„Monster“ – Tatort mit Pädo-Hetze

In meinem letzten Artikel habe ich zu dem vom „Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs“ behaupteten „ohrenbetäubenden Schweigen“ über sexuellen Kindesmissbrauch unter anderem darauf hingewiesen, dass Kindesmissbrauch und verwandte Tatbestände ein beliebtes, wiederkehrendes Thema in Tatorten und anderen Krimiserien ist.

Heute habe ich erfahren, dass sich der nächste Tatort mal wieder intensiv diesem Thema widmet.

Das liegt nicht daran, dass ich mich besonders für Tatorte interessiere. Ich schaue sie mir in der Regel nicht an. Ich bin einfach kein großer Fan des Krimi-Genres. Ich schaue mir aber täglich einige Nachrichtenportale an und bin auf der Seite des Spiegel auf eine Rezension des kommenden Tatorts „Monster“ gestoßen.

Hier ein paar Auszüge aus der Rezension:

Liebe deine Feinde: Kommissar Faber geht in diesem „Tatort“ über Pädo-Verbrecher wieder auf Tuchfühlung mit dem Mörder seiner Familie. (…) Seit sechs Jahren sind wir Zeuge, wie sich der Kommissar Peter Faber und der Serienmörder Markus Graf umkreisen. Die beiden führen ein On/Off-Verhältnis, das immer mal wieder in Episoden mit anderen Themen eingebaut wird. (…) Andere Beamte hängen Familienbilder an ihrem Arbeitsplatz auf, Faber nimmt stattdessen das eines pädophilen Serienmörders. (…) Vor 20 Jahren hatte Faber den Vater Grafs wegen Pädo-Verbrechen hinter Gitter gebracht, wo dieser sich erhängte. Der junge Mann stieg in die Fußstapfen des Alten und wurde ebenfalls zum pädophilen Killer. Lust scheint er seitdem nur in Verbindung mit größtmöglicher Zerstörung empfinden zu können.

Diesem Zwang zum Destruktiven fiel einst auch Fabers Familie zum Opfer: Graf tötete Frau und Kind des Polizisten, seitdem läuft dieser wie ein Untoter im Parka durch die Welt. In einer alten Folge sagt Graf zu Faber mit Bezug auf den erhängten Vater: „Ich wollte, dass Sie dasselbe durchmachen wie er, ein Leben ohne Hoffnung – und dass sie daran zugrunde gehen.“ (…)

Mia ist die sechsjährige Tochter von Fabers Kollegen Pawlak, die entführt worden ist und nun im Darknet versteigert werden soll. Auch hier hat Graf, das Pädo-Mastermind, seine Hände im Spiel. Doch trotz Grafs großer Präsenz in „Monster“ begeht Drehbuchautor Jürgen Werner, der den Dortmunder „Tatort“ einst entwickelt hat, nicht den Fehler, den Pädo-Verbrecher die Dynamik des Krimis vorgeben zu lassen. (…)

Der Täter-Perspektive fügt der Autor die der Opfer hinzu und räumt dieser umfassend Platz ein: Parallel zu den Ermittlungen in Sachen Graf untersuchen die Kommissare den Fall der jungen Evelyn, die blutüberströmt in dem Partykeller eines erstochenen Spielzeughändlers aufgefunden wurde. Sie wurde als Kind offenbar von unterschiedlichen Männern missbraucht; in langen Verhören beschreibt sie das Verhältnis zu ihren Peinigern und gibt dabei über Strecken die Gesprächsführung vor. Ein Akt der Selbstbestimmung für eine Frau, über die immer andere verfügt haben. (…)

Regisseur Thorsten C. Fischer schafft trotz einiger problematischer Drehs im Plot immer wieder atmosphärisch und psychologisch konsistente Szenen. Etwa als Kommissarin Bönisch sich als Staatsanwältin mit Businessdress verkleidet, um in dieser Verkleidung mit harschen Worten dem Mitglied eines Pädo-Ringes Informationen abzuluchsen. Bönisch schneidend scharf: „Unterschreiben Sie hier, damit ich hier rauskomme, bevor ich mich übergeben muss.“

In der Rezension ist die Rede von: Pädo-Verbrecher, pädophiler Serienmörder, Pädo-Verbrechen, pädophiler Killer, Pädo-Mastermind, Pädo-Verbrecher, Pädo-Ring.

