Update: Reaktion auf meine Programmbeschwerde

Ich habe am 17.01.2020 in einem Blogbeitrag darüber berichtet, dass ich anlässlich der aus meiner Sicht irreführenden und auf den Aspekt Pädophilie vereengten Berichterstattung der Tagesschau vom 17.01. zu einer Beschwerde bei Fernsehredaktion der Tagesschau entschlossen habe. Optimistisch war ich allerdings nicht:

Von der Beschwerde verspreche ich mir erstmal hertlich wenig. Falls keine Reaktion kommt, schiebe ich allerdings zumindest noch eine Programmbeschwerde über das Bürgerportal der Landesmedienanstalten hinterher, wenn das nicht bringt, geht es weiter zum Rundfunkrat des NDR (der für die Tagesschau verantwortlich ist). Auch von diesen Schritten verspreche ich mir allerdings ehrlich gesagt nichts. Aber vielleicht werde ich ja positiv überrascht.

Tatsächlich gab es keine Reaktion zu meiner Beschwerde.

Als nächsten Schritt habe ich am 25.01. die Beschwerde neu über das Portal www.programmbeschwerde.de eingereicht und erhielt am 27.01. die Antwort, dass man dort nicht zuständig sei, die Beschwerde aber weitergeleitet habe:

Sehr geehrte Damen und Herren,

über das Portal http://www.programmbeschwerde.de ist nachstehende Beschwerde bei uns eingegangen.

Da wir als Bürgerportal der Landesmedienanstalten rechtlich nur für Angebote privater Anbieter zuständig sind, werden Beschwerden zum Programm öffentlich-rechtlicher Anstalten von uns ohne weitere Bearbeitung an die jeweilige Rundfunkanstalt weitergeleitet.

Der Absender wird durch Kopie dieser Nachricht entsprechend informiert.

Mit freundlichen Grüßen

Auf diese weitergeleitete Beschwerde habe ich nun – zu meiner Überraschung – heute doch noch eine Reaktion erhalten:

Sehr geehrte Herr Schneeschnuppe,

vielen Dank für Ihre Mail. Bitte entschuldigen Sie, dass wir Ihnen erst heute antworten. Derzeit erreichen uns zahlreiche Zuschriften zu ganz verschiedenen Bereichen, die alle einer Befassung bedürfen. Zu Ihrem Anliegen:

Wir geben Ihnen recht, dass es in dem Satz „Pädophile machen sich künftig auch dann schon strafbar, wenn sie sich einem als Kind oder Jugendlichen getarnten polizeilichen Ermittler annähern.“ Korrekt hätte heißen müssen: „Es ist künftig schon strafbar, sich einem als Kind oder Jugendlichen getarnten polizeilichen Ermittler anzunähern.“ Fakt hingegen ist es, dass die Zahl der durch Erwachsene im Internet belästigten Kinder seit Jahren steigt. Darauf zielen der Bundestag in seiner Debatte und das neue Gesetz ab und darauf fokussierte sich dementsprechend auch unser Beitrag, der zeitlich begrenzt ist und nicht alle denkbaren Aspekte eines Themas abdecken kann. Die mögliche Bestrafung einer Gesinnung in diesem Zusammenhang wird durch den O-Ton des Abgeordneten der Links-Partei in unserem Beitrag problematisiert.

Anmerkungen wie Ihre helfen uns, die eigene Arbeit immer wieder zu überprüfen und noch besser zu werden. Wir würden uns freuen, wenn Sie uns als kritischer Begleiter unserer Nachrichtenangebote erhalten blieben. 

Mit freundlichen Grüßen

Publikumsservice ARD-aktuell

Immerhin also eine Reaktion und das Eingeständnis teilweise etwas „suboptimal“ gemacht zu haben.

Ich habe mir den Sachverhalt nun noch einmal angeschaut und soeben wie folgt geantwortet:

Sehr geehrte Damen und Herren des Publikumsservice,

ich bedanke mich zunächst für Ihre Reaktion mit der ich ihnaltlich allerdings nicht zufrieden bin.

Es geht aus Ihrer Antwort nicht hervor, ob meine Beschwerde durch den Rundfunkrat des NDR geprüft wurde. Ich bitte hierzu um Aufklärung.

Des weiteren führen Sie in Ihrer Antwort aus:

„Fakt hingegen ist es, dass die Zahl der durch Erwachsene im Internet belästigten Kinder seit Jahren steigt. Darauf zielen der Bundestag in seiner Debatte und das neue Gesetz ab und darauf fokussierte sich dementsprechend auch unser Beitrag, der zeitlich begrenzt ist und nicht alle denkbaren Aspekte eines Themas abdecken kann.“

Dieser von Ihnen behauptete Fakt ist nicht korrekt.

Ich habe die Daten zu den Tatverdächtigentabellen der Polizeilichen Kriminalstatistik der Jahre 2014 bis 2018 überprüft. Die entsprechenden Tabellen sind auf den Seiten des BKA frei zugänglich. Die Fallzahlen der „im Internet belästigten Kinder“ ist dort anhand der Angaben zu Schlüssel 131400 „Einwirken auf Kinder § 176 Abs. 4 Nr. 3 und 4 StGB“ erfasst. Zahlen zu 2019 liegen zum Zeitpunkt dieser Mail noch nicht vor. Hier die Werte der Jahre 2014 bis 2018 (5 Jahre):

Entwicklung Cybergrooming - Fünfjahresvergleich 2014 bis 2018.jpg

Die Zahl der tatverdächtigen Erwachsenen ist seit 2014 um 3.96 % angestiegen. Ein statistisch relevanter Anstieg ist hier nicht erkennbar, da die Daten jährlich ein wenig schwanken und zwar durchaus auch nach unten abweichen.

Vergleicht man 2014 mit 2017 gäbe es beispielsweise einen Rückgang von 1.91 %. Die Behauptung, die Zahl der durch Erwachsene im Internet belästigten Kinder würde seit Jahren steigen, ist damit nachweislich falsch. Die Zahl steigt nicht seit Jahren, sie steigt in machen Jahren, sinkt in anderen Jahren und ist unter dem Strich fast unverändert.

Demgegenüber ist die Gesamtzahl der Tatverdächtigen (also aller Fälle) von 2014 bis 2018 um 20.36 % gestiegen. Den stärksten Zuwachs gab es bei Heranwachsenden (+ 64.12 %). Auch der Zuwachs bei Kindern (+ 35.77 %) und Jugendlichen (+ 32.19 %) war sehr hoch. Diese Anstiege sind statistisch relevant. Die im Wesentlichen gleichbleibende, manchmal steigende und manchmal fallende Fallzahl bei Erwachsenen Tatverdächtigen ist es nicht.

Es ist die Aufgabe kritischer Medien Behauptungen zu überprüfen. Nur weil ein Politiker oder eine Vielzahl von Politikern oder gar ein „Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs“ etwas behauptet, muss es noch lange nicht wahr sein.

Ich bitte um Stellungnahme.

Mit freundlichen Grüßen
Schneeschnuppe

Ich werde weiter berichten, soweit es Neuigkeiten zu dem Fall geben sollte.

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