Der Hunger lehrt die Preise

Ich habe den Preis für alle Dinge erfahren müssen – weil ich ihn nie zahlen konnte –, als ich als sechzehnjähriger Lehrling allein in die Stadt kam: der Hunger lehrte mich die Preise; der Gedanke an frischgebackenes Brot machte mich ganz dumm im Kopf, und ich streifte oft abends stundenlang durch die Stadt und dachte nichts anderes als Brot. Meine Augen brannten, meine Knie waren schwach, und ich spürte, dass etwas Wölfisches in mir war. Brot. Ich war brotsüchtig, wie man morphiumsüchtig ist.

Aus Das Brot der frühen Jahre von Heinrich Böll

Als ich dieses Zitat heute gefunden habe, hat es mich schwer mitgenommen. Natürlich fehlt es mir nicht am Brot. Es gibt auch andere Grundbedürfnisse.

Leben unter Verdacht

Wer pädophil ist, hat sich das nicht ausgesucht. Er wäre ja auch schön blöd.

Mit der Eigenschaft Pädophil-Sein sind schwere Einschränkungen verbunden. Das betrifft etwa die extreme Einschränkung der Möglichkeit eines erfüllten Sexuallebens, die stark reduzierten Aussichten auf eine Lebenspartnerschaft, das ewige Verstecken, die Furcht vor der ständig drohenden sozialen Ächtung und die damit verbundene Paranoia.

Hinzu kommt ein Maß an Kriminalisierung, das Menschen mit pädophiler Neigung zu Menschen mit eingeschränkten Grundrechten macht. Denn wer pädophil ist, steht unter Verdacht ein Verbrecher zu sein. Der Grund dafür ist die Vermutung, dass Pädophile Kinderpornographie besitzen.

Strafbarkeit des Besitzes von Kinderpornographie

Dass der Besitz von Kinderpornographie (im Gegensatz zu Herstellung und Vertrieb) strafbar ist, ist keine völlige Selbstverständlichkeit. Tatsächlich ist der Besitz von Kinderpornographie erst seit 1993 strafbar. Die Strafandrohung war Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe. Betroffen waren pornographischen Schriften, die den sexuellen Missbrauch von Kindern zum Gegenstand haben, wenn die Schriften ein tatsächliches Geschehen wiedergeben.

Im Grunde handelt es sich um die Definition, die auch heute noch mit dem Begriff Kinderpornografie landläufig in Verbindung gebracht wird. Tatsächlich hat sich die Gesetzgebung hiervon inzwischen aber entfernt.

Seit 1997 ist auch der Besitz von Kinderpornographie strafbar, die ein wirklichkeitsnahes Geschehen wiedergibt, also virtuelle Kinderpornographie, für die niemand ausgebeutet oder missbraucht wurde.

Aus meiner Sicht ist das Verbot virtueller Kinderpornographie krass ungerecht und ich habe erhebliche Zweifel, ob es verfassungskonform ist. Es gibt dazu eine Reihe Aspekte, die ich bei anderer Gelegenheit noch einmal ausleuchten werde. Ein Aspekt soll hier erstmal genügen:

Die sexuelle Selbstbestimmung ist ein wichtiges und schützenswertes Rechtsgut, das von Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes geschützt ist. Das gilt auch für meine eigene sexuelle Selbstbestimmung, wenn die Ausübung nicht mit der sexuellen Selbstbestimmung anderer kollidiert. Da durch eine Zeichnung oder Computeranimation kein Kind in seiner sexuellen Selbstbestimmung verletzt wird, hat das Verbot keinen legitimen Schutzzweck. Die Wirkung beschränkt sich darauf, die sexuelle Selbstbestimmung von Pädophilen einzuschränken.

Es hat dem Gesetzgeber aber nicht gereicht, auch virtuelle Kinderpornographie zu verbieten. Die Definition, was eine kinderpornographische Schrift ist, wurde sukzessive immer wieder erweitert und das Strafmaß für den Besitz parallel dazu erhöht.

Seit 2008 müssen kinderpornographischen Schriften nicht mehr den sexuellen Missbrauch von Kindern zum Gegenstand haben, sondern sexuelle Handlungen von, an oder vor Kindern zum Gegenstand haben. Außerdem wurde die Strafandrohung für den Besitz auf bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe erhöht. Mit dem Umschwung auf „sexuelle Handlungen“ wurde in der praktischen Rechtsprechung auch bereits der Besitz von Posing-Bildern (im Sinne einer unnatürlich geschlechtsbetonten Körperhaltung) kriminalisiert, die vorher noch legal waren.

Außerdem wurde 2008 die neue Kategorie der jugendpornographischen Schriften eingeführt, die Personen von vierzehn bis achtzehn Jahren zum Gegenstand haben und vorher legal waren. Die Definition ist anlog zur kinderpornographischen Schrift, die Strafandrohung lag bei Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe.

Im Jahr 2015 wurden Posing-Bilder dann ausdrücklich in die gesetzliche Definition von Kinderpornographie aufgenommen. Seitdem zählen zu Kinderpornographie auch die Wiedergabe eines „ganz oder teilweise unbekleideten Kindes in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung“ und die „sexuell aufreizende Wiedergabe der unbekleideten Genitalien oder des unbekleideten Gesäßes eines Kindes“. Zugleich wurde die Strafandrohung für den Besitz auf bis zu drei Jahren oder Geldstrafe erhöht. Der Strafrahmen für den Besitz jugendpornographischen Schriften (die begrifflich ebenfalls um Posing-Darstellungen erweitert wurde) wurde auf Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe erhöht.

Des weiteren wurde 2015 die umgangssprachlich auch „Lex Edathy“ genannte Regelung eingeführt nach der mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft wird, wer „eine Bildaufnahme, die die Nacktheit einer anderen Person unter achtzehn Jahren zum Gegenstand hat, herstellt oder anbietet, um sie einer dritten Person gegen Entgelt zu verschaffen, oder 2. sich oder einer dritten Person gegen Entgelt verschafft“ (§ 201a – Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen).

Immerhin sind ist hier bisher (!) nur der entgeltliche Erwerb verboten und die Strafbarkeit scheint sich auch auf Bildaufnahmen zu beschränken und etwa Zeichnungen nicht zu erfassen.

Ich werte das aber als Momentaufnahme. Die nächste Verschärfung scheint mir sicher. Das gesunde Volksempfinden ist bestimmt auch verletzt, wenn ich als Pädophiler die Zeichnung eines nackten Zwölfjährigen kaufen oder auch nur besitzen würde. Ein entsprechendes Verbot wird irgendwann kommen.

Überhaupt wird bereits an der nächsten Verschärfung geschraubt. Die CDU/CSU möchte das Strafmaß für Besitz kinderpornographischer Schriften auf 5 Jahren erhöhen und medial wird die Empörung darüber geschürt, dass Pädophile im Netz nach (völlig legalen) Kinderbildern suchen.

Vor kurzem lief mal wieder die Wiederholung einer WDR Reportage aus dem Jahre 2016: „Kinderfotos im Netz: gepostet, geklaut, missbraucht„. Offizielle Inhaltsbeschreibung:

Von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt werden im Internet massenweise Kinderfotos geklaut und von Pädophilen für sexuelle Zwecke missbraucht. Unbedarft gepostete Alltagsbilder bei Instagram landen in pädophilen Foto-Blogs und werden dort mit perversen Kommentaren versehen. Kinder und Jugendliche sind im Internet immer häufiger Opfer sexualisierter Gewalt, ohne das Politik und Industrie etwas dagegen unternehmen. Die Dokumentation durchleuchtet das perfide System des Foto-Diebstahls und zeigt, wie schutzlos Kinder im Netz Beute von Pädophilen werden.

Die breite Öffentlichkeit soll also darüber empört werden, dass es überhaupt noch Bilder gibt, die sich Pädophile straffrei anschauen können. Der Skandalisierung folgt dann, die Kriminalisierung. Erst wird eine Schutzlücke behauptet, dann breitgetreten und schließlich „geschlossen“. Das Volk will es ja so.

Schwere Straftat

Paragraph 100a der Strafprozessordnung definiert „schwere“ Straftaten, bei denen ohne Wissen der Betroffenen die Telekommunikation überwacht und aufgezeichnet werden darf, wenn bestimmte Tatsachen den Verdacht begründen, dass jemand als Täter oder Teilnehmer eine der genannten schweren Straftaten begangen hat. Oder in Fällen, in denen der Versuch strafbar ist, zu begehen versucht, oder durch eine Straftat vorbereitet hat.

Der Paragraph schränkt damit das Grundrecht der Unverletzlichkeit des Brief-, das Post- sowie das Fernmeldegeheimnis ein (Artikel 10 des Grundgesetzes).

Seit Oktober 2002 zählt zu diesen schweren Straftaten der schweren sexuellen Missbrauch von Kindern und der sexuellen Missbrauch von Kindern mit Todesfolge. Das soll an dieser Stelle nur zeigen, dass der Paragraph eigentlich für Straftaten gedacht ist, bei denen der Staat selbst oder ein Menschenleben gefährdet ist. Ursprünglich fielen unter die schweren Straftaten etwa Friedensverrat, Hochverrat, Mord und Totschlag.

