Verbot von Pädoaktivismus in der Niederlande

Aufgrund eines Hinweises aus einem Kommentar zum letzten Artikel konnte ich nun Einsicht in die Urteilsbegründung im Fall von Marthijn Uittenbogaard nehmen. Für Interessierte hier der Link mit zwischengeschaltetem „google translate“ zur Übersetzung ins Deutsche.

Aus der Urteilsbegründung wird deutlich, dass mit dem Urteil des Obersten Gerichts der Niederlande zum Verbot des Vereins Martijn von 2014 im Grunde organisierter Pädoaktivismus verboten wurde. Zitat aus dem aktuellen Urteil:

Laut dem Obersten Gerichtshof gab es eine eng verbundene Gruppe von Menschen, die glaubten, dass Kinder grundsätzlich von sexueller Intimität mit Erwachsenen profitieren würden. Der Verein Martijn hat diese Überzeugung ständig gepflegt, indem er das Material ausgewählt hat, das er auf seiner Website platziert hat. Auf diese Weise unterstützte der Verein Martijn die Überzeugung seiner Mitglieder, dass sexuelle Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen rein und gut sind. Der Verein Martijn hat die Gefahren des sexuellen Kontakts mit kleinen Kindern heruntergespielt und verherrlicht. All dies zusammen stellt nach Ansicht des Obersten Gerichtshofs eine Tätigkeit des Martijn-Vereins dar, die einen tatsächlichen und schwerwiegenden Verstoß gegen den in den Niederlanden als wesentlich erachteten Grundsatz darstellt, dass die körperliche und sexuelle Unversehrtheit des Kindes geschützt werden muss.

Es wurden also gruppenbezogene Aktivitäten verboten, die Gefahren des sexuellen Kontakts mit Kindern herunterspielen und verherrlichen, weil dies ein Verstoß gegen die körperliche und sexuelle Unversehrtheit des Kindes sei.

Tatsächlich schützt das Verbot nicht die körperliche und sexuelle Unversehrtheit von Kindern, sondern herrschende, von der Mehrheit der Gesellschaft leidenschaftlich vertretene Fehlvorstellungen.

Natürlich reicht es nicht, zu behaupten, etwas sei eine Fehlvorstellung. Er gibt viele autobiografische Zeugnisse von Menschen, die als Opfer eingeschätzt werden, weil sie als junge Menschen sexuelle Begegnungen mit älteren Menschen hatten, die sich aber nicht als Opfer sehen. Ich habe schon auf einige Beispiele wiederholt in Artikeln hingewiesen, eine sehr umfassende Quellsammlung dazu ist die Seite Jumima, die 210 positive Erlebnisberichte gesammelt hat.

Statt mich zu wiederholen, hier ein neuer Fund, ein Teil der Lebensgeschichte von Gad Beck, aus dem dem Dokumentarfilm Paragraph 175. Im Wikipedia-Artikel zur Dokumentation heißt es über ihn:

Gad Beck wurde 1923 in eine jüdisch-christliche Familie geboren und verbrachte dort eine glückliche Kindheit. Nach 1933 galten er und seine Zwillingsschwester Miriam als Halbjuden und erlebten wachsenden Antisemitismus. Die Anfeindungen in der Schule wurden so schwer, dass Gad seine Eltern überzeugte, ihn 1935 in eine jüdische Schule für Jungen zu schicken. Dort machte er seine erste sexuelle Erfahrung mit einem Mann, als er seinen Sportlehrer nach dem Unterricht in der Dusche verführte. Stolz und mit der für ihn typischen Offenheit prahlte er gegenüber seiner Mutter über seine Eroberung. Seine Eltern waren nur wenig überrascht und akzeptierten seine Homosexualität.

