Hassrede gegen Pädophile melden

Neben meiner Blogtätigkeit und meinem Engagement durch Antworten bei gutefrage.net (dort als „Schneeprinz“) schreibe ich immer wieder auch Menschenrechts-, Bürgerrechtsorganisationen oder engagierte Einzelpersonen an, um auf die Stigmatisierung und Diskriminierung von Pädophilen aufmerksam zu machen.

Die Erfolgsquote ist eher bescheiden. Meist wird mein Kontaktversuch ignoriert. Das liegt teilweise bestimmt auch daran, dass ich nur anonym Kontakt aufnehmen kann. Eine anonym versendete Mail landet in der Regel im Papierkorb.

Teils habe ich auch schon die Antwort erhalten, dass man sich nicht leider engagieren könne, weil ein Engagement für die Belange von Pädophilen andere Projekte gefährden könne. Pädophilie ist so schlecht angesehen ist, dass ein Engagement für Betroffene potentiell die Spender und Förderer vergrault, die für die Finanzierung der laufenden Arbeit benötigt werden. Mir wurde sogar schon gesagt, dass so ein Engagement existenzgefährdend sein könnte.

Heute habe ich mich an hassmelden.de gewandt. Dabei handelt es sich um eine von der Bürgerrechtsbewegung Reconquista Internet geschaffene Onlineplattform, bei der man Hasskommentare, Volksverhetzung, rassistische Beleidigungen oder Bedrohungen, deren Inhalte vermutlich strafrechtlich relevant sind, melden kann.

Hier meine Mail:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich bin pädophil und finde Jungen im Alter von 10 bis 14 Jahren anziehend.

Ich lebe mit dieser Neigung nun schon einige Jahrzehnte und bin nie übergriffig geworden. Das ist mir auch nicht schwer gefallen. Ich musste mich dafür nicht beherrschen und auch keinen täglichen Kampf gewinnen. Ich wünsche mir eine liebevolle, zärtliche und von beiden Seiten gewollte, auch aber nicht nur sexuelle Beziehung mit menschlicher Nähe und Wärme. Das bekomme ich nicht durch einen Übergriff.

Ich glaube auch nicht, dass Pädophilie an sich einen Menschen irgendwie gefährlich macht. Ein heterosexueller Mann wird aufgrund seiner Neigung auch nicht automatisch zu einem Frauen-Vergewaltiger. Warum sollte das bei einem Pädophilen der Fall sein? Problematisch ist eine mangelnde Impulskontrolle. Die ist aber auch bei jeder anderen sexuellen Orientierung problematisch.

Ich habe mir meine sexuelle Orientierung nicht ausgesucht. Es sind große Einschränkungen mit ihr verbunden. Einige liegen auf der Hand. Andere nicht. Einige sind notwendig. Andere nicht.

Vor allem glaube ich nicht, dass es irgend etwas anderes gibt, dass so stigmatisiert ist wie Pädophilie. Hiergegen würde ich gerne vorgehen und dafür ihr Angebot nutzen. Ich habe meine Sicht auf dieses Thema weiter unten beschrieben. [Diesen „Anhang“ der e-Mail lasse ich hier weg. Er entspricht in weiten Teilen meinem Blog-Artikel „Volksverhetzung gegen Pädophile„]

Bevor ich konkrete Inhalte bei Ihnen melde, möchte ich gerne wissen, ob Sie auch wirklich die Bereitschaft haben, auch gegen Hassrede gegen Pädophile vorzugehen.

Mit freundlichen Grüßen

Schneeschnuppe

Ich habe nach weniger als einer halben Stunde folgende Antwort erhalten:

Hallo „Schneeschnuppe“!

