Berliner CSD – 15. Jahrestag des Rauswurfs

Beim Gedenken an den Christopher Street Day nimmt es die Schwulenbewegung mit dem Datum nicht so genau und verteilt die CSD bzw. Gay Pride Paraden über den ganzen Monat Juni und Juli. Das verschafft ihr 2 Monate Aufmerksamkeit für ihr Anliegen, statt nur einen Tag und verschafft Interessierten die Möglichkeit gleich eine ganze Reihe von Märschen zu besuchen. Auf diese Weise kann mehr Präsenz gezeigt werden und die Bewegung noch größer scheinen, als sie es ohnehin ist.

So kommt es, dass heute, einen Monat nach dem 50. Jahrestag des Christopher Street Day, die Berliner CSD Parade stattfand. Zusammen mit dem Kölner CSD ist sie die wichtigste Gay Pride Parade Deutschlands.

Zum eigentlichen Jahrestag des CSD, habe ich bereits an diesen kämpferischen Urknall der Schwulenbewegung erinnert. Aber auch an die frühe Ausgrenzung von Transsexuellen, obwohl diese den Widerstand an vorderster Front mitgetragen hatten. Seit 1973 konnten Trans-Personen nicht mehr Mitglied der Gay Activists Alliance (GAA) sein, weil sich die eindeutig geschlechtlich identifizierten Schwulen und Lesben damit bessere Chancen für ein Antidiskriminierungsgesetz (Gay Rights Bill) ausrechneten.

Irgendwann wurde die Schwulenbewegung dann wieder inklusiver, vermutlich, weil man zu der Einsicht gelangt war, dass die Menge der vertretenen Menschen für die Durchsetzung der politischen und gesellschaftlichen Ziele entscheidend ist. Man fand sich als LGB-Bewegung zusammen und inkludierte immer weitere norm-abweichende Gruppen, so dass am Ende ein LGBTQIAPK (lesbian, gay, bisexual, transgender, queer, intersex, asexual, pansexual, polyamorous, kink) oder das deutlich einfachere LGBT+ stand.

Die Päderasten, die einmal selbstverständlich dazugehörten, wurden dagegen rausgeschmissen. Bei den innerhalb der Bewegung schnell sehr wichtig gewordenen Lesben und Genderbewegten dominierte die feministische Vorstellung, dass Sexualität mit männlicher Herrschaft und Gewalt verknüpft ist. Sie waren zahlreicher, besser organisiert und für die Mehrheitsgesellschaft weit akzeptabler als die pädophil bzw. päderastisch orientierten Mitstreiter. Zugleich wurde immer deutlicher, dass Pädophilie für die Mehrheitsgesellschaft nie akzeptabel werden würde.

Also warf man den Ballast über Bord. Erst in den USA, dann im Rest der Welt. Im wesentlichen war der Prozess in Deutschland gegen Ende der 80er / Anfang der 90er abgeschlossen und wurde 1994 mit einer Unvereinbarkeitserklärung des Lesben– und Schwulenverbands (LSVD) abgesichert. Trotzdem waren Pädophile teilweise noch am Rand geduldet. Während sie in den USA bei Gay Pride Paraden schon 1986 ausgeschlossen wurden, wurden sie bei CSD Paraden in Berlin noch toleriert.

Hier ein Bericht von der CSD Parade in Berlin im Jahr 2001:

Christopher-Street-Day(CSD) Berlin 2001

Boylover-Treffen auf Homoparty

Kleine Minderheit zwischen großer Minderheit

(Red/K13) Auch in diesem Jahr trafen sich wieder zu den alljährlich stattfindenden Veranstaltungen der Homosexuellen einige Boylover aus ganz Deutschland und der Schweiz in Berlin. Am letzten Wochenende im Monat Juni 01 fanden sich etwa 25 Boylover an einem für Insider bekannten Platz ein, um am CSD* 2001 mitzumaschieren. Hatten noch im Jahr davor über 60 Boylover teilgenommen, so waren es in diesem Jahr erheblich weniger, die die Anreise auf sich genommen hatten und motiviert zwischen den Schwulen und Lesben dabei sein wollten.