1941 trat Beck der Widerstandsgruppe Chug Chaluzi bei, die unter anderem Quartiere und Nahrungsmittel für Juden beschaffte. Immer mehr Juden wurden nun aus ihren Wohnungen verschleppt und in die Konzentrationslager abtransportiert, so auch ein blonder jüdischer Junge, in dessen Haus Beck übernachtet und mit dem er die Nacht verbracht hatte. Die Gestapo interessierte sich jedoch nur für den Jungen und seine Mutter, Beck stand nicht auf der Liste. 1942 versuchte Beck, seine erste große Liebe Manfred Lewin aus einem Gestapo-Lager zu befreien, indem er sich als Hitlerjunge ausgab. Tatsächlich konnte er mit seinem Freund das Lager verlassen, Lewin wollte jedoch seine Familie nicht zurücklassen und so musste Beck hilflos zusehen, wie Lewin freiwillig in das Lager zurückging.

Hier nun der Teil, in dem Gad Beck seine Begegnung im Alter von 12 Jahren mit dem Sportlehrer schildert:

Jenseits autobiographischer Zeugnisse gibt es auch viele wissenschaftliche Studien, die z.B. zeigen, dass es keinen Unterschied gibt, wie erste sexuelle Erlebnisse bewertet werden, die mit einem Gleichaltrigen oder einem Älteren gemacht werden.

Die Kurzzusammenfassung (Abstract) einer 2022 erschienen wissenschaftlichen Studie. (Hervorhebungen zugefügt)

Felson et al. (2019) schätzten anhand einer großen, landesweit repräsentativen finnischen Stichprobe von Sechst- und Neuntklässlern die Populationsprävalenz negativer subjektiver Reaktionen auf sexuelle Erfahrungen zwischen Minderjährigen unter 18 Jahren und Personen, die mindestens fünf Jahre älter sind, sowie zwischen Minderjährigen und gleichaltrigen Partnern zum Vergleich. Anschließend wurden diese Reaktionen in einer multivariaten Analyse auf der Grundlage von Kontextfaktoren berücksichtigt.

In der vorliegenden Studie wird argumentiert, dass die ausschließliche Konzentration auf negative Reaktionen zu kurz greift, um ein umfassenderes wissenschaftliches Verständnis zu erreichen. Sie analysierte das gesamte Spektrum der Reaktionen in derselben Stichprobe und konzentrierte sich dabei auf die positiven Reaktionen.

Was die Reaktionen im Nachhinein betrifft, so reagierten Jungen häufig positiv auf Sex mit Minderjährigen oder Älteren (68 %, n = 280 Fälle), ebenso wie auf positiven Sex zwischen Jungen und Gleichaltrigen (67 %, n = 1510). Mädchen reagierten seltener positiv auf Sex mit Minderjährigen (36 %, n = 1047) und in der Hälfte der Fälle auf Sex mit Mädchen (48 %, n = 1931).

Sowohl beim Sex von Minderjährigen mit Älteren als auch beim Sex von Minderjährigen mit Gleichaltrigen waren die Raten positiver Reaktionen höher bei Jungen im Vergleich zu Mädchen, bei Jugendlichen im Vergleich zu Kindern, wenn die Partner Freunde waren gegenüber Sex mit Fremden oder Verwandten, beim Geschlechtsverkehr im Vergleich zu geringeren Formen sexueller Intimität, bei häufigerem Sex und wenn kein Zwang ausgeübt wurde.

Jungen reagierten bei weiblichen Partnern häufiger positiv als bei männlichen. Beim Geschlechtsverkehr zwischen Minderjährigen und Älteren spielte der Altersunterschied zwischen den Partnern für Mädchen eine Rolle, nicht aber für Jungen, und die Initiierung des Geschlechtsverkehrs durch den Minderjährigen (14 % bei Mädchen, 46 % bei Jungen) führte zu gleich hohen Raten positiver Reaktionen.

