Blumen für den Pädo

Was muss man als Pädo oder vermeintlicher Pädo tun, um so mit Blumen bedacht zu werden?

Geteilt via Bildserver der BBC

Die Chancen steigen sprunghaft an, wenn man zu Tode geprügelt wurde.

Es gibt wenige Länder in Europa, in denen so widerlich gegen Pädophile gehetzt wird, wie in der Niederlande. Am 4. Mai kam es aufgrund dieser Hetze zu einem Mordanschlag auf einen pädophilen Aktivisten, der abgewendet wurde, indem ein zufällig anwesender (ebenfalls pädophiler) Gast dem Angreifer das Messer aus der Hand schlug. Blumen gab es keine. Der Pädo hat ja überlebt.

Anders beim jüngsten Vorfall:

Am 28. Oktober hat sich ein 73-jähriger pensionierter Lehrer in einem schwulen Chatraum mit einem 15-jährigen zu einem Sextreffen verabredet. Aber der 15-jährige war in Wirklichkeit nicht an Sex interessiert. Er wollte zusammen mit seinen Freunden „aus Corona-Langeweile“ einen „Pädophilen“ in die Enge treiben, bloßstellen und erniedrigen.

Als der Mann am vereinbarten Treffpunkt ankam, wartete eine Horde von Teenagern auf ihn. Sie verfolgten ihn auf dem Weg nach Hause. Dann verprügelten sie ihn. Einen Tag später starb er im Krankenhaus. Sieben junge Menschen wurde kurzzeitig verhaftet, sechs davon unter 18 Jahre alt. Fünf wurden inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt.

Die Blumen stammen von Nachbarn, Freunden und ehemaligen Schülern.

Die Fälle nehmen zu

Der regionale Polizeichef Oscar Dros hat aufgrund des Vorfalls an die Niederländer appeliert, damit aufzuhören, Pädophile zu jagen: „Stoppt die Pädojagd; stoppt mit eigenmächtigen Festnahmen; stoppt mit Provokationen – überlasst die Sache uns.“

Es fällt ihnen früh ein. Dros sagte der Zeitung Algemeen Dagblad, dass seit Juli etwa 250 Vorfälle registriert worden seien, an denen selbsternannte Pädojäger beteiligt waren. Wahrscheinlich gäbe es noch viel mehr Fälle.

Laut Angaben der Polizei sind solche Vorfälle keine Seltenheit mehr. Seit Juli dieses Jahres haben sich etwa 250 solcher Vorfälle zugetragen, bei denen es zu gewaltsamen Übergriffen gegenüber Menschen gab, die im Internet als pädophil angeprangert wurden. Darüber hinaus sieht die Polizei ein wachsendes Problem in Gruppen auf sozialen Netzwerken, in denen pädophile Menschen an den Pranger gestellt werden. Mitglieder dieser Gruppen geben sich in Chats als minderjährige Jungen oder Mädchen aus, um so mutmaßliche Pädophile zu entlarven. Polizeisprecher Simen Klok sieht in diesem Verhalten ein großes Problem: „Mutmaßliche Pädophile werden nicht nur online an den Pranger gestellt, sondern auch schikaniert, bedroht und missbraucht. Wir machen uns Sorgen, es gerät oft außer Kontrolle.“ Die Polizei ruft nun dazu auf, diese „gutgemeinte“ Hilfe zu stoppen und Ermittlungen den speziell dafür ausgebildeten Beamten zu überlassen. Man werde nicht mit solchen Gruppen zusammenarbeiten.

Zunehmend Sorgen bereitet den Ermittlern auch die Radikalisierung, welche sich in den Gruppen vollzieht. So wurden Meldungen über den Tod des Arnheimers mit Aussagen wie: „Selbst schuld“ oder: „Wieder ein Pädo weniger“ kommentiert. (…) Die meisten der „Pädojäger“ Gruppen in den sozialen Medien (…) wollen „den Kampf“ fortführen, wie eine der größten Gruppen bereits angekündigt hat.