Bereits am Vortage trafen sich die Berliner Boylover in einer Szenenkneipe, um alle angereisten Pädos zu begrüßen und auf das schwule Berlin einzustimmen. Am Samstag morgen ging es dann gemeinsam zu einem amerikanischen Restaurant, wo man sich bekanntlich zwischen vielen jungen Gästen erfreuen und Verpflegung für den langen Marsch zu sich nehmen konnte. Gegen 12:30 Uhr ging es dann los und nach einer halben Stunde traf man auf die Parade. Man wartete einen bestimmten der etwa 70 prachtvoll geschmückten Wagen ab und marschierte hinterdrein. Der Umzug dauerte drei Stunden und unterwegs gesellte sich noch ein unbekannter Pädo hinzu, der die Gruppe an den Boylover-Logos auf den T-Shirts erkannte. Der Versuch ein Gruppenfoto, mit einem Polizeiwagen im Hintergrund zu knipsen, lief leider schief, wurde aber an einem anderen Ort dennoch gemacht, um dieses gemütliche und freudige Zusammensein festzuhalten. Im Anschluß an die bunte Homoparty trafen sich alle in einer Pizzaria wieder zusammen, um die ersten Eindrücke zu verarbeiten und mit den neuen Gesichtern ins Gespräch zu kommen. Die mangels Organisation nicht stattgefundene Grillparty nach der Parade wurde spontan durch ein lockeres und gemütliches Beisammensein im Park ersetzt. Zum Ausklang des stressigen, aber tollen und erlebnisreichen Tages, vielen dann alle Teilnehmer in einen wohl geschafften und träumerischen Schlaf mit vielen tollen Jungs. Am Sonntag morgen wurden fünf Tische im Stammlokal der Berliner Boylover zusammengestellt und man „brunchte“ wie schon so oft unter den einheimischen Pädos üblich ist.. Angefangene Diskussionen der Vortage wurden weitergeführt und man überlegte wie bereits das Jahr zuvor, wie man denn den CSD 2002 besser und frühzeitiger organisieren könnte. Von einigen kamen sogar Vorschläge, einen eigenen Wagen für die Parade anzumelden. Man wird sehen, ob diese Aktivitäten im nächsten Jahr in die Realität umgesetzt werden können.

Meldung auf Krumme13.org

Der Auftritt war dabei im Grunde zurückhaltend. Das Motto lautete „Für die Akzeptanz aller sexuellen Minderheiten“. Wer nicht eingeweiht war und wusste, dass da Pädos und Päderasten marschieren, wurde auch nicht mit der Nase darauf gestoßen. Hier ein Foto vom CSD 2002, damit man eine Idee bekommt, wie man sich das vorstellen muss:

Bild übernommen von krumme13.org

2003 kamen (lt. Kurzbericht auf krumme13.org) etwa 30 Boylover auf dem CSD in Berlin und mischten sich unter die vielen Schwulen und Lesben. Das Transparent blieb außen vor, als Alternative wurden stattdessen ca. 200 Flugblätter an die Besucher verteilt.

In einem Kommentar auf der Seite Krumme13.org wurde noch 2003 eine (möglicherweise auch schon etwas ältere) Stellungnahme des CSD Berlin zur Teilnahme von Pädophilen zitiert:

Da es sich beim CSD-Aufzug um eine Demonstration handelt, kann grundsätzlich jede Person, die die Ziele des Demonstrationsaufrufers – hier der Berliner CSD e.V. – unterstützt, teilnehmen, sofern hierbei nicht gegen bestehende Gesetze verstoßen wird. Dies gilt so natürlich auch für Personen, die hinsichtlich des Themas Pädophilie eine andere Auffassung vertreten als wir. Die Tatsache, dass unter Umständen solche Personen an unserer CSD-Demo teilnehmen bedeutet jedoch nicht, dass wir uns deshalb mit deren politischen Zielen gemein machen.

Wir stellen nochmals klar, daß die Ziele der Pädopilien mit den Zielen der lesbischen und schwulen Emanzipation, und damit des CSD, unvereinbar sind. Eine Teilnahme von solchen Gruppen ist uns nicht bekannt.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Schmidt

Geschäftsführer

Berliner CSD e.V.