Wir tragen, wie Justitia auch, beim Bearbeiten der Meldungen eine – zumindest sinnbildliche – Augenbinde. Alter, Geschlecht, Aussehen, Hautfarbe, politische oder sexuelle Orientierung des Melders oder der Melderin sind uns gleich. ​

Seine Grenze findet diese Einstellung lediglich, wenn wir das Gefühl bekommen, von dem oder der Meldende*n instrumentalisiert zu werden, sei es zu politischen oder aus ganz eigennützigen Gründen, oder wenn die Grenze der Strafbarkeit uns gegenüber als ehrenamtliche Betreiber dieser Plattform überschritten wird.​

Insofern: Wir haben natürlich „die Bereitschaft […], auch gegen Hassrede gegen Pädophile vorzugehen“ – wir haben die Bereitschaft, gegen Hassrede gegen jeden Menschen vorzugehen. Nicht zwangsläufig bedeutet das natürlich allerdings, dass wir in jedem Fall eine mögliche Strafbarkeit bejahen und Anzeige erstatten; die Würdigung hat in jedem Einzelfall unter sorgfältiger Abwägung der jeweiligen Tat beziehungsweise des jeweiligen Tatvorwurfs und der Tatumstände zu  erfolgen. 

Viele Grüße von

Lorenz

Hier tut sich also eine (jedenfalls für mich) neue Möglichkeit auf, Hasskommentaren etwas entgegenzusetzen. In seiner Selbstdarstellung führt hassmelden.de folgende Vorteile ins Feld:

Anonymität

Du bleibst gegenüber Dritten anonym: So kannst Du Dir sicher sein, dass Deine Daten – zum Beispiel im Verlauf eines Strafverfahrens – nicht in die Hände Unbefugter geraten.

Rechtsstaatlichkeit

Mit einer Meldung über unsere Plattform kannst Du strafrechtliche Konsequenzen für Straftäter im Netz auslösen. Der Anschein, dass das Netz rechtsfrei ist, ist nämlich genau das: ein Schein.

Einfachheit

Meldungen über unsere Seite können in wenigen Sekunden abgegeben werden. Unterwegs kannst Du Meldungen über unsere iOS-App oder den Telegram-Bot einreichen, und wenn Du Chrome benutzt, haben wir ein Plugin für Dich gebaut.

Unverbindlichkeit

Dir kann nichts geschehen, wenn Du einen Beitrag über unsere Plattform meldest – vor allem nicht, wenn er doch nicht strafrechtlich relevant ist. Es ist nicht Deine Aufgabe, eine umfassende rechtliche Prüfung vorzunehmen, sondern die des Rechtsstaates.

Gerade der Aspekt der Anonymität ist für einen Pädo extrem wichtig. Hier gibt es aber auch gewisse Grenzen.

Es gibt im Strafrecht eine Reihe von Delikten, die grundsätzlich nur von dem oder der Betroffenen angezeigt werden können, sogenannte Antragsdelikte. Wenn Du solche Delikte bei uns meldest, musst du zusätzlich zu der Meldung noch einen Strafantrag stellen, da solche Delikte von der Staatsanwaltschaft nicht von Amts wegen verfolgt werden. Wir schicken Dir aber alle Informationen, die Du dazu brauchst; wichtig schon jetzt: Du als Geschädigte*r kannst in diesem Fall im Rahmen des Verfahrens nicht anonym bleiben! Die wichtigsten Antragsdelikte sind übrigens die Beleidigung, die üble Nachrede und die Verleumdung.

Da ein Pädophiler sich in der Regel nicht durch eine Strafanzeige als pädophil outen will, fällt also einiges weg, was man sonst melden könnte und würde. Aus meiner Sicht ist der wichtigste in Frage kommende Straftatbestand die Volksverhetzung.

Es gab in der Vergangenheit bereits Fälle, bei denen jemand wegen Volksverhetzung gegen Pädophile verurteilt wurde, z.B. wurde der ehemalige NPD-Landtagsabgeordnete David Petereit zu einer Geldstrafe von 10.000 EUR verurteilt, weil er eine rechtsextreme Musik-CD mit Texten wie „Krieg den Pädophilen, stirb, stirb, stirb, keiner wird überleben“ vertrieben hatte.

Volksverhetzung ist auch kein Antragsdelikt, sondern ein Offizialdelikt. Eine anonyme Anzeige habe ich aber bisher dennoch als relativ sinnlos angesehen, weil man dann keine Informationen zum Verfahrensstand erhält und das Risiko, dass ein Verfahren sang und klaglos eingestellt wird, bei einer Anonymen Anzeige aus meiner Sicht deutlich erhöht ist. Dieses Problem scheint durch eine Meldung über hassmelden.de gelöst:

Meldungen, deren Inhalte vermutlich strafrechtlich relevant sind, werden direkt an  die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main weitergegeben, dort bearbeitet und gegebenenfalls strafrechtlich verfolgt. So werden Straftäter für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen, und Du bist jederzeit sicher und anonym. Natürlich informieren wir Dich – sofern Du Kontaktdaten angibst – über den weiteren Verfahrensverlauf.

