Frauen als Täterinnen

Die Diskussion um Kindesmissbrauch fokussiert sich sehr stark auf männliche Täter. Gewalt gilt als männlich, sexuelle Gewalt sowieso.

Von den 2018 registrierten Tatverdächtigen bei „Straftaten insgesamt“ waren lt. Polizeilicher Kriminalstatistik des Jahres 2018 1.541.130 männlich und 510.136 weiblich. Frauen stellen zwar die Hälte der Bevölkerung aber nur ein Viertel der Täter.

Bei Körperverletzung sind sogar nur ein Fünftel der Täter weiblich. Bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung machen weibliche Tatverdächige lediglich 5.5 Prozent aus. Bei „Sexuellem Missbrauch von Kindern“ waren es 2018 4.5 Prozent (424 weibliche Tatverdächtige, 8.933 männliche Tatverdächtig, gesamt 9.357 Tatverdächtige).

Der Anteil an den tatsächlich wegen „Sexuellem Missbrauch von Kindern“ Verurteilten liegt noch niedriger. Der Frauenanteil liegt lt. Statistischen Jahrbüchern (Bereich Justiz) des Statistischen Bundesamt je nach Jahr im Bereich von etwa 2 bis 4 Prozent.

Es gab lange die Hypothese, dass es bei sexuellem Kindesmissbrauch gar keine Täterinnen gibt, bzw. diese ähnlich selten wie Einhörner sind. Inzwischen weiß man allerdings, dass das nicht stimmt. Justiz- und Kriminal-Statistiken geben nicht reale Fallzahlen wieder, sondern lediglich das Hellfeld, also die Taten, die der Justiz „auffallen“.

In der MiKADO-Studie (Missbrauch von Kindern, Aetiologie, Dunkelfeld, Opfer) der Uni Regensburg (die vom Bundesministerium für Familien, Frauen, Senioren und Jugend mit 2.3 Millionen Euro gefördert wurde) ist dagegen zum Beispiel festgehalten:

Charakteristisch für Erwachsene mit sexuellen Onlinekontakten zu Minderjährigen waren hohes Bildungsniveau, junges Alter und männliches Geschlecht. Knapp ein Viertel waren Frauen.

MiKADO – Missbrauch von Kindern: Aetiologie, Dunkelfeld, Opfer, Zentrale Ergebnisse des Forschungsverbundes

Lt der Studie „Long-term consequences of childhood sexual abuse by gender of victim.“ sind 19,27 % der Täter weiblich (40 % bei Jungen, 6% bei Mädchen).

Die Studie „The use of online technology in the modus operandi of female sex offenders“ berichtet, dass der Täter bei 36% der männlichen Opfer und bei 6% der weiblichen Opfer eine Frau war. Insgesamt waren 17% der Täter weiblich.

Eine Metastudie „Educator Sexual Misconduct:A Synthesis of Existing Literature“ gibt auf Seite 24 des Berichts (Seite 32 des PDF) die Ergebnisse anderer Studien an:

  • Jennings and Tharp (2003) => 12.7 % weibliche Täter
  • Hendrie (1998) => 20 % weibliche Täter
  • Gallagher (2000) => 4 % weibliche Täter
  • Shakeshaft and Cohan (1994) => 4 % weibliche Täter
  • 2000 AAUW data => 42.4 % weibliche Täter
  • Cameron et al.=> 43 % weibliche Täter

Wenn man einen Strich drunter macht, dürfte der Anteil weiblicher Täter bei wenigstens 20% liegen. Bei Jungen dürfte der Anteil sogar bei etwa 40% liegen.

Weibliche Täter von sexuellem Missbrauch kommen also doch deutlich häufiger als Einhörner vor. Sie stellen gerade bei Jungen einen erheblichen Anteil der Täter.

Deshalb müssen die Frauen allerdings noch nicht pädophil sein, denn Neigungen und Taten sind zwei paar Stiefel. Ich vermute, dass es sich auch bei Frauen überwiegend um Ersatztäter handeln dürfte, deren primäre sexuelle Präferenz auf Erwachsene gerichtet ist und die vor allem aufgrund der leichten Verfügbarkeit auf Kinder zurückgreifen.

Auch wie der Unrechtsgehalt der Handlungen zu bewerten ist, erschließt sich erstmal nicht. Ich sehe keinen Grund gegenüber Frauen ein strengeres oder weniger strenges Maß anzulegen als bei Männern. Missbrauch (im Sinne von Unrecht) liegt dann vor, wenn ein Mensch einen anderen Menschen schlecht behandelt. Das ist weder eine Frage des Geschlechts noch eine Frage des Alters.

Auch zwischen Frauen und Jungen oder Frauen und Mädchen kann es selbstverständlich freiwillige Kontakte oder Liebesbeziehungen geben, die meiner Auffassung nach nicht strafwürdig sind.

2 Kommentare zu „Frauen als Täterinnen

  1. … also etwa 20%….
    deshalb auch etwa 20% deiner normalerweise 100% -tigen artikel..?

    Vielleicht doch lieber videos besprechen…

    Bei diesem thema ist wenig, viel, zu viel ausgelassen.
    [Da ich befangen bin bei diesem thema ist es natuerlich nicht noetig weiter darauf einzugehen.]

    Schau‘ mer mal was im forum gesagt wird dazu…

    mali

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  2. Hier habe ich noch ein paar andere Quellen für Sie:
    Pat Califia: Woman/Girl Love (Teil von Essay, S. 135, Essay selbst „Man/Boy Love and the Lesbian/gay Movement, S. 127-139 in:
    Tsang Daniel: The age Taboo, Gay Male Sexuality, Power and Consent, Alyson Publications, Boston 1982
    und
    Sax Marjan & Deckwitz Sjuul (Hrsg)
    Op een oude fiets moet je het leren. Erotische en seksuele relaties tussen vrouwen en jonge meisjes en jongens (Übersetzung: „Auf ein altes Fahrrad muss du es lernen. Erotische und sexuelle Beziehungen zwische Frauen und junge Mädchen und Jungen).
    Schorer Amsterdam 1992.

    Adrian van Mechelen,
    Sozial-Historiker, Gay-Scholar, Scholar of Boyhood Studies, unabhängiger Forscher

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