Seit März 2008 zählt zu den schweren Verbrechen auch der Besitz von Kinderpornografie (der bis 1993 noch legal war) und seit November 2008 auch der Besitz von Jugendpornografie (der bis 2008 noch legal war).

Anfangsverdacht

Es wird im Strafverfahren zwischen drei Verdachtsstufen unterschieden: Anfangsverdacht, hinreichender Tatverdacht und dringender Tatverdacht.

Dringender Tatverdacht liegt vor, wenn nach den Ermittlungsergebnissen ein hoher Wahrscheinlichkeitsgrad dafür besteht, dass der Beschuldigte eine Straftat begangen hat.

Hinreichender Tatverdacht liegt vor, wenn bei der vorläufigen Tatbewertung die Verurteilung des Beschuldigten wahrscheinlicher ist als ein Freispruch, die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung also bei mindestens 50% liegt.

Ein Anfangsverdacht liegt vor, wenn tatsächliche Anhaltspunkte (Indizien) für eine Straftat vorliegen. Nach kriminalistischer Erfahrung muss es möglich erscheinen, dass eine verfolgbare Tat vorliegt. Liegt ein Anfangsverdacht vor, so müssen die Strafverfolgungsorgane ein Ermittlungsverfahren einleiten. Etwas anderes gilt nur, wenn die Tat nicht verfolgbar ist, weil sie beispielsweise verjährt ist.

Ein Anfangsverdacht ermöglicht (nach einer unter richterlicher Kontrolle erwirkten Beschlusssituation) außerdem die Durchführung einiger Zwangsmaßnahmen, etwa:

  • Körperliche Untersuchung des Beschuldigten gem. § 81a StPO
  • Sicherstellung und Beschlagnahme von Gegenständen zu Beweiszwecken gem. § 94 StPO
  • Telekommunikationsüberwachung gem. § 100a StPO
  • Durchsuchung beim Beschuldigten gem. § 102 StPO

Es ist also ein Richter zwischengeschaltet, der die körperliche Untersuchung, die Telekommunikationsüberwachung oder auch die Durchsuchung zunächst genehmigen muss und dabei prüft, ob der Anfangsverdacht ausreicht und durch tatsächliche Anknüpfungspunkte belegt ist. Bei der Beschlagnahme erfolgt die richterliche Prüfung dagegen in der Regel erst nachträglich (unter der Voraussetzung dass man der Beschlagnahme widerspricht und die Überprüfung beantragt).

Kriminalistische Erfahrung

Kriminalistische Erfahrung ist ein dehnbarer Begriff und partiell der Willkür unterworfen. Was in einem Bundesland als oder einer Polizeibehörde einen Anfangsverdacht noch nicht begründet, reicht bei einer anderen Polizeibehörde bereits aus. Im Zusammenhang mit dem Fall Edathy berichtete die Frankfurter Rundschau wie folgt zur „kriminalistischen Erfahrung“:

Auch der ehemalige Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy hatte längere Zeit und über verdeckte Zahlungswege legale Posing-Fotos in Kanada geordert. Nach längerer Prüfung ermittelte die Staatsanwaltschaft Hannover dennoch gegen ihn. Sie begründet das mit der „kriminalistischen Erfahrung“, wonach bei solchen Fällen der Verdacht auf Besitz strafbarer Kinderpornos bestehe.

Nach Recherchen der Frankfurter Rundschau sind auch andere Staatsanwaltschaften so vorgegangen. Im Bereich der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart – sie ist zuständig für Württemberg – wurde „nach Prüfung der Gesamtumstände“ in Posing-Fällen ein Anfangsverdacht bejaht. Das teilte die Generalstaatsanwaltschaft der FR auf Anfrage mit.

(…)

Aber die Ermittler im Land sind gespalten. Andere Staatsanwaltschaften lehnen in Posing-Fällen ein Ermittlungsverfahren ab. Weil die Strafverfolgung in der Bundesrepublik nicht zentralisiert, sondern Ländersache ist, sind solche Unterschiede möglich. Vor allem in Grenzfragen gibt es schon immer eine unterschiedliche Verfolgungspraxis, der Fall Edathy macht dies aber einer breiten Öffentlichkeit bewusst. Die Länder-Zuständigkeit plus lokale Unterschiede machen eine genaue statistische Erfassung der Ermittlerpraxis übrigens unmöglich.

Legales Verhalten reicht also aus, um den Verdacht einer illegalen Handlung zu begründen.

Und in Hinblick auf den Besitz von Kinderpornografie stehen Pädophile unter Generalverdacht.

Wann durchsuchen Polizei und Staatsanwaltschaft Privatwohnungen?
Nötig für einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss ist ein Anfangsverdacht, sogenannte zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für eine Straftat. Was das bedeuten kann, erklärt ein Ermittler an einem Beispiel: Wer heimlich an einem FKK-Strand Fotos fremder Kinder macht, begeht zwar keine strafbare Handlung. Er setzt sich aber als offensichtlich Pädophiler einem Anfangsverdacht aus – und der kann Anlass für eine Wohnungsdurchsuchung oder das Abhören seines Telefons sein.

SPON: „Kinderpornografie – Schon Googeln ist strafbar

Der Verdacht ist wohl nicht einmal unbegründet. Aus einer Pressemitteilung des Präventionsprojekts „Kein Täter werden“ geht hervor, dass rund 70 % der Teilnehmer am Berliner Standort von „Kein Täter werden“ bereits Missbrauchsabbildungen konsumiert hatten, davon fast 90 % im Dunkelfeld, also unentdeckt.

Aus kriminalistischer Sicht ist die Tatsache, dass jemand pädophil ist, als Indiz für eine Straftat (Besitz von Kinderpornographie) also potentiell ausreichend, um einen Anfangsverdacht zu begründen.

Wenn ich mich als pädophil outen würde oder jemand herausfinden würde, dass ich pädophil bin, müsste ich allein wegen dieser Eigenschaft – mit der ich geboren wurde und für die ich nichts kann – potentiell mit einer heimlichen Telekommunikationsüberwachung, einer Hausdurchsuchung und der Beschlagnahme meines Rechners und meines Handys (zur „Beweissicherung“) rechnen.

Im Regelfall in der juristischen Praxis dürfte es meist so sein, dass noch ein anderes Verdachtselement hinzutreten muss. Darauf verlassen kann man sich aber nicht. Es hängt letztlich von der persönlichen Einschätzung der Ermittlungsbehörde und des Richters ab, der sie kontrollieren soll.

Es gibt Polizeibehörden, die bei einer Durchsuchung diskret vorgehen, weil Ihnen bewusst ist, dass der bloße Verdacht einer solchen Straftat katastrophale soziale Konsequenzen hat. Es gibt andere Polizeibehörden, die hierauf keine Rücksicht nehmen, mit Sondereinsatzkommando anrücken und statt zu klingen oder zu klopfen lieber gleich die Türe aufbrechen.

Für einen Anfangsverdacht reicht übrigens (normalerweise) nicht, wenn lediglich jemand behauptet, dass ein anderer pädophil sei. Wenn man aber legale Bilder von Jungs sammelt und dabei auffällt, ein pädophiles Selbsthilfeforum besucht, einen pädophilen Blog (wie meinen) schreibt oder dort regelmäßig liest, kann das bereits schon nahelegen, dass man pädophil ist und damit einen Anfangsverdacht begründen.

Selbst wenn unklar ist, ob ein Anfangsverdacht vorliegt, kann es immer noch zu Vorermittlungen kommen, die dazu dienen sollen, den Anfangsverdacht zu erhärten.

Ungerechte Gesetze

Der hohe Prozentsatz von geschätzt 70 Prozent Konsumenten von Kinderpornografie unter Pädophilen (lt. KTW-Umfrage) ist vermutlich teils der Sache an sich, teils aber auch den ständigen Erweiterungen des Tatbestandes geschuldet.

Jemand der Erwachsenenpornographie konsumiert, kann auf realen Sex ausweichen. Pädophil veranlagte Menschen haben diese Möglichkeit nicht. Der Konsum von Kinderpornographie ist ja gerade das Ausweichen von realem Sex auf eine Alternative, die Dritte weniger beeinträchtigt (bei Kinderpornographie mit real existierenden Darstellern) oder sogar überhaupt nicht beeinträchtigt (bei virtueller Kinderpornographie).

Jemand, der 1992 legal Kinderpornographie konsumiert hat, konnte auf Zeichnungen und Posingbilder ausweichen, nachdem der Besitz von Kinderpornographie verboten wurde. Als auch kinderpornographische Zeichnungen verboten wurden, blieben ihm Posingbilder. Nachdem auch Posingbilder verboten wurden, könnte er vielleicht noch auf Nacktaufnahmen ausweichen. Auch die dürfen heute jedenfalls nicht mehr entgeltlich erworben werden. Es bleibt fast nichts. Und selbst das wenige, das theoretisch heute noch nicht unter Strafe steht (z.B. normale Kinderfotos aus dem Netz) wird aktuell skandalisiert, um es bald ebenfalls verbieten zu können.