Die meisten dieser Faktoren blieben in der multivariaten Analyse signifikant. Die Häufigkeit der positiven Reaktionen, ihre Abhängigkeit vom Kontext, die Ähnlichkeit der Reaktionsmuster mit dem Sex zwischen Minderjährigen und Gleichaltrigen und die Verallgemeinerbarkeit der Stichprobe widersprechen der Trauma-Sichtweise, die häufig auf den Sex zwischen Minderjährigen und Älteren angewandt wird und die besagt, dass dieser unabhängig vom Kontext intrinsisch aversiv ist.

Die Studie erschien in der Fachzeitschift Archives of Sexual Behavior. Die Zeitschrift ist hoch angesehen. In einem Ranking von 2.943 soziologischen Fachzeitschriften landete sie auf Platz 102 und zählte damit zu den obersten 4 Prozent. In einem anderen Ranking interdisziplinärer sozialwissenschaftlicher Fachzeitschriften landete sie auf Platz 1 von 89. Es handelt sich also nicht um Humbug, sondern sehr ernst zu nehmende Wissenschaft. Der Artikel und die dahinterstehende Forschung wurde (wie jeder andere Artikel, der in einer renommierten Fachzeitschrift erscheint) unabhängig überprüft, bevor er veröffentlicht wurde.

Eine Prävalenz von 68% positiver Reaktionen in einer landesweit repräsentativen Studie zeigt auch an, dass autobiographische Berichte wie sie etwa auf Jumima gesammelt oder in meinem Blog hin und wieder zitiert werden, die Wirklichkeit widerspiegeln und zwar besser als die Seelenmord-Narrative mit denen BILD-Zeitungen verkauft werden oder Kinderschutzorganisationen um Aufmerksamkeit, Fördergelder und Spenden konkurrieren. Das Dunkelfeld sexuellen Missbrauchs ist nicht nur eines des unentdeckten sexuellen Missbrauchs (den es selbstverständlich gibt und dem man entgegentreten muss), sondern vor allem eines der vertuschten positiven Erlebnisse, die aus Selbst- und Fremdschutzgründen verheimlicht werden müssen.

Meine Schlussfolgerung zu den autobiographischen Zeugnissen, zu dieser und vielen weiteren Studien: willentlich einvernehmliche sexuelle Handlungen mit Kindern sind kein Verbrechen gegen die körperliche und sexuelle Unversehrtheit des Kindes, sondern ein „Verbrechen“ gegen soziale Normen und Tabus. Das ist für mich entscheidend für die moralische Bewertung und führt zur Überzeugung, dass es letztlich für alle besser wäre, wenn die Normen in menschenfreundlicher Weise angepasst werden würden. An der aktuellen Strafbarkeit und daran dass ein Tabu-Bruch auch für den jüngeren Beziehungspartner negative Konsequenzen haben kann, ändert es aber nichts.

Dass es sexuellen Missbrauch von Kindern tatsächlich gibt und dass er auch schlimme Konsequenzen haben kann, ist unbestritten. Jedes weitere Wort, das die Realität sexuellen Erlebens zwischen Erwachsenen und Minderjährigen so gut wie möglich beschreiben soll, gilt gemeinhin als Verharmlosung und Verherrlichung von „sexualisierter Gewalt gegen Kinder“. Das ist so als würde man Sexualität zwischen Erwachsenen auf Vergewaltigung reduzieren und jedes weitere Wort zu Sexualität zwischen Erwachsenen jenseits von Vergewaltigung als Verharmlosung und Verherrlichung von Vergewaltigung brandmarken.

Die Unterdrückung und Kriminalisierung von Wahrheit, etwa der subjektiven Wahrheit autobiographischer Berichte oder von wissenschaftlichen Erkenntnissen, ist nicht mit dem Prinzip der Meinungsfreiheit vereinbar, egal wie schlecht angesehen die Wahrheit auch sein mag. In diesem Sinne war die Entscheidung des Obersten Gerichts der Niederlande zum Verbot des Vereins Martijn nicht nur eine Katastrophe für organisierten pädophilen Aktivismus in der Niederlande, sondern eine gesamtgesellschaftliche Katastrophe für die Meinungsfreiheit.

