„Es kann nichts Schlimmeres geben, als Fotos von Minderjährigen im Internet zu verbreiten“

Das in der Überschrift wiedergegeben Zitat stammt von dem Rechtsanwalt Markus Schließ, der als Datenschutzexperte vom Spiegel zu einer Gerichtsentscheidung in den Niederlanden befragt wurde. Das Zitat ist dem Spiegel-Bericht über den Fall entnommen.

Meine Reaktion beim Lesen des Zitats war Unglaube. Kann wirklich jemand ernsthaft meinen, dass es nichts Schlimmeres gäbe, als das Alltagsfoto eines Kindes im Internet zu verbreiten?

Was hat der Betreffende geraucht?

Zunächst mal gibt es natürlich sehr viel schlimmere Sachen auf der Welt, z.B. Mord, Totschlag oder Vergewaltigung. Es gibt auch bedeutend schlimmere Dinge, die man einem Kind antun kann, z.B. Kindeswohlgefährdung durch emotionale Vernachlässigung oder körperliche Gewalterfahrung / Kindesmisshandlung.

Eine im Laufe des Jahres 1998 vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen durchgeführte Befragung von Jugendlichen nach ihren Gewalterfahrungen ergab, dass in den jeweils vorausgegangenen 12 Monaten 7,2 % aller Kinder unter 12 Jahren Misshandlungen und 8,1 % dieser Kinder schwere Züchtigungen durch die Eltern erlebt hatten. Da es nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes ca. 9,3 Millionen Kinder dieser Altersgruppe in Deutschland gab, waren somit 1,42 Millionen Kinder von schweren Züchtigungen oder Misshandlungen betroffen.

Die in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfassten Anzeigen wegen „Misshandlung von Schutzbefohlenen“ belaufen sich aktuell auf ca. 4.200 Fälle pro Jahr. Dunkelfeldstudien wie die bereits erwähnte Untersuchung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen zeigen, dass nur einer von 300 bis 400 Fällen bei der Polizei angezeigt wird. Das tatsächliche Ausmaß läge dann aktuell bei geschätzt 1.26 bis 1.68 Millionen Kindern. Kindliche Opfer von physischer oder emotionaler Vernachlässigung sind in dieser Zahl noch gar nicht enthalten.

Lt. Bericht der Welt vom April 2019 waren noch nie so viele Kinder wie heute in Pflegefamilien untergebracht. 2017 waren es 81.000 Kinder. Weitere ca. 100.000 Kinder waren 2017 in Heimerziehung. Die durchschnittliche Aufenthaltslänge in Kinder- und Jugendheimen liegt bei etwa 16 Monaten. In Pflegefamilien liegt sie bei 30 Monaten.

Die deutlich über eine Millionen Kinder, die von ihren Erziehungsberechtigten im aktuellen Jahr misshandelt werden bzw. misshandelt wurden und die allermeisten der 100.000 Kinder in Heimerziehung und 81.000 Kinder in Pflegefamilien hätten sich, vor die Alternative gestellt, ganz bestimmt für das „Übel“ entschieden, dass ihre Eltern Alltagsfotos von Ihnen im Internet verbreiten, statt für die Übel, die ihnen tatsächlich angetan wurden.

Selbst wenn man das „nichts Schlimmeres“ auf den Aspekt Datenschutz beschränkt, scheint mir der Anwalt völlig an der Realität vorbei zu greifen. Ich finde es in Hinblick auf den Datenschutz und den Schutz der Privatsphäre z.B. deutlich schlimmer, wenn jemand Aufnahmen von Unfallopfern macht und ins Internet stellt. Oder wenn jemand ohne Wissen des Partners mit versteckter Kamera eine Aufnahme des Liebesakts erstellt. Ich finde es ebenfalls schlimmer, wenn Kreditkartendaten oder Patientendaten schlecht gesichert werden und deshalb bei Dritten landen.

Ehrlich gesagt erschließt sich mir das Schlimme am Verbreiten von Alltagsbildern von Kindern nicht mal im Ansatz. Was sollen die schlimmen Folgen schon sein?

