Abschiedsbrief von Iván Noel

Wer einen Abschiedsbrief schreibt, hat sich vielleicht nur verabschiedet. Hier aber geht es um den Abschiedsbrief in seiner finalen Bedeutung. Ein Mensch hat sich selbst das Leben genommen und hinterlässt schriftliche letzte Worte.

Natürlich muss man Iván Noel nicht unbedingt kennen. Insbesondere Jungenliebhabern ist als Regsisseur und Produzent von Low- und No-Budget-Spielfilmen bekannt, in denen es eben vor allem um Jungen geht.

Bei seinem ersten Film „Wo warst Du? (2008) war er Drehbuchautor, Regisseur, Co-Produzent, lieferte die Filmmusik, machte den Schnitt und spielte eine kleine Nebenrolle. Ein Spielfilm über 99 Minuten, mit einem Gesamtbudget von 50.000 US Dollar. Gefilmt wurde fast ausschließlich mit Laienschauspielern. Die Filmcrew bestand nur aus fünf Personen, weitere Namen hat sich Noel für den Abspann ausgedacht, um zu kaschieren, wie klein das Projekt eigentlich war. Der Film wurde auf den Filmfestivals von Vancouver, Palm Springs und Seattle gezeigt und wurde in Vancouver auf Platz fünf gewählt (bei 200 teilnehmenden Filmen).

Da er mit dem ersten Film kein Geld verdient hatte, war Noel pleite. Sein zweiter Spielfilm „Brecha“ entstand mit negativen Budget. Noel lieh sich das Filmequipment von einem Fernsehsender, wofür er als Gegenleistung eine wöchentliche Sendung moderierte. Nur der Hauptdarsteller (der auch schon im ersten Film mitgewirkt hatte) hatte Berufserfahrung, alle anderen waren Laiendarsteller. Schauspieler und Filmcrew arbeiteten umsonst. Die MiniDV-Kassetten für die Kameras stahl Noel täglich vor Drehbeginn aus dem Supermarkt, weil er kein Geld hatte, um sie zu kaufen. Das ist auch insofern gesichert und nicht lediglich Legende als er dabei erwischt wurde.

Spätere Filmprojekte wurden teils durch Spenden unterstützt und ermöglicht. Hier eine Liste seiner Spielfilme:

Den Filmen ist gemeinsam, dass sich sich mit moralischen Fragen auseinandersetzen, ohne sich bürgerlichen Konventionen zu beugen. Die Hauptprotagonisten sind meist Kinder und Jugendliche, in der Regel Jungen. Kontrovers ist darüber hinaus, dass es in den meisten seiner Filmen auch Nacktszenen von Kindern oder Jugendlichen gibt.

Insgesamt war für Gleichgesinnte sehr offensichtlich, dass Noel sich zu Jungen hingezogen fühlte.

Anlass für den Suizid waren Missbrauchsvorwürfe im Zusammenhang mit seinem letzten Film „Cordero de Dios (Opferlamm). Die Vorwürfe sollen von drei 15-jährigen Jugendlichen stammen, die wegen schlechten Verhaltens (was auch immer das bedeuten mag) vom Set geschmissen wurden. Es ist letztlich unklar, was und ob überhaupt etwas vorgefallen ist.

Über den Film selbst berichte queer.de:

Der Pater und der Außenseiter

Jetzt auf DVD: In Iván Noels Coming-of-Age-Film „Lamb of God“ geht es um die Schuld der Unschuldigen an einem katholischen Knabeninternat 1962 in Argentinien.

Das idyllisch und verborgen in den Bergen Nord-Argentiniens gelegene katholische Knabeninternat hat 1962 seine besten Zeiten lang hinter sich. Früher wurden dort mehr als 250 Heranwachsende von fünfundzwanzig Patres unterrichtet, heute kümmern sich gerade mal vier Mönche mehr schlecht als recht um ein gutes Dutzend wilde, pubertierende Jungs.