Aus einem Bericht der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

250 gewaltsame Vorfälle in vier Monaten, die sich (unabhängig davon, wen sie tatsächlich getroffen habe) gegen pädophile und hebephile Menschen richteten. Auf eine Bevölkerungszahl wie in Deutschland und ein Jahr hochgerechnet wären das 3.600 Fälle im Jahr als sichtbare Spitze des Eisbergs. Wen kann es da wundern, wenn Pädophile in der Niederlande sich verfolgt oder als „neue Juden“ fühlen?

Erfunden wurde die Pädophilenjagd in den USA und im Vereinigten Königreich. Aus einem Blogartikel vom Mai 2019:

In Großbritannien etwa gibt es private Pädophilen-Jäger, die echte und vermeintliche Pädophile in die Falle locken, sie vor laufender Kamera konfrontieren, das Video mit voller Namesnennung im Netz verbreiten und dann die Polizei informieren. Die BBC hat ermittelt, dass sich in den letzten sechs Jahren mindestens acht Männer in Großbritannien selbst getötet haben, nachdem sie von selbsternannten Pädo-Jägern als Kinderschänder geoutet wurden.

Der Staat als Anstifter

Ich habe erst vor kurzem einen Artikel über die Umbenennung von „sexuellem Missbrauch von Kindern“ in „sexualisierte Gewalt gegen Kinder“ geschrieben. Darin findet sich folgende Passage:

Wenn man etwas als „Gewalt“ bezeichnet, es aber nicht auf die Anwendung oder auf Drohung mit Gewalt ankommt, geht es nicht um begriffliche Klarheit, sondern um begriffliche Verwirrung.

Zweck der Verwirrung ist es, einer „Bagatellisierung“ entgegen zu wirken. Es gehe darum, jede sexuelle Handlung mit einem Kind als sexualisierte Gewalt zu „brandmarken“.

Der Gesetzgeber tut also so, als gäbe es eine Bagetellisierung, der man entgegenwirken müsse. Wo er sie auszumachen meint, teilt er nicht mit.

(…)

Wird „Kindesmissbrauch“ in der heutigen Gesellschaft tatsächlich verharmlost und werden seine Folgen untertrieben?

Wenn NRW Innenminister Herbert Reul sagt „Für mich ist sexueller Missbrauch wie Mord. Damit wird das Leben von Kindern beendet – nicht physisch, aber psychisch.“ dann deutet das für mich nicht gerade auf Verharmlosung hin.

Meiner Einschätzung nach gibt es nichts, was heute vergleichbar stigmatisiert und dämonisiert ist, wie der sexuelle Kontakt eines Erwachsenen mit einem Kind. Etwas anderes als schwerste Verbrechen und brutale sexuelle Gewaltübergriffe scheint auf diesem Feld nicht mehr vorstellbar zu sein. Eines der typischen Schlagworte ist Seelenmord.

(…)

Es gibt noch ein weiteres Problem mit dem Brandmarken: ein grundlegendes Prinzip moderner Staaten ist das Gewaltmonopol des Staates. Ausschließlich staatliche Organe sind danach legitimiert, physische Gewalt auszuüben. In demokratisch verfassten Rechtsstaaten gilt dabei das Verhältnismäßigkeitsprinzip. Der Staat darf Gewalt nicht beliebig ausüben, sondern ist Regeln unterworfen. Erstens muss er sich an seine eigenen Regeln halten, zweitens muss seine Gewaltausübung verhältnismäßig (= geeignet, erforderlich und angemessen) sein.

Die Missachtung des staatlichen Gewaltmonopols ist strafbar. Gewalt in Form der Wegnahme von Dingen ist Diebstahl oder Raub. Staatlich legitimierte Varianten sind z.B. Beschlagnahme und Enteignung. Gewalt gegen die persönliche Freiheit ist Entführung oder Nötigung. Staatlich legitimierte Varianten sind z.B. Freiheitsstrafe oder Sicherheitsverwahrung.

Auch Selbstjustiz ist strafbar. Das Recht zu Strafen hat nur der Staat. Zur Rechtfertigung von Selbstjustiz wird meist angeführt, die staatliche Justiz versage. Sie sei unfähig oder auch unwillig, gegen die als Unrecht empfundene Handlung vorzugehen.

