„Liebe Sünde“ Beitrag zur Pädophilie

1996 erschien ein Beitrag zu Pädophilie in der Sendung „Liebe Sünde“, die sich fast ausschließlich mit Themen rund um die Sexualität befasste.

Der Beitrag (auf den mich der Jufo-User Wesselin aufmerksam gemacht hat) zeigt, dass das Verständnis davon, was Pädophilie ist, in der öffentlichen Diskussion durchaus schon einmal weiter war als heute.

Der Beitrag ist ausgewogen und ausgewogen besetzt. Es kommen zu Wort:

  • Klaus, ein Pädophiler (bzw. eher Päderast) der vorwiegend auf 12, 13jährige Jungen steht
  • Ulfert Böhme, ein Vertreter der Kinderschutzorganisation „zartbitter“
  • der Soziologe und Sexualwissenschaftler Rüdiger Lautmann
  • die Sexualwissenschaftlerin Sophinette Becker
  • der Sexualwissenschaftler Martin Dannecker (im abschließenden Interviewteil des Beitrags)

Es gibt dabei Wortmeldungen, an denen ich mich störe. Es gibt umgekehrt auch Wortmeldungen, an denen sich ein heutiger durchschnittlicher Kinderschützer stören wird. Insgesamt daher eine klare Empfehlung.

Es gibt im Beitrag übrigens auch starke Anklänge zum gestrigen Thema Grooming, so dass ich durchaus überlegt habe, ihn in den Grooming-Artikel zu integrieren. Damit wäre dieser auch zeitgeschichtlich gesehen bemerkenswerte Beitrag meiner Einschätzung nach aber in eine Art Nebenrolle gedrängt worden und zu kurz gekommen. Er verdient die Hauptrolle.

Hier trotzdem noch einige besonders relevante Stellen zum Thema Grooming (gefolgt von einer Schlussfolgerung):

Es kann Monate dauern, manchmal Jahre bis Pädophile zu diesen sexuellen Handlungen kommen und sie verwenden einen riesen Zeitaufwand und sehr viel Mühe und sehr viel Akribie diesen Annäherungsprozess zu gestalten und es ist verblüffend wie übereinstimmend diese Strategien sind.

Ulfert Böhme

Der wirkliche Pädophile hat nichts von seinen Tricks, der hat nichts davon, wenn das Kind mitmacht und nachher nicht mehr bei der Sache ist. Das würde der sofort merken und die würden dann auch die sexuelle Handlung abbrechen. Andererseits – wir alle versuchen andere herumzukriegen. Wir alle wenden gewisse Rezepturen an und wenn man das Tricks nennt, dann wenden auch die pädophilen Männer ihre Rezepte, ihre Tricks an.

Prof. Rüdiger Lautmann

Martin Dannecker verweist auf diesen Aspekt bei seiner Antwort auf die der Frage, ob es ein Einverständnis eines Kindes zu einer sexuellen Handlung überhaupt geben kann:

Ja doch, das Moment des Einverständnisses kann es geben. Nur bei dieser Erzählung, wie bei vielen Erzählungen der Pädosexuellen, wird sozusagen das, was vorher war, diese – was ich Verführung nennen würde, nicht unbedingt Strategie – diese unglaubliche Verführung, dieses stimmen, einstimmen auf meine Wünsche, das wird dabei unterschlagen.

Und natürlich kann ich mir gut vorstellen, das kommt auch real dann so, dass ein Kind dann irgendwann sagt „Ja, mach das jetzt.“ Ob das aber ein „Ja“ zur inneren Begehren, zum eigenen Begehren ist, das bezweifle ich. Das ist es nämlich nicht, es ist ein „Ja“ zu dem gespürten Begehren des anderen, was ja auch viel verspricht, man schenkt ihm etwas, weil er vielleicht auch was geschenkt hat.

Weil sie sind ja nicht [setzt neu an] Pädosexuelle sind ja keine – was in dem Film auch angeklungen ist – keine Gewalttäter, die gewalttätig und ohne Rücksicht, ohne verführerische Strategie ihre Wünsche durchsetzen, sondern sie bringen in Stimmung, sie verführen, sie bereiten das Liebesobjekt – es ist ja ein Liebesobjekt sozusagen – darauf vor und darauf antwortet das Kind. Aber es antwortet nicht auf ein inneres, eigenes Begehren.

Prof. Dr. Martin Dannecker

Im weiteren Verlauf meinte Dannecker über die Differenz zwischen Pädophilie und sexuellem Missbrauch:

Die Differenz wird ja vor allem von Rüdiger Lautmann betont, wenn er von einer Sexualform spricht, oder wenn ich vorhin gesagt habe, es gibt eine Struktur. Dort gibt es dann gleichzeitig das ungeheure Bemühen, nicht gewalttätig zu sein, das ist, was ich gesagt habe, das Kind einzustimmen. Sexueller Missbrauch, der oft nicht integriert ist, da kann man nicht von einem sexuellen Missbraucher als Struktur (sprechen), hier kommt es oft sehr viel überraschender, viel plötzlicher zu den sexuellen Eingriffen, insofern ist es eine Differenz.

Schlussfolgerung

Ich denke, dass hier insgesamt sehr deutlich wird, dass Pädophile (bzw. Päderasten) mit Gewalt, Herrschaft oder Unterdrückung nichts am Hut haben.

Sie fühlen sich angezogen, wünschen sich sozialen Nähe und, soweit es um das heikle Thema Sexualität geht, legen sie allergrößten Wert auf Einvernehmlichkeit mit ihrem Liebessubjekt (den Begriff „Liebesobjekt“ finde ich für einen Menschen deplatziert).

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