Unangekündigt kommt plötzlich der undurchsichtige Pater Martin an die Schule, und bald fällt auf, dass er besonders Kontakt zu dem attraktiven Außenseiter Franz sucht. Der Junge leidet noch immer darunter, dass Pater Lucio, zu dem er sich besonders hingezogen fühlte, wegen sexueller Verfehlungen von der Schule abberufen wurde.

Nach und nach wird deutlich, dass Pater Martins besonderes Interesse an Franz aber nicht etwa sexueller Natur ist, sondern sich darauf stützt, dass beide gemeinsame Wurzeln in Nazi-Deutschland haben. Pater Martins Absichten sind jedoch nicht so unschuldig, wie er gern behauptet …

Lamb of God – Die Schuld der Unschuldigen“ ist der nunmehr zehnte Film von Iván Noel. Die berührende Coming-of-Age-Story ist nun bei cmv-Laservision auf DVD erschienen. (cw/pm)

Dass Iván Noel Jungen anziehend fand, kann in seinem Umfeld niemandem allzu lange verborgen geblieben sein. Das führt zu einem hohen Maß an externer Kontrolle und spricht eigentlich dagegen, dass er übergriffig geworden sein könnte. Wer mit seinem besonderen Interesse an Jungen so erkennbar ist, wie Iván Noel es war, verzichtet dafür in der Regel auf jedes aktive sexuelle Ausleben, da er weiß, dass er unter Beobachtung steht und der kleinste Vorwurf sofort Konsequenzen hätte.

Letztlich weiß man aber schlicht zu wenig, um sich ein Urteil erlauben zu können.

Hier der Abschiedsbrief (eigene Übersetzung)

Ein letzter Abschiedsgruß an meine Freunde

von: Iván Noel

Ich hatte vor langer Zeit einen Freund, Max Dickens, der schon 10 Jahre vor der Einnahme einer Euthanasie-Pille fröhlich davon sprach, ‚aus diesem Leben auszusteigen‘. Er pflegte zu sagen ‚wenn mein Geld ausgeht, gehe ich‘. Sein einziges großes Vergnügen im Leben war es, erste Klasse zu reisen und in den besten Restaurants der Welt zu essen. Ohne das würde sein Leben das Wenige verlieren, was es ihm zu bieten hatte. Im Jahr 2008 verlor er sein gesamtes Geld im korrupten Börsencrash, und er schickte mir ein paar Monate später freudig eine Nachricht, dass die Zeit für ihn gekommen sei. Und er hat die Pille geschluckt.

Ich habe das immer für eine großartige Sache gehalten: Wenn man das verliert, was man im Leben am meisten schätzt, wenn man die ESSENZ dessen verliert, wer und was man ist, gibt es wirklich keinen Grund, weiterzumachen, nur um des Weitermachens willen.

Wie meine engsten Freunde wissen werden, habe ich jahrelang über die Möglichkeit gesprochen, zur richtigen Zeit, wann und wo ich wollte, „wegzugehen“. Das liegt daran, dass ich verstanden habe, dass meine Art zu sein unmittelbar gegen den Strom einer Gesellschaft läuft, die jedes Jahr intoleranter, populistischer und giftiger wird. Ich wurde in die beste und schlimmste Zeit hineingeboren, die man sich vorstellen kann. Und jetzt habe ich meinen Moment gefunden.

Wenn durch giftige Menschen (die Art von Menschen, die auf diesen Wellen der Hysterie als „Heilmittel“ für ihren Neid, ihre Verdrängungen und ihr persönliches Versagen reiten), die Zukunft, wie ich sie mir wünsche, bedroht wird, dann ist es Zeit für mich, mich zu verabschieden.

