Evolutionsbiologin befürwortet Sexpuppen

In einem Interview mit der österreichischen Standard kommt die Evolutionsbiologin Meike Stoverock zu Wort. Sie geht davon aus, dass der „natürliche Zustand beim Menschen (wie bei vielen anderen Tieren) eigentlich die weibliche Partnerwahl ist. Sie glaubt, dass die Macht über die Partnerwahl im Zuge der Sesshaftigkeit von den Männern übernommen wurde. Mit der Erfindung der Landwirtschaft hätten sich die Männer Besitz und Ressourcen gesichert und als Druckmittel gegen die wählerischen Frauen genutzt, die Frau wurde abhängig gemacht, sodass sie sich an einen Mann binden musste. Die Ehe sieht sie als Unterdrückung, als Werkzeug, um die Frau abhängig zu machen.

Ich habe einige Zweifel an diesen Thesen. In der Natur kommen unterschiedliche Partnerwahlmodelle vor. Ich habe ein bisschen nach Informationen zur Partnerwahl in unserem näheren Verwandtenkreis herumgesucht.

Gorillas Leben in Gruppen, die von einem Alpha-Tier dominiert werden, der das Paarungsvorrecht hat. Also keine Wahl für Gorilla-Damen? Ganz so ist es nicht. Einige wechseln die Gruppe, wenn der Silberrücken zu alt wird. Aber auch unabhängig davon verlässt die Hälfte der heranwachsenden Weibchen die Gruppe, um sich anderen Gruppen anzuschließen, was vermutlich auch dazu dient Inzucht zu vermeiden. Die andere Hälfte paar sich mit rangniederen Männchen. In einer Studie stammte siebzig Prozent des Nachwuchs vom dominanten Männchen ab.

Auch bei Orang-Utans gibt es dominante Männchen, die ein Revier haben – und andere, rangniedere Männchen, die herumstreifen. Einen „Harem“ wie bei den Gorillas gibt es nicht, aber die Weibchen teilen sich das Revier mit dem dominanten Männchen. Paarungen zwischen den dominanten Männchen und den Weibchen des Reviers werden als freiwillig interpretiert. Die Streuner versuchen trotzdem zum Zug zu kommen. Weil die dominanten Tiere die Weibchen des Gebietes verteidigen tarnen sich streunende Männchen bei den Sumatra-Orang-Utans als als Weibchen – sie haben keine Wangenwülste und bleiben kleiner als normal. Damit fallen Sie nicht auf. Diese Streuner erzwingen anscheinend Paarungen mit den Weibchen. Ob das aber immer so ist, oder ob das Weibchen nicht doch auch fallweise die Entscheidung trifft? Etwa die Hälfte des Nachwuchses stammt lt. Untersuchungen von den dominanten Männchen, die andere Hälfte aus Begegnungen mit Streunern.

Schimpansen leben in Großgruppen von 20 bis 80 Tieren, die sich flexibel in Untergruppen mit wechselnder Zusammensetzung organisieren. Die Gruppen werden von starken älteren Männchen geführt. Ein Fortpflanzungsmonopol haben sie aber wohl nicht. Es gibt Männchen, die Weibchen zum Sex auffordern und Weibchen, die Männchen zum Sex auffordern. Hochrangige Männchen scheinen ältere Weibchen zu bevorzugen – vermutlich, weil diese in der Aufzucht der Jungen erfahrener sind. Es kommt vor, dass sich weibliche Schimpansen in der Phase der Fruchtbarkeit bis zu 50 mal mit unterschiedlichen Männchen paaren. Neben dem promiskuitiven Verhalten gibt es auch Männchen, die ein fruchtbares Weibchen nach der Paarung bewachen, um andere Partner zu verhindern. Ebenso kommt es vor, dass ein Männchen und ein Weibchen eine kurzfristige Paarbildung eingehen und sich während ihrer fruchtbaren Periode mehrere Tage zu zweit von der Großgruppe absondern. Es wurde außerdem beobachtet, dass einzelne Männchen ihren Paarungserfolg durch Futtergabe an ausgewählte Weibchen nahezu verdoppeln können.