Damit etwas klarer wird, was unter Volksverhetzung zu verstehen ist, hier doch noch ein kleiner Ausschnitt aus einem Blogartikel über Volksverhetzung gegen Pädophile:

Die herrschende Meinung sieht den öffentlichen Frieden als bestimmendes Rechtsgut des § 130 an. Der öffentliche Friede ist dabei nach herrschender Meinung ein objektiver Zustand allgemeiner Rechtssicherheit und das subjektive Bewusstsein der Bevölkerung in Ruhe und Frieden zu leben. Gestört ist der Friede danach, wenn eine allgemeine Beunruhigung der Bevölkerung innerhalb der Bundesrepublik Deutschland, mindestens aber unter einer nicht unbeträchtlichen Personenanteil im Sinne von § 130, Absatz 1 eintritt. (siehe Fischer, Kommentar zum Strafgesetzbuch, S. 970, Randnummer 3). (…)

§ 130 setzt voraus, dass eine Tat in einer Art und Weise begangen wird, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören. Es genügt eine nach Inhalt, Art, Ort oder anderen Umständen konkrete Eignung. Der öffentliche Friede braucht weder gestört, noch konkret gefährdet zu sein, da die Tat ein abstraktes Gefährdungsdelikt ist. Nach herrschender Meinung ist tatbestandlicher Erfolg des §130, Absatz 1, das Vertrauen in die Rechtssicherheit zu erschüttern. Dabei kommt es auf eine „Gesamtwürdigung“ von Art, Inhalt, Form , Umfeld der Äußerung, „Stimmungslage“ der Bevölkerung und politischer Situation an. Nach BGH Rechtsprechung muss die Eignung „konkret, wenn auch auf Grund generalisierender Betrachtung“ festgestellt sein. Es müssen „berechtigte – mithin konkrete – Gründe für die Befürchtung vorliegen, der Angriff werde das Vertrauen in die öffentliche Rechtssicherheit erschüttern.“ (siehe Fischer, Kommentar zum Strafgesetzbuch, S. 1011, Randnummer 13/13a).

Während direkte Gewaltaufrufe (wie im Fall des NPD Abgeordneten Petereit) gegen Pädophile eher selten sind, ist es typisch und weit verbreitet, dass Pädophile als Raubtiere und Kinderschänder dargestellt werden. Nebenbei wird gerne mal dazu aufgerufen, Pädophile zu brankmarken. Etwas, das man bekanntlich mit Tieren macht. Folge ist die grundsätzliche Gewaltbereitschaft in der Bevölkerung gegenüber Pädophilen, die zu den von mir angeführten Fällen von Selbstjustiz gegen echte und vermeintliche Pädophile führten.

Wegen diesem Klima von Gewalt und Willkür ist eine Störung des öffentlichen Friedens meiner Einschätzung nach nicht lediglich abstrakt gefährdet, die Störung ist bereits verwirklicht. Offen als pädophiler Mensch bekannt sein und trotzdem in Ruhe und Frieden zu leben. Das wäre ein Traum. Stattdessen leben Pädophile in ständiger Angst, als pädophil entdeckt zu werden. Kein Pädophiler, der seine sieben Sinne zusammen hat, würde sich freiwillig outen. Dass dies auch tatsächlich nur unter erheblichen Risiken möglich ist, zeigen die nachweisbaren Fälle von Selbstjustiz an Personen, die einer pädophilen Neigung verdächtigt werden.

Viel relevanter als Punkt 1 des § 130, der Hetze und Aufrufe zur Gewalt verbietet, erscheint mir daher Punkt 2, der verbietet, die Menschenwürde anderer dadurch anzugreifen, dass ein Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet wird.