Und was würde ich verlieren, wenn ich weitermache? Nun, meine Arbeit mit Kindern (die schon immer meine Essenz und mein deutlichstes Talent war), die Fähigkeit zu reisen, wann und wohin ich will in der Welt. und vor allem meinen Anstand als Mensch. Denn obwohl ich weit davon entfernt bin, perfekt zu sein, bin ich auch weit davon entfernt, böse zu sein, und ich weigere mich, meinen Anstand im Dienst von giftigen Menschen zu verlieren. Dafür liebe ich das Leben und die Menschen wirklich nicht genug.

Diese Dinge sind es wert, zur Kenntnis genommen zu werden:

Das bedeutet in keiner Weise ein Eingeständnis eines Vergehens meinerseits gegen irgendjemanden. Ganz im Gegenteil: Ich war nie in der Lage, Menschen zu verletzen, schon gar nicht die Schwächsten. Jeder, der mich gut kennt, weiß das. Aber da heute das Bedürfnis nach populistischem Drama viel mehr erwünscht ist als die Realität, vertraue ich auf nichts mehr und bin nicht daran interessiert, dieses absurde Spiel mitzuspielen.

Ich beende mein Kapitel hier ohne Depression, oder Traurigkeit, oder irgendeine Art von Bedauern oder Bitterkeit, sondern, wie Max, auf eine persönliche und logische Weise.

Ich liebe und schätze bis zum Schluss meine Freunde, die mir bis jetzt gefolgt sind, und von dieser meiner Entscheidung sollte man nicht denken, dass es an einem Mangel von ihnen lag. Es ist nur so, dass diese Fragen des Lebens und des „Todes“ viel tiefer sind als irdische Freundschaften selbst. Wir alle sind so viel mehr als das, was wir hier unten sehen.

Da es NIEMALS einen guten Zeitpunkt zum Sterben gibt, sollte man das selbst entscheiden können. Ich fühle mich gut, wie ein Tennisspieler, der seine Karriere nach einem gewonnenen Turnier beendet. Habe gerade den zehnten budgetlosen Spielfilm, eine Dokumentation und einen Bildband fertiggestellt. Darüber freue ich mich sehr.

Ich bin und war schon sehr lange entsetzt und angewidert von der Menschheit. Ich schäme mich, zu einer so gescheiterten Rasse zu gehören, mit ihren endlosen kleinen und großen Kriegen, die meistens durch Neid und Eifersucht verursacht werden.

Gibt es Güte und Liebe im Menschen? Nun ja, natürlich… aber das ist so, als würde man von einem sehr aufmerksamen und großzügigen Vater sagen, dass er ein ‚guter Vater‘ ist, obwohl er jedes Jahr eines seiner Kinder in der Familienbadewanne ertränkt. Diese ‚Liebe‘ nützt nichts, wenn sie so endet.

Die Menschenverachtung war für mich nie stärker als in dieser Ära der Covid-Hysterie, denn sie zeigte uns die hässlichste Seite der Menschheit, die niedrigste, unterwürfigste Seite der Menschen und die Missstände durch sogenannte Anführer, die derart schamlos lügen. Der einzige Unterschied zwischen dem Mittelalter und heute ist, dass wir Handys und „soziale“ Netzwerke haben, um andere leichter angreifen zu können.

Ich bin nicht religiös, aber ich weiß, dass es etwas jenseits unseres Lebens hier gibt. Es scheint, dass wir, um dorthin zu gelangen, durch dieses fehlgeschlagene Experiment auf der Erde gehen müssen. Aber ich nehme eine Abkürzung, vielen Dank!

Ich bin 52 Jahre alt, aber ich bin auch 150 Jahre alt, denn ich habe drei Leben in einem gelebt. Ein volles, volles, volles Leben. Ich bin um die halbe Welt gereist, habe fast alles erlebt, was ich erleben konnte, habe so vielen Menschen wie möglich unter den gegebenen Umständen geholfen, habe künstlerische Werke geschaffen, die bleiben und geschätzt werden, habe Kindern die Leidenschaft für Musik, Filme, Reisen, Kochen beigebracht und in letzter Zeit den ärmsten Menschen bei uns geholfen.