Wenn aber ohnehin alles Kinderpornographie ist und man sich zwangsläufig strafbar macht, kann jemand, der ganz ohne „Ersatzdroge“ nicht klarkommt, auch gleich auf Darstellungen sexueller Handlungen real existierender Kinder zurückgreifen (soweit er das moralisch mit sich vereinbaren kann) und sich im Übrigen darauf konzentrieren nicht erwischt zu werden (z.B. durch Anonymisierungsdienste und Verschlüsselung).

Aus meiner Sicht kann das keine sinnvolle Lösung sein. Totalverbote haben letztlich eine negative Schutzwirkung und kriminalisieren gleichzeitig ohne Not Menschen, die sich eigentlich anständig verhalten wollen.

Ich halte es für ein deutliches Alarmsignal, wenn geschätzt 70% der primär Betroffenen (ansonsten völlig normalen und gut angepassten) Menschen es nicht schaffen, ein Gesetz einzuhalten, dessen Missachtung aktuell mit bis zu drei Jahren Gefängnis bedroht ist.

Nach meinem Gerechtigkeitsempfinden sollte es möglich und zumutbar sein, Gesetze einzuhalten. Wenn ein Gesetz trotz sehr hoher Strafandrohung von der Mehrheit der betroffenen Personen nicht eingehalten wird, deutet dies darauf hin, dass möglicherweise die Verhältnismäßigkeit nicht stimmt. Aus meiner Sicht ist vor allem das Verbot virtueller Kinderpornografie falsch und

Verfolgungsängste

Weil ich pädophil bin und weiß, dass das allein bereits genügt, um den Anfangsverdacht einer Straftat zu begründen, habe ich jahrelang jedes Mal einen Schreck bekommen, wenn jemand an meiner Haustür klingelte.

Das mag paranoid wirken. Aber Paranoia ist nur dann Paranoia, wenn die Verfolgungsängste wahnhaft eingebildet sind.

Als Pädophiler weiß ich, dass mir die Menschen in Hinblick auf mein Pädophil-Sein ganz überwiegend feindlich gegenüber stehen.

Außerdem weiß ich, dass mir im Grunde jederzeit nicht nur eine schwere Verletzung meines höchstpersönlichen Lebensbereichs in Form einer Hausdurchsuchung, sondern darüber hinaus auch ein Zwangsouting bei Nachbarn und Arbeitgeber droht.

Ich fühle mich durch das mir durch die Gesetzeslage aufgezwungene Leben unter Generalverdacht diskriminiert, verfolgt und bedroht. Gleichzeitig fühle ich mich durch die immer weitreichenderen Verbote und regelmäßig erhöhten Strafrahmen erstickt und jeder Luft zum Atmen beraubt.

Magisches Denken

Ich habe vorhin einen Beitrag in Panorma gesehen, dem ältesten deutschen politischen Fernsehmagazin. Es ging um die entführte Tochter von Danisch Farooqi. Farooqis Ex-Frau hatte sich nach ihrer Scheidung (von ihm unbemerkt) radikalisiert und ist vor fünf Jahren heimlich mit der gemeinsamen dreijährigen Tochter und dem neuen Partner in das „Kalifat“ nach Syrien ausgewandert, um dort den IS zu unterstützen.

Herr Farooqi, der in Deutschland geboren wurde und deutscher Staatsbürger ist, und auch das geteilte Sorgerecht für seine Tochter hatte, hat sofort Anzeige wegen Kindesentzug erstattet. Parallel versuchte er durch eigene Ermittlungen herauszufinden, wo genau seine Tochter steckt, um sie zurück zu holen.

Ich weiß nicht, ob ich genug getan hab. Ich hab natürlich alles versucht, so, aber vielleicht habe ich irgendwas ausgelassen, irgendwas vergessen, irgendwas nicht gemacht, irgendwas falsch gemacht. Diesen Vorwurf muss man sich als Vater natürlich jeden Tag machen.

Danisch Farooqi im Interview mit Panorama

Seit Ende 2017 weiß man, wo die Tochter und ihre Mutter sich aufhalten. Sie befinden sich in einem kurdischen Gefangenenlager für ehemalige IS-Frauen und ihre Kinder in Nordsyrien. Die Zustände in solchen Lagern sind katastrophal. Es gibt dort auch kaum eine Perspektive. Die Herkunftsländer wollen die Menschen nicht zurück.

Obwohl auch die entführte Tochter deutsche Staatsbürgerin ist, kümmert sich bei den deutschen Behörden niemand darum, sie wieder nach Deutschland zu ihrem Vater zurückzubringen. Angeblich sei eine konsularische Unterstützung in Nordsyrien nicht möglich.

Dabei hat die kurdische Selbstverwaltung ein Büro in Berlin und auch der kurdische Vertreter für auswärtige Angelegenheiten, Abdel Karim Omar, fordert die Rückkehr gefangen genommener Frauen und Kinder von Dschihadisten.

Wenn man es wollte, wäre es kein Problem, die Tochter von Danisch Farooqi nach Deutschland zurückzuholen. Aber am Willen fehlt es. Die fehlende Auslandsvertretung der Bundesrepublik hinderte den BND zum Beispiel nicht, in das Camp zu fahren, um dort inhaftierte Frauen zu verhören.

Nach dem Beitrag bei Panorama habe ich kurz im Web recherchiert, ob es eine Petition gibt, mit der die Bundesregierung aufgefordert wird, sich für die Rückkehr der Tochter von Danisch Farooqi einzusetzen. Es gibt sie tatsächlich, aber das Ziel lag bei 5.000 Unterschriften und ist bereits erreicht, die Petition „Holt meine entführte Tochter zurück!“ ist bereits geschlossen. Ich konnte die Petition also nicht mehr unterschreiben.

Das ist jetzt schon ein relativ langer Artikel, der mit dem Kernthema meiner Seite rein gar nichts zu tun hat.

Politische Themen möchte ich hier eigentlich vermeiden. Pädos sind so vielfältig wie andere Menschen auch. Es gibt linksradikale, linke, liberale, konservative, rechte und rechtsradikale Pädos. Einen gemeinsamen Nenner jenseits vom gemeinsamen Schicksal pädophil zu sein, gibt es nicht. Politische Diskussionen sind da aus meiner Sicht eher wenig zielführend und spaltend. Die Gruppe von Pädos, die sich überhaupt an Diskussionen beteiligt, ist ohnehin schon klein genug.

Warum also komme ich hier trotzdem auf politische „Abwege“?

Die Verzweiflung von Danisch Farooqi und seine Selbstvorwürfe, dass er vielleicht nicht genug getan hat, um seiner Tochter zu helfen, haben mich sehr berührt.

Das kleine Mädchen kann nichts dafür, dass seine Mutter so dumm und selbstsüchtig war, sich mit ihr in ein Kriegsgebiet abzusetzen. Farooqi kann auch nichts dafür und so wie man es von einem guten Vater erwartet, tut er, was er kann, um sein Kind zu schützen und seiner Tochter eine gute Zukunft zu ermöglichen. Ich fühle mich deshalb verpflichtet, ihm zu helfen – auch wenn es nur meine Unterschrift unter einer Petition ist.

Ich glaube an das Gute im Menschen. Ich bin davon überzeugt, dass man Menschen gut behandeln sollte, und ich finde, dass man Menschen helfen muss, wenn man es kann.

Nachdem ich festgestellt habe, dass die Petition schon geschlossen wurde, habe ich aber nochmal über den Grund nachgedacht, warum ich nach einer Petition gesucht hatte und unterschreiben wollte.

Dabei kam mir in den Sinn, dass in meiner Überzeugung, dass man Menschen helfen muss, auch eine Portion magisches Denken steckt. Im Sinne von: ich tue etwas Gutes und mir geschieht etwas Gutes. Ich helfe jemandem und irgendjemand hilft mir. Wenn man so will: Karma.

Oder wie es die Beatles ausdrücken würden: „And in the end the love you take is equal to the love you make” (deutsch: Und am Ende entspricht die Liebe, die du bekommst, der Liebe, die du gibst.)

Für mich war das ein schmerzhafter Moment: ich habe an meinem Edelmut gekratzt und darunter war nur meine eigene Verletzung, von der ich mir wünsche, dass jemand sie heilt.

Nicht edelmütig, sondern lediglich verletzt und obendrein naiv – was ist da die Schlussfolgerung?

Ich glaube immer noch an das Gute im Menschen. Daran, dass man andere Menschen gut behandeln sollte. Hoffe darauf, selbst gut behandelt zu werden. Aber vielleicht ist das ja nicht mal naiv. Ich bin ja nicht der einzige.