Verleumden ist das Aufstellen oder Verbreiten wissentlich falscher Tatsachenbehauptungen, die das Ansehen des Bevölkerungsteils herabsetzen. Beschimpfen ist eine nach Inhalt oder Form besonders herabsetzende Kundgabe der Missachtung. Böswillige Verächtlichmachung ist die aus verwerflichen Beweggründen erfolgende Darstellung anderer als verachtenswert, minderwertig oder unwürdig. (siehe Fischer, Kommentar zum Strafgesetzbuch, S. 1010, Randnummer 11).

Beschimpft, böswillig verächtlich gemacht und verleumdet werden Pädophile als Gruppe ständig. Wesentlich ist aber auch noch die Antwort auf die Frage, ob dabei auch ihre Menschenwürde angegriffen wird.

Damit eine Äußerung nach §130 strafbar ist, muss sie die Menschenwürde anderer angreifen. Ein solcher Angriff ist nach ständiger Rechtsprechung stets gegeben, wenn der Täter sich mit der NS-Rassenideologie identifiziert oder wenn die Äußerung damit im affirmativen Zusammenhang steht. Das ist unzweifelhaft gegeben, wenn Angehörige bestimmter Bevölkerungsgruppen mit Tieren gleichgesetzt werden oder als Dreck, Unrat, Ungeziefer usw. geschmäht werden. Auch die Forderung, Mitglieder einer Gruppe der Bevölkerung wegen ihres So-Seins zu entfernen („Ausländer raus!“), kann die Menschenwürde verletzen. (siehe Fischer, Kommentar zum Strafgesetzbuch, S. 1010, Randnummer 12/12a).

Ich denke, dass etwa die Gleichsetzung Pädophiler = Kinderschänder, die Menschenwürde durchaus verletzen dürfte. Auch Tiervergleiche müssten eigentlich ausreichen. Letztlich hängt die Einschätzung aber immer vom Richter ab – und der dürfte einem pro-pädophilen Anliegen zunächst einmal nicht besonders gewogen sein. Damit man trotzdem als Pädophiler Erfolg mit einer Anzeige wegen Volksverhetzung haben kann, sollte der Sachverhalt schon möglichst heftig und eindeutig sein.

Ich bin mir sicher, dass ich die Plattform hassmelden.de in Zukunft nutzen werden. Es würde mich freuen, wenn auch andere Betroffene sich dem anschließen.

Damit Hassrede gegen Pädophile wirksam bekämpft werden kann, müssen sich genug Menschen daran beteiligen, sie zu melden. Und es muss bekannt gemacht werden, dass gegen Hassrede vorgegangen wird und dieses Vorgehen zu Erfolgen führt. Nur so kann man hoffen, weitere Täter abzuschrecken und langfristig das Niveau des Hasses abzusenken.

Wer seine Erfahrungen mit hassmelden.de teilen möchte, kann mich gerne kontaktieren. Ich werden dann auf meinem Blog dazu berichten.

23 Kommentare zu „Hassrede gegen Pädophile melden

  1. Vergiss es doch einfach. Die Zeit ist noch lange nicht reif dafür. Das sind alles keine Menschen, die die nötige Größe dafür haben, um zu begreifen, was wir wirklich sind. Irgendwann wird die Menschheit soweit sein. Vermutlich eher nach uns. Bis dann!

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    1. In einem anderen Kommentar schreibst du mir „Kopf hoch, durchhalten. (…) Da geben wir doch keinesfalls auf, oder?“. Und jetzt „Vergiss es doch einfach.“ Passt nicht wirklich zusammen.

      Ich mache mir keine großen Illusionen zu den Erfolgsaussichten. Aber wer nicht schießt, kann auch nicht treffen. Und dass es prinzipiell möglich ist, eine Verurteilung wegen Volksverhetzung gegen Pädophile zu erreichen zeigt der Fall Petereit. Ganz hoffnungslos ist es also nicht.

      Natürlich bewirkt auch das nicht allzu viel. Aber einen Berg bewegt man als Mensch nun einmal nur Schubkarre für Schubkarre.