Aber vor allem gab es kaum einen Moment in meinem Leben, in dem ich nicht geliebt wurde, und in dem ich nicht geliebt habe. Selbst in meinen schlimmsten Momenten. Ich war immer von der Liebe und Hingabe von Jung und Alt umgeben. All das, unglaublich, trotz meiner Andersartigkeit und dieser Persönlichkeit, die im TOTALEN Gegensatz zur aktuellen westlichen (Pseudo-)Moral steht. Deshalb verdanke ich den besten Teil meines Lebens denjenigen, die meine Freunde waren und sind.

Ich werde eine Flasche des besten argentinischen Malbec trinken, den ich kenne (‚Nosotros‘ von Susana Balbo) und mich dem Jenseits hingeben, von dem wir kommen und zu dem wir alle gehen.

Danke, und nochmals danke: an diejenigen, die mir solche Möglichkeiten gegeben haben (meine Eltern), an meine Lieben in den letzten 40 Jahren und an meine Freunde, und auch an meine Filmfans, die mich so weit kommen ließen. Ich gehe ohne Bedauern und im besten Moment. Ich danke euch noch einmal.

Yves, der Iwan

Ich erkenne darin jemanden, der versucht hat, ein guter Mensch zu sein und dem es insgesamt so gut gelungen zu sein scheint, wie man es eben hoffen kann.

Ich schließe mit einem Video, dass Noel 2012 für die isländische Band Sigur Rós veröffentlicht hat:

19 Kommentare zu „Abschiedsbrief von Iván Noel

  1. Es tut mir auch leid hier ein Teil der Menschheit zu sein, vielleicht sind wir nicht ohne Grund hier. Wer weiß… Man spürt den Angriff gegen Päderasten (Hebephilie). „komisch“ dass fast nur die Experten diese sexuelle orientierung richtig kennen. Menschen lügen weil sie es leichter empfinden dies zu tun, AUF KOSTEN ANDERE!!!. Ich bin froh, wie euch irgendwann erlöst zu werden.

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  2. Ich habe mich total erschreckt, weil ich dachte es hat M’Noel auf dem Jungsforum erwischt. Gruß an ihn an der Stelle.

    Ich kannte diesen Noel nicht und muss sagen, dass ich etwas gerührt bin, was aber sicher beabsichtigt war. Damit stirbt auch ein Teil von Hoffnung. Ein Teil Hoffnung verkörpert auch dieser Blog. Also Schnuppie, gib gut acht auf dich!

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  3. Was mich wundert:
    In Südamerika gerät man, ungeachtet der meist katholischen Prägung, aufgrund spätkindlicher/jugendlicher Ausstrahlung und Sexualität eher weniger in Panik. Auch wenn sich das Interesse, hebesexuell, von Männern auf Jungen richtet. Im Internet existieren diverse Seiten mit freizügigen (Posing) bis tatsächlich pornografischen (Autoerotik) Darstellungen minderjähriger Südamerikaner/innen ab ca. 12 Jahren. Offenbar relativ legal oder zumindest geduldet, mit vollständigem Impressum, über Jahre unbehelligt. Es gilt kulturell nicht als anstößig, jugendliche Ausstrahlung wertzuschätzen.

    Das Age of Consent liegt tendenziell niedriger als im „freien Westen“. Selbst wenn der Mann ein paar (notgeile?) 15jährige Jungen angefasst haben sollte, von einer Hetzjagd der dortigen Gesellschaft, geschweige denn des Staates, sollte er eigentlich nicht ausgehen müssen. Das AoC scheint eher auf dem Papier zu stehen, als dass es die Staaten mit Gewalt durchsetzen. Zieht Argentinien das (relativ hohe) AoC von 18 Jahren vielleicht tatsächlich strikter als seine Nachbarstaaten durch?