Oder wie John Lennon sagen würde: „You may say I’m a dreamer, but I’m not the only one. I hope someday you will join us. And the world will be as one.” (deutsch: Du magst sagen, dass ich ein Träumer bin, aber ich nicht der Einzige. Ich hoffe, eines Tages wirst du dich uns anschließen. Und die Welt wird Eins sein.“

Und damit auch hartgesottene BLs noch etwas von diesem Beitrag haben, hier die Version von Declan Galbraith dazu:

Argumente für eine pädophile Beziehung

Vorab: es gibt viele und gute Gründe, warum man von einer pädophilen Beziehung möglicherweise besser Abstand nehmen sollte. Es gibt ein schwer einzuschätzendes, reales Risiko, durch die Beziehung den Jungen zu belasten: durch die Notwendigkeit zu Schweigen, durch Sekundärschäden bei Entdeckung und in Zukunft, falls sich seine Meinung über die Beziehung ändern sollte. Eine sexuelle Beziehung ist außerdem ohne Vertrauensbruch gegenüber den Eltern kaum vorstellbar. Darüber hinaus ist sie (wenn der jüngere unter 14 Jahre alt ist) natürlich auch strafbar – es drohen empfindliche Freiheitsstrafen.

Diese Gründe, auf die ich an anderer Stelle ausführlich eingegangen bin, kann man meiner Meinung nach nicht einfach abtun oder widerlegen. Sie sind aber auch nicht die ganze Wahrheit.

Es geht nicht um Sex, sondern um Liebe

Es gibt für mich auch Gründe an der Möglichkeit einer pädophilen Beziehung festzuhalten. Damit meine ich nicht die Möglichkeit beglückender sexueller Erlebnisse. Dann ginge es lediglich um Sex. Mir geht es um Liebe, die stärkste mögliche Hinwendung zu einem anderen Menschen.

Aus evolutionsbiologischer Sicht ist das Entstehungsfeld von Liebe in der Sexualität zu suchen. Zweck ist die Stabilisierung einer Paarbeziehung über längere Zeiträume. Es reicht schließlich nicht aus, Kinder zu zeugen, man muss sie auch großziehen. Und weil das verdammt viel Zeit und Kraft braucht es dafür eine feste Gemeinschaft bilden. Diese Gemeinschaft ist Zweck der Liebe.

Liebe mag also einer körperlichen Anziehung entspringen, besteht aber nicht einer körperlich-sexuellen Erfahrung, sondern in tiefer emotionale Nähe und inniger Verbundenheit. Sie hat zwar einen Zweck, denkt aber selbst nicht in Kategorien von Zweck und Nutzen, sondern ist deren Aufhebung.

Liebe steht über der Vernunft

Liebe ist kostbar. Es gibt nichts Schöneres als jemanden zu lieben und geliebt zu werden. Aus gutem Grund gilt die Pflicht zur Vernunft bei Liebe gemeinhin als aufgehoben. Liebe muss sich nicht rechtfertigen. Sie ist eine Urkraft menschlichen Handelns und Strebens und vereint in sich Elemente einer Geisteskrankheit mit dem tiefsten Sinn des Lebens, der für einen Menschen überhaupt vorstellbar ist. Liebe ist auch Selbstaufgabe. Wenn man jemanden innig liebt, ist man bereit, für den anderen Menschen nötigenfalls zu sterben. Liebe besiegt so selbst den Tod.

Entgegenzuhalten, dass es ja nicht um edle Liebe, sondern um schnöden, niederen Sex gehe, wäre deutlich daneben gegriffen. Erstens ist Sex nichts niedriges, sondern bereits für sich höchst bedeutsam. Zweitens ist es die Sexualität, die zur Liebe hinlenkt. Ohne sexuelle Lüste gäbe es bedeutend weniger Liebe auf der Welt, sowohl zwischen Paaren als auch zu Kindern. Ohne Sex gäbe es ja keine Kinder, so dass auch die elterliche Liebe keine Chance auf Entfaltung hätte.

Vom Nutzen der Liebe

In meiner Überlegung zu den Gründen gegen eine pädophile Beziehung standen die möglichen Gefahren für den Jungen im Vordergrund. In einer pädophilen Beziehung liegen aber nicht nur Gefahren.

Von jemandem geliebt zu werden, ist beglückend. Darüber hinaus ist es mit handfesten Vorteilen verbunden.

Einer der wesentlichen Punkte, die standardmäßig einer pädophilen Beziehung entgegengehalten wird, ist die Ungleichheit der Partner. Der ältere Beziehungspartner ist entwicklungspsychologisch weiter, physisch stärker, verfügt über mehr Wissen, mehr Erfahrung und viel mehr Geld. Der Ältere ist deshalb in einer Position, die es ihm erlaubt, den Jüngeren zu manipulieren und auszunutzen, um seine eigenen (sexuellen) Bedürfnisse zu befriedigen.

Es gibt allerdings einen Mechanismus, der das wirksam verhindert: die Liebe. Wer liebt, will demjenigen, den er liebt (oder in den er verliebt ist) nichts Böses. Das gilt universell für alle Menschen, auch für Pädophile. Prägnant auf den Punkt gebracht, ist das in folgendem Zitat:

Es gibt immer einen Besiegten in der Liebe; den der mehr liebt.

Franz Blei

Nominelle Machtverhältnisse sind nicht entscheidend. Liebe stellt nominelle Machtverhältnisse bei Bedarf auf den Kopf und die Macht des Stärkeren in den Dienst des Schwächeren. Das gilt für Eltern-Kind Beziehungen, aber auch für Liebesverhältnisse.

Ein Säugling ist eigentlich völlig hilflos. Aber die Eltern tanzen im Zweifelsfall nach seiner Pfeife, wenn er weint und gefüttert oder auf den Arm genommen werden will.

Frauen waren im westlichen Kulturkreis und den meisten anderen Teilen der Welt über Jahrtausende in Hinblick auf Macht strukturell extrem benachteiligt. In Deutschland dürfen sie erst seit 1918 wählen. Das Letztentscheidungsrecht des Ehemanns in allen Eheangelegenheiten wurde 1956 gestrichen. Das Recht des Ehemanns, ein Dienstverhältnis seiner Frau fristlos zu kündigen, wurde 1977 gestrichen.

Trotz der fast während der ganzen bekannten Geschichte der Menschheit extrem asymmetrischen Machtverhältnisse zwischen Mann und Frau gab es natürlich auch vor 1977, vor 1956 und vor 1918 Liebesbeziehungen, die diesen Namen verdienen und selbstverständlich gab es zu allen Zeiten auch Frauen, die Ihre Männer „im Griff“ hatten und der dominante Beziehungspartner waren (auch wenn das nach außen hin meist verheimlich wurde, weil es nicht in das gesellschaftliche Beziehungsideal passte und damit das Potential hatte, Ruf und Ansehen des Mannes zu beschädigen).

Fakt ist jedenfalls: Liebe sensibilisiert für die Bedürfnisse des geliebten Menschen und motiviert zur Fürsorge.

Ein geliebter Junge verfügt zwar nicht über „die Macht“, aber er hat außerordentlichen Einfluss (Macht) über den „Mächtigen“. Und wenn sich jemand für einen interessiert und sich um sich um sein Wohlergehen sorgt, kann das neben dem guten Gefühl auch gute Möglichkeiten eröffnen, die einen im Leben weiter bringen.

Liebe und Fürsorge als positiver Entwicklungsfaktor

Der Kinderpsychiater und Schriftsteller Paulus Hochgatterer beantwortete die Frage, was er damit meint, dass es seiner Erfahrung nach einen ganz wichtigen prognostischen Faktor gäbe, der etwas darüber aussagt, ob sich ein Kind gut entwickelt oder schwierig wird, wie folgt:

„One caring person“. Das ist eine Person, idealerweise eine erwachsene, bei der das Kind das Gefühl hat, dieser Mensch interessiert sich für mich, diesem Menschen bin ich wirklich ein Anliegen. Das kann ein Elternteil sein oder ein Großelternteil, das kann jemand in einer sozialpädagogischen Wohngemeinschaft sein, eine Tante oder ein Onkel. Es ist dabei überhaupt nicht wichtig, ob das ein Mann oder eine Frau ist.

Paulus Hochgatterer im Interview mit „Der Standard“

Ich bin mir zwar sicher, dass Herr Hochgatterer mit seiner Aussage lieber nicht von einem Pädophilen vereinnahmt werden möchte, aber seine Aussage ist nicht nur korrekt, sie ist auch noch in der erweiterten Version korrekt, dass es auch keine Rolle spielt, ob der Mann oder die Frau heterosexuell, homosexuell oder pädophil ist.

In einer pädophilen Beziehung gibt es für einen Jungen auch viel zu gewinnen und zwar ganz besonders dann, wenn er von den Eltern oder anderen Bezugspersonen zu wenig Zuneigung, Liebe, Interesse, Zärtlichkeit und Gemeinsamkeit bekommt.

Wer nichts wagt, gewinnt auch nichts

Natürlich kann man das Risiko scheuen, das mit einer (auch) sexuellen Beziehung verbunden ist. Schließlich ist es für einen Jungen nicht schädlich, keine sexuelle Beziehung mit einem Erwachsenen zu haben. Eine (auch) sexuelle Beziehung zu haben ist dagegen mit einigen Risiken verbunden, insbesondere in Form von Sekundärschäden bei Entdeckung und Sanktionierung der Beziehung. Dann scheut man aber nicht nur das Risiko, sondern auch alles Positive und alle Gewinne, die aus einer von Liebe geprägten Beziehung erwachsen können.