Kommen wir nun nochmal zum aktuellen Urteil gegen einen niederländischen Pädo-Aktivisten. Aus diesem Urteil:

Die Fortführung einer verbotenen Organisation erfordert nicht die Fortführung dieser Organisation in all ihren Facetten. Eine Fortsetzung einer verbotenen Tätigkeit liegt bereits dann vor, wenn eine oder mehrere Personen Handlungen begehen, die dem Verhalten ähneln, das zu dem Verbot geführt hat, oder Verhaltensweisen, die ein solches Verhalten unterstützen. Dass dies zusammenhängende Handlungen oder Verhaltensweisen betreffen muss, ergibt sich aus der parlamentarischen Diskussion des Gesetzentwurfs 17 476, in dem der Minister in Bezug auf den ersten Absatz von Artikel 140 DCC feststellte, dass „eine einzelne, nicht symptomatische Aktion ist zu wenig, um als wirksam angesehen zu werden. (…) Eine Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebentätigkeiten möchte ich in dieser Hinsicht nicht machen und scheint mir hier sogar unerheblich .“

Bei der Beurteilung der Frage, ob eine Fortsetzung der Tätigkeit einer verbotenen Organisation vorliegt, die nicht aufgrund eines strafbaren Verhaltens verboten ist, ist die Tätigkeit maßgebend, die zu dem Verbot geführt hat. Während der Parlamentsdebatte stellte die Justizministerin außerdem fest: „Für die Beantwortung der Frage, ob § 140 Abs. 2 StGB auf neue Tätigkeiten ehemaliger Mitglieder einer verbotenen Vereinigung anwendbar ist, halte ich es für entscheidend, ob die neue Gruppe sich klar von der verbotenen Tätigkeit distanziert.“

Die relevanten Handlungen und Verhaltensweisen müssen daher im Kontext dieser Tätigkeit bewertet werden.

In diesem Fall liegt eine Fortsetzung der Tätigkeit des Vereins Martijn vor, wenn die Gesamtheit der Handlungen und Verhaltensweisen des Beschuldigten dazu führt, dass bei Personen, die von der Tätigkeit Kenntnis haben, die Schwelle für sexuelle Kontakte mit Kindern beseitigt oder solche Kontakte gefördert werden. Ein Beitrag zur Gesamtheit der Handlungen und Verhaltensweisen, der über eine einzelne, nicht symptomatische Handlung hinausgeht, stellt eine Beteiligung an dieser Fortsetzung dar.

Das Gericht muss daher feststellen, ob der Verdächtige das ihm vorgeworfene Verhalten begangen hat und, falls ja, ob dieses Verhalten als Beteiligung an der Fortführung der Aktivitäten der verbotenen Vereinigung Martijn angesehen werden kann.

Dazu stellt das Gericht später fest:

Schließlich haben er und/oder sein Mittäter (…) Erklärungen abgegeben oder dass Erklärungen nicht negiert und dementiert, die sich auf

a. die Leugnung und Verharmlosung der Schädlichkeit von sexuellen Kontakten zwischen Kindern und Erwachsenen und

b. Verherrlichung sexueller Kontakte zwischen Kindern und Erwachsenen und

c. Darstellung von Kindern als Sexobjekte/sexuelle Wesen, beziehen und

d. Hindernisse beseitigen und die Überzeugung unterstützen oder fördern, dass sexuelle Kontakte zwischen Kindern und Erwachsenen eine gute Sache sind.

Zu den Punkten A und B habe ich hier bereits etwas geschrieben.

Was Punkt C betrifft: dass Kinder sexuelle Wesen sind, ist längst wissenschaftlicher Konsens. Nur ist es beim Obersten Gericht der Niederlande oder Kinderschutzorganisationen noch nicht angekommen. Ich habe den wissenschaftlichen Stand dazu in meinem Blog auch bereits thematisiert und diskutiert.