Zeitgeisttypisch ist die Angst vor Pädophilen (wie mir), die im Netz Kinderbilder „rauben“. Tatsächlich ist das wohl auch der Hintergrund der Warnung von Anwalt Schließ. Noch einmal aus dem Spiegel-Artikel:

Grundsätzlich warnt Schließ davor, die Bilder seiner Kinder online zu stellen. „Es kann nichts Schlimmeres geben, als Fotos von Minderjährigen im Internet zu verbreiten“, sagt der Anwalt. „Davon rate ich dringend ab.“ Er hoffe, die Zeiten seien vorbei, in denen Eltern „ihre tolle Familie im Internet zeigen und Nackedei-Fotos ihrer Kinder vom Strand hochladen“. Solche Bilder könnten „ganz schnell auf Kinderpornoseiten landen“.

Fotos der „tollen Familie“ und Strandfotos auf Kinderpornoseiten? Ernsthaft?

Ich habe in meiner großen Naivität bisher doch tatsächlich vermutet, dass man auf Kinderpornoseiten Kinderpornos findet. Die Information, dass man dort Fotos toller Familien und Standfotos mit Nackdeis vorfinden kann, ist mir neu. Ich frage mich, wie viele Kinderpornoseiten Anwalt Schieß wohl angeschaut hat. Auch ein Nackedei Foto mutiert nicht zu einem Kinderporno-Foto, nur weil der Betrachter pädophil ist.

Problematisiert wird der pädophile Betrachter. Zufälligerweise bin ich pädophil. Es gibt also (angeblich) nichts Schlimmeres für ein Kind als dass ich mir ein Foto von ihm anschaue. Bin ich also, ohne es zu wissen, ein Voodoo-Priester, der die Seele des Kindes durch Anschauen eines Bildes von ihm schädigt?

Hätte sich im Jahr 1977 ein Pädophiler ein Alltagsfoto des damals 10-jährigen Markus Söder angeschaut, wäre dann die Seele des kleinen Markus verdorrt? Würde der „Vorfall“ heute bekannt werden, wäre dann morgen Söders politische Karriere vorbei? Müsste der bayrische Ministerpräsident, wenn er das Nachwissen erlangt, dass er als Kind von schmutzigen Pädo-Augen betrachtet wurde, psychologisch betreut werden? Und könnte ein 1982 entstandenes Nackedei-Foto des 3-jährigen Christian aus dem Album der Familie Lindner dem heutigen FDP Vorsitzenden irgendwie schaden? Wirklich?

Die gleiche Frage kann man sich zu den Kinderbildern beliebiger weiterer prominenter und nicht-prominenter Frauen und Männer aus allen Bereichen des Lebens und der Gesellschaft stellen. Mir persönlich ist kein Fall bekannt, bei dem ein Kinderbild einem Erwachsenen später geschadet hat. Ich kann mir so einen Fall auch nicht wirklich vorstellen.

Es ist nicht zu erwarten, dass sich diesbezüglich etwas grundlegendes ändert und die Kinderbilder heutiger Kinder ihnen in ihrer Zukunft als Erwachsene schaden. Es schadet auch keinem heutigen Kind, wenn ein Pädophiler heute ein Alltagsbild von ihm anschaut. Schon die Existenz des Bildes an sich wird dem Kind typischerweise relativ egal sein. Davon, wer das Foto möglicherweise irgendwann einmal anschaut, hat es keine Kenntnis und auch die Befürchtung, möglicherweise von einem Pädophilen angeschaut zu werden, steht meiner Kenntnis nach auf der Liste kindlicher Sorgen nicht sonderlich weit oben.

Sollte jemand tatsächlich Angst davor haben, dass ein Kinderbild von ihm von einem Pädophilen angeschaut werden könnte, liegt für mich der Verdacht einer krankhaften Angststörung deutlich näher als die Annahme einer begründeten Furcht vor einem tatsächlich schädigenden Ereignis.

Eine aus meiner Sicht auf den Fall übertragbare, treffende Einschätzung habe ich in einem anderen Spiegel-Artikel gefunden, bei dem es um ein anderes Thema aus dem Feld des Kinderschutzes geht. Autor ist der ehemalige BGH Vorsitzende Thomas Fischer. Den aus meiner Sicht entscheidenden Teil habe ich hervorgehoben:

