Billy Elliot – und Joakim

Für tanzende Jungen, insbesondere für klassisch tanzende Jungen (also nicht Hip-Hop, oder Breakdance, sondern Ballett oder Ausdruckstanz) war der Film „Billy Elliot“ aus dem Jahr 2000 und das darauf basierende Musical, das von 2005 bis 2016 am Londoner West End lief, ein Meilenstein und Befreiungsschlag. Zuvor ging tanzen für Jungs gar nicht. Es war etwas für Mädchen, Weicheier und Schwulis. „Billy Elliot“ hat das geändert und die entsprechenden Vorurteile stark gedämpft.

Der Titelheld, der 11jährige Billy (im Film gespielt von Jamie Bell, im Musical von wechselnden Darstellern verkörpert), ist Halbwaise und wird vom Vater, einem nordenglischen Bergarbeiter, zum Boxunterricht geschickt, für den er weder Begabung noch Interesse mirbringt.

Beim „Nachsitzen“ begegnet er der Ballettgruppe von Mrs. Wilkinson, die mit ihrer reinen Mädchentruppe in der selben Halle trainiert. Das Tanzen fasziniert ihn, er fängt an mitzumachen und schwänzt dafür das Boxtraining. Da er begabt ist, beginnt Mrs. Wilkinson ihn zu fördern.

Parallel eskaliert der politische Streit um die von der Regierung Thatcher beabsichtigte Schließung etlicher staatlicher Bergwerke. Es kommt zu einem Arbeitskampf mit monatelangen Streiks, der den Streikenden – auch der Familie von Billy – viel abverlangt.

Billy klemmt sich derweilt beim Tanzen dahinter und wird immer besser. Sein Geheimnis bleibt aber nicht unentdeckt. Als Billys Vater vom Tanzunterricht erfährt, fällt er aus allen Wolken und verbietet Billy die weitere Teilnahme.

Billy will trotzdem weiter machen und findet in Mrs. Wilkinson eine Mitverschwörerin. Er erhält heimlichen Einzelunterricht, um an einem Vortanzen für die Royal Ballet School in London teilnehmen zu können. Der Termin wird aber verpasst, weil Billys älterer Bruder in einen Straßenkampf verwickelt wurde. Mrs. Wilkinson erscheint daraufhin bei der Familie, es kommt zu einer häßlichen Konfrontation und Billy wird das Tanzen erneut mit Nachdruck verboten. Außerdem wird der Tanzlehrerin der weitere Umgang mit Billy untersagt.

Am Weihnachtsabend überrascht Billys Vater ihn in der Sporthalle beim gemeinsamen Tanz mit seinem bestem Freund Michael. Der ertappte Billy reagiert trotzig und tanzt seinem Vater vor. Es ist das erste mal, dass sein Vater Billy tanzen sieht. Da fällt bei ihm der Groschen. Er erkennt, was das Tanzen seinem Sohn bedeutet und dass er wirklich Talent dafür hat. Er gibt seinen Widerstand auf und versucht nun, Billy den Besuch der Ballettschule doch noch zu ermöglichen.

Obwohl das Vortanzen eher in Richtung eines Reinfalls tendiert und Billy noch dazu aus Frust darüber einem anderen Jungen gegenüber handgreiflich wird, wird er überraschend doch noch aufgenommen. Seine Antwort auf die Frage eines Kommissionsmitglieds, wie er sich fühlt, wenn er tanzt, hat die Kommission am Ende doch noch überzeugt, dass er eine Chance verdient hat.


Es gibt keinen Film, den ich häufiger gesehen habe.

Dafür gibt es viele Gründe. Der Film hat eine anrührende Geschichte und ist großartig erzählt. Die Musik gefällt mir und es gibt natürlich auch gute Tanzszenen. Der Hauptdarsteller ist für mich zwar kein Traumjunge aber durchaus ansehnlich. Vor allem aber bringt die Message des Films, die man vielleicht mit „Sei stets du selbst“ zusammenfassen kann, etwas in mir zum Klingen.

Auch das (äußerst erfolgreiche) Musical habe ich mehrfach besuchen dürfen. Die Inszenierung war hervorragend, die Musik, die von Elton John geschrieben wurde, ebenfalls. Die Performance der Jungs, die Billy spielten, war – für jeden offensichtlich – eine sportliche Höchstleistung.

Sportliche Höchstleistungen finden auch Jungs, die Tanzen vorher als Mädchensache ansahen, beeindruckend und cool. Nach dem Film und dem Musical war Tanzen für (viele) Jungs auf einmal akzeptabel.

Einer der Jungs, denen der Erfolg von „Billy Elliot“ sicher geholfen hat, ist der 13-jährige Joakim, der sich 2018 bei „Norske talenter“ (der norwegischen Version vom „Supertalent“) bewarb. Und weil er gut war, durfte er gleich mehrfach ran. Hier seine vier (!) Auftritte:

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