Zum letzten Punkt verweise ich auf die 2016 veröffentlichte KTW („Kein Täter werden“) Studie „The Association of Sexual Preference and Dynamic Risk Factors with Undetected Child Pornography Offending,“ (Die Assoziation der sexuellen Präferenz und dynamischer Risikofaktoren mit unentdeckten Kinderpornographie-Vergehen), die auch den Effekt der Risikofaktoren auf gemischte Straftaten, also die Nutzung von Missbrauchsabbildungen UND sexuellen Kindesmissbrauch untersucht hat. Ein untersuchter Risikofaktor war eine verharmlosende Einstellung zu Kindesmissbrauch, gemessen nach der BMS Skala. Untersucht wurden die Chancenverhältnisse für verschiedene Riksiofaktoren. Ein Chancenverhältnis von genau 1 bedeutet, dass es keinen Unterschied in den Chancen gibt, >1 bedeutet, dass die Chancen größer sind, <1 bedeutet, dass die Chancen kleiner sind. Ein Wert von 0.5 steht für eine Halbierung des Risikos, ein Wert von 2 für eine Verdoppelung des Risikos.

Ein Ergebnis der Studie war, dass der Risikofaktor „Offence Supportive Attitudes“ (Straftat-begünstigende Einstellungen) hatte gar keinen Einfluss auf das Chancenverhältnis für das Begehen einer Straftat. Das Chancenverhältnis lag je nachdem was miteinander verglichen und welches statistische Verfahren verwendet wurde bei Werten von 0,99 bis 1,01 und das 95%-Konfidenzintervall für die Spannbreite des Chancenverhältnisses war so eng wie bei keinem anderen untersuchten Faktor. Die Spannweite lag im Bereich von 0,96 bis 1,04.

Es gibt keine Legitimation dafür, die Verbreitung von aus ideologischer Sicht für missbrauchsbegünstigend gehaltene Meinungen zu kriminalisieren, wenn sie tatsächlich für das Risiko der Begehung einer Straftat überhaupt nicht relevant sind.

In der Niederlande gilt es nun im Sinne einer angeblichen Fortführung einer verbotenen Vereins als strafrechtlich verboten, systematisch pädoaktivistische Positionen zu vertreten.

Ein Wissenschaftlicher darf auch in Zukunft sagen, dass Kinder sexuelle Wesen sind. Ein niederländischer Pädo-Aktivist darf es nicht. Ein Wissenschaftler darf weiterhin Studien machen, die darlegen, dass es positive Reaktionen von Kindern auf sexuelle Kontakte mit Erwachsenen gibt. Es darf auch jeder aus diesen Studien zitieren. Es sei denn er ist ein niederländischer Pädo-Aktivist. Und so geht es weiter.

Mit dem Urteil gegen Marthijn Uittenbogaard steht jeder niederländische Pädo-Aktivist mit einem Bein im Knast. Zur dessen Person stellte das Gericht fest:

Allerdings sind bei dieser Rechtfertigung auch Art und Schwere des Fortsetzungsverhaltens abzuwägen. Das Gericht kann und will den schockierenden, verwerflichen und gesellschaftlich unerwünschten Charakter der vom Verdächtigen offenbarten und verbreiteten Ideen nicht herunterspielen. Es merkt jedoch an, dass diese Vorstellungen nicht mit Kindesmissbrauch oder Anstiftung dazu gleichgesetzt werden können. Dass dies der Fall war oder gewesen wäre, hat sich in dem Verfahren, das zum Verbot des Vereins Martijn führte, nicht ergeben. Der Verdächtige wurde nie wegen Sexualdelikten (oder irgendeiner anderen Straftat) verurteilt. Obwohl die gesellschaftliche Empörung, auf die sich die Staatsanwaltschaft beruft, zweifellos ein wesentlicher Faktor ist, dem Gewicht beigemessen werden muss, wird dieses Gewicht vom Gericht gegeben, in Anbetracht dessen, was sie oben erwogen hat, anders bewertet. Alles in allem bedeutet dies, dass sie keinen Anlass sieht, die höchstmögliche Strafe zu verhängen.