Die Liebe, die ein Pädophiler einem geliebten Jungen entgegenbringt, ist nun einmal mit dem sexuellen Aspekt verquickt. Der sexuelle Aspekt mag im täglichen miteinander nicht im Vordergrund stehen, er ist aber da. Zu behaupten, die sexuelle Anziehung existiere nicht oder sei unwichtig, wäre Augenwischerei. Die sexuelle Anziehung hebt die Liebe aber nicht auf, so wenig wie die sexuelle Anziehung zwischen Mann und Frau oder Mann und Mann oder Frau und Frau die Liebe zwischen Ihnen aufhebt. Eine sexuell motivierte Liebe dauerhaft auf platonischer Basis zu halten mag nicht unmöglich sein, wird aber vermutlich eher den wenigsten Menschen gelingen.

Die Liebe eine Pädos endet übrigens nicht einfach, wenn ein Junge für ihn sexuell nicht mehr attraktiv ist. Ein heterosexueller Mann hört ja auch nicht plötzlich per Naturgesetz auf, seine Frau zu lieben, wenn sie graue Haare bekommt.

Die pädophile Beziehung ändert sich irgendwann, nicht nur weil der Pädo den Jungen vielleicht nicht mehr so attraktiv findet, sondern auch, weil der Junge sich in der Regel irgendwann selbst sexuell anders orientiert und sich in ein Mädchen oder einen Jungen verliebt.

Die Pädos, die ich kenne, wünschen sich aber typischerweise, dass nach der eigentlichen pädophilen Beziehungsphase eine enge, idealerweise lebenslange Freundschaft bleibt.

Das verkannte Talent

Man kann eine pädophile Orientierung als Fluch interpretieren, der einem die Möglichkeit auf eine normale Liebesbeziehung, Familienglück und eine erfüllte Sexualität verbaut oder wenigstens extrem erschwert. Man kann eine pädophile Orientierung aber auch als ein ungewöhnliches und gesellschaftlich verkanntes, aber doch wertvolles Talent begreifen, bestimmte Menschen zu lieben.

Mir fällt dazu (obwohl ich nicht gerade ein sonderlich religiöser Mensch bin) ein Gleichnis aus der Bibel ein:

Es (das Himmelreich) ist wie mit einem Mann, der auf Reisen ging. Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an. Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab. Sofort ging der Diener, der die fünf Talente erhalten hatte hin, wirtschaftete mit ihnen und gewann noch fünf weitere dazu. Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei weitere dazu. Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn.

Nach langer Zeit kehrte der Herr jener Diener zurück und hielt Abrechnung mit ihnen. Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen. Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du tüchtiger und treuer Diener. Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen. Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn! Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte, und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben; sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen. Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du tüchtiger und treuer Diener. Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen. Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!

Es kam aber auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mensch bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast; weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Sieh her, hier hast du das Deine.

Sein Herr antwortete und sprach zu ihm: Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du hast gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe. Du hättest mein Geld auf die Bank bringen müssen, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten. Nehmt ihm also das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat! Denn wer hat, dem wird gegeben werden und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.

Das Gleichnis von den anvertrauten Talenten Silbergeld

Es gibt junge Menschen, die niemanden haben, der sich wirklich für sie interessiert und die niemanden haben, denen sie ein echtes Anliegen sind. Also emotional vernachlässigte Kinder.

Andererseits gibt es Menschen wie mich, die sich in Kinder verlieben und denen die Kinder, in die sie sich verliebt haben, dann das wichtigste Anliegen überhaupt sind. Ja, sie sind durch eine sexuelle Anziehung hingelenkt, aber das macht das emotionale Interesse nicht geringer oder gar unecht. Ein Pädophiler, der sich in ein Kind verliebt, würde dem Angehimmelten ebenso wenig schaden wollen, wie ein Mann, der sich in eine Frau verliebt oder eine Frau, die sich in einen Mann verliebt.

Das „Talent“, das mir mitgegeben wurde, ist, dass ich mich in Kinder verlieben kann und dann bereit wäre, alles in meiner Macht stehende zu tun, damit es dem Kind, in das ich mich verliebt habe, gut geht. Die Gesellschaft erwartet von mir, dass ich dieses Talent vergeude und vergrabe. Aber was würde mir derjenige sagen, der mir das Talent anvertraut hat, wenn ich es nicht nutze?

Und was würde mir der Mensch sagen, den zu lieben ich bestimmt war und der von mir um meine Liebe betrogen wurde, weil ich mein Talent aus Angst vergraben habe?

Der Richter, auf den es wirklich ankommt

Meine Kernüberzeugung in Hinblick auf eine pädophile Beziehung lautet: „Das Kind ist der Richter.“

Die erweiterte Fassung davon ist: „Das Kind ist der Richter. Und der Erwachsene, zu dem es heranwächst.“

Ich bin mir sicher, dass ich einen Jungen nie willentlich und wissentlich schlecht behandeln würde und dass ich ihm viel Liebe, Zuwendung, Aufmerksamkeit und Unterstützung schenken könnte.

Ich glaube deshalb auch, dass ich bei Fehlern, die ich, ohne es zu wollen, vielleicht auch machen würde, am Ende Gnade in den Augen meines Richters finden würde. Liebe verzeiht viel und Menschen, die einen lieben, gibt es nun einmal nur im Paket mit ihren Mängeln und Schwächen. Ich glaube, dass meine Liebe am Ende schwerer wiegt, als alle Schwächen und Mängel.

Angst vor einem gescheiterten Leben

Ich muss ehrlich zugeben, dass einer der Gründe, warum ich die Hoffnung auf eine pädophile Beziehung in meinem Leben nicht aufgeben mag, auch die Angst ist, mit meinem Leben zu scheitern.

Ich werde meine Gene vermutlich nicht weitergeben, was eine typische biologische Kategorie von „Erfolg“ ist. Was ich weitergeben könnte, ist meine Liebe. Und das wäre für mich unglaublich bedeutsam.

Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen.

Albert Schweizer

Ich glaube, dass ein Leben, in dem man es nicht geschafft hat, einen anderen Menschen zu lieben und glücklich zu machen, zwar vielleicht nicht vollends verschwendet, aber doch in gewisser Weise gescheitert ist. Vor diesem Scheitern fürchte ich mich.

Ich hoffe deshalb, dass mir irgendwann ein Mensch begegnet, der meine vorhandenen und nicht unerheblichen Bedenken mit einem Lächeln beiseite wischt und mir die Chance gibt, ihn glücklich zu machen und in seinem Glück auch mein eigenes zu finden.

Argumente gegen eine pädophile Beziehung

Es gibt für mich eine ganze Reihe von guten Gründen, der Möglichkeit einer pädophilen Beziehung zu einem Jungen dauerhaft zu entsagen.

Ich habe dabei keine Angst, dass ich einen Jungen missbrauchen (schlecht behandeln) könnte. Ich glaube auch nicht, dass sexuelle Kontakte mit einem Erwachsenen für einen Jungen schädlich wären, solange der Kontakt einvernehmlich zustande kommt. Sexualität ist etwas Schönes und es gibt keinen vernünftigen Grund anzunehmen, dass einvernehmliche sexuelle Kontakte für irgendjemanden schädlich sein könnten.

Eigentlich wäre eine pädophile Beziehung, wie ich sie mir wünsche, also möglich.

Gefahren und Beeinträchtigungen für den Jungen

Aber auch über der einvernehmlichsten Beziehung, die man sich vorstellen kann, lastet, wenn sie sich zwischen einem Mann und einem Jungen abspielt, der Fluch des Schweigens.

Pädophile Beziehungen sind geächtet. Der Junge muss deshalb über die Beziehung schweigen, wenn er den älteren Beziehungspartner schützen will. Das ist eine erhebliche Zumutung, die noch schwerer wiegt, wenn es andere hochbedeutsame Beziehungspersonen im Leben des Jungen gibt (ich denke da vor allem an die Eltern), die notgedrungen ebenfalls außen vor bleiben müssen. Das kann für den Jungen einen Loyalitätskonflikt bedeuten, der zur seelischen Belastung werden kann.

Wenn die Beziehung doch aufgedeckt wird, kann es sehr leicht zu Sekundärschäden aus der Beziehung kommen. Sexualität ist äußerst intim. Niemandem sollte zugemutet werden, über Details aus seinem höchstintimen Lebensbereich verhört zu werden. Genau das und die damit verbundene Scham und Demütigung droht dem Jungen bei Aufdeckung der Beziehung. Hinzu kommt das Gefühl die Eltern enttäuscht und den älteren Beziehungspartner verraten zu haben.

Wenn die Kunde vom „Missbrauch“ im sozialen Umfeld die Runde macht droht darüber hinaus Ausgrenzung und Mobbing oder, dass man als armes, dauerhaft „beschädigtes“ Opfer bemitleidet wird. Wenn man als „Opfer“ in die „wohlmeinenden“ Hände eines Psychotherapeuten gerät, kann es passieren, dass dieser einem (möglicherweise erfolgreich) einreden will, dass man vom älteren Beziehungspartner lediglich perfide manipuliert worden ist und in Wahrheit nie geliebt wurde.