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    2. und so machen wir die Grundlage für zukünftige Pädos, die die Ziellinie überqueren (Sieg über die sexuelle Unterdrückung und die Entkriminalisierung von willentlich einvernehmlichen sex) und uns ehren, dass wir die Grundlage für sie erschaffen haben

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      1. es ist für mich schwer zu glauben dass es sein kann dass ich sowas vielleicht nicht mehr erleben werde aber wenn andere menschen glücklich gemacht werden zum beispiel einen jungen ist es doch ein schönes gefühl

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  2. Also als erstes muss ich mal sagen, ich bin ein absoluter Fan von dir, ich bewunder Dich für deinen klaren Verstand. Was den Aktivismus angeht, bin ich halt einfach ein Pessimist. So kommt das zusammen. Ich weiß genau dass es dir jetzt gerade nicht besonders gut geht. Obwohl Du so viele kluge Gedanken im Kopf hast. Ich würde Dir gerne helfen, aber ich halte mich schon seit Jahren im Hintergrund

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    1. So geht es mir auch. Aber wenn wir wenigstens kommentieren und nicht nur mitlesen, dann sind wir schon nicht mehr ganz im Hingergrund.

      Kann man vielleicht auch ohne E-Mailadresse kommentieren? Das würde es leichter machen.

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      1. Ich habe mal an den Einstellungen herumgefummelt und die standardmäßig aktivierte Option „Benutzer müssen zum Kommentieren Namen und E-Mail-Adresse angeben“ ausgeschaltet.

        Es sollte jetzt also auch ohne gehen.

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      2. Antworten kann ich auf deinen Beitrag nicht. Ich könnte ihn nur liken, was auch mit einem Login verbunden wäre.

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      3. Ich habe es inzwischen mir den neuen Einstellungen ausprobiert.

        Man kann nun einen Kommentar einreichen, ohne das Feld für Name und e-Mail Adresse auszufüllen.

        Ein Login (wo auch immer) ist nicht nötig.

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  3. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten als Pädo aktiv zu werden. Aufgrund der gesellschaftlichen Umstände sind keine dieser Möglichkeiten kurzfristig sehr erfolgversprechend. Dennoch, wenn man aktiv wird, sollte man sich gut überlegen womit. Schon damit nicht die komplette Energie sofort verpufft.

    Diese Initiative halte ich noch für eine der sinnvollsten, die ich so gesehen habe. Meiner Ansicht nach hat sie zwei Hauptauswirkungen, die beide nicht belanglos sind:

    Erstens fühlt es sich gut an, wenn etwas getan wird. Wenn man schon die Gesellschaft nicht ändern kann, so kann man doch die Einstellung zu sich selbst beeinflussen. Und dazu darf man nicht unsichtbar bleiben. Kluge, durchdachte Einwände gegen irrationalen Hass sichtbar machen stärkt das Selbstbewusstsein von Pädos und macht uns lebenstauglicher.

    Zweitens erhöht es auf Dauer vielleicht die Hemmschwelle und definiert Akzeptanzgrenzen neu. Angenommen es gibt ein paar Verfahren mit dem Vorwurf der Volksverhetzung, erfolgreich oder nicht, dann wird irgendwann klar, dass man bei bestimmten Äußerungen mit Unannehmlichkeiten rechnen muss. Die Hoffnung ist, so zu einer Lage zu kommen indem Pädohetze, die quasi nebenbei geschieht zurückgeht und nur noch die Hardcore-Hasser weitermachen. So wird die Wasserscheide zwischen dem was in unserer Gesellschaft opportun ist und was einen außerhalb unsereres gesellschaftlichen Konsens stellt neu und deutlicher gezeichnet.

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  4. Wieder ein sehr guter Beitrag auf Deinem Weblog. Auch das Projekt hassmelden.de hört sich vielversprechend an. Die Zukunft wird zeigen, ob dieses Projekt seinen Ansprüchen auch wirklich gerecht wird. Resignieren führt jedenfalls nicht zu einem positiven Ziel. Ich kenne dies seit Jahren zur Genüge, dass wenn man zum Aktivismus aufruft, solche Antworten wie hier kommen. Fakt ist, wenn es keine Gegenwehr gibt, sich niemals etwas ändern wird. Das gilt nicht nur im Pädobereich, sondern DAS ist bei allen Themen so. Oder anders gesagt: Von nix kommt nix!!! Vielen Dank für die virtuellen Ohrfeigen dieser Worte….