2004 wurde das Transaparent „Für die Akzeptanz aller sexuellen Minderheiten“ dann wieder mitgeführt. Aber mit der Duldung war es vorbei. Peternetti auf dem jungsforum:

Die Leitung des CSD rief die Polizei um die „Fahne“ verschwinden zu lassen. Alle Fahnenträger wurden extra von der Polizei abgeführt, bzw. es untersagt weiterhin an der Demo, mit dem Transparent teil zu nehmen. (Die CSD-Ordner hätten es auch machen können)

Seitdem demonstrieren keine BLs mehr beim Berlin CSD!

So ist es bis heute geblieben.

Pädo-Gegner reagieren darauf mit Häme und Verhöhnung. Im tagesspiegel etwa erschien 2010 ein Meinungsartikel des antipädophilen Journalisten Manfred Karremann mit dem Titel „Mundtot“, in dem dieser sich freut:

2004 durften diese Verbände nicht mehr am Christopher Street Day teilnehmen. Einmal mehr haben sich die Schwulen und Lesben deutlich abgegrenzt von jenen, die Kinder sexuell belästigen.

Begleitend zu dem Artikel brachte der tagesspiegel diese hetzerischen Karrikatur von Klaus Stuttmann:

Geteilt via tagesspiegel

Menschen mit einer bestimmten sexuellen Orientierung, für die sie nichts können, werden also mal eben mit Vergewaltigern gleichgesetzt.

Das scheint die LGBT+ Community nicht zu stören. Sie ist ja nicht betroffen.

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.

Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter.

Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Jude.

Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

Martin Niemöller

Als ich für diesen Beitrag recherchiert habe, bin ich zufällig auf einen Artikel bei queer.de, einem Internet-Portal, das sich sich selbst als „Zentralorgan der Homo-Lobby“ versteht, aus dem Jahr 2011 gestoßen. Aus diesem Artikel:

Solche Geschichten kommen normalerweise nur aus Hollywood: Der siebenjährige Malcolm hat im Radio eine Geschichte über die Benachteiligungen gehört, die Schwule und Lesben in Amerika widerfahren. Der Junge war sauer – und sprach mit seiner Mutter darüber, was er dagegen tun könne. Schließlich entschied er sich, 140 Dollar an zwei Homo-Gruppen zu spenden: zum einen an die Human Rights Campaign, die sich mit Lobbyarbeit in Washington für eine Gleichbehandlung in den Gesetzbüchern einsetzt, zum anderen an das Los Angeles Gay and Lesbian Center. Die Einrichtung bietet unter anderem einen kurzfristigen Unterschlupf für junge Obdachlose an, die wegen ihrer sexuellen Orientierung aus dem Haus der Eltern geworfen worden waren. Dieses Problem hat Malcolm besonders betroffen gemacht, da es Studien zufolge in den USA immer mehr um sich greift: So kam bereits eine Untersuchung aus dem Jahr 2006 zu dem Ergebnis, dass fast die Hälfte aller jungen Obdachlosen schwul, lesbisch oder transsexuell sind. Grund für ihren Rauswurf aus dem Elternhaus war meist ihr Coming-out.

Auch mich hat die Meldung, dass fast die Hälfte der jungen Obdachlosen in den USA schwul, lesbisch oder transsexuell sind und von ihren Eltern wegen ihrer sexuellen Orientierung aus dem Haus geworfen wurden, getroffen. So getroffen und aufgewühlt, dass ich darüber heulen musste. Wenn ich als Pädo überhaupt etwas verstehe, dann die Angst vor Abweisungen, die Angst vor Enttäuschungen, die Angst vor Verlust.

Neben der Bestürzung ist mir aber auch noch etwas anderes in den Sinn gekommen: von wem wären die verstoßenen schwulen Jungs in der Vergangenheit wohl aufgenommen, angenommen, versorgt und geliebt worden?

Ich denke es gibt sehr gute Gründe, warum Päderasten früher einmal für Schwule selbstverständlich dazugehörten.

Es gab und gibt vermutlich immer noch viele Schwule, die gute Erinnerungen an ältere Männer haben, mit denen sie als schwule Jungen positive sexuelle Erfahrungen gesammelt haben und von denen sie sich angenommen und geliebt fühlten.

Und einige von ihnen bekamen diese Liebe gerade dann, als niemand sonst sie geliebt hat.

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