Das wildeste Sexleben haben Bonobos. Diese leben ebenfalls in Großgruppen (40 bis 120 Tiere), die flexibel in Untergruppen gegliedert sind, die Gruppen sind aber matriarchalisch dominiert. Die Schwellungen der Sexualorgane, mit denen weibliche Schimpansen ihr Empfängnisbereitschaft signalisieren ist bei den Bonobo-Weibchen von der Fruchtbarkeitsphase entkoppelt. Die Weibchen sind während des gesamten Menstruationszyklus paarungsbereit. Es kommt vielfach auch zu lesbischen und homosexuellen Kontakten, zu Sexualkontakten zwischen Jungtieren und zwischen Jungtieren und adulten Tieren. Alter, Geschlecht oder Rangstufe spielt keine Rolle. Der Sex dreht sich nicht primär um Fortpflanzung, sondern hat eine bedeutende soziale Funktion indem er der Beziehungspflege dient. Es kommt auch zu Futtergaben im Austausch für Sex.

Noch eine Merkwürdigkeit: Bonobo-Mütter helfen Ihren Söhnen bei der Paarung indem sie sie immer wieder in die Nähe fruchtbarer Weibchen bringen. Sie schützen ihre Söhne bei der Brautwerbung vor konkurrierenden Männchen und behindern die Rivalen bei deren eigenen Annäherungsversuchen.

Was sagt uns das alles für die Partnerwahl bei den Menschen? Vermutlich nicht allzu viel, außer das die Vorstellungen der Evolutionsbiologin Meike Stoverock wahrscheinlich eher ihrem Wunschdenken entspringen.

Für mich hört sich da einiges schlicht nicht plausibel an. Die historische Basis für ihre Behauptungen ist im Grunde nicht vorhanden. Es fehlt schon an jeglichen belastbaren Erkenntnissen, die auf eine matriarchalische oder patriarchalische Gesellschaftsform in der Steinzeit hindeuten würden:

Von Fachwissenschaftlerinnen wird zudem verneint, dass mit archäologischen Methoden weitreichende Aussagen über Gesellschaftsstrukturen zu gewinnen sind. Das Matriarchat sei mit archäologischen Mitteln weder zu beweisen noch zu widerlegen, was auch für das Patriarchat gelte. (…)

Die Vorstellung eines neolithischen Matriarchats wird unter anderem damit zu begründen versucht, dass archäologische Befunde aus dieser Zeit keine Anzeichen für Gewalt, Krieg und soziale Unterschiede ergäben. (…) Die Prähistorikerin Eva-Maria Mertens zeigte anhand der Bandkeramiker, dass diese Kultur keine friedliche im Sinne der Matriarchatsanhänger war. In ihrer Studie kommt sie zu dem Schluss: „Wenn die These der Matriarchatsforscherinnen stimmt, dass die Zeit des Neolithikums von Matriarchaten bestimmt war, dann war es trotz der Frauenherrschaft keine friedliche Zeit. Wenn aber die Kernprämisse für den Nachweis eines Matriarchats Gewaltlosigkeit beziehungsweise Friedlichkeit ist, dann ist am Ende der Bandkeramik nicht von einem Matriarchat zu sprechen.“ Mertens betont, dass solche Hinweise auf Gewalt nicht nur Kennzeichen der ersten Ackerbauern in Mitteleuropa sind. Auch von den vorhergehenden Wildbeutern im Spätmesolithikum gebe es regelhaft Hinweise auf gewaltsam zu Tode gekommene Menschen. (…)

Auch weitere Annahmen, um die Idee eines neolithischen Matriarchats zu stützen, werden fachwissenschaftlich zurückgewiesen, sie gelten in der Archäologie als widerlegt und von der Methodik her als unwissenschaftlich.

Wikipedia-Artikel „Matriarchat“, Abschnitt „Matriarchat aus archäologischer Sicht

Damit ist ein Matriarchat keineswegs ausgeschlossen – man weiß es nur eben nicht. Stoverock postuliert eine Vergangenheit, für die es keine Belege gibt, und propagiert die Rückkehr zu dem von ihr als eigentlich für Menschen natürlich gedachten Zustand.