Die – von der Staatsanwaltschaft auch beantragte – Höchststrafe lag bei 12 Monaten. Das Urteil gegen Uittenbogaard liegt bei 6 Monaten ohne Bewährung, ein Mitangeklagter wurde zu 4 Monaten ohne Bewährung verurteilt.

Der Verein Martijn hat keine Verbrechen begangen. Kindesmissbrauch oder Anstiftung dazu haben sich in dem Verfahren gegen den Verein „nicht ergeben“. Er wurde trotzdem verboten. Auch Marthijn Uittenbogaard hat nie einem anderen Menschen geschadet und soll nun trotzdem für 6 Monate ins Gefängnis. Sein Verbrechen ist, Aktivist zu sein. Ob das Urteil Bestand haben wird, wird die Berufungsinstanz entscheiden.

Der eigentliche, zentrale Grund für das Urteil damals gegen den Verein und heute gegen die Einzelperson ist die gesellschaftliche Empörung, die Ablehnung von pädophilen Aktivismus als „schockierend, verwerflich und gesellschaftlich unerwünscht“. Dass auch Homosexualität einst als „schockierend, verwerflich und gesellschaftlich unerwünscht“ angesehen wurde, ist heute vergessen.

Beide Urteile sind eine Schande für die einst liberale Niederlande.

6 Kommentare zu „Verbot von Pädoaktivismus in der Niederlande

  1. Sehr treffender und stichhaltiger Artikelinhalt. Aber ich muss doch etwas anmerken: Das Urteil bezieht sich nur auf den früheren Vereinsvorstand bzw. die damaligen Mitglieder von MARTIJN. Nur diese können ja den verbotenen Verein fortführen und sich damit nach § 140 Abs StGB/NL strafbar machen. Auf andere Pädo-Aktivisten, die nichts mit dem Verein zu haben, aber trotzdem diese Positionen vertreten, trifft diese Strafbarkeit der Weiterführung nicht zu. Pädophile Aktivisten außerhalb von MARTIJN können also diese Positionen straffrei vertreten. Natürlich ist eine solche „Rechtsprechung“ völlig absurd, wenn Uittenbogaard & de Jonge dies nicht darf, aber alle anderen schon. Wenn dieses Urteil rechtkräftig werden sollte, dann dürfen sich Beide in den Niederlanden nicht mehr politisch äußern. Da bleibt nur die Auswanderung, wenn sie Aktivisten bleiben wollen. Die Internetprojekt der Beiden müssten namentlich auf andere Aktivisten übertragen werden, damit diese nicht verloren gehen. Wohl deshalb bietet Uittenbogaard auf seiner Webseite alle Inhalte zum Download an. Vielleicht findet sich ja ein anderer Aktivist, der bereit ist, diese Projekte außerhalb der Niederlande in seinem Namen weiter zu führen. In Deutschland gibt es eine solche „Rechtsprechung“ (noch) nicht. Man kann nur hoffen, dass dies auch weiterhin so bleibt….

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    1. Es ist richtig, dass die beiden nun Verurteilten aufgrund ihres vorherigen Engagements für den Verein leichter angreifbar waren. Ich glaube aber nicht, dass es grundsätzlich darauf ankommt, ob jemand Vorstand oder auch nur Mitglied des Vereins Martijn war und dass man automatisch von Haken ist, wenn man nie Vereinsmitglied gewesen ist.