    Haben sich einzelne südamerikanische Staaten, unter Dauerfeuer durch finanzkräftige NGOs aus den USA und Europa, unseren westlichen “Werten“ mit seinem abstrusen „Kinderschutz“ zwischenzeitlich angenähert?

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      1. Ich habe mal die Lage in Argentinien recherchiert. Das argentinische Strafgesetzbuch findet man hier.

        http://servicios.infoleg.gob.ar/infolegInternet/anexos/15000-19999/16546/texact.htm#17

        Übersetzung von ein paar ausgewählten Bestimmungen:

        ARTKEL 119 – Wer eine Person sexuell missbraucht, wenn diese unter dreizehn (13) Jahre alt ist, oder wenn ein Abhängigkeits-, Autoritäts- oder Machtverhältnis durch Gewalt, Drohung, Nötigung oder Einschüchterung ausgenutzt wird, oder unter Ausnutzung der Tatsache, dass das Opfer aus irgendeinem Grund nicht in der Lage war, der Handlung frei zuzustimmen, wird mit Freiheitsentzug oder Gefängnis von sechs (6) Monaten bis zu vier (4) Jahren bestraft.

        Die Strafe beträgt vier (4) bis zehn (10) Jahre Freiheitsentzug oder Gefängnis, wenn der Missbrauch aufgrund seiner Dauer oder der Umstände seiner Begehung eine schwerwiegende, empörende sexuelle Unterwerfung des Opfers dargestellt hat.

        Die Strafe beträgt sechs (6) bis fünfzehn (15) Jahre Freiheitsentzug oder Haft, wenn unter den Umständen des ersten Absatzes der fleischliche Zugang durch anale, vaginale oder orale Mittel erreicht wurde oder andere ähnliche Handlungen durch Einführen von Gegenständen oder Körperteilen durch eines der ersten beiden Mittel durchgeführt wurden.

        In den Fällen der beiden vorstehenden Absätze beträgt die Strafe acht (8) bis zwanzig (20) Jahre Haft oder Freiheitsentzug, wenn:

        (a) Die körperliche oder geistige Gesundheit des Opfers wird ernsthaft geschädigt;

        (b) Die Tat wird von einem Verwandten in aufsteigender oder absteigender Linie, einem Verwandten in gerader Linie, einem Geschwisterkind, einem Vormund, einem Kurator, einem Geistlichen einer anerkannten oder nicht anerkannten Religion oder einer für die Erziehung oder Vormundschaft verantwortlichen Person begangen;

        c) der Täter wusste, dass er Träger einer schweren sexuell übertragbaren Krankheit war, und es bestand die Gefahr einer Ansteckung;

        d) Die Tat wurde von zwei oder mehr Personen oder mit Waffen begangen;

        e) Die Tat wurde von Angehörigen der Polizei oder der Sicherheitskräfte im Rahmen ihrer Aufgaben begangen;

        f) Die Tat wird an einem Minderjährigen unter achtzehn (18) Jahren begangen, unter Ausnutzung der bereits bestehenden Situation des Zusammenlebens mit dem Minderjährigen.

        Im Falle des ersten Absatzes beträgt die Strafe drei (3) bis zehn (10) Jahre Haft oder Freiheitsentzug, wenn die Umstände der Buchstaben a), b), d), e) oder f) zutreffen.

        ARTIKEL 120 – Wer eine der in § 119 Absatz 2 oder 3 vorgesehenen Handlungen mit einer Person unter sechzehn Jahren unter Ausnutzung ihrer sexuellen Unmündigkeit, aufgrund der Volljährigkeit des Täters, seines überragenden Verhältnisses zum Opfer oder eines anderen gleichwertigen Umstandes vornimmt, wird mit Freiheitsentzug oder Ausschluss von drei bis sechs Jahren bestraft, sofern sich daraus nicht eine schwerer zu bestrafende Tat ergibt.