Für das Selbstvertrauen, das Vertrauen auf die eigene Wahrnehmung und in die eigenen Gefühle ist das potentiell fatal und kann auch auf künftige Partnerschaften noch sehr negative Auswirkungen haben, etwa wenn man sich im Extremfall nie mehr sicher ist, ob man vom anderen nicht manipuliert und belogen wird.

Gerade wenn eine Beziehung entdeckt wird und als angeblicher Missbrauch unterbunden und sanktioniert wird, kann also viel passieren, was zu einer traumatischen Belastung für den Jungen werden kann.

Aber auch wenn alles gut geht und die Beziehung unentdeckt bleibt, der sexuelle Teil irgendwann ausläuft und eine Freundschaft bleibt, kann es sein, dass der Erwachsene, zu dem der Junge wird, irgendwann (z.B. unter dem Eindruck der gesellschaftlichen Mehrheitsmeinung oder der Meinung eines späteren Lebenspartners) zu dem Schluss kommt, dass er als Kind missbraucht wurde (so wie das im Fall Wade Robson und Michael Jackson passiert zu sein scheint).

Es gibt aber auch Gründe jenseits einer möglichen Beeinträchtigung des Jungen, die gegen eine Beziehung sprechen.

Vertrauensbruch gegenüber den Eltern

In aller Regel gibt es im Hintergrund ja auch Eltern, die in der Regel auch das Beste für ihr Kind wollen (selbst, wenn sie „das Beste“ persönlich möglicherweise nicht liefern können). Es gibt meiner Einschätzung nach keine Eltern, die sich für ihr Kind eine sexuelle Beziehung zu einem Erwachsenen wünschen.

Wenn man den näheren Kontakt mit einem Jungen sucht, kommt man zwangsläufig auch in Kontakt mit seinen Eltern, da diese den Kontakt mit ihrem Kind ja schlussendlich erlauben bzw. jedenfalls billigen oder dulden müssen, damit eine engere und andauernde Beziehung überhaupt möglich wird.

Wenn es innerhalb der pädophilen Beziehung dann zu einer sexuellen Komponente kommt, ist das also fast zwangsläufig mit einem Vertrauensbruch gegenüber den Eltern verbunden. Es mag Menschen geben, denen das nicht so viel ausmacht. Für mich persönlich ist gegebenes Vertrauen fast schon heilig. Ich empfinde Vertrauensbrüche jeglicher Art als totalen Mist. Ein in mich gesetztes Vertrauen möchte ich, wenn irgend möglich, nicht enttäuschen.

Strafbarkeit

Ein weiterer Punkt, der gegen eine pädophile Beziehung spricht, die eine sexuelle Komponente beinhaltet, liegt natürlich in der Strafbarkeit. In Deutschland ist bei Aufdeckung eine längere Freiheitsstrafe so gut wie sicher, jedenfalls wenn der Junge zum Zeitpunkt der „Tat“ noch nicht 14 Jahre alt gewesen ist.

Verfolgung anderer Lebensziele

Nach all dem ist eine im Prinzip eigentlich mögliche pädophile Beziehung im Ergebnis unmöglich.

Vor diesem Hintergrund könnte es emotional vorteilhaft sein, dauerhaft auf die Möglichkeit einer pädophilen Beziehung zu verzichten. Hierzu ein Zitat von Karl Kraus::

Was einen foltert, sind verlorene Möglichkeiten. Einer Unmöglichkeit sicher sein ist Gewinn.

An diesem Zitat ist sicher einiges dran. Das Leben ist nicht eindimensional. Es gibt auch Dinge jenseits eines beglückenden Sexuallebens und einer emotional befriedigenden Beziehung, die zum Wohlbefinden beitragen können. Wenn man das, was nicht möglich ist, loslässt, hat man mehr Zeit und Energie für die Optionen, die übrig bleiben.

Keine Rede ohne Gegenrede

Weil zu einer Rede auch eine Gegenrede gehört, widme ich mich bei nächster Gelegenheit auch den Gründen, die dafür sprechen, dass eine pädophile Beziehung trotz allem doch möglich ist und warum ich die Hoffnung darauf (noch) nicht aufgeben mag.

In a Heartbeat

Der computeranimierter Kurzfilm „In a Heartbeat“ (der zwar einen englischen Titel hat, aber komplett ohne Sprache auskommt) wurde 2017 über Kickstarter finanziert. Bei einem Spendenziel von 3000 Dollar kamen 14.191 Dollar zusammen. Drehbuch und Regie teilten sich Esteban Bravo und Beth David.

Der Film handelt von Sherwin, einem schwulen Jungen, der sich noch nicht geoutet hat und sich in einen anderen Jungen (Jonathan) verknallt hat. Sherwin traut sich nicht in Joathans Nähe – aber sein Herz spielt da einfach nicht mit.

Das Video wurde auf Youtube fast 40 Millionen Mal aufgerufen.

Für mich ist es einer der emotional anrührendsten Filme, den ich je gesehen habe. Ich habe geheult (ja, nicht geweint, sondern geheutlt) als ich ihn erste Mal gesehen habe. Und als ich ihn das zweite Mal gesehen haben. Und als ich den Film das dritte Mal gesehen habe. Und einige weitere Male danach.

Im Moment habe ich den Film noch nicht mal angesehen und mir steht bereits das Pipi in den Augen. Unbedingt empfohlen für jeden, der ihn noch nicht kennt.

Das ultimative Liebeslied

Es gibt eine unüberschaubare Menge an Liebesliedern. Unter allen Liebesliedern, die ich kenne, sticht für mich eines besonders hervor. Das Lied „If love is blind“ (Wenn die Liebe blind ist) in der Ursprungsversion von PC Quest.

PC Quest? Nein, die muss man nicht kennen. PC Quest (was für „Pop Chart Quest“ also „Suche nach dem Chart-Erfolg“ steht) ist eine Teenieband, die von 1990 bis 1992 bestand und den großen Durchbruch nie schaffte.

Das erste mal habe ich den Song vor etlichen Jahren auf dem inzwischen längst eingestellten Internet-Radio-Sender für BLs Sure Quality Radio gehört. Es hat mich sofort gepackt. Für mich war es die Kombination eines perfekter Texts mit einer perfekten Stimme, bei der ich mir aber nicht gänzlich sicher war, ob es sich überhaupt um einen Jungen oder doch vielleicht eine Frau handelt.

Wie sich letztlich herausstellte, war es tatsächlich ein Junge. „If Love is Blind“ stammt vom 2. und letzten Album „Directions“ von PC Quest und wurde 1992 veröffentlicht. Der Leadsänger Chad Petree, den man bei „If Love is Blind“ hört, war zu diesem Zeitpunkt 13 oder 14 Jahre alt. Auch wenn ihm der große Erfolg mit PC Quest versagt blieb, hat er es später noch zum Leadsänger und Leadgitarristen bei den Shiny Toy Guns gebracht, wo er seit der Gründung im Jahr 2002 bis heute spielt und singt.

Das Lied „If Love Is Blind“ wurde von Steven Mcclintock und Tim James Auringer für PC Quest geschrieben. Es wurde aber erst später in einer für meine Ohren schlechteren Version von Tiffany bekannt. Die Tiffany-Version ist auch die Version, die ich zunächst bei meiner Suche nach dem Interpreten gefunden habe. Leider erstmal nur die Tiffany Version. Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich endlich herausbekommen hatte, dass ich mich in ein Lied von PC Quest / Chad Petree verliebt hatte.

„Liebe ist blind“ ist ein weithin bekannter und auch als wahr angesehener Ausspruch. Anders als beim Spruch „Liebe macht blind“, der darauf anspielt, dass negative Eigenschaften des Partners (jedenfalls im Anfangsrausch) ausgeblendet werden, geht es bei „Liebe ist blind“ eher darum, dass die Liebe sich nicht um irgendwelche gegen sie stehenden Umstände und Hindernisse schert. Es ist ihr schlicht egal, ob der andere arm oder reich, dick oder dünn, kurz oder lang, jung oder alt, Christ, Araber oder Jude, schwarz, weiß oder grün ist.

Passend dazu ein Zitat der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach: „Die Liebe hat nicht nur Rechte, sie hat auch immer recht.“ und ein Zitat des römischen Dichters Vergil: „Die Liebe überwindet alles, und wir beugen uns ihrer Macht.“ (Omnia vincit amor, et nos cedamus amori)

Hier nun der Text zum Lied „If love is blind“ in der deutschen Übersetzung. Wenn man als BL von einem 13 oder 14-jährigen Jungen mit diesem Text angesungen wird, hinterlässt das natürlich Eindruck – auch wenn man weiß, dass es eigentlich für ein weibliches Teenie-Publikum geschrieben wurde.

Wenn die Liebe blind ist

Die Leute sagen, dass du nicht gut für mich bist.
Die Leute sagen es ständig.
Ich hör es so oft, dass ich es im Schlaf wiederhole.