Das Problem ist nun, dass es im Grunde keinen Unterschied zwischen „brandmarken“ und „hetzen“ gibt. Wenn man etwas „brandmarkt“, um den besonderen Unrechtsgehalt besonders zu betonen, dann führt das dazu, dass andere Menschen das Unrecht als so groß empfinden, dass sie die Reaktion der Justiz auf das Unrecht als unzureichend auffassen. Brandmarken fördert also Selbstjustiz und untergräbt damit das staatliche Gewaltmonopol.

Zu Selbstjustiz kommt es auch tatsächlich.

In den USA hat ein Häftling im Februar 2020 zwei wegen Kindesmissbrauchs einsitzende Mithäftlinge ermordet. Bei seinem Geständnis meinte er: „Ich dachte, ich tue der Welt einen Gefallen“.

In Holland haben im August 2019 fünf Männer einen 32-jährigen Mann getötet, weil sie ihn in Verdacht hatten auf einem Spielplatz in der Stadt Assen eine Vierjährige unsittlich berührt zu haben.

Im August 2020 verprügelten sechs Männer und Frauen einen 22-jährigen, der Gerüchten zufolge pädophil sein soll.

Im Juni 2018 brach in Bremen ein Mob nach RTL-Beitrag über Pädophilie in die Wohung eines Mannes ein, den sie wiedererkannt zu haben meinten und verletzen ihn lebensgefährlich.

In Nordrhein-Westfalen wurde im August 2015 ein 29-jähriger vermeintlicher Pädophiler von den Eltern eines 12jährigen Mädchens ermordet.

Wenn ein Staat selbst ein „Brandmarken“ bezweckt und dies sogar in die Begründung eines Gesetzentwurfs hineinschreibt, dann ist das im höchsten Maße bedenklich.

Wer gegen Pädophile hetzt, muss sich nicht wundern, wenn es zu Selbstjustiz kommt. Er hat sie im Grunde bestellt.

Aus einem früheren Blogartikel zum Thema Volksverhetzung:

Pädophile werden als Raubtiere dargestellt, die über Kinder herfallen. Etwa als „pädophile Täter, die im Netz Jagd auf Kinder machen“ wie im Koalitionsvertrag. Die WDR Doku „Kinderfotos im Netz: gepostet, geklaut, missbraucht“ durchleuchtet laut offizieller Inhaltsangabe „das perfide System des Foto-Diebstahls und zeigt, wie schutzlos Kinder im Netz Beute von Pädophilen werden“. Durch solche Vergleiche werden Pädophile auf die Ebene eines gefährlichen und zu bekämpfenden Tieres herabgewürdigt.

Als Ergebnis der falschen Gleichsetzung Pädophiler = Kinderschänder und Kinderschänder = Pädophiler, des Brandmarkens und der Hasspolemik bis hin zu Fällen von Volksverhetzung kann sich ein Pädophiler nicht als pädophil outen, ohne deshalb Angst vor einem Lynchmob haben zu müssen.

Pädojagd und Cybergrooming

Echten Pädos steht ihre Neigung zum Glück nicht auf der Stirn geschrieben. Die „Pädojagd“ richtet sich daher vor allem gegen Menschen, die Versuchen über das Internet Beziehungen oder sexuelle Kontakte anzubahnen.

Soweit Kinder betroffen sind, spricht man in Deutschland von Cybergrooming (= Einwirken auf Kinder § 176 Abs. 4 Nr. 3 und 4 StGB).

Tatsächlich sind lt. akueller Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) von 2019:

  • 14.69% der Tatverdächtigen Kinder
  • 31.38% der Tatverdächtigen Jugendliche
  • 11.22 % der Tatverdächtigen Heranwachsende

In Summe sind damit 57.30 % der Tatverdächtigen Minderjährige oder Heranwachsende..