Muss man, wenn man einen Text über Gewalt gegen Kinder veröffentlicht, zunächst versichern, dass man weder ein Freund der Gewalt noch der Gewalttäter, weder ein Geringschätzer noch ein Nichtversteher des Leids ist, und dass man die Apologeten der „ausrutschenden Hand“ verachtet? Die Frage zu stellen ist die halbe Antwort. Die andere Hälfte dieser Einleitung besteht aus der Feststellung, dass die Antwort nervig, langweilig und verlogen ist. Denn sie ist vor allem demonstrativ. Sie zeigt nicht den hohen Stand des Kinderschutzes in dieser Welt, sondern den Stand des Bedürfnisses von Erwachsenen, das Maß ihrer moralischen Vorbildlichkeit vorzuzeigen. Auf vertrackte Weise ist das verwoben mit der kindlichen Bedürftigkeit der Erwachsenen selbst, jedenfalls des medial sichtbarsten Teils von ihnen, und mit den gelegentlich bizarren Formen ihres Interesses an Kindern. Überwölbt wird alles von der Glocke einer Rationalität, die mit Begriffen der Demografie, des Rechtsgüterschutzes, der Ökonomie und der psychischen Gesundheit hantiert.

Aus „Gewalt in der Corono Krise Kinderleid so oder so

Meine Schussfolgerung: es gibt „nichts Schlimmeres“ als Kinderfotos im Netz zu verbreiten, weil moralisch vorbildliche Eltern so etwas nicht machen. Ob es darüber hinaus irgendeinen Sinn ergibt, ist im Grunde nicht weiter relevant

Würde es tatsächlich um Kinderschutz gehen, dann sollte man erwarten dürfen, dass etwas in Hinblick auf reale Beeinträchtigungen unternommen wird, etwa die mehr als 1 Millionen Kinder, die von Ihren Eltern jedes Jahr schwer gezüchtigt oder misshandelt werden. Medial ist dieses Problem kaum präsent.

Blicken wir zum Abschluss kurz auf den Fall in den Niederlanden, zu dem die Einschätzung des Datenschutz-Experten Markus Schließ eingeholt wurde.

Oma muss Facebook-Foto ihres Enkelkinds löschen

Mit Verweis auf die DSGVO hatte die Mutter des Kindes gefordert, dass die Großmutter die Bilder löschen muss. Experten warnen grundsätzlich davor, Kinderfotos offen im Netz zu veröffentlichen.

Ein Gericht in den Niederlanden hat entschieden, dass eine Großmutter nicht einfach Bilder ihrer Enkel im Internet veröffentlichen darf. (…) Begonnen hatte alles mit einem Streit zwischen einer Frau mit drei Kindern und ihrer Mutter, die vor der Auseinandersetzung ein Jahr keinen Kontakt gehabt haben sollen. Die Oma soll das Foto eines der drei Kinder ohne Einverständnis der Eltern auf Facebook und ein Foto der anderen Enkelkinder auf der Fotoplattform Pinterest veröffentlicht haben. (…)

Das Gericht hat der Oma eine Frist von zehn Tagen gesetzt, um die Bilder zu löschen. Für jeden weiteren Tag, an dem die Fotos im Netz bleiben, muss sie eine Strafe von 50 Euro bis zu einem Maximalbetrag von 1000 Euro bezahlen. Die Gerichtskosten werden unter den zerstrittenen Parteien aufgeteilt.

Die Klägerin hatte laut Gerichtsakten die Oma zuvor wochenlang ermahnt, Fotos der Enkel bei Facebook und Pinterest zu löschen. In einem Brief an die Oma schreibt die Frau unter anderem: „Du wurdest mehrfach von der Polizei in (…) aufgefordert, die Fotos von meinen minderjährigen Kindern auf deinen Social-Media-Kanälen zu entfernen.“ Da sie nicht auf die Forderungen reagiert haben soll, sei die Mutter vor Gericht gegangen.

Das Gericht ließ die Verteidigung der Oma nicht gelten, dass das Foto des Enkelkindes bei Facebook einen besonderen emotionalen Wert für sie gehabt habe, da das Kind sieben Jahre bis April vergangenen Jahres bei ihr und dem Opa gelebt hatte. Das Sorgerecht für das Kind sei auch in dieser Zeit bei der Mutter und ihrem Ex-Partner verblieben, der ebenfalls die Löschung gefordert habe. Das Sorgerecht für die anderen beiden Kinder liegt allein bei der Mutter.

Aus „Gerichtsurteil in den Niederlanden:
Oma muss Facebook-Foto ihres Enkelkinds löschen

Das Kind hat zuvor sieben Jahre (!) bei Oma und Opa gelebt. Das deutet für mich stark darauf hin, dass die Mutter sehr lange nicht in der Lage war, sich angemessen um das Kind zu kümmern.

Ich habe ehrlich gesagt auch gewisse Zweifel daran, dass sie heute dazu in der Lage ist. Der Prozess gegen die Oma kommt mir wie ein kleinkarierter Rachefeldzug ohne Rücksicht auf Verluste vor, der nicht von besonderer geistiger oder moralischer Reife zeugt.