Auch die Vorstellung der Ehe als Unterdrückungsinstrument scheint mir abwegig. Vor der Einführung von Vaterschaftstest, konnte nur die Frau wissen, von welchem Vater die Kinder stammen (bzw. stammen könnten). Um die Kinder aufzuziehen ist sie aber auf Unterstützung angewiesen. Die Ehe scheint mir in diesem Zusammenhang ein hervorragendes Instrument zu sein, um den Mann an die Frau (und die gemeinsame Aufzucht der Kinder der Frau) zu binden. Sie dürfte also mehr sein als ein reines Unterdrückungsinstrument. Dem steht nicht entgegen, dass Frauen in der Ehe in der gesamten überlieferten Geschichte (und vermutlich auch in vorgeschichtlicher Zeit) strukturell in aller Regel stark benachteiligt waren. Es ist gut, wenn diese Benachteiligung inzwischen auflöst wird bzw. in einigen Gebieten der Welt (zu denen ich Deutschland zähle) bereits weitestgehend aufgelöst wurde.

Fr. Stoverock (Selbstbeschreibung auf Twitter: „Sexpositive Feministin, Biologin, Religionskritikerin“) glaubt jedenfalls für die Zukunft an die Rückkehr (?) einer weiblichen Dominanz bei der Partnerwahl.

Aus dem Artikel im Standard:

Mit dem Rückgewinn der weiblichen Sexualität werden viele Männer keine Partnerin mehr finden. Es wird mehr Incels geben, also Männer, die unfreiwillig zölibatär leben und teilweise gewaltbereit werden können. Diese Männer müssen wir abfangen, müssen ihnen mit mehr Mitgefühl begegnen. Daneben wird auch die Industrie der Sexpuppen und Sexroboter boomen. Es gibt ja heute schon Sexpuppen, die lebendigen Frauen sehr ähnlich sehen. Mit künstlicher Intelligenz und Druck- und Sprachsensoren wird in Zukunft Erstaunliches möglich sein, um einsamen Männern zumindest die Illusion einer Partnerschaft zu geben.

Es gibt schon heute eine feste Community von Liebhabern, die diese Puppen und Roboter nicht als reinen Triebabbau benutzen, sondern mit ihnen leben. Sie setzen sich mit ihnen an den Esstisch oder vor den Fernseher und reden mit ihnen. Ich wage zu bezweifeln, dass die Männer am Ende so glücklich sein werden wie in einer Beziehung mit einer lebenden Frau. Dennoch geht es diesen Männern im Zusammenleben mit der Puppe besser als ohne. Es ist schon einmal eine positive Entwicklung, dass diese Männer so überhaupt jemanden für sich finden können.

Hier bin ich nun endlich (?) beim Thema der Überschrift angekommen, denn Pädophile und Hebephile leben – mit unterschiedlichen Motiven, aber vor allem aufgrund der geltenden Strafbarkeitsregeln und sozialen Tabus – ganz überwiegend ebenfalls zölibatär. Das könnte man ja eigentlich auch mal zu dem Schluss kommen:

Diese Männer müssen wir abfangen, müssen ihnen mit mehr Mitgefühl begegnen.

Und natürlich gäbe es, wenn man es zulässt, auch für Pädophile und Hebephile die Ausweichmöglichkeit auf technisch immer bessere Lösungen im Bereich Sexpuppen und Sexroboter. Es wäre besser als nichts:

Es ist schon einmal eine positive Entwicklung, dass diese Männer so überhaupt jemanden für sich finden können.

Konkrete Anhaltspunkt, ob sich Fr. Stoverock auch Sexpuppen für Pädophile vorstellen kann, liegen mir nicht vor. Ich werde sie zu der Frage einfach mal anschreiben. Die Chancen auf eine Antwort dürften zwar eher schlecht stehen, aber versuchen kann man es natürlich trotzdem.

Zum Abschluss noch eine weitere Passage aus dem Interview:

STANDARD: Wenn ich es etwas provokant formulieren darf: Bedeutet Ihre Vision dann nicht, dass wir schon den Jungen in den Schulen vermitteln müssten, dass es einmal völlig normal ist, keinen Sex zu haben?