Vielleicht bin ich nur verrückt nach dir.
Vielleicht bist du auch kein Engel.
Aber all das Gerede ist bedeutungslos,
wenn ich mit dir alleine bin.

Wenn die Liebe blind ist.
werde ich meinen Weg mit dir finden.
Denn ich kann mir nicht vorstellen,
dich nicht zu lieben.
Wenn die Liebe blind ist.
werde ich meinen Weg mit dir finden.

Die ganze Welt ist sowieso verrückt.
Was spielt es für eine Rolle, was sie sagen?
Wenn ich derjenige bin, der sich irrt,
dann lass es mein Fehler sein.

Wenn die Liebe blind ist.
werde ich meinen Weg mit dir finden.
Denn ich kann mir nicht vorstellen,
dich nicht zu lieben.
Wenn die Liebe blind ist.
werde ich meinen Weg mit dir finden.

Du wärst heute nicht bei mir,
wenn ich nicht fühlen würde, dass ich richtig liege.
Was spielt das alles für eine Rolle,
in einhundert Jahren?

Wenn die Liebe blind ist.
werde ich meinen Weg mit dir finden.
Denn ich kann mir nicht vorstellen,
dich nicht zu lieben.
Wenn die Liebe blind ist.
werde ich meinen Weg mit dir finden.

Mein Sohn ist schwul, na und?

Es gibt Sätze, die man als Pädo neidisch sein darf. Zum Beispiel „Ich bin schwul – und das ist auch gut so.“ von Klaus Wowereit, der sich damit outete – und kurz darauf erst zum Spitzenkandidaten der SPD und dann zum Regierenden Bürgermeister von Berlin gewählt wurde.

Den Satz „Ich bin pädophil – und das ist auch gut so“ hätte etwa ein Sebastian Edathy nicht sagen können. Seine Karriere wäre sofort beendet gewesen. Als er unter Verdacht stand, hat er es lieber mit dem Gegenteil versucht: „Ich bin nicht pädophil„. Geholfen hat es ihm nicht.

Das Gerichtsverfahren gegen Edathy wegen Besitz von Material im „Grenzbereich zu dem, was Justiz unter Kinderpornografie versteht“ wurde gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt, was wohl kaum passiert wäre, wenn es sich tatsächlich um Pornographie gehandelt hätte. Es waren Nackaufnahmen – und die moralische Entrüstung darüber hat prompt zur nächsten Gesetzesverschärfung geführt.

Edathy selbst ist ausgewandert, um den Anfeindungen und der sozialen Ächtung zu entgehen – erst nach Dänemark, dann nach Marokko – und betont immer noch, dass er angeblich kein sexuelles Interesse an Minderjährigen habe und hat (mutmaßlich aus Alibi-Gründen) inzwischen (einen Mann) geheiratet.

Aber Pädophilie ist nicht nicht nur ein Problem für Pädophile, sondern auch für Ihre Angehörigen. Im Jahr 2017 erschien in der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ ein Artikel, den ich ausdrücklich empfehlen möchte:

Mein Sohn ist schwul, na und? (ja, das ist ein Link – einfach drauf klicken) 🙂

Ich habe damals einen Leserbrief zu diesem Artikel an die Autorin geschrieben und auch eine nette Antwort erhalten, verbunden mit dem Eingeständnis, dass sich die Empfängerin vom Inhalt meiner Mail überfordert fühlt und mit einer Kontaktempfehlung zur Wiener Beratungsstelle, des Projekts „Kein Täter werden“. Persönlich habe ich an diesem Angebot kein Interesse und verspreche mir nichts davon (dazu vielleicht bei anderer Gelegenheit mehr), trotzdem kann ich mir gut vorstellen, dass es dem einen oder anderen weiterhelfen kann.

Wie auch immer. Hier mein damaliger Leserbrief.


Aw: Mein Sohn ist schwul, na und?

Guten Tag Fr. Weisz,

das war ein schöner und in vielerlei Hinsicht wohltuender Text.

Es muss natürlich nicht immer so kommen. Es gibt auch Eltern, die überhaupt nicht mit einer Homosexualität Ihrer Kinder klarkommen. Da es dabei nicht nur um die verlorenen Enkelkinder geht, sondern da das auch soziale Gründe hat, hilft ein solcher Beitrag vielleicht, dem einen oder anderen zu einem positiven Umgang zu finden. Das nützt am Ende allen.

Für den Sohn Ihrer Freundin ist der positive Umgang seiner Mutter mit der Sache sicher eine unheimliche Erleichterung. Auch seine Mutter hat sich ja Sorgen gemacht, wie sie reagieren würde, wenn es wirklich soweit ist. Beim Sohn wird es ähnlich gewesen sein. Dass diese Last nun für beide weggefallen ist, ist einfach nur schön.

Was mich angeht, musste ich beim Lesen des Artikels weinen – es gibt nämlich nicht nur inzwischen vergleichsweise „unkomplizierte“ Sexualpräferenzen wie Homosexualität. Ich selbst bin pädophil und fühle mich zu Jungen im Alter von 10 bis 14 Jahren hingezogen. Für mich gilt es, die Gefahr, dass ich mich verliebe, zu vermeiden. Wenn Liebe unerreichbar ist, wird sie zur Tortur. Ich war lange Zeit depressiv und habe auch zwei längere Lebensabschnitte hinter mir, in denen ich oft an Selbstmord gedacht habe. Auch wenn ich mich mit inzwischen über […] Jahren mit einigem abgefunden habe, sehne ich mich natürlich trotzdem weiterhin nach Liebe. Es tut immer wieder mal unvermittelt weh – wie beim Lesen Ihres Artikel.

Natürlich ist das Glück Ihrer Kinder auch für meine Mutter wichtig. Auch darüber habe ich beim Lesen Ihres Beitrags ein paar Tränen vergossen. Meine Mutter weiß seit längerem Bescheid und es ist soweit alles damit gut gegangen. Aber sie weiß damit eben auch, dass ihr Sohn in einem zentralen Lebensbereich nicht glücklich ist und sein kann. Ich mache also, ohne es zu Wollen oder beeinflussen zu können, auch noch andere Menschen, die mir wichtig sind, traurig.

Freundliche Grüße
[…]

PS:
Nein, ich heiße nicht […] – ich habe mir den Mail-Account gerade erst zugelegt, weil ich denke, dass ich als Pädophiler doch besser anonym bleiben sollte.

Ein Politikerspruch, der sich mir ins Gedächtnis gebrannt hat ist: „Pädophile muss man brandmarken“. Das mag vielen Menschen aus der Seele sprechen, aber brandmarken ist etwas, das man mit Tieren macht. Ich bin kein Tier. Aber Entdeckung und Bloßstellung wären unvermeidlich das soziale und berufliche Aus. Da passt der Ausdruck brandmarken schon.

Es geht aber noch weiter: In der Zeit des Nationalsozialismus wurden nicht nur Juden, Zeugen Jehovas, Behinderte, Sinti und Roma, Kommunisten, politische Aktivisten und Homosexuelle verfolgt, sondern auch Pädophile. Nur: während die Vergasung von Juden nicht mehr konsensfähig ist, ist es die Vergasung von Pädos oder wenigstens Ihre Kastration durchaus noch. Ich lebe deshalb auch mit einer dumpfen Angst, die immer wieder Mal durch meine Fasern schwingt und dann einen Druck auf mich ausübt, der mir die Tränen aus den Augen treibt.

Lichtinseln

Dass Pädos sich Bilder von Kindern anschauen, ist für Normalos gruselig bis verstörend. Erst recht, wenn man vielleicht eigene Kinder hat und deren Bilder irgendwo auf Facebook oder Flickr oder Instagram herumschwirren. Man kann sich dann ja nicht sicher sein, ob die Bilder der eigenen Kinder nicht auch von jemanden angeschaut oder sogar unaufgefordert im Internet geteilt werden. Das kann einem dann vielleicht sogar richtig Angst machen.

Ich schreibe hier für mich selbst, für andere Pädos aber auch für Normalliebende, die vielleicht zufällig über die Seite stolpern. Bei den Normalos würde ich mir natürlich wünschen, vielleicht ein paar Vorurteile über Pädos ausräumen zu können.

Trotzdem teile ich hier auch Videos und in Zukunft vielleicht hin und wieder auch mal Bilder von Jungs, die mir gefallen. Ich stoße damit ein glattes Drittel meiner „Zielgruppe“ sehenden Auges vor den Kopf. Warum?

Erstens, weil die Videos den restlichen zwei Dritteln meiner „Zielgruppe“ (anderen BLs und mir selbst) gefallen und zweitens, weil es ein Teil der Wahrheit ist. Wenn ich diesen Teil der Wahrheit verschleiere, was wird dann aus meiner Glaubwürdigkeit? Kein Mensch ist nur gut, ich selbst sicher auch nicht. Ich schlage mich lediglich so gut durch das Leben, wie ich es vermag.

Die Lichtpunkte, die ich auf meinem Bildschirm anschaue, tun niemandem weh, genauso wenig wie ich einem Jungen etwas für sein Leben Entscheidendes weggucken könnte, nur weil sich zufällig auf dem Bürgersteig unser Weg kreuzt.