Die Oma hat sich immerhin sieben Jahre lang um das Kind gekümmert, als man selbst es nicht konnte oder wollte. Da sollte man doch meinen, dass man im Gegenzug für sieben Jahre der Fürsorge hinnehmen kann, wenn die Oma ein Bild ihres geliebten Enkelkindes herumzeigt.

Wenn es in dem Fall eine Problem in Hinblick auf das Kindeswohl gibt, dann ist es nicht das von der Oma hochgeladene Foto, sondern die Tatsache, dass das Kind anscheinend ein Jahr lang die Person nicht sehen konnte (und auch weiterhin nicht sehen kann), die zuvor sieben Jahre lang seine zentrale Bezugsperson war.

Aus meiner Sicht liegt dieses eigentliche Problem für jemanden, der sich ernsthaft für das Wohl des Kindes interessiert, auf der Hand. Thematisiert wird es in dem Artikel an keiner Stelle.

Eine rechtliche Handhabe, um dem Kind zu helfen, scheint es aufgrund der Sorgerechtssituation nicht zu geben. Ein Rechtstitel ist vor Gericht eben wichtiger als das tatsächliche Kindeswohl. Traurig ist, dass sich auch die über den Fall berichtenden Medien nicht die Bohne dafür interessieren, wie es dem betroffenen Kind geht. Das tatsächliche Kindeswohl geht ihnen (jedenfalls in diesem konkreten Fall) am Arsch vorbei. Möglicherweise haben sie das Problem nicht einmal wahrgenommen.

Möglicherweise ist es ihnen aber auch einfach zu banal und alltäglich und deshalb nicht weiter berichtenswert. Jedenfalls verwendet man den zur Verfügung stehenden Platz stattdessen lieber für Propaganda gegen Kinderbilder im Netz, für die Verbreitung sinnfreier Moralregeln für vorbildhafte Eltern und das Schüren einer irrationalen Phobie. Auch Medien und Journalisten müssen wohl, dem Zeitgeist entsprechend, (schein)moralisch vorbildhaft sein.

5 Kommentare zu „„Es kann nichts Schlimmeres geben, als Fotos von Minderjährigen im Internet zu verbreiten“

  1. Danke für diesen Rant gegen überbordende Moralisierung und für dein Plädoyer für Konzentration auf das tatsächliche Kindeswohl.

    Ich glaube übrigens, dass viele Richter und ein guter Teil der Gesetzgebung durchaus versucht das tatsächliche Kindeswohl zu schützen. Aber Gesetzte, von den falschen Menschen aus den falschen Motivationen heraus angewendet, führen zu solchen absurden und traurigen Verkrampfungen, wie du sie beschreibst.

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  2. „Fotos der „tollen Familie“ und Strandfotos auf Kinderpornoseiten? “
    Wenn ein Kind (am Strand) in unnatürlicher Pose gezeigt wird, dann ist die Seite die es zeigt eine Kinderpornoseite. Was gibt es da nicht zu verstehen?

    „Mir persönlich ist kein Fall bekannt, bei dem ein Kinderbild einem Erwachsenen später geschadet hat.“

    Mit sexueller Komponente gibt es solche Fälle.
    Ohne sexuelle Komponente müsste man in die Meme-Ecke blicken.

    Ich warte darauf, dass du deine Kinder (nackt) Bilder hier mal hochlädst! Gern auch mit Smileye oder anderen Symbolen über dem Gesicht.

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    1. „Wenn ein Kind (am Strand) in unnatürlicher Pose gezeigt wird, dann ist die Seite die es zeigt eine Kinderpornoseite. Was gibt es da nicht zu verstehen?“

      Es war in dem von mir kritisierten Artikel nicht von Bilder in unnatürlicher Pose die Rede. Die relevante Stelle war:
      —-
      Grundsätzlich warnt Schließ davor, die Bilder seiner Kinder online zu stellen. „Es kann nichts Schlimmeres geben, als Fotos von Minderjährigen im Internet zu verbreiten“, sagt der Anwalt. „Davon rate ich dringend ab.“ Er hoffe, die Zeiten seien vorbei, in denen Eltern „ihre tolle Familie im Internet zeigen und Nackedei-Fotos ihrer Kinder vom Strand hochladen“. Solche Bilder könnten „ganz schnell auf Kinderpornoseiten landen“.
      —-
      Der Anwalt meint also nicht, das Verbreiten von Kinderbildern (am Strand oder sonstwo) in unnatürlicher Pose sei das Schlimmste, was es gibt, sondern es war jedes stinknormale Alltagsfoto gemeint. Damit schießt der Anwalt dann doch dreihundert Kilometer über das Ziel hinaus.