Stoverock: Auf jeden Fall! Je wählerischer Frauen bei der Partnerwahl werden, desto weniger wahr wird das Narrativ von „jeder Topf hat einen Deckel“. Es ist wichtig, Jungen auf die tatsächlich gelebten Realitäten der Partnerwahl vorzubereiten: Dass es, egal was sie tun, immer sein kann, dass sie nicht erwählt werden. Das wäre besser, als den Jungen immer beizubringen, dass eine Frau, der sie nur genug Geschenke machen, irgendwann die Beine breitmacht.

Ganz so pessimistisch müssen wir nicht sein.

Erstens funktionieren Futtergeschenke ja auch bei Schimpansen und Bonobos, immerhin unsere nächsten Verwandten im Tierreich. Am nächsten verwandt sind wir mit den Bonobos. Von denen kann man sich vor allem eine positive Einstellung zum Sex abschauen. Oder auch den Sex zwischen Jungtieren und adulten Tieren. Dort ganz unproblematisch. Wenn gerade kein Mädchen will, findet sich ja vielleicht ein passender Mann für den Jungen.

Und als letzte Hoffnung für die unerwählten Jungen: verkuppelnde Mütter, die günstige Gelegenheiten schaffen und die lästige Konkurrenz verschrecken. 🙂

8 Kommentare zu „Evolutionsbiologin befürwortet Sexpuppen

  1. Ich finde, dass der heutige Gleichheitsgedanke der Geschlechter unnatürlich ist. Er ist zwar im Westen mittlerweile kulturell akzeptiert, aber das war nicht immer so und ist in anderen Kulturen teilweise immer noch nicht so.

    Zynisch gesagt gibt es zwischen den Geschlechtern eine große Ungleichheit, nämlich aufgrund der Tatsache, dass Männer körperlich stärker und besser befähigt sind als Frauen. Dies hat zur Folge, dass Frauen physikalische Konflikte mit Männern regelmäßig verlieren würden. Es gibt also ein natürliches Machtgefälle, das auch nicht durch sonstige Überlegenheit von Frauen, z.B. bei der strategischen Intelligenz ausgeglichen wäre.

    Erkennt man diese offensichtliche Tatsache an und erkennt man darüber hinaus noch an, dass die Interessen von Männern und Frauen keineswegs identisch sind, so kann man daraus schließen, dass Männer mehr politisches Gewicht haben sollten als Frauen. Denn im Fall der Ultima Ratio eines physikalischen Konflikts Männer gegen Frauen hätten die Frauen nur wenige Chancen, diesen zu gewinnen. Zwar können Frauen kollektiv auch Männern schweren Schaden zufügen, weshalb ein offener Krieg der Geschlechter für die Gesellschaft insgesamt extrem nachteilhaft wäre und vermieden werden soll. Und in der Praxis spielen beide Seiten eine „Teile und Herrsche“-Strategie, so dass z.B. Feministinnen Männer belohnen, die feministischer handeln als andere Männer. Jedoch ist das natürliche Machtgefälle zwischen den Geschlechtern so stark, dass Männer mehr ihre Interessen gegenüber denen von Frauen durchsetzen könnten, als sie es im Westen derzeit tun.

    Meine Hypothese ist, dass die Kultur der Gleichberechtigung darauf beruht, dass Männer ihre Interessen nicht so stark wahrnehmen, wie sie es eigentlich spieltheoretisch könnten. Das würde implizieren, dass der heutige Feminismus eine Abberation ist, die weltweit und historisch nicht dominant sein wird. Das muss natürlich nicht bedeuten, dass alle Frauen und Mädchen Sklaven sein müssen, die gar keine Rechte haben. Man könnte es aber z.B. in der Demokratie einpreisen, indem man Männern ein stärkeres Stimmgewicht gibt, oder wirtschaftlich, indem man Frauen stärker besteuert.

    Gefällt mir

    1. Sehr interessanter Kommentar.

      Soweit es die körperliche Überlegenheit betrifft schwindet die Relevanz zivilisationsbedingt. Einerseits weil andere Waffen (Handfeuerwaffen) wirksamer sind, andererseits weil die Zivilisation regelhaft einen Gewaltverzicht nach Innen erfordert, sprich es gibt ein Gewaltmonopol des Staates.