Warum überall das „Pädo“ und pädophil? Es geht um Kindesmissbrauch, nicht um Pädophilie. Würde man in der Rezension über einen Tatort mit einem homosexuellen Täter von Homo-Verbrecher, homosexueller Serienmörder, Homo-Verbrechen, homosexueller Killer, Homo-Mastermind, Homo-Verbrecher, Homo-Ring schreiben bzw. lesen müssen? Ich glaube das würden sich Schwule und Lesben in dieser extremen Ballung nicht bieten lassen. Sie würden sich – zu Recht – über homophobe Hetze beklagen.

Auch wenn gleich zweimal in der Rezension behauptet wird, dass der Täter pädophil sei („pädophiler Serienmörder“, „pädophiler Killer“), erschließt sich mit nicht, dass es sich tatsächlich so verhält. Bekanntlich missbrauchen auch Menschen, die nicht pädophil veranlagt sind, Kinder.

Im Wikipedia-Artikel „Sexueller Missbrauch von Kindern“ heißt es zu Tätertypologie:

Verurteilte Sexualstraftäter, die sexuellen Missbrauch an Kindern begehen, können nach Expertenansicht in den meisten (jedoch nicht in allen) Fällen bestimmten Täter-Typologien zugeordnet werden. Davon gehen nach vorsichtigen Schätzungen etwa 90 % der sexuellen Missbrauchsfälle auf sogenannte regressive Täter zurück, deren primäre sexuelle Präferenz auf Erwachsene gerichtet ist. Aufgrund der leichten Verfügbarkeit von Kindern greifen sie zur sexuellen Befriedigung auf Kinder zurück. Man spricht deshalb auch von einem Ersatzobjekttäter. Der pädophile Typ folgt mit etwa 2 bis 10 % an zweiter Stelle und zählt zum sogenannten fixierten Typus. Der soziopathische Typ tritt nur in wenigen Einzelfällen auf. Die Sexualität dient ihm nicht primär zur sexuellen Befriedigung, sondern als Mittel zur Unterdrückung. In diesem Zusammenhang wird auch von einem sadistischen Typ gesprochen. Insgesamt entstammen die Täter meist aus dem sozialen Nahraum der Kinder.

Im PDF „Fakten und Zahlen zu sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen“ des „Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs“ heißt es:

Es gibt kein klassisches Täterprofil und keine einheitliche Täterpersönlichkeit. Gemeinsam ist den Täter*innen der Wunsch, Macht auszuüben und durch die Tat das Gefühl von Überlegenheit zu erleben. Bei einigen Tätern und wenigen Täterinnen kommt eine sexuelle Fixierung auf Kinder hinzu (Pädosexualität).

Wenn von „einigen“ Tätern mit pädophiler sexueller Fixierung gesprochen wird (und nicht „vielen“ oder gar „den meisten“), wird klar, dass es sich um eine deutliche Minderheit unter den Tätern handelt.

Der Wikipedia-Artikel, der sich inhaltlich lt. Quellenangabe auf die Arbeitsblätter eines Assistenzprofessors für Pädagogik und Psychologie beruft, und die Darstellung des Missbrauchsbeauftragen stimmen darin überein, dass pädophile Täter eine deutliche Minderheit unter den Tätern von sexuellem Kindesmissbrauch sind.

Bei den Motiven gibt es dagegen Differenzen, die mir ideologisch begründet zu sein scheinen. Machtmissbrauch in einer asymetrischen Beziehung ist schließlich das zentrale Dogma der Missbrauchs-Lobbyisten. Entsprechend unterstellt der Missbrauchsbeauftragte allen Tätern den Wunsch, Macht auszuüben und das Gefühl von Überlegenheit zu erleben.

Ich frage mich, wie das belegt sein soll. Bei Ersatztätern mag das eine bedeutende Rolle spielen, aber bei pädophilen Tätern? Wenn sich jemand von einem anderen Menschen sexuell angezogen fühlt und es zu einem sexuellen Kontakt kommt, geht es typischerweise nicht um den Wunsch, Macht auszuüben und das Gefühl von Überlegenheit zu erleben, sondern um einvernehmliche Zweisamkeit.

Doch zurück zur Frage, ob der Tatort-Täter pädophil ist.

In der Rezension, wird gerade nicht geschildert, dass es sich um jemanden handelt, der Lust nur mit einem Kind empfinden kann, sondern „Lust scheint er seitdem nur in Verbindung mit größtmöglicher Zerstörung empfinden zu können“. Der Täter des Tatorts ist, soweit das für mich auf Basis der Rezension erkennbar ist, also gar nicht pädophil, sondern ein soziopathischer, sadisischer Tätertyp, der lt. Wikipedia / Werner Stangls Arbeitsblättern nur „in wenigen Einzelfällen auftritt“.