      Kritisch kann man aus meiner Sicht allenfalls ein Nackedei-Foto sehen. Auch da würde ich aber unterscheiden wollen, ob es sich z.B um ein Kleinkind im Babyplanschbecken handelt oder um einen 10-jährigen. Eine Flut von Nackedei-Bildern in Social-Media Kanälen ist mir übrigens so oder so bisher nicht aufgefallen. Soweit ich das beurteilen kann, handelt sich um ein erfundenes Problem, das quasi aus Marketingzwecken für die Skandalisierung von Kinderbilder im Allgemeinen ins Rennen geschickt wurde. .

      Eine unnatürliche Pose macht aus einem Bild übrigens noch kein kinderpornographisches Bild. Voraussetzung ist erstens eine „unnatürliche geschlechtsbetonte Körperhaltung“ und zweitens muss das Kind „ganz oder teilweise unbekleidet“ sein. Eine unnatürliche Pose, die nicht geschlechtsbetont ist, ist keine Kinderpornographie. Eine unnatürliche geschlechtsbetonte Pose eines vollständig bekleideten Kindes ist auch keine Kinderpornographie. Jedenfalls gibt der Gesetzestext das nicht her. (https://dejure.org/gesetze/StGB/184b.html)

      „Wenn ein Kind (am Strand) in unnatürlicher Pose gezeigt wird, dann ist die Seite die es zeigt eine Kinderpornoseite. Was gibt es da nicht zu verstehen?“

      Eine Seite, auf der ein kinderpornographisches Bild erscheint, ist deshalb (für mich) noch nicht zwingend eine kinderpornographische Seite. Aus meiner Sicht ist eine kinderpronographische Seite eine Seite, die sich kinderpornographischen Inhalten widmet. Wenn es abgesehen von einem Einzelbild nichts kinderpornographisches auf der Seite gibt und sich die Seite ernsthaft einem anderen Thema widmet, dann ist sie ihrem Gesamtcharakter nach eine Filmseite, wenn das ernsthaft behandelte eigentliche Thema Kindofilme sind, oder eine Modeseite, wenn die Seite sich ernsthaft dem Thema Mode widmet. Die Existenz des einen kinderpornographischen Bildes bleibt natürlich auch unter diesen Umständen ein (auch juristisches) Problem.

      Ich gehe davon aus, dass es den beschriebenen Fall mit einem einzelnen kinderpronographischen Bild auf einer ihrem Charakter nach nicht kinderpornographischen Seite nur dann gibt, wenn das problematisch Bild keine sexuellen Handlungen zeit, sondern eine geschlechtsbetonte unnatürliche Pose eines teilweise unbekleideten Kindes, die von dem Betreiber nicht als solche erkannt wurde. Bei dem von dir angeführten Beispiel (Kind am Strand in unnatürlicher Pose) ist das zumindest vorstellbar, zunak das Kriterium „unnatürlich“ immer auch einer subjektiven Wertung unterliegt.

      „Mit sexueller Komponente gibt es solche Fälle.
      Ohne sexuelle Komponente müsste man in die Meme-Ecke blicken.“

      Von Bilder mit sexueller Komponente war in dem Artikel nicht die Rede. Es gibt um normale Kinderfotos, wie sie Eltern typischerweise von ihren Kindern machen und eben teilweise auch in sozialen Medien teilen.

      Wenn Eltern Bilder mit sexueller Komponente von ihren Kindern erstellen, gehe ich davon aus, dass die Bilder die Definition von Kinderpornographie erfüllen. Dann ist es Herstellung von Kinderpornographie. Wer Bilder seiner Kinder mit sexueller Komponente herstellt und teilt wandert zu Recht in den Knast. Eine pauschale Verdammung von normalen Alltagsbildern ist in dem Zusammenhang aber völlig fehl am Platz.

      Auch soweit Memes gemeint sind, sind mir keine Fälle bekannt, bei denen ein Kinderbild einem Erwachsenen geschadet hat. Dabei spielt vermutlich auch eine Rolle, dass es ziemlich schwierig ist, ein Kinderbild dem passenden Erwachsenen zuzuordnen. Auch der umgekehrte Weg, einem Erwachsenen das passende Kinderbild zuzuordnen ist ziemlich schwer. Das schafft man vielleicht noch bei Teenagern, aber bei Kindern verändern sich die Gesichter einfach noch zu stark.