      Die Möglchkeit die körperliche Überlegenheit zum eigenen Vorteil einzusetzen ist damit reduziert. Auch werden körperliche Tätigkeiten, bei denen Männer im Vorteil wären, in aller Regel schlecht bezahlt. Die Ausnahme hiervon ist lediglich der Spitzensport. Ansonsten kommt es auf die geistigen Leistungen an. Hier sind Frauen durchaus mit Männern vergleichbar leistungsfähig. Es scheint etwas mehr Spitzenbegabung bei Männern zu geben aber auch etwas mehr Männer, die nach unten hin vom Standard abweichen.

      Da körperliche Überlegenheit weniger wichtig geworden ist und bei fortschreitender technischer Entwicklung eher noch weniger wichtig werden wird, könnte die Geschlechtergleichheit eher noch zunehmen, da es Teilbereiche gibt, in denen Frauen immer noch unterrepräsentiert sind, ohne dass ein nachvollziehbarer Grund erkennbar wäre.

      Die Überlegung Frauen stärker zu besteuern oder ihnen weniger Stimmgewicht zu geben finde ich abwegig und absolut nicht gerechtfertigt. Man könnte mit dem gleichen Gedanken etwa wieder ein Dreiklassenwahlrecht einführen (je ein Drittel der Abgeordneten wird von dem Bevölkerungsanteil gewählt, das zusammen ein Drittel der Steuern zahlt). Oder man könnte die Steuern für Arme erhöhen und für Reiche senken, einfach weil man es kann bzw. meint es aufgrund der relativen Schwäche der anderen zu können.

      Alle Männer haben auch Mütter. Viele haben Schwestern oder Töchter. Wollen die wirklich, dass Frauen (wieder) systematisch benachteiligt werden? Kann ich mir nicht vorstellen.

      Allerdings gehe ich mir dir, dass der Gleichheitsgedanke je nach Anwendung problematisch werden kann, bzw es schon geworden ist. Man muss nicht jede gefühlte „Ungerechtigkeit“ ausgleichen.

      Als Beispiel: in der CDU ging es vor kurzem darum eine Frauenquote bei Vorstandswahlen ab der Kreisebene. Am 1. Januar 2021 soll eine Frauenquote von 30 Prozent gelten, zum 1. Januar 2023 eine Quote von 40 Prozent. Zum Jahresanfang 2025 eine Frauenquote von 50 Prozent.

      Mein Problem damit:
      In der CDU sind nur 27% der Mitglieder Frauen. Wenn die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Mitglied auf ein politisches Amt bewirbt gleich ist, dann käme auf 3 Männer, die sich bewerben eine Frau. Die Chance einer Frau ein Amt, auf das sie sich bewirbt zu erhalten wäre also ungleich höher als bei einem Mann.

      Unterrepräsentiert wären Frauen eigentlich erst, wenn ihr Anteil im Vorstand weniger als 27% beträgt. Gegen eine Frauenquote von 25 oder meinetwegen 30 Prozent wäre da aus meiner Sicht nichts einzuwenden, wenn sie nötig ist, um eine Unterrepräsentation zu vermeiden. Und wenn der Anteil der Frauen an den Mitgliedern 41% wie bei den Grünen wäre, wäre eine Quote von 40% aus meiner Sicht OK, wenn Frauen in Führungsrollen sonst unterrepräsentiert wären.

      Die Quote der CDU führt aber letztlich zu einer systematischen Benachteiligung politisch interessierter Männer gegenüber politisch interessierten Frauen.

      Die Regelung ist nach dem Muster zustande gekommen, dass du beschrieben hast:

      „Und in der Praxis spielen beide Seiten eine „Teile und Herrsche“-Strategie, so dass z.B. Feministinnen Männer belohnen, die feministischer handeln als andere Männer.“

      Die Frauenunion bringt viele Stimmen mit und hat ihre Unterstützung bei der Vorstandswahl von der Positionierung in Sachen Quote abhängig gemacht. Das Rennen war eng, jeder der drei männlichen Kandidaten brauchte die Stimmen, keiner konnte es sich leisten die Frauen zu verprellen. Also haben alle den Forderungen nachgegeben.

