geringerem Erfolg) angesprochen. Vermutlich wurde also erst gezürnt, dann recherchiert und schließlich das Thema gewählt, mit dem man am besten molbilisieren kann, um den größtmöglichen Schaden bei YouTube anzurichten. Empörung über Pädophilie ist ein toller Hebel, der immer funktioniert.

Die möglicherweise (!) nicht ganz so edlen Motive ändern natürlich nichts daran, dass insbesondere anzügliche Kommentare über Kinder daneben sind. Man mag sie sich denken (die Gedanken sind ja angeblich frei), aber in in die Öffentlichkeit gehört so etwas nicht.

YouTube wird nun reagieren, Kanäle und Nutzer sperren und vielleicht auch etwas restriktiver gegen anzuügliche Kommentare und Ihre Verfasser vorgehen. An der Existenz von Pädophilen und daran, dass diese sich Videos auf YouTube anschauen, wird das aber rein gar nichts ändern.

Mein „Lebenslänglich“

Pädophile Personen sind (vermutlich) öfter virtuell als in der Lebenswirklichkeit unterwegs. Wenn man ihre – wie auch immer begründete – sexuelle Präferenz konsequent kriminalisiert, sagt man Menschen, die im Übrigen nicht anders sind als alle anderen, dass sie lebenslang (!) für jede Verwirklichung ihrer Fantasie hart bestraft werden, die nicht im innersten Gedankenkreis bleibt. Eine harte Grenze, die sich ein jeder hetero- oder homosexuell „veranlagter“ Mensch einmal als Perspektive des eigenen Lebens probehalber vorstellen mag.

Prof. Dr. Thomas Fischer, ehemaliger Vorsitzender Richter des 2. Strafsenats des Bundesgerichtshofs, in einem Meinungsartikel bei Spiegel-Online zu den Kinderschutz-Vorstößen von CDU/CSU)