Bücher-Liebe

Das Schlimmste war, er hatte keine Chance, auch nur das Geringste herauszufinden. Maia und er kannten sich im Grunde kaum, er wusste nicht viel von ihr – nur was er fühlte, wenn er sie sah, mit ihr sprach, an sie dachte. Und dass er ein Leben, in dem sie nicht vorkam, wertlos fand. Die Welt würde ihre Farbe verlieren ohne sie. Und fast ihren ganzen Sinn.

Aus „Erebos 2“ von Ursula Poznanski

Wenn ich ehrlich bin, ist mir das ein wenig zu schwülstig und klischeehaft. Eine der schlechteren Passagen eines ziemlich spannenden Buches mit einem leider eher schwachen Ende, das ich zu Weihnachten geschenkt bekommen.

Während ich Erebos (2011 erschienen) wärmstens empfehlen kann, bekommt die Fortsetzung Erebos 2 (2019 erschienen) bei mir zumindest noch den Daumen hoch. Eine Buchbesprechung soll das hier allerdings nicht werden.

Die zitierte Passage beschreibt aus der Ich-Perspektive die Gefühlslage eines 16-jährigen Hautprotagonisten des Buchs, dessen heimlich Angebetete gerade verschwunden ist und einen mysteriösen Abschiedsbrief hinterlassen hat.

Die Stelle mag mir zu pathetisch sein, aber andererseits hat Liebe und erst recht Erste Liebe einen authentischen Hang in diese Richtung. Wer als Kind noch von der doofen Knutscherei am Ende eines Abenteuerfilms genervt war, versteht Romatik oder auch Liebeskrankheit dann irgendwann. Aus eigener leidvoller und hoffentlich beizeiten auch schöner Erfahrung.

Um diese Erfahrung reicher ist man von Liebenden, einem Verliebten oder einem Liebesleidenden in der Regel nicht mehr (ganz so) genervt, sondern fühlt mit. Wer liebt, ist Sympathieträger und so manche Tolheit erscheint in wohlwollendem Licht, wenn sie aus Liebe begangen wurde.

Was aber wäre, wenn die Gedanken des 16jährigen Derek nicht seiner gleichaltrigen Klassenkameradin Maia gelten würden, sondern sagen wir einem 12jährigen Leo? Man sucht sich ja nicht aus, in wen man sich verliebt. Auch an der Qualität der Gefühle ändert sich dadurch rein gar nichts. Die Liebe ist die gleiche, es ändert sich lediglich die Farbe des Lichts, in dem sie gesehen wird.

Man könnte kaum damit rechnen, dass Derek in diesem Fall sympathisch oder mit Sympathie geschildert werden würde. Wenn ein Autor in einem Buch durchblicken lassen will, dass ein Protagonist WIRKLICH böse und abgründig ist, dann lässt er durchblicken, dass sich die Figur von kleinen Jungen oder kleinen Mädchen angezogen fühlt. Das ist ein Wink mit dem Laternenpfahl, den jeder Leser sofort versteht.

Pädophile sind ansonsten völlig normale Menschen, die sich, wenn sie sich verlieben, in Kinder verlieben. Im Ergebnis werden sie deshalb verachtet und für gefährlich gehalten. Im günstigsten Fall wird von ihnen erwartet, als „Gegenleistung“ für misstrauische Duldung als Asket zu leben und ein wertloses, farbloses und sinnloses Leben ohne Liebe zu führen.

Mir als Betroffenem erscheint das nicht besonders fair. Es ist mir auch nicht genug.

Zum Glück muss man sich nicht in alles fügen.

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