        Die Strafe ist Freiheitsentzug oder eine Freiheitsstrafe von sechs bis zehn Jahren, wenn einer der in Artikel 119 Absatz 4 Buchstaben a, b, c, e oder f genannten Umstände vorliegt.

        ARTIKEL 125. – Wer die Korruption von Minderjährigen unter achtzehn Jahren, auch mit Einwilligung des Opfers, fördert oder erleichtert, wird mit Ausschluss oder Freiheitsstrafe von drei bis zehn Jahren bestraft.

        Die Strafe beträgt sechs bis fünfzehn Jahre Freiheitsentzug oder Freiheitsstrafe, wenn das Opfer unter dreizehn Jahren alt ist.

        Unabhängig vom Alter des Opfers ist die Strafe Freiheitsstrafe oder Gefängnis von zehn bis fünfzehn Jahren, wenn Täuschung, Gewalt, Drohung, Missbrauch von Autorität oder ein anderes Mittel der Einschüchterung oder Nötigung vorliegt, sowie wenn der Täter ein Verwandter, Ehepartner, Geschwister, Vormund oder eine Person ist, die mit dem Opfer zusammenlebt oder für dessen Erziehung oder Pflege verantwortlich ist.

        ————————-

        Problematisch ist vor allem der § 125. Mit „Korruption“ ist die Korruption zum Sex gemeint. Das ist ein Gummiparagraph, der das Schutzalter potentiell auf 18 hebt. Er gilt auch, wenn der Minderjährige einverstanden ist.

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    1. Artikel 128 – Wer eine Darstellung einer Minderjährigen unter achtzehn (18) Jahren, die an sexuell eindeutigen Handlungen beteiligt ist, oder eine Darstellung ihrer Genitalien zu vorwiegend sexuellen Zwecken herstellt, finanziert, anbietet, handelt, veröffentlicht, ermöglicht, offenbart oder verbreitet, sowie wer Live-Shows von sexuell eindeutigen Darstellungen mit solchen Minderjährigen organisiert, wird mit einer Freiheitsstrafe von drei (3) bis sechs (6) Jahren bestraft.

      Wer wissentlich eine der im vorstehenden Absatz beschriebenen Darstellungen in seinem Besitz hat, wird mit einer Freiheitsstrafe von vier (4) Monaten bis zu einem (1) Jahr bestraft.

      Mit Freiheitsstrafe von sechs (6) Monaten bis zu zwei (2) Jahren wird bestraft, wer Darstellungen der im ersten Absatz beschriebenen Art zum eindeutigen Zweck des Vertriebs oder der Kommerzialisierung in seinem Besitz hat.

      Wer Minderjährigen unter vierzehn (14) Jahren den Zugang zu pornografischen Darbietungen ermöglicht oder ihnen pornografisches Material liefert, wird mit Freiheitsstrafe von einem (1) Monat bis zu drei (3) Jahren bestraft.

      Alle in diesem Artikel vorgesehenen Strafmaße werden in ihrem Minimum und Maximum um ein Drittel erhöht, wenn das Opfer unter dreizehn (13) Jahre alt ist.

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  4. schneeschnuppe, der „nackte“ Gesetzestext bringt uns leider kaum Erkenntnisgewinn. Er erläutert nicht detailliert, was die argentinische Justiz bzw. auch die Gesellschaft unter den „verbotenen Handlungen oder Darstellungen“ verstehen.

    Der Begriff Kindesmissbrauch/Kinderpornografie scheint extrem variabel. Der reicht in unserem kranken Rechtssystem mittlerweile vom Foto eines jungen Menschen in einer verrutschten Sporthose oder vermuteten Gedankenverbrechen (z. B. einer phantasierten Geschichte oder dem Besitz einer Puppe) bis hin zu den zerfetzten Babykörpern der Frau von der Leyen.