Und es gibt ja auch einen tieferen Grund hinter diesem Teil der Wahrheit: wenn man sich nicht an der Sonne wärmen darf, muss es genügen, eine Kerze anzuzünden.

Ich brauche meine Lichtinseln. Sie halten mich über Wasser und helfen, das Leben erträglich zu machen – und in dem Moment, in dem ich hineinschaue, sogar schön.

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Vom Hölzchen zum Stöckchen zum innersten Kern

Das Hölzchen

Pädophilie ist ein beliebtes, wiederkehrendes Thema für Tatorte und andere Kriminalserien. Selbstverständlich kommt der Pädo in der Regel nicht sonderlich gut weg. Pervers und abartig, rücksichtslos und gefährlich. In einem Krimi muss schließlich irgendwer über Leichen gehen.

Das trägt natürlich seinen Teil zum katastrophalen Bild bei, das sich die Öffentlichkeit von Pädophilen macht. Pädophile kennt man primär aus Nachrichten über Straftaten und aus Berichten über erfundene Straftaten in Büchern und Fernseh-Sendungen. Also gelten Pädophile als Täter. Als Kinderschänder. Als Zeitbombe.

Woher sonst könnte das Bild vom Pädophilen auch kommen? Es kennt ja niemand einen Pädophilen aus erster Hand.

Einem Schwarzen, einem Moslem oder einem Homosexuellen kann man durchaus im realen Leben begegnen und nicht selten stellt sich dann heraus, dass man sich ein falsches Bild von der Gruppe gemacht. So werden Vorurteile abgebaut. Wo eine Begegnung nicht stattfndet, werden Vorurteile konserviert und schaukeln sich potentiell sogar hoch. Es gibt zum Beispiel eine interessante Analyse der FAZ, die den Ausländeranteil der Wahlkreise und das Wahlergebnis der AfD gegenüberstellt. Ergebnis: AfD-Wähler kennen gar keine Ausländer.

Einem Pädo kann man nicht begegnen. Pädophilie ist so stark geächtet, dass Pädophile gezwungen sind, ihre Neigungen sogar im engsten Freundeskreis und in der Familie zu verheimlichen. Bei Bekanntwerden droht der soziale Tod, die vollständige gesellschaftliche Isolation bis hin zu Scheidung, Job- und Wohnungsverlust.

So bleiben neben Berichten über schlimme Gewaltverbrechen also Krimis eine zentrale Informationsquelle.

Meist schaue ich mir sowas gar nicht an, zumal ich ohnehin kein Freund von Krimis bin. So geschah es auch beim letzten Tatort, der am vergangenen Wochenende ausgestrahlt wurde. Allerdings bin ich auf einen Bericht über den Tatort auf Spiegel Online gestoßen, in dem der folgende Dialog wiedergegeben wird:

Kommissar Berg: „Der Typ könnte jeder sein. Durchschnittlicher Mann, der auf Teenager steht.“
Kommissarin Tobler: „Teenager ist eins der meistgesuchten Wörter auf Pornoseiten. Ich finds zum Kotzen: Erwachsene Männer, die nackte Mädchen gucken.“
Berg: „Es gibt auch erwachsene Frauen, die nackte Jungs angucken.“
Tobler: „Selten.“
Berg: „Na ja, ist das Reiz-Reaktions-Schema, die meisten Menschen finden junge Körper interessant.“
Tobler: „Na, dann finde ich unsere Biologie auch zum Kotzen.“

Das Stöckchen

Dieser Kommentar zeigt ein Grundproblem auf. Täter von pädokriminellen Straftaten sind in der Regel gar keine Pädophilen.

Davon gehen nach vorsichtigen Schätzungen etwa 90 % der sexuellen Missbrauchsfälle auf sogenannte regressive Täter zurück, deren primäre sexuelle Präferenz auf Erwachsene gerichtet ist. Aufgrund der leichten Verfügbarkeit von Kindern greifen sie zur sexuellen Befriedigung auf Kinder zurück. Man spricht deshalb auch von einem Ersatzobjekttäter. Der pädophile Typ folgt mit etwa 2 bis 10 % an zweiter Stelle und zählt zum sogenannten fixierten Typus.

Abschnitt Tätertypologie des Wikipedia-Artikels „Sexueller Missbrauch von Kindern

Trotzdem schrieb Spiegel Online (wie man an einem Änderungshinweis erkennen kann) in seinem Artikel zuächst von einem „pädophilen“ Täter. Dies wurde später korrigiert. Im Änderungshinweis wird erläutert, wie Pädophilie klinisch definiert ist und dass im Tatort sexueller Mißbrauch von Kindern thematisiert werde.

Beim Tatort-Täter handelt es sich also wohl um einen Ersatztäter, jemanden, der ein erfülltes Sexualleben mit einem erwachsenen Partner haben könnte, der aber zwecks Machtausübung oder Verfügbarkeit auf ein Kind zurückgegriffen hat. Aus meiner Perspektive ist das verwerflich und Ausdruck einer charakterlichen Schwäche.

Der Kern

Jemand, der ein Kind nicht wie ein Pädo wegen seiner Anziehungskraft, sondern als Ersatztäter wegen seiner Schwäche bevorzugt, wird das Kind viel eher schlecht und rücksichtslos behandeln (= missbrauchen), als dies ein Pädophiler tun würde, der sich in ein Kind verliebt: jemandem, in den man verliebt ist, möchte man nichts Böses.

Es gibt dann natürlich eine starke sexuelle Komponente, aber ein Pädophiler neigt so wenig zu Vergewaltigungen, wie der durchschnittliche hetero- oder homosexuelle Mann dies tut. Es gibt heterosexuelle Vergewaltiger und es gibt leider Gottes auch pädophile Vergewaltiger. Aber beides ist nicht die Regel, sondern die krasse Ausnahme.

Der Mensch auf den man fixiert ist, ist normalerweise der Angebetete. Ein Pädo würde den Jungen, für den er schwärmt so wenig etwas antun wollen, wie ein Gläubiger den eigenen Tempel niederzubrennen wünscht. Natürlich manipuliert auch ein Pädo den Menschen, in den er sich verliebt. Aber so wie andere Verliebte auch, indem er ihn umwirbt, nicht um ihn auszunutzen und zu schädigen, sondern weil er liebt und zurückgeliebt werden möchte.

Ein Junge, der in eine Beziehung mit einem Pädo gerät, hat gute Chancen sich geliebt zu fühlen. Weil er tatsächlich geliebt wird.

Deshalb muss es noch lange nicht zu einem sexuellen Kontakt kommen. Es gibt Pädophile, die Sex mit Kindern grundsätzlich ablehnen. Trotzdem kann es auch zu sexuellen Kontakten kommen, die ich persönlich nicht als Missbrauch einstufen würde.

Sex an und für sich ist etwas Schönes. Es gibt Jungen, die schwul sind und es gibt in der Pubertät auch eine Phase in der homosexuelle Praktiken insgesamt deutlich verbreiteter sind. Die Neugier und Experimentierfreude ist größer und es ist für die meisten Menschen auch aufregend und anregend begehrt zu werden.

Selbst wenn ein Junge nicht allzu interessiert an einem gleichgeschlechtlichen sexuellen Kontakt ist, ist die sexuelle Erregbarkeit im Jugendalter meist noch um einiges höher und auch flexibler als im Erwachsenenalter. Die sexuelle Komponente kann dann auch ein „Geschenk“ sein, dass den Jungen zwar selbst nicht freut, ihn nach seinem Gefühl aber auch nichts kostet und das er gerne gibt, weil er sich dem Älteren eng verbunden fühlt und weiß, dass es für den Beschenkten kostbar ist.

Ein freiwilliger und einvernehmlicher wiederholter Kontakt ist da nicht so abwegig, wie es vielleicht zunächst erscheinen mag.

Vielleicht ist er es aber doch. Denn zumindest der letzte Teil fußt nicht auf eigenem Erfahren, sondern lediglich auf Überlegungen, die mir plausibel scheinen und an denen ich mich festhalten kann in den vielen einsamen Nächten, die sich endlos aneinander reihen und aus denen mein Leben besteht.

Natürlich sehne ich mich danach einmal mit einem Menschen zärtlich und intim sein zu dürfen, der mich sexuell anspricht. Ich muss mir die Hoffnung bewahren, dass das irgendwann in meinem Leben möglich sein könnte, egal wie klein diese Hoffnung auch sein mag. Wenn es in meinem Leben schon keine Liebe gibt, muss ich mich wenigstens vom Traum der Liebe ernähren.

Der innerste Kern

Ist meine Pädophilie ein Schaden? Eigentlich nein. Ich weiß, was ich fühle und ich weiß, dass ich niemandem etwas Schlechtes will. Dass ich liebevoll und zärtlich sein würde, wenn ich es sein dürfte. Daran, dass ich es nicht sein darf, ist nicht meine Pädophilie schuld, sondern die Umstände einer Welt, in der Pädophilie keinen Platz hat. Aber eine Wunde ist sie doch. Wenn ich sachte drauf drücke, rollen die Tränen aus meinen Augen.