Trotzdem steht der brutale, sadistische, höchst wahrscheinlich nicht-pädophile Tatort-Täter in der Außenwirkung stellvertretend für „den Pädophilen“, wie auch anhand der exzessiven Verwendung von „Pädo“ in der Rezension deutlich wird.

Der Tatort und die Rezension dazu vermitteln der Öffentlichkeit ein völlig falsches, hetzerische Bild eines angeblich typischen Pädophilen. Die Wirkmacht der Botschaft ist massiv. Die durchschnittliche Einschaltquote der Dortmund-Tatorte mit den Kommisaren Faber, Bönisch, Dalay, Kossik liegt bei 9.06 Millionen Zuschauern.

Auch die typische Reaktion, die ein auftrechter Mensch einem Pädophilen gegenüber zu haben hat, wird diesem Millionenpublikum vorgeführt. In der Rezension wird eine Szene als „atmospärisch und psychologisch konsistent“ beschrieben, in der Kommissarin Bönisch sich als Staatsanwältin mit Businessdress verkleidet, um in dieser Verkleidung mit harschen Worten dem Mitglied eines Pädo-Ringes Informationen abzuluchsen. Bönisch schneidend scharf: „Unterschreiben Sie hier, damit ich hier rauskomme, bevor ich mich übergeben muss.“

Vor Pädophilen muss man sich also ekeln. Sie sind zum Kotzen. In ihrer Präsenz muss man sich übergeben.

Sehr übel ist auch die vom Tatort anscheinend suggerierte Vererblichkeit von Pädophilie („Vor 20 Jahren hatte Faber den Vater Grafs wegen Pädo-Verbrechen hinter Gitter gebracht, wo dieser sich erhängte. Der junge Mann stieg in die Fußstapfen des Alten und wurde ebenfalls zum pädophilen Killer.“). Wehe dem, der verderbliches Pädo-Blut in seinen Adern hat! Das hat für mich etwas von Rassenideologie.

Auch die angeblich typische Opferrolle wird im Tatort beleuchtet: „Evelyn, die blutüberströmt in dem Partykeller eines erstochenen Spielzeughändlers aufgefunden wurde, (…) wurde als Kind offenbar von unterschiedlichen Männern missbraucht; in langen Verhören beschreibt sie das Verhältnis zu ihren Peinigern.“

Die Frau wurde als Kind also von unterschiedlichen Männern missbraucht – mutmaßlich auch von dem Spielzeughänder, was wohl zeigen soll, wie perfide und heimtückisch Pädophile schon bei ihrer Berufswahl sind – und hat sich gerächt. Die Täter sind Peiniger. Wer da zu Selbstjustiz greift, darf auf Verständnis hoffen.

Der Tatort zeigt das „Verhältnis“ des Opfers zu den Peinigern. Man darf davon ausgehen, dass primär offen gelegt wird, wie widerlich, brutal, rücksichtslos und menschenverachtend pädophile Täter angeblich sind.

Natürlich gibt es Kindesmissbrauch. Es gibt schließlich auch unter normsexuell veranlagten Menschen Vergewaltigung oder Nötigung. Wenn so etwas einem Kind wiederfährt, ist das furchtbar.

Der Regelfall der Sexualität ist aber willentlich einvernehmlicher Sex.

Wenn es Fälle gibt, die als Kindesmissbrauch oder Missbrauch von Schutzbefohlenen verurteilt werden, bei denen Staatsanwalt und Richterin von einer Liebesbeziehung ausgehen, dann ist das furchtbare nicht die sexuelle Handlung zwischen den Liebenden, sondern die Bestrafung und gewaltsame Unterbindung der Beziehung. Diesen Fällen wird das heutige Strafrecht in keiner Weise gerecht.

Einen Tatort, in dem ein Hautkomissar eine Liebesbeziehung sprengt und dadurch nichts als Trümmer und Leid verursacht, muss erst noch gedreht werden.

Er wäre eigentlich überfällig.

Ein Kommentar zu „„Monster“ – Tatort mit Pädo-Hetze

  1. Diesen Hass und diese Hetze (nicht nur von/für „Rechte“, sondern auch/gerade von/für „Gut“menschen) dürfen wir über die erpressten Rundfunkgebühren auch noch mitfinanzieren (20 Euro/Monat)…..

    Widerlich.

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