      „Ich warte darauf, dass du deine Kinder (nackt) Bilder hier mal hochlädst! Gern auch mit Smileye oder anderen Symbolen über dem Gesicht.“

      Ich habe keine Kinder. Da für mich Jungen interessant sind, sehe ich auch keine Chance auf eine Familiengründung und eigenen Nachwuchs. Dazu bedarf es einer Frau und wenn man Frauen nun einmal nicht attraktiv findet (und auch sie auch nicht diesbezüglich täuschen will) gestaltet sich eine Familiengründung doch etwas schwierig.

      Hätte ich eigene Kinder, dann würde ich sicher nicht auf die Idee kommen, Nacktbilder von ihnen zu teilen. Auch nichts, von dem ich vermuten würde, dass es den Kindern irgendwann einmal peinlich sein könnte. Aber es könnte schon sein, dass es irgendwo ein Familienbild gäbe oder ein Bild vom Kinderkarneval oder vom Martinszug oder von irgendetwas anderem, was schön war, an das wir uns als Familie gerne erinnern oder von etwas worauf das Kind stolz ist und mit dem es gute Gefühle verbindet (z.B. Urkundenüberreichung bei einem Sportevent).

      Ich habe übrigens nicht geschrieben, dass ich es supertoll und wichtig finde, dass man Kinderbinder verbreitet oder gefordert hätte, man möge doch bitte mehr Nacktbilder von Kindern verbreiten. Ich finde es besser, wenn man mit Fotos zurückhaltend umgeht. Aber ich finde es krank und wahnhaft, wenn jemand das Verbreiten von Kinderbilder zum Schlimmsten erklärt, was man Kindern antun könne.

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  3. „Aber ich finde es krank und wahnhaft, wenn jemand das Verbreiten von Kinderbilder zum Schlimmsten erklärt, was man Kindern antun könne.“
    Jepp. Da gibt es auf jeden Fall noch Unschöneres. Aber ich will mal eins sagen: Ich hab schon zu Zeiten, wo KP noch nicht strafbewehrt war, nur Bilder von Schauspieler oder Musiker Jungs gesammelt. Wenn ich auf Nacktfotos gestoßen bin, hat das bei mir Unbehagen ausgelöst. Nicht weil ich verklemmt bin, sondern weil ich mir die Frage gestellt hab: Machen die das freiwillig? Oft sah es nicht so aus. Ich wollte sowas nie haben. Und die Frage ist natürlich auch heute berechtigt: Wenn man auf Youtube schöne Familienvideos sieht, ist das den Jungs später noch recht, so gezeigt worden zu sein? Zurücknehmen kann man es ja später nicht mehr. Aber bei den meisten Clips ist ja nichts zu sehen, was einem der Beteiligten später mal peinlich sein könnte. Also wird das wohl nicht so schnell zu einem Problem werden
    Ach übrigens, man prüft hier mittlerweile ob die eingegebene Email auch existiert

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    1. „Aber ich will mal eins sagen: Ich hab schon zu Zeiten, wo KP noch nicht strafbewehrt war, nur Bilder von Schauspieler oder Musiker Jungs gesammelt. Wenn ich auf Nacktfotos gestoßen bin, hat das bei mir Unbehagen ausgelöst. Nicht weil ich verklemmt bin, sondern weil ich mir die Frage gestellt hab: Machen die das freiwillig? Oft sah es nicht so aus. Ich wollte sowas nie haben.“

      Dann hast du andere Fotos gesehen als ich oder sie völlig anders interpretiert.

      Ich habe als 17-jähriger in einem Zeitschriftenladen ein einzelnes, etwas mitgenommenes Exemplar von „Jung und Frei“ entdeckt. Das war eine FKK-Zeitschrift, in der vor allem Kinder und Jugendliche abgebildet waren. Dazu gab es ein paar Kurzgeschichte, Reiseberichte oder sonstige Texte aus dem FKK-Bereich. Die Hefte durften jahrelang offen ausgelegt und verkauft werden.