In den Tatverdächtigenbelastungszahlen (Tabelle 40) der PKS sieht man die „Kriminalitätsneigung“ der Altersklassen ausgedrückt in der Zahl der Tatverdächtigen pro 100.000 Einwohner der jeweiligen Altersklasse. Die Werte für Cybergrooming aus der Statistik des Jahre 2019, gerundet auf die dritte Nachkommastelle:

  • 8 bis unter 10 Jahre : 0,385
  • 10 bis unter 12 Jahre: 2,862
  • 12 bis unter 14 Jahre: 17,784
  • 14 bis unter 16 Jahre: 26,629
  • 16 bis unter 18 Jahre: 16,811
  • 18 bis unter 21: 9,045
  • Durchschnitt Erwachsene: 1,3647

Setzt man das jeweils in Relation zur der Prävalenz bei Erwachsenen (1,3647 Fälle pro 100.000 Erwachsene) kommt folgendes heraus:

  • 8 bis unter 10 Jahre : 28.21 %
  • 10 bis unter 12 Jahre: 209.72 %
  • 12 bis unter 14 Jahre: 1.303.14 %
  • 14 bis unter 16 Jahre: 1.951.27 %
  • 16 bis unter 18 Jahre: 1.231.85 %
  • 18 bis unter 21: 662.78 %
  • Durchschnitt Erwachsene: 100 %

Das Thema bekommt sehr viel Aufmerksamkeit und wird zu einer großen, neuen Gefahr stilisiert. Die einzige Tätergruppe, die in der Berichterstattung auftaucht und problematisiert wird, sind pädophile Erwachsene. Tatsächlich handelt es sich aber um typische Pubertätskriminalität. Die Prävalenz unter 14/15-jährigen ist fast 20mal (!) so hoch wie in der erwachsenen Bevölkerung.

Auch die erwachsenen Täter dürften so gut wie nie Pädophile sein. Pädophilie ist die sexuelle Anziehung zu Kinder vor Erreichen der Pubertät. Das sind also in der Regel also Kinder, die in den Kindergarten oder in die Grundschule gehen.

In der PKS 2019 gibt es in Tabelle 91 es auch Angaben zu den Altersklassen der Opfer, bei Kindern leider aber nur mit dem sehr groben Raster „bis unter 6 Jahre“ und „6 bis unter 14 Jahre“. Bei „Cybergrooming“ waren 2019 von den 3.667 Opfern nur 66 Kinder „bis unter 6 Jahre“. Das sind 1.8 %.

Ich vermute, dass fast alle Opfer beinahe-Jugendliche sind. Jugendliche erscheinen gar nicht als Opfer in der Statistik, denn bei Jugendlichen liegt keine Straftat mehr vor. Es gibt also wahrscheinlich deutlich mehr Jugendlichen, die jenseits der Alterspräferenz von Hebephilen (ca. 10 bis 14 Jahre) sind. Angesprochen werden sie von Gleichaltrigen und von meist heterosexuellen Erwachsenen.

Auf staatlicher Seite dient das Feindbild des pädophilen Kinderschänders zur Durchsetzung von Eingriffen in Bürgerrechte (für die sonst auch z.B. Terrorgefahren, Islamisten, rechte Extremisten herhalten). Konkret: Staatstrojaner, Vorraddatenspeicherung, Klarnamen-Zwang, usw.

Der Kampf gegen die Gefahr wird dann aber auch von privaten Leuten für ihre eigene Heldeninszenierung gekapert.

Wenn sich ein 15-jähriger als Köder anbietet, hat derjenige, der auf den Köder hereinfallt, keine Straftat begangen. Es gibt aber sogar noch Leute, die sich „Pädojäger“ nennen und Menschen verfolgen, die sich im Netz mit 17-jährigen verabreden wollen.

Die verschiedenen Chronophilien (sexuelle Vorlieben für bestimmte Altersgruppen) kann man in etwas wie folgt kategorisieren:

  • Pädophile => Kinder vor Erreichen der Pubertät (in der Regel < 10 Jahre)
  • Hebephile => Kinder in der Pubertät (ca. 10 bis 14 Jahre)
  • Parthenophilie => spätpubertäre weibliche Jugendliche (ca. 14 bis 17 Jahre)
  • Ephebophilie => spätpubertäre männliche Jugendliche (ca. 14 bis 17 Jahre)
  • Teleiophilie => Erwachsene
  • Gerontophilie => ältere Menschen

In der Niederlande hoffte anscheinend ein homosexueller oder ephebophiler Senior auf einen homosexellen, gerontophilen Jugendlichen zu treffen. Das mag nicht oft vorkommen, aber warum soll es unmöglich sein? Ich musste dabei jedenfalls an den Kultfilm Harold und Maude denken, in dem ein achtzehnjähriger junger Mann sich in eine achtzigjährige Frau verliebt.