      Der Gleichheitsgedanke ist natürlich auch für uns fatal. Zunächst standen Abhängigkeitsverhältnisse, inzwischen jede Form von ungleicher Machtverteilung unter dem Generalverdacht des Missbrauchs. Jahrtausende lang waren Beziehungen zwischen ungleichen Partnern völlig normal und unproblematisch. Durch die Gleichheitsideologie werden diese nun als toxisch umgedeutet. Das trägt ganz erheblich zur Ächtung der von uns gewünschten Sexualbeziehungen bei.

      Gefällt mir

      1. Hallo, viele interessante Argumente.

        Das Gewaltmonopol des Staates ist aber kein echtes Gegenargument, da es ja darauf beruht, dass die zur Gewalt befähigte Bevölkerung ihre Gewaltanwendung zu Gunsten des Rechtsstaats freiwillig unterlässt. Wenn unterschiedliche Teile der Bevölkerung unterschiedlich zur Gewalt befähigt sind, dann muss der Staat die prinzipiell befähigteren Teile der Bevölkerung entweder stärker in ihren Interessen vertreten als die weniger befähigteren, oder sie müssen altruistisch darauf verzichten, obwohl dies gar nicht in ihrem Interesse ist. Meine Annahme wäre, dass ein Staat, der die Interessen der Stärkeren nicht stärker repräsentiert als die der Schwächeren, weniger stabil ist, als ein Staat, der dies tut. Wichtig hierbei ist, dass mit „stärker“ und „schwächer“ tatsächliche Kampfkraft gemeint ist, nicht nur abstrakte soziale Hierarchien. Denn das Gewaltmonopol existiert ja nur auf dem Papier, in Wahrheit haben alle Bürger die Option, Gewalt als Utlima Ratio unilateral einzusetzen. Du hast allerdings Recht, dass der Zugang zu Schusswaffen heute ein wichtigerer Faktor ist. Auf der anderen Seite hätten Männer aber auch darauf bestehen können, dass sie ein bevorzugtes Waffenrecht haben.

        Gefällt mir

  2. Frau Stoverocks Ausführungen zeugen des Weiteren von einer heteronormativen Anschauung.
    Schon das reduziert ihre Glaubwürdigkeit erheblich. An Kinderpuppen hat sie höchstwahrscheinlich nicht einmal ansatzweise gedacht!

    Die Frage der Standard-Redaktion: „Wenn ich es etwas provokant formulieren darf: Bedeutet Ihre Vision dann nicht, dass wir schon den Jungen in den Schulen vermitteln müssten, dass es einmal völlig normal ist, keinen Sex zu haben?“ ist auch merkwürdig. Selbstbefriedigung ist schließlich auch Sex!

    Auch die von dir in deinen vorigen Posts zitierten anderen Artikel aus dem Standard waren schon schlecht. Ich glaube, wir haben es hier mit einer äußerst fragwürdigen Zeitschrift zu tun.

    Wo hast du eigentlich diesen Artikel mit Frau Stoverock her? Aus einem Print-Exemplar? Ich frage, weil es hier ja leider keinen Link gibt.

    Gefällt mir

    1. „An Kinderpuppen hat sie höchstwahrscheinlich nicht einmal ansatzweise gedacht!“

      Glaube ich auch nicht.

      „Auch die von dir in deinen vorigen Posts zitierten anderen Artikel aus dem Standard waren schon schlecht. Ich glaube, wir haben es hier mit einer äußerst fragwürdigen Zeitschrift zu tun.“

      Es erschien vor kurzem im Segment ein grottenschlechter Artikel.
      „Peter Altenberg: Erinnerungskult trotz pädophiler Neigung“
      https://www.derstandard.at/story/2000124494609/peter-altenberg-erinnerungskult-trotz-paedophiler-neigung

      Mein Kommentar dazu war:

      ———————–
      „Erinnerungskult trotz … Neigung“
      Das „…“ ist hier „pädophil“. Ersetzt man es durch „homosexuell“ oder „lesbisch“, wäre der Satz dann Verhetzung im Sinne von § 283 StGB?