      Im Grunde ist ja nun „bewiesen“, dass der Verein weitergeführt wurde. Wer etwa Mitglied der Mailingliste „Pro Pädosexualität“ war, könnte jetzt als Mitglied des „im Untergrund“ des fortgeführten Vereins gelten. Und diese „Infektion“ einer unterstellten Untergrund-Mitgliedschaft kann man beliebig weiterspinnen. Im vorliegenden Fall hatte der Beschuldigte als Privatperson Inhalte verbreitet, die auch auf der Webseite des verbotenen Vereins verfügbar waren. Das war für die Richter eines der Indizien für die behauptete Fortführung. Auch diese „Infektion“ durch Verwendung gleicher oder gleichsinniger Inhalte kann man beliebig weiterspinnen.

      Möglicherweise ist meine Interpretation zu pessimistisch, aber Klarheit könnte da nur ein weiteres Verfahren gegen jemanden bringen, der in der Vergangenheit kein Vereinsmitglied war.

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      1. Mir ist bisher von den NL-Aktivisten nicht mitgeteilt worden, dass auch die Teilnehmer dieser Mailingliste der Weiterführung des Vereins beschuldigt wurden. Nach meinen Kenntnissen war der Dritte Beschuldigte in diesem Verfahren – Nelson Maatman – bis zum Verbot des Vereins kein Mitglied gewesen, denn er ist in den letzten Jahren erst ganz neu dazu gekommen. Sein Urteil steht noch aus.

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    2. Relevanter Paragraph:

      Zweites Buch. Verbrechen
      Titel V. Straftaten gegen die öffentliche Ordnung
      Artikel 140
      2.
      Die Beteiligung an der Fortsetzung der Aktivitäten einer Organisation, die durch eine rechtskräftige gerichtliche Entscheidung für verboten erklärt wurde oder für die eine unwiderrufliche Erklärung gemäß Artikel 122 Absatz 1 des Buches 10 des niederländischen Bürgerlichen Gesetzbuches abgegeben wurde, wird mit einer Freiheitsstrafe von höchstens einem Jahr oder einer Geldstrafe der dritten Kategorie bestraft.

      Original in Niederländisch:
      https://maxius.nl/wetboek-van-strafrecht/artikel140/lid2

      ———–

      Da steht jedenfalls nichts davon, dass man bereits zum Zeitpunkt des Verbots Mitglied gewesen sein muss.

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      1. Außerdem gab es diese Aktivitäten zwar, aber diese standen in Zusammenhang mit der Wieder-Gründung der Pädo-Partei PNVD, die legal wieder existiert. So muss auch die Verteidigung argumentieren. Also, keine Weiterführung, sondern alles gehörte zur PNVD. Das sind ja auch die Fakten, die von diesem Gericht in Rotterdam fast völlig ignoriert wurden. Der Verteidiger von Uittenbogaard ist in NL ziemlich bekannt. Leider hat und will sich de Jonge überhaupt nicht verteidigen. Alle Drei haben an den Verhandlungen nicht teilgenommen. Ob DAS so gut war, möchte ich bezweifeln. Sie haben alles ihren Anwälten überlassen….

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  2. Teiluntergrabung der Demokratie in der Niederlande!

    Ich bin seit 2002 (Das Jahr, als die Niederlande sich einmischen lässt von USA über Europarat oder sonstiges mit Euro… und die Folge ist dass der Schutzalter oder wie man sowas nennen möchte von 12 auf 16 angehoben wurde, selbstverständlich war der Schutzalter 12 mit Qualifikationen, also hatten die Eltern das Recht über die Beziehung zu entscheiden, ja gar Anzeige zu erstatten und das Jugendamt durfte auch noch solch eine Beziehung zerstören aber mit konkreten wahrhaftigen Argumenten) enttäuscht von der Niederlande.
    Warum lässt sich so ein eigenständiger Staat einmischen?
    Seit längerem untergräbt sie teilweise die Meinungsfreiheit, hier in diesem Fall sehr deutlich zu erkennen.

    Deutschland und andere Länder sollen sich nach dem Schutzalter 12 richten, vielleicht ist Jetzt nicht die richtige Zeit dafür aber Morgen…

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