Magisches Denken

Ich habe vorhin einen Beitrag in Panorma gesehen, dem ältesten deutschen politischen Fernsehmagazin. Es ging um die entführte Tochter von Danisch Farooqi. Farooqis Ex-Frau hatte sich nach ihrer Scheidung (von ihm unbemerkt) radikalisiert und ist vor fünf Jahren heimlich mit der gemeinsamen dreijährigen Tochter und dem neuen Partner in das „Kalifat“ nach Syrien ausgewandert, um dort den IS zu unterstützen.

Herr Farooqi, der in Deutschland geboren wurde und deutscher Staatsbürger ist, und auch das geteilte Sorgerecht für seine Tochter hatte, hat sofort Anzeige wegen Kindesentzug erstattet. Parallel versuchte er durch eigene Ermittlungen herauszufinden, wo genau seine Tochter steckt, um sie zurück zu holen.

Ich weiß nicht, ob ich genug getan hab. Ich hab natürlich alles versucht, so, aber vielleicht habe ich irgendwas ausgelassen, irgendwas vergessen, irgendwas nicht gemacht, irgendwas falsch gemacht. Diesen Vorwurf muss man sich als Vater natürlich jeden Tag machen.

Danisch Farooqi im Interview mit Panorama

Seit Ende 2017 weiß man, wo die Tochter und ihre Mutter sich aufhalten. Sie befinden sich in einem kurdischen Gefangenenlager für ehemalige IS-Frauen und ihre Kinder in Nordsyrien. Die Zustände in solchen Lagern sind katastrophal. Es gibt dort auch kaum eine Perspektive. Die Herkunftsländer wollen die Menschen nicht zurück.

Obwohl auch die entführte Tochter deutsche Staatsbürgerin ist, kümmert sich bei den deutschen Behörden niemand darum, sie wieder nach Deutschland zu ihrem Vater zurückzubringen. Angeblich sei eine konsularische Unterstützung in Nordsyrien nicht möglich.

Dabei hat die kurdische Selbstverwaltung ein Büro in Berlin und auch der kurdische Vertreter für auswärtige Angelegenheiten, Abdel Karim Omar, fordert die Rückkehr gefangen genommener Frauen und Kinder von Dschihadisten.

Wenn man es wollte, wäre es kein Problem, die Tochter von Danisch Farooqi nach Deutschland zurückzuholen. Aber am Willen fehlt es. Die fehlende Auslandsvertretung der Bundesrepublik hinderte den BND zum Beispiel nicht, in das Camp zu fahren, um dort inhaftierte Frauen zu verhören.

Nach dem Beitrag bei Panorama habe ich kurz im Web recherchiert, ob es eine Petition gibt, mit der die Bundesregierung aufgefordert wird, sich für die Rückkehr der Tochter von Danisch Farooqi einzusetzen. Es gibt sie tatsächlich, aber das Ziel lag bei 5.000 Unterschriften und ist bereits erreicht, die Petition „Holt meine entführte Tochter zurück!“ ist bereits geschlossen. Ich konnte die Petition also nicht mehr unterschreiben.

Das ist jetzt schon ein relativ langer Artikel, der mit dem Kernthema meiner Seite rein gar nichts zu tun hat.

Politische Themen möchte ich hier eigentlich vermeiden. Pädos sind so vielfältig wie andere Menschen auch. Es gibt linksradikale, linke, liberale, konservative, rechte und rechtsradikale Pädos. Einen gemeinsamen Nenner jenseits vom gemeinsamen Schicksal pädophil zu sein, gibt es nicht. Politische Diskussionen sind da aus meiner Sicht eher wenig zielführend und spaltend. Die Gruppe von Pädos, die sich überhaupt an Diskussionen beteiligt, ist ohnehin schon klein genug.

Warum also komme ich hier trotzdem auf politische „Abwege“?

Die Verzweiflung von Danisch Farooqi und seine Selbstvorwürfe, dass er vielleicht nicht genug getan hat, um seiner Tochter zu helfen, haben mich sehr berührt.

Das kleine Mädchen kann nichts dafür, dass seine Mutter so dumm und selbstsüchtig war, sich mit ihr in ein Kriegsgebiet abzusetzen. Farooqi kann auch nichts dafür und so wie man es von einem guten Vater erwartet, tut er, was er kann, um sein Kind zu schützen und seiner Tochter eine gute Zukunft zu ermöglichen. Ich fühle mich deshalb verpflichtet, ihm zu helfen – auch wenn es nur meine Unterschrift unter einer Petition ist.

Ich glaube an das Gute im Menschen. Ich bin davon überzeugt, dass man Menschen gut behandeln sollte, und ich finde, dass man Menschen helfen muss, wenn man es kann.

Nachdem ich festgestellt habe, dass die Petition schon geschlossen wurde, habe ich aber nochmal über den Grund nachgedacht, warum ich nach einer Petition gesucht hatte und unterschreiben wollte.

Dabei kam mir in den Sinn, dass in meiner Überzeugung, dass man Menschen helfen muss, auch eine Portion magisches Denken steckt. Im Sinne von: ich tue etwas Gutes und mir geschieht etwas Gutes. Ich helfe jemandem und irgendjemand hilft mir. Wenn man so will: Karma.

Oder wie es die Beatles ausdrücken würden: „And in the end the love you take is equal to the love you make” (deutsch: Und am Ende entspricht die Liebe, die du bekommst, der Liebe, die du gibst.)

Für mich war das ein schmerzhafter Moment: ich habe an meinem Edelmut gekratzt und darunter war nur meine eigene Verletzung, von der ich mir wünsche, dass jemand sie heilt.

Nicht edelmütig, sondern lediglich verletzt und obendrein naiv – was ist da die Schlussfolgerung?

Ich glaube immer noch an das Gute im Menschen. Daran, dass man andere Menschen gut behandeln sollte. Hoffe darauf, selbst gut behandelt zu werden. Aber vielleicht ist das ja nicht mal naiv. Ich bin ja nicht der einzige.

Oder wie John Lennon sagen würde: „You may say I’m a dreamer, but I’m not the only one. I hope someday you will join us. And the world will be as one.” (deutsch: Du magst sagen, dass ich ein Träumer bin, aber ich nicht der Einzige. Ich hoffe, eines Tages wirst du dich uns anschließen. Und die Welt wird Eins sein.“

Und damit auch hartgesottene BLs noch etwas von diesem Beitrag haben, hier die Version von Declan Galbraith dazu:

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