    Die deutsche Politik, unterstützt durch eine systemhörige Lückenpresse, macht es sich da recht einfach: Alles läuft, in der Regel nicht näher erläutert, unter „sexuelle Misshandlung von Kindern“. Ob die argentinische Politik und Gesellschaft weniger hysterisch auf die herbeigeredete/-geschriebene „allgegenwärtige Pädokriminalität“ reagieren? Vermutlich ja.

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    1. Naja. Der Gesetzestext ist immer noch besser als eine Ein-Satz-Behauptung auf wikipedia. Aber was das im Detil bedeutet, ist teilweise schon für einen deutschen Muttersprachler in Deutschland schwierig zu erkennen. Man sollte also vorsichtig sein, mit dem Ausrufen irgendwelcher gelobten Länder. Meist stimmt das Bild, das man sich macht, nicht mit der Realität überein.

      Ich vermute mal, dass Ivan Noel sich auch aufgrund Gesetzeslage und Gesellschaftsklima für Argentinien entschieden hat. Er hätte als spanischer Muttersprachler ja auch viele andere Länder zu Auswahl gehabt. Wahrscheinlich ist es in Argentinien weniger schlimm als in vielen anderen Ländern. Aber die Hysterie dort hat auch gereicht, um ihn letztlich in den Tod zu treiben. Aber natürlich dürfte das auch damit zusammenhängen, wie sichtbar er war.

      Wer auswandern will, sollte sich vorher wirklich gründlich informieren, das Land der Wahl länger bereisen und die Sprache lernen bevor er sich festlegt. Hinzu kommen die üblichen Probleme, z.B. womit man da seinen Lebensunterhalt finanzieren will.

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      1. ich glaube wenn man mit einen 13 jährigen sex haben würde, juckt es niemanden.

        aber mit einen 12 jährigen? da geht die Post ab.

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      2. Glauben ist nicht wissen. Die Rechtslage ab 14 in Deutschland ist jedenfalls klarer als die in Argentinien ab 13.

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  5. Auch ich trauere um Iván Noel. Er war ein Filmemacher, der es in der heutigen Gesellschaft geschafft hat, künstlerisch aktiv zu sein, obwohl ziemlich offensichtlich war, dass er sich zu Jungen hingezogen fühlte. Auch auf mich hinterließ er den Eindruck, dass er jemand war, der versucht hat, Positives mit seinem Leben zu bewirken und ein guter zu Mensch zu sein. Zuletzt unterstützte er mehrere arme Familien und Kinder während der Pandemie und machte auf YouTube auf deren Schicksal aufmerksam.

    Er hat sich von der Gesellschaft nicht verbiegen lassen, hat Filme gedreht, die in der heutigen Zeit sonst keiner so gedreht hätte, die aber gleichzeitig einen künstlerischen Anspruch hatten, weil er trotz niedrigstem Budget ein tolles Gespür für Bildkompositionen besaß, seine eigene Filmmusik komponierte und auch inhaltlich etwas zu sagen hatte. Immerhin ein paar seiner Filme wurden auf internationalen Filmfestivals gezeigt.

    Auf argentinischen Nachrichtenseiten kann man einige weiterführende Details zum Tod Iván Noels finden. Dort kommt auch sein Anwalt zu Wort.

    „Sein Anwalt hoffte, dass Noel bald vernommen worden wäre, so dass er Akteneinsicht bekommen hätte und er der Staatsanwaltschaft Belege präsentiert hätte, dass der Regisseur von den Anklägern bedroht worden war, nachdem er entschieden hatte, sie vom Set des Films Cordero de Dios zu werfen, welcher sich mit einem priesterlichen Internat in den 60er Jahren beschäftigt.