      Als ich das Heft entdeckte, war ich wie elektrisiert. Und habe mich nicht getraut es zu kaufen. Ich bin dann über die nächsten Wochen bestimmt 4 oder 5 mal in dem Laden gewesen, um das Heft nochmal anzuschauen. Damit meine Aufmerksamkeit für dieses Heft nicht zu sehr auffällt, habe ich auch überall sonst im Laden alle möglichen Hefte angeschaut. Nur die Ecke mit den Softsexheftchen habe ich gemieden. Bis ich dann doch irgendwann in der Schmuddelecke stand und zufällig einen ganzen Stapel der Jung und Frei Ausgabe liegen sah, von der ich woanders im Laden das mitgenommene, offensichtlich „verschleppte“ Exemplar entdeckt hatte. Inhaltlich hatte das Heft in der Ecke eigentlich nichts zu suchen. Es war zwar für mich erregend, aber eigentlich war überhaupt nichts Sexuelles darin. Der große Stapel signalisierte mir jedenfalls, dass es auch andere Interessenten gab und ich habe mich dann doch dazu durchgerungen, das Heft zu kaufen.

      Ein paar Jahre später (ich hatte inzwischen etliche weitere Ausgaben gekauft) wurde das Magazin für jugendgefährdend erklärt. Das war für mich überhaupt nicht nachvollziehbar. Die Fotos waren ganz normal, nur dass die Kinder und Jugendlichen eben nackt waren. Es gab da nichts anstößiges, kein Posing, keine unnatürlichen Körperhaltungen, keine sexualisierenden Texte. Das einzige Problem an dem Heft war die Leserschaft, die vermutlich zu einem guten Teil aus Pädos bestanden hat. Aufgrund dieser Leser, nicht aufgrund der Inhalte erregte das Heft Anstoß. Vor der Einstufung als jugendgefährdend war das Magazin schon zweimal geprüft worden und man kam zu dem Ergebnis, dass nicht zu beanstanden war.

      Beim dritten Anlauf hat man dann die „richtigen“ Gutachter ausgesucht und die kamen zu dem Ergebnis, dass keineswegs eine Darstellung der Freikörperkultur erfolge, sondern die Kinder und Jugendlichem zu sexuellen Anschauungsobjekten degradiert werden würden. Der Jugendschutz umfasse auch den Schutz vor sexuellen Übergriffen durch Pädophile, zu denen diese Hefte animieren würden.

      Ich habe mich schon lange von den Heften getrennt, aber da ich seinerzeit eine ganze Reihe davon besessen habe, kann ich garantieren, dass das mit der Realität nichts zu tun hatte. Es braucht schon sehr viel bösen Willen, um diese Vorwürfe zu konstruieren. An den Fotos war nichts Sexuelles und auch sonst gab es nichts, was jemanden dazu hätte animieren können, einen sexuellen Übergriff auf ein Kind zu begehen.

      Es ging darum, dass man nicht zulassen wollte, dass sich Pädophile Bilder von nackten Kindern ansehen. Durch die Indizierung konnte das Magazin nicht mehr offen ausgelegt werden. Man durfte es als Erwachsener zwar noch kaufen, musste aber explizit danach fragen. Für mich war diese Hürde zu groß. Für viele andere ehemalige Kunden wohl auch. Da die Leserschaft wegbrach, wurde das Magazin wenige Monate nach der Indizierung eingestellt. Ziel erreicht.

      2015 wurde es dann im Nachgang zur Edathy Affäre (der nach allem was man weiß nur Bilder hatte, die damals legal waren) unter Strafe gestellt (bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe), dass man eine Bildaufnahme, die die Nacktheit einer anderen Person unter achtzehn Jahren zum Gegenstand hat,
      1. herstellt oder anbietet, um sie einer dritten Person gegen Entgelt zu verschaffen, oder
      2. sich oder einer dritten Person gegen Entgelt verschafft.

      Auch in diesem Fall ging es nicht um den Schutz von Kindern, sondern darum zu verhindern, dass schmutzige Pädoaugen Bilder von nackten Kindern sehen.

      Heute wird das Verbreiten von Alltagsbilder von Kindern zum Schlimmsten erklärt, was man einem Kind antun kann. Es wird damit im Bewusstsein der Menschen zu einem Verbrechen erklärt, das lediglich aufgrund einer „Schutzlücke“ noch nicht unter Strafe steht. Als nächstes wird man dann versuchen, die Schutzlücke zu schließen. Nicht weil Alltagsbilder für Kinder schlimm sind oder Kindern schaden, sondern weil man es als schlimm empfindet, wenn eklige Pädophile wie du und ich sie in die Hände bekommen könnten.

      „Und die Frage ist natürlich auch heute berechtigt: Wenn man auf Youtube schöne Familienvideos sieht, ist das den Jungs später noch recht, so gezeigt worden zu sein? Zurücknehmen kann man es ja später nicht mehr. Aber bei den meisten Clips ist ja nichts zu sehen, was einem der Beteiligten später mal peinlich sein könnte. Also wird das wohl nicht so schnell zu einem Problem werden“

      Man sagt zwar, dass das Internet nie vergisst, aber in der Praxis stimmt das nicht wirklich. Die Realität ist, dass auch Inhalte, die man unbedingt bekannt machen will, in aller Regel kaum Aufmerksamkeit erzielen. Wenn man ein Video, das man irgendwann als peinlich empfindet, aus seinem YouTube Kanal löscht, dann ist es in der Regel „weg“ und nicht mehr zu finden. Wenn es doch jemand heruntergeladen und woanders verbreitet hat, ist typischerweise der Originalzusammenhang und die Quelle, also die Verbindung zur dargestellten Person verloren. Da sich Kinder optisch auch noch sehr verändern, wir die Verbindung im Laufe der Zeit immer dünner. Wenn man die Sache realistisch betrachtet gibt es da keine nennenswerte Gefahr, dass so ein Video einem Kind irgendwann mal als Erwachsener Probleme bereitet.

      Ich habe mal ein Video eines Vaters gesehen, der seinen etwa 12-jährigen Sohn geweckt und dabei als „Prinzessin“ angeredet hat. Das fand ich total daneben. Aber man hat auch gemerkt, dass Vater und Sohn ein sehr gutes Verhältnis haben. Auch gute Eltern machen jeden Tag Fehler. Die Kinder werden trotzdem in aller Regel zu gesunden, ausgeglichenen und lebenstüchtigen Erwachsenen. Nicht jeder denkbare Fehler muss dramatisiert und einer gesetzlichen Regelung unterworfen werden.

      Wenn nun das Verbreiten von Alltagsbildern von Kindern skandalisiert und gesellschaftlich geächtet wird, dann wird damit aus einer Mücke ein Dinosaurier gemacht. Und zwar nicht, weil Alltagsbilder Kindern irgendwie schaden würden, sondern weil man nicht will, dass eklige Pädos wie du und ich sie in ihre schmutzigen Finger bekommen könnten.

      „Aber ich will mal eins sagen: Ich hab schon zu Zeiten, wo KP noch nicht strafbewehrt war, nur Bilder von Schauspieler oder Musiker Jungs gesammelt. Wenn ich auf Nacktfotos gestoßen bin, hat das bei mir Unbehagen ausgelöst. Nicht weil ich verklemmt bin, sondern weil ich mir die Frage gestellt hab: Machen die das freiwillig? Oft sah es nicht so aus. Ich wollte sowas nie haben.“

      Auch auf die Gefahr hin, jetzt eine Seifenblase zu zerstechen … glaubst du wirklich, dass alle Kinderschauspieler ihren Beruf freiwillig ergriffen haben? Da stecken oft ehrgeizige Eltern hinter, die ihre Kinder im Grunde ausbeuten. Und auch der frühe Ruhm tut einem Kind oft nicht gut. Irgendwann ist man nicht mehr niedlich und dann bleiben auf einmal die Rollen aus. Nur sehr wenigen Kinderschauspielern gelingt es auch als Erwachsener erfolgreich zu bleiben. Für das Kind war der Ruhm „normal“. Umso tiefer kann dann der gefühlte Absturz in die Bedeutungslosigkeit als Erwachsener sein.

      Ich finde es wichtig, dass man da inzwischen genauer hinschaut und dass es z.B. Beschränkungen bei den Drehtagen gibt und die weitere Schulbildung gewährleistet bleibt.

      Trotz der Probleme kann ich persönlich mir durchaus auch heute noch einen schönen Kinderfilm wie Maya, mit einem gut aussehenden Jungen wie Jay North ansehen, ohne dabei ständig davon gequält zu werden, dass Jay North eine unglückliche Kindheit hatte.

      „Ach übrigens, man prüft hier mittlerweile ob die eingegebene Email auch existiert“

      Man kann für den Kommentar einen Fantasienamen angeben.

      Bei der Email Adresse wird nur das email-typische Format (im Stile von hab_ich_mir_ausgedacht@diese_adresse_gibt_es_nicht.de) geprüft. Es wird nicht geprüft, ob die Mailadresse auch wirklich existiert.

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