      Geschützt sind dort unter anderem „nach den Kriterien der sexuellen Ausrichtung definierte Gruppe von Personen“. Pädophilie, egal was man von ihr hält, ist sicherlich eine sexuelle Ausrichtung. Das Kriterium „öffentlich zugänglich machen“ ist erfüllt.

      Und „Aufstachlung zum Hass“? Es soll jemand wegen seiner sexuellen Ausrichtung verächtlich gemacht und sein Andenken getilgt werden. Wenn es um Homosexualität ginge, würde man es eher bejahen, denn es geht ja gefühlt auch darum, wer Schutz verdient hat.

      Schutz geht Hetze verdient jeder und gerade wer im Ansehen ganz unten steht, braucht ihn besonders.
      ———————–

      Der Kommentar wurde nicht freigegeben. Angeblich weil er gegen die Forenregeln verstößt. In so einem Fall kann man um Überprüfung bitten. Die hat aber auch nicht zu einem anderen Ergebnis geführt. Leider gibt es keine Begründung. Ich habe die Forenregeln gelesen – einen Verstoß halte ich für abwegig.

      Den Artikel über den österreichischen Fussballtrainer fand ich allerdings durchaus gut. Im Grunde wurde da neutral berichtet und der Angeklagte kam zu Wort.

      Auch in dem Fall habe ich einen Kommentar hinterlassen:

      ———————–
      Aus der Perspektive eines Hebephilen
      Ich bin homohebephil und finde Jungen im Alter von 10 bis 14 Jahren anziehend. Auch ich habe meine Neigung mit 14 erkannt. Die Zeit zwischen 16 und 18 war die schlimmste meines Lebens inkl. chronische Suizidgedanken.

      Ich bin aber nie eine Beziehung eingegangen.

      Ich nehme es „S.“ ab, wenn er sagt: „Ich will keinem Buben Schaden zufügen. Ich wollte ja nie einen ins Gebüsch zerren“ oder „Die ganze Zeit, als die Buben und ich zusammen waren, bin ich überzeugt, dass ich sie lieb gehabt habe und sie mich auch gern hatten“ oder „Er war meine große Liebe, und ich glaube, dass er mich sehr, sehr gern gehabt hat.“

      Es ändert nichts daran, dass sich einige der Jungen heute missbraucht fühlen. Für mich sind das die Richter, auf die es ankommt.
      ———————–

      Auch dieser Kommentar wurde nicht freigegeben, auch nicht nach Überprüfung.

      Das ist natürlich ernüchternd. Es ist aber wenigstens nicht so, dass jede Wortmeldung unterdrückt wird. Drei andere Kommentare von mir, die einen Pädo-Bezug hatten, wurden freigegeben.

      Wirklich gut fand ich einen Standard-Artikel aus dem Jahr 2017 „Mein Sohn ist schwul, na und?“

      Ich habe dazu auch einen Artikel geschrieben.
      https://paedoseite.home.blog/2019/03/18/mein-sohn-ist-schwul-na-und/

      Gefällt mir

  3. Ich finde es schade, dass du meine Frage, woher du den Artikel mit Frau Stoverock her hast, nicht beantwortet hast.

    Zu den anderen von dir genannten Artikeln:

    Ganz sicher hätte jemand bei einem Artikel namens „Peter Altenberg: Erinnerungskult trotz homosexueller Neigung“ Anzeige erstattet.
    In dem in der Tat schlechten Artikel steht aber auch, dass Herr Altenberg selbst gegen andere Personen, nämlich Juden, pauschal wetterte. Das spricht nicht gerade für ausreichende Selbst-Reflexion. Juden und Pädophile waren damals schließlich in etwa gleich verachtet. Also trauer ich ihm ganz bestimmt nicht länger hinterher.