    ‚Die Nachrichten lauteten: ‚Du wirst sehen, was mit dir passiert‘, ‚Du bist ein Hurensohn‘, ‚Wir werden dich melden‘, ‚Jeder wird es wissen‘. Wir hatten alles bereit, um es zu präsentieren‘, erklärte Moyano.“

    „Heute früh wurde Noels Leiche einer Autopsie unterzogen, um die Hypothese zu bestätigen, dass es sich um einen Selbstmord handelte, mit einer Akte, die der Staatsanwaltschaft der Gerichtsbarkeit von Alta Gracia zugeordnet ist. Doch trotz der Bestürzung waren Familie und Freunde von der drastischen Entscheidung des Filmemachers nicht überrascht.

    ‚Er war entschlossen, es zu tun, wenn die Presse über die Beschwerde gegen ihn berichten sollte. Er hat es mir erzählt, er hat es seiner Familie und seinen Freunden erzählt. Er machte sich keine Sorgen um seine prozessuale Situation, er war von seiner Unschuld überzeugt, aber er machte sich Sorgen, die Stigmatisierung niemals auslöschen zu können‘, erklärt sein Anwalt Fernando Moyano nach den Nachrichten.

    ‚Er war ein ganz besonderer Mensch. Wir sagten ihm, dass er seine Situation klären würde und er sagte: ‚Sie werden mich mein ganzes Leben lang wie einen Missbrauchstäter behandeln.‘ Zuerst dachte ich, er würde es nicht tun, aber seine Freunde hatten mir schon gesagt, dass es entschieden ist‘, sagte der Anwalt.“

    Hier ist die Quelle: https://www.infobae.com/sociedad/policiales/2021/07/20/el-aviso-que-no-iba-a-soportar-el-escrache-la-trama-detras-de-la-muerte-del-cineasta-denunciado-por-abuso-de-menores-en-cordoba/

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    1. Aber sein Selbstmord war nicht unbegründet.

      Da sieht man die Dämonisierung der Pädophilie aber auch die Hebephilie seit der Gescheiterte Pädophiliendebatte (1970 – 1985) da viele denken, es gäbe kein Hebephilie.

      Wie gesagt nur die gehobene leute (gebildete leute) haben schonmal was davon gehört bzw sind dazu in die Lage die Hebephilie zu akzeptieren.

      Aber was kann man manchen wenn die Masse (mehrheit des volkes) dumm sind und sich manipulieren lassen?

      Hoffentlich sieht der Ivan Noel im Himmel in die Zukunft und sieht dass irgendwann mal die Wahrheit ans licht kommt. Vielleicht noch zu unsere Lebzeiten!

      aber sowas sind nur Gedanken von mir…

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  6. Leute müssen nicht dumm sein, um die Vorstellung, dass ein Erwachsener mit einem/einer Minderjährigen gemeinsam Sex hat, als ekelhaft zu empfinden. Man muss ja auch nicht dumm sein, um sich vor dem Essen von fetten Maden oder dem Trinken von Urin zu ekeln; und doch ist beides in manchen Kulturen gängige Praxis, letzteres soll sogar sehr gesund sein.
    Weiß der Teufel, warum sich Menschen wechselseitig solch „sinnigen“ Ekelgefühle einreden, Gott jedenfalls oder ein Einzelner kämen nie darauf, dass das, was die Natur durch evolutionäre Selektion nicht abstraft sondern oft sogar begünstigt, widerwärtig oder gar schädlich für einen Einzelnen oder eine menschliche Gemeinschaft sein könnte.

    Übrigens Wahrheit kommt nicht ans Licht und wird auch nicht GEfunden, sondern sie wird ERfunden: Wahrheit ist das, woran Menschen glauben.

    Zu iván Noels Tod:
    In einem wirklich erfüllten Leben wird man auf Dauer nicht glücklich; es treibt einem alle Sehnsucht aus. 😉

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    1. „Leute müssen nicht dumm sein, um die Vorstellung, dass ein Erwachsener mit einem/einer Minderjährigen gemeinsam Sex hat, als ekelhaft zu empfinden“.

      das kannst du amerika sagen

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