    Ich werde zu diesem Beitrag wieder ein News auf meinen Webseiten publizieren und mich Deinem Aufruf anschließen. Dabei hoffe ich natürlich, dass sich wenigstens ein paar der anderen Pädo-Projekte ebenfalls anschließen werden…..

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      1. Mein News, welches ich soeben auf meinen Webseiten veröffentlicht habe, passt zwar nicht wirklich zu der Hassrede, die hier gemeint ist, aber dennoch könnte es eine gewisse Wirkung haben:

        https://krumme13.org/news.php?s=read&id=4172

        Es besteht natürlich ein Unterschied zwischen ganz privater Hassrede und öffentlicher Hassrede. Zumindest kann man bei meiner Strafanzeige und insbesondere in meiner öffentlichen Berichterstattung erkennen, dass ICH mir sowas nicht kommentarlos gefallen lasse. Wichtiger als die Strafanzeige an sich ist eigentlich, dass diese die Öffentlichkeit erreicht. Bei den möglichen strafrechtlichen Sanktionen gegen den Täter kommt ohnehin nicht viel bei herum. Wenn also andere Pädos auch solche Anzeigen erstatten, dann bringt dies nur dann etwas, wenn es öffentlich vorgetragen wird. Nur dann kann es eine Wirkung in der Öffentlichkeit haben. Steter Tropfen höhlt den Stein….

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  5. Ich bin etwas zwiegespalten was Hassrede und ihre Bekämpfung angeht. Um mal diesen NPD-Mann als Beispiel zu nehmen: Ja, das war mehr als nur schäbig, was er da veröffentlicht hat, auch die Strafe gönne ich ihm. Aber was jetzt? Hat uns das wirklich etwas gebracht? Ist ja nicht so, als hätte sich seine Meinung über Pädophile jetzt geändert, bestenfalls wird er sie jetzt mit etwas mehr Vorsicht ausdrücken. Und selbiges bei dem erhofften Abschreckungseffekt. Vielleicht bringt es was gegen das Niveau des *geäußerten* Hasses, aber bringt es auch was gegen das Niveau des von einem großen Teil der Bevölkerung *gefühlten* Hasses?
    Womöglich bringt es was. Womöglich hilft es schon ein gutes Stück, wenn sich die Leute nicht mehr in ihrem Hass gegenseitig hochschaukeln und versuchen einander zu übertrumpfen würden.
    Womöglich ist aber auch das Gegenteil der Fall. Womöglich sind die Leute durch diesen „Maulkorb“ dann erst recht erbost, oder aber man befeuert noch Verschwörungstheorien – so von wegen: „Satanistische Pädokulte kontrollieren aus den Schatten heraus die Regierungen, und deswegen soll man jetzt nichts mehr gegen Pädophile sagen dürfen“.

    Also ich weiß nicht.
    Wünsche dir aber in jedem Fall viel Glück mit deinem Vorhaben und bin gespannt was passiert. Ist ja eigentlich auch nicht so, als hätten wir noch viel zu verlieren.

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    1. „Um mal diesen NPD-Mann als Beispiel zu nehmen: Ja, das war mehr als nur schäbig, was er da veröffentlicht hat, auch die Strafe gönne ich ihm. Aber was jetzt? Hat uns das wirklich etwas gebracht? Ist ja nicht so, als hätte sich seine Meinung über Pädophile jetzt geändert,“

      Ich denke das Urteil gegen den NPD.Mann ist schon insofern wichtig, als damit klargestellt ist, dass auch Pädos ein „Teil der Bevölkerung“ sind, der vor Volksverhetzung geschützt ist.

      Natürlich gibt es die Volksverhetzung gegen Pädos trotzdem. Sie ist quasi alltäglich und wird anders als Volksverhetzung gegen Juden oder gegen Schwarze oder gegen Homosexuelle kaum als solche wahrgenommen.

      Auch wenn man den Kern des Gundgesetzes schlechthin nimmt („Die Würde des Menschen ist unantastbar“) dann weiß man natürlich sobald man den Fernseher anmacht und Nachrichten schaut, dass sie tatsächlich nicht unantastbar ist, sondern ständigen Angriffen ausgesetzt ist. Aber es wird um sie gerungen und in diesem Ringen wurden auch ganz wichtige schon Erfolge erzielt.

      Wenn Pädohetze als Volksverhetzungsdelikt bekannt wird, kann das langfristig etwas bewirken. Ein Fall reicht dazu freilich nicht aus. Und genau deshalb ist es so wichtig, öffentliche Hassrede gegen Pädos zu melden.

      „Vielleicht bringt es was gegen das Niveau des *geäußerten* Hasses, aber bringt es auch was gegen das Niveau des von einem großen Teil der Bevölkerung *gefühlten* Hasses?“

      Wenn Hassrede unterdrückt wird, ändert sich das Klima und Leute, die sich vorher nicht getraut haben, können sich auf einmal einbringen. Wenn sachliche Argumentation wieder zulässig wird, ändert das den Diskurs.

      Interessant finde ich auch dieses Zitat von Carlon Emcke („Gegen den Hass“, S.16.):.

      „Der Hass braucht vor­geprägte Muster, in die er sich ausschüttet. Die Begriffe, in denen gedemütigt, die Assoziationsketten und Bilder, in denen gedacht und sortiert, die Raster der Wahr­neh­mung, in denen kategorisiert und abgeurteilt wird, müssen vorgeformt sein. Der Hass bricht nicht plötzlich auf, sondern er wird gezüchtet.“

      Wenn man die Strukturen einreißt, wird sich auch der gefühlte Hass irgendwann reduzieren, denn Hass muss erlernt werden.

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  6. Ich kann die hier geäußerten Zweifel nicht richtig verstehen.

    Natürlich wird es erstmal nicht nur positive Resonanz, sondern vor allem sehr viel heftigen Gegendruck in der Gesellschaft geben.
    Aber letztendlich ist es wie bei jeder anderen Aktion auch: wichtig ist nicht, wie über sie geredet wird (positiv oder negativ), sondern dass man überhaupt über sie redet. Nur so erreicht man, dass sich etwas bewegt und das ist erstmal die Hauptsache.
    Wenn man geduldig ist, wird ein großer Teil der Bevölkerung schon seine Meinung über Pädophilie ändern, weil sie erkennen werden, dass die Neigung grundsätzlich doch nicht allzu schlimm ist.

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  7. Gerade als Pädophiler sollte man daran doch erkennen, von wo der Wind weht. Es geht nicht darum, Hassrede zu verfolgen, sondern um eine linksideologische Weltsicht zu erzwingen. Nach dieser Ideologie ist alles Hassrede, was auch nur ansatzweise gegen die eigene Ideologie gerichtet ist.

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    1. Ich halte z.B. das Konzept der Menschenwürde nicht für links-ideologisch.

      Ich verstehe aber was du meinst (oder glaube es zumindest): mit dem selben Argument und „Apparat“, mit dem man zunehmend der Hassrede entgegentritt wird man vermutlich bald der „Verherrlichung von Pädophilie“ entgegentreten. Erste Ansätze hierzu finden sich in den Gesetzen bereits heute und in einige Nachbarländern ist „Verherrlichung von Pädophilie“ bereits verboten.

      Letztlich muss man aber die Mittel einsetzen, die man vorfindet. Im Kampf gegen Goliath hat David den Stein genommen, der vor ihm auf dem Boden lag und ihn intelligent eingesetzt.

      Ein Stein, der uns zur Verfügung steht, sind Antidiskriminierungsgesetze. Oder die neuen Möglichkeiten, um Hassrede entgegenzutreten. In der Regel sind die Gesetze „blind“ bzw. „blind“ formuliert, schützen also im Prinzip alle gleich. Das hat in der Vergangenheit anderen Gruppen, wie den Homosexuellen bereits geholfen. Homosexualität war völlig inakzeptabel und verboten. Obwohl es im Kampf auch mal Rückschläge gab, konnten die Homosexuellen Ihre systematische Verfolgung beenden, wichtige Gerichtsurteile erstreiten und erreichen, dass der Hass, der gegen sie verbreitet wird, heute geächtet ist.

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    2. Falsch! Die Forderungen nach Ausgrenzung von hilflosen Minderheiten kommen immer von rechts: Ausländer, Alleinerziehende, Homosexuelle,…, PÄDOPHILE!

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