    Gerade den Artikel des Standard mit dem österreichischen Fußballtrainer fand ich beim ersten Lesen irgendwie schlecht. Das muss wohl an dem im Artikel benutzen Begriff „missbraucht“ und einer aus meiner Sicht mangelnden Beschreibung der heutigen gesundheitlichen Zustände der ehemaligen Spieler unter seiner damaligen Obhut gelegen haben. Diese Zustände hast du ja erst durch Hinzunahme einer zweiten Quelle zitieren können. Jetzt beim zweiten Lesen finde ich ihn aber unter Berücksichtigung der heutigen Verhältnisse doch in Ordnung. Die Tagesschau-Redaktion beispielsweise hätte ihn wohl auch nicht umfassender geschrieben.

    Der Artikel „Mein Sohn ist schwul, na und?“ ist okay. Nicht mehr, nicht weniger. Ein typischer Blog-Artikel, wie man ihn sich vorstellt.
    Deinen Artikel darüber hatte ich vor anderthalb Jahren schonmal gelesen, nur den der Standard noch nicht. Damals überlegte ich noch, ob ich mich mal bei KTW melden möchte. Deine Kritik, die u. a. aus deinem Artikel hervorgeht, sowie negative Kritiken anderer User über KTW haben mich schließlich davon abgehalten. Heute ist das auch aus anderen Gründen kein Thema mehr für mich.

    Gefällt mir

    1. „Ich finde es schade, dass du meine Frage, woher du den Artikel mit Frau Stoverock her hast, nicht beantwortet hast.“

      Ich habe die Frage gar nicht mitbekommen. Normalerweise verlinkt ich Artikel immer, meistens im Text. Diesmal scheine ich das vergessen zu haben. Ich hab das nun nachgeholt und im ersten Satz einen Link auf den Artikel zugefügt. Die URL ist:

      https://www.derstandard.at/story/2000124668087/biologinviele-maenner-werden-keine-partnerin-mehr-finden

      „steht aber auch, dass Herr Altenberg selbst gegen andere Personen, nämlich Juden, pauschal wetterte. Das spricht nicht gerade für ausreichende Selbst-Reflexion“

      Er war selbst Jude. Er trat mit 41 Jahren aus der israelischen Kultusgemeinde aus, blieb 10 Jahre konfessionslos und lies sich dann taufen. Das heißt natürlich nicht, dass er nicht anti-semitisch sein konnte.

      Er hat anscheinend andere Dinge getan, die ich verwerflich finde. Aus dem Wikipedia-Artikel über ihn:
      „1904 riet er Marie Langs achtzehnjährigem Sohn Heinz, der sich an ihn gewandt hatte, weil seine Geliebte Lina Loos ihre gemeinsame Affäre beendet hatte, er solle sich umbringen, was dieser dann tat.“

      Das lässt aber die Möglichkeit offen, ob er damit den entscheidenden Anstoß gab und ob der Rat wirklich so gemeint war oder vielleicht stattdessen ein gegenteiliger Effekt gewollt war.

      Letztlich bin ich nicht bereit, ein abschlie0endes Urteil über die Verdammung eines Menschen an einer (schlimmen) Einzelheit festzumachen. Menschen sind Gesamtpakete und Kenntnis hat man fast immer nur winzige, aus dem Zusammenhang gerissene Bruchstücke. Es gibt auch keinen Menschen, der es schafft sein Leben lang alle anderen um sich herum gut zu behandeln.

      Das was ich über Peter Altenberg gelesen habe, macht ihn mir insgesamt nicht sympathisch.

      Andererseits – welche Maßstäbe kann man anlegen? Alexander der Große, Julius Cäsar oder Karl der Große sind mit ihrem Wirken jedenfalls für deutlich mehr menschliches Elend und unzählige Tote verantwortlich.

      Gefällt mir

      1. Okay, danke!

        Ich finde es komisch, dass jemand mit Erfahrung in der jüdischen Gemeinschaft anti-semitisch wird. Normalerweise befreit so eine alltägliche Präsenz einer Religion o. ä. von Vorurteilen. Ich sehe zwei Möglichkeiten: entweder hat er in dieser Kultusgemeinde unheimlich schlechte Erfahrungen gesammelt oder es waren eigentlich harmlose Erfahrungen, die er subjektiv dennoch als gravierend empfand.

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s