Die vermeintlichen „Pädojäger“ jagen in der Regel Erwachsene, die 14 bis 17-jährige Mädchen ansprechen. Die „Zielgruppe“ der echten Pädophilen ist schließlich nicht einmal im Internet an Orten vertreten, wo sie potentiell ansprechbar wäre.

Zur Erinnerung: in Deutschland ist man mit vierzehn sexualmündig und eine Beziehung erlaubt, solange es kein Abhängigkeitsverhältnis gibt oder ein Entgelt für Sex dahinter steckt.

Wer die vermeindlichen „Pädos“ jagt (die in Wirklichkeit meist heterosexuelle Männer sind) kann seinen Jagdtrieb und seine Aggression kanalisieren und sich gleichzeitig als Held fühlen. Danach wird häufig damit geprahlt und Beifall für etwas eingesammelt, das Selbstjustiz ist und in so gut wie jedem anderen Fall geächtet wäre.

Ist die Jagd vorbei, präsentieren viele Jäger stolz die Trophäe (die Dokumentation seiner heldenhaften Jagd) auf den sozialen Medien und sonnt sich im Zuspruch, den man dafür in Form von Klicks und Likes erhält.

Teilweise wird da sogar noch um Spenden gebeten, um die Unkosten der Operationen zu decken: man lässt sich sein Hobby, das darin besteht, Menschen aufzulauern, einzuschüchtern und zu erniedrigen auch noch von anderen finanzieren.

Darf man das in Deutschland?

In der Regel dürften sich „Pädojäger“ in Deutschland strafbar machen.

Es gibt einen ganzen Stapel möglicher Straftaten, den man dabei begehen kann, z.B.

§ 240 – Nötigung

(1) Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Rechtswidrig ist die Tat, wenn die Anwendung der Gewalt oder die Androhung des Übels zu dem angestrebten Zweck als verwerflich anzusehen ist.

(3) Der Versuch ist strafbar.

Das kann z.B. sehr leicht vorliegen, wenn man den Menschen, den man jagt, den Fluchtweg abschneidet oder „stellt“ und festhält.

Es kann dann sogar Freiheitsberaubung vorliegen:

§ 239 – Freiheitsberaubung

(1) Wer einen Menschen einsperrt oder auf andere Weise der Freiheit beraubt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

Zur Erklärung der Merkmale von Freiheitsberaubung siehe auch hier.

Denkbar z.B. bei einem „Verhör“:

§ 241 – Bedrohung

(1) Wer einen Menschen mit der Begehung eines gegen ihn oder eine ihm nahestehende Person gerichteten Verbrechens bedroht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer wider besseres Wissen einem Menschen vortäuscht, daß die Verwirklichung eines gegen ihn oder eine ihm nahestehende Person gerichteten Verbrechens bevorstehe.

und

§ 185 – Beleidigung

Die Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Beleidigung mittels einer Tätlichkeit begangen wird, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Wenn ein Video veröffentlicht wird:

§ 186 – Üble Nachrede

Wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht diese Tatsache erweislich wahr ist, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Das die Gestellten in der Regel nicht pädophil sind (sexuelle Anziehung zu Personen vor Erreichen der Pubertät) ist die falsche Behauptung jemand sei „pädophil“ aufgrund des extrem schlechten Ansehens von Pädophilen in der Gesellschaft üble Nachrede.

Wenn dem Jäger klar sein musste, dass seine Beute gar nicht pädophil ist, dann sind wir sogar bei Verleumdnung.

§ 187 – Verleumdung

Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Wahrscheinlich gibt es noch ein paar weitere denkbare Straftaten. Ich habe mich auch die für mich naheliegenden beschränkt, die mir sofort in den Sinn kamen.

4 Kommentare zu „Blumen für den Pädo

  1. Ich frage mich, ob man nicht vielleicht die Pädojäger jagen könnte. Also den Fallenstellern Fallen stellen. Und dann auf Gewalt mit Notwehr/Nothilfe reagieren und generell dafür sorgen, dass jede Straftat der Pädojäger mit belastbaren Beweisen zur Anzeige gebracht wird.

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    1. Ich halte so etwas nicht für praktikabel.

      Will man Gefahr laufen, sich als Pädo outen, indem man Pädojägern eine Falle stellt und Beweise für ihre Straftaten an die Polizei weitergibt? Wohl kaum.

      Ich glaube, dass sehr viele Ziele von Pädojägern, die auch tatsächlich Opfer von Straftaten wurde, auf eine Anzeige verzichten, weil durch eine Anzeige und ein Verfahren der Vorfall und damit die behauptete / unterstellte Neigung noch weiter in ihrem Umfeld bekannt zu werden droht.

      Tatsächlich sind die Opfer von Pädojägern auch so gut wie nie Pädophile und es dürfte auch eher selten Hebephile treffen. Die allermeisten Opfer sind entweder parthenophil, ephebophil oder teleiophil.

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  2. „Tatsächlich sind lt. akueller Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) von 2019:

    14.69% der Tatverdächtigen Kinder
    31.38% der Tatverdächtigen Jugendliche
    11.22 % der Tatverdächtigen Heranwachsende

    In Summe sind damit 57.30 % der Tatverdächtigen minderjährig.“

    Heranwachsende sind keine Minderjährigen mehr. Somit ist hier der letzte Satz so nicht richtig. Dennoch bleibt immernoch ein bedeutsam hoher Anteil an minderjährigen Tatverdächtigen. Außerdem legt der hohe Anteil der tatverdächtigen Heranwachsenden (18- bis 20-jährigen) zusätzlich zu den minderjährigen noch näher, dass das Klischee des pädophilen Täters im stattlichen erwachsenen Alter in der Realität nicht so oft bestätigt werden dürfte. Zumal der Täter ja nicht einmal pädophil sein muss!

    „Es gibt wenige Länder in Europa, in denen so widerlich gegen Pädophile gehetzt wird, wie in der Niederlande.“

    Hier konnte ich es kaum glauben. War die Niederlande nicht mal das vom sexuellen Alter her freiheitlichste Land in Europa?

    Zu den „Pädo-Jägern“: das Problem, weshalb wahrscheinlich auch die Beute dieser Leute keine Strafanzeige stellt, ist u. a. wohl auch, dass sie in ihnen vorgehaltenen Chatverläufen vor dem vereinbarten Treffen mit der minderjährigen Person sich gegenüber dieser oft ziemlich respektlos verhalten haben. So haben sie die vermeintliche Minderjährige weiter bezüglich sexueller Dinge angeschrieben, obwohl diese ihr Missfallen klargemacht hatte. So ist jedenfalls meine Erfahrung bezüglich dem, was ich schon hierüber gesehen habe. Wenn ihnen dann noch angedroht wird, dass ihre Identität öffentlich gemacht wird, scheuen sich diese Personen natürlich auch deswegen vor weiteren Maßnahmen wie Strafanzeigen.

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    1. „Heranwachsende sind keine Minderjährigen mehr. Somit ist hier der letzte Satz so nicht richtig.“

      Ich habe das nochmal nachgeschaut und du scheinst da recht zu haben. Ich werde die Artikel entsprechend korrigieren.

      „Zu den „Pädo-Jägern“: das Problem, weshalb wahrscheinlich auch die Beute dieser Leute keine Strafanzeige stellt, ist u. a. wohl auch, dass sie in ihnen vorgehaltenen Chatverläufen vor dem vereinbarten Treffen mit der minderjährigen Person sich gegenüber dieser oft ziemlich respektlos verhalten haben.“

      Das kann ich mir gut vorstellen und wird wahrscheinlich bei vielen Fällen eine Rolle spielen. Bei anderen kann es sein, dass sie z.B. verheiratet oder in einer Partnerschaft sind und es nicht rauskommen darf. Oder dass es ihnen